Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 9 › Seite 70
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-12-22, Seite 70
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noch von ſeinem göttlichen Weſen und Willen
uden, denn wir Chriſten. Er wird zu ſeiner
geit Türken, Heiden, Jüden, Papiſten und alle
Ungläubigen wohl finden, die CHriſtum und
ſin Wort verachten, ꝛe. Um ihrentwillen, wenn
ührer noch ſo viel wären, wird er den Sohn und
Heiligen Geiſt nicht verwerfen. Wer den Sohn
licht hat, der hat auch den Vater nicht. Wer
den Sohn verachtet, der verachtet auch den Va⸗
ue; denn ſein göttlich Weſen, Ehre und Macht,
it in Sohne. Solches hat er offenbaret und
lar genug gemacht, hat ihm Maria, die Jung⸗
fiau vom Geſchlechte David, zur Mutter geben;
vie in der Schrift klar zu ſehen. So hat der
heilige Geiſt von Chriſto gezeuget, und ihn ver—
liret. So hat er, der HErr ſelbſt, geprediget,
Vunderzeichen gethan, Todten auferwecket, die
Binden ſehend gemacht, die Sünde der Welt
auf ſch zenommen, getragen, dafür durch ſein
keiden und Sterben genug gethan, und durch
ſinen herrlichen Sieg und Auferſtehung alle,
die an ihn gläuben, von des Teufels Gewalt er⸗
lſet, gerecht und ſelig gemacht. Hat auch ſein
Von, Taufe, Sacrament, Schlüſſel hinter ſich
glaſen, ſeiner Chriſtenheit zu Troſt und Heil,
führet noch ohne Unterlaß durch dieſelbigen die
Eünder zur Gerechtigkeit, aus dem Tode in das
kiben. Zu ſolchem Amte hat ihn der Vater ver—
odnet. Wer derohalben den Sohn nicht ehret,
noh anbetet, und ihn mit dem Apoſtel Thoma
fit ſeinen HErrn und GOtt nicht erkennet, der
it verloren, und ewig verdammt.
Dieſes alles iſt nicht heimlich in einem Win—
kl, oder allein im Jüdiſchen Lande geſchehen;
ſendern das Evangelium von Chriſto, daß er
dir engeborne Sohn GOttes und der Welt Hei⸗
lUand ſei, iſt erſchollen durch ſolche Predigt der
Woſtel und ihrer Nachkommen in aller Welt.
Darzu durch ſie, von dem Heiligen Geiſte getrie—
bin, in Schriften verfaſſet, (wie GOtt Lob vor
Iugen,) auch mit Zeichen und Wundern beſtä⸗
ſget; darum wird er wohl bleiben vor den Jü—
den, Heiden, Türken und Papiſten.
Der Römiſchen Kaiſer viel, da ſie noch mäch⸗
iz waren, wollten Chriſtum, ſein Wort und Kir⸗
he von Grund ausrotten, fingen es auch mit
zoͤßem Ernſt an, rumorten greulich unter ih⸗
nen, daß auf einen Tag in dem Römiſchen Rei⸗
he viel tauſend Chriſten umgebracht worden.
Er iſt aber vor ihnen allen blieben, ſein Wort
ahalten, daß für und für etliche ſind, die es ha⸗
ben lehren, ausbreiten, bekennen müſſen, und
it dargegen immer ein Tyrann nach dem andern
uBoden gegangen und zum Teufel gefahren.
Uſo wird der Pabſt durch das Evangelium auch
gefteſen, wie zur Zeit der Apoſtel die Jüden mit
ihtem Königreich und Prieſterthum. Der Türke
ſolziret auch, hat nun lange Zeit den Chriſten
Iſtoß Leid gethan, ſie verfolget, ermordet, in viel
kanden und Königreichen die Kirche Chriſti zer⸗
ſüret, und ſein Wort vertilget; gleichwol ſind
für und für Chriſten unter ihnen geweſen, nnd
noch. Hat ihm auch, aus Verhängniß GOttes,
die Sünde und Undankbarkeit ſeines Volkes zu
ſrafen, gelungen. Ehe er aber den Sohn GOt—
18 unterdrücken ſollte, daß er nicht HErr und
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GOtt ſei, ehe müßte Himmel und Erden einfal⸗
len. Darum mögen beide, der Pabſt mit ſei⸗
nem Haufen, und der Türke, ſich wollen wider
Chriſtum legen, und unterſtehen, ſein Wort und
Kirche zu verſtören; es wird ihnen aber gewiß⸗
lich darüber ergehen, wie den Jüden und den
Römern. Wenn das Stündlein kömmet, „wird
der HErr, der im Himmel wohnet, mit ihm re⸗
den in ſeinem Zorn, und wird ſie mit ſeinem
Grimm ſchrecken, Pſ. 2, 5. 6. denn er hat den
Sohn zum Könige eingeſetzet,“ und ihm das
Reich übergeben, daß er der HErr über alles ſoll
ſein, und will, daß alle Menſchen ihn ehren und
anbeten, für ihren GOtt, Schöfer und Heiland
erkennen ſollen. Welche es nun thun, die ha⸗
ben an GOtt einen gnädigen Vater, und ſie
ſollen ſeine Soͤhne und Erben ſein, und ſeinen
eingebornen Sohn zum Schutzherrn haben, wi⸗
der den Teufel und alle ſeine Schuppen. Wo
aber nicht, ſo hat er dem Sohne, der zu ſeiner
Rechten ſitzet, „einen eiſern Zepter gegeben, da⸗
mit er ſeine Feinde zerſchlagen, und wie einen
Topf zerſchmeiſſen ſoll,“ und zum Fußſchemel
ſeiner Füße legen, Pſ. 2, 9. wie er denen Jü⸗
den, Nömern, Egypten, Aſiä, Gräciä, ꝛc. und
andern Königreichen und Monarchien hat ge—
than.
So iſt's nun innwärts im göttlichen Weſen
alſo gethan, daß der Vater einen Sohn hat,
von ihm in Ewigkeit gezeuget, und doch zugleich
Mariä Sohn iſt; iſt alſo, von ihr in der Zeit
geboren, wahrer GOtt und Menſch in einer
Perſon. Willſt du disputiren und klug ſein,
ſo würdeſt du davon ohne GOttes Wort nichts
wiſſen noch verſtehen, vielweniger gläuben. A-⸗
ber um deines Unglaubens willen wird der Sohn
weder größer noch kleiner: er iſt vor aller Ty—
rannen Gewalt und ſpitziger Köpfe Gedanken
wohl blieben, die ſich wider ihn, ſein Wort und
Kirche geſetzet haben; ſie aber ſind umkommen,
und zum Teufel gefahren.
Darum, wenn der Türke uns ſchon alle todt⸗
ſchläget, ſo gläuben wir doch an Chriſtum, un—
ſern Heiland und aller Creaturen HErrn und
Schöpfer, bieten ihm denn Trotz, und ſagen:
Türke, willſt du nicht lachen, ſo zürne. Ich will
dich aber todtſchlagen. Was willſt du mehr?
Ich will deines Chriſti Namen und Evangeli⸗
um ausrotten. Das ſollſt du wohl laſſen; und
eben damit, daß du dich ſolches unterſteheſt, ſo
haſt du den auf das Auge geſtoßen, der da
ſpricht Zach. 2, 8: „Wer euch antaſtet, der ta⸗
ſtet meinen Augapfel an;“ welchen du deinen
GOtt und Schöpfer Himmels und Erden nen⸗
neſt und rühmeſt, und ſprichſt, du beteſt ihn an;
der wird dich wohl finden. Ich tröſte mich deß,
daß ich einen HErrn habe, der wahrer GOtt
und Menſch iſt: den will ich anrufen und be—
kennen, ſo lange ich die Zunge regen kann; der
wird mich wohl wieder lebendig machen, wenn
du mich gleich todtſchlägeſt, und dagegen dich in
Abgrund der Höllen ſtoßen.
Darum läßt ſich GOtt an dieſer Ehre nicht
gnügen, iſt auch nicht zufrieden damit, daß er
ſei GOtt, Schöpfer aller Creaturen, wie ihn
Jüden, Heiden, Türken und Papiſten loben und
rühmen; das iſt die alte Weisheit. Aber durch
das Evangelium läſſet er in aller Welt ausru⸗
fen und ſagen: Meinen Sohn, der auch Ma⸗
rien Sohn iſt und in der Krippen liegt, den
nehmet auf, gläubet an ihn, erkennet und be⸗
kennet ihn für euren HErrn und Heiland, ehret
und betet ihn an, wie mich: wer ihn nicht ehret,
der ehret auch wahrhaftig mich nicht. Das iſt
nun die neue Weisheit und Glauben aller Chri⸗
ſten, dadurch ſie ſelig werden. Wer anders
GOtt ehret, der lügenſtrafet und läſtert ihn.
Das merket wohl, und ſchließet es in euer Herze.
v. 14. „Und das. Wort ward Fleiſch, und
wohnete unter uns: und wir ſahen ſeine Herr⸗
lichkeit, eine Herrlichkeit, als des eingebornen
Sohnes vom Vater.“
Ich habe nun oft geſaget, daß der Evangeliſt
von der Gottheit des HErrn redet, wenn er ihn
das Wort nennet, das im Anfang war: nicht
gemacht; ſondern da alle Dinge gemacht ſind
worden, da war er allbereit da, und alſo, daß
durch ihn, als den Schöpfer, Himmel, Erden,
und was darinnen iſt, gemacht ſind, ꝛc. bewei⸗
ſet damit, daß unſer HErr Chriſtus wahrhafti—
ger GOtt vom Vater iſt in Ewigkeit. Kein
Evangeliſt treibet dieſen Artikel, daß Chriſtus
wahrer GOtt und Menſch iſt, ſo gewaltig, als
eben St. Johannes, denn er hat am längſten
gelebet, und noch bei ſeiner Zeit entſtunden dit
läſterlichen Ketzereien, da fürgegeben wurde, daß
Chriſtus nicht GOtt wäre, welche zu St. Petri
und Pauli Zeiten noch nicht waren. Alſo hat
St. Johannes den erſten Ketzer, Cerinthum,
erlebet, und ward verurſachet wider ihn zu ſchrei⸗
ben. Hat derohalben viel mehr erlitten, denn
die andern Apoſtel.
Nun ſpricht er hier, daß eben daſſelbige Wort,
davon er droben (v. 1.) geſaget hat: „Im An⸗
fang war das Wort, und das Wort war bei
GOtt, ſei auch Fleiſch, das iſt, Menſch worden.
Ich habe euch oft vermahnet, daß ihr dieſen Ar⸗
tikel recht ſollet lernen verſtehen; denn er iſt wohl
gewetzet durch die Ketzer, (die entweder der zwei⸗
en Naturen eine haben verleugnet, oder aber die
zwo Naturen in Chriſto haben wollen trennen,)
und auch euch vermahnet, daß ihr nicht trennen
laſſet die zwo Naturen in Chriſto. Denn alſo
will hier der heil. Evangeliſt ſagen: Das Wort
iſt ein rechter, natürlicher Menſch worden, hat
Leib und Seele, wie ich und du haben, an ſich
genommen; weil er aber wahrer GOtt auch iſt,
ſo muß und kann die Perſon, ſo zugleich auch
Menſch iſt, keine Sünde an ihr haben. Darum
laſſet euch die zwo Naturen, GOtt und Menſch,
in Chriſto nicht trennen, ſondern beiſammen blei⸗
ben, wie der Tert klar lautet: „Das Wort ward
Fleiſch;“ ſpricht nicht: Die Gottheit ward eine
andere Perſon, und eine andere Perſon die
Menſchheit.
So iſt nun GOttes und Marien Sohn, ein
Sohn, nicht zweene: Chriſtus iſt GOtt und
Menſch, und iſt nur ein Chriſtus, nicht zweene:
eine Perſon, nicht zwo: GOtt iſt Menſch, Menſch
iſt GOtt in einer Perſon, unzertrennet: GOttes
Kind und Menſchen Kind iſt ein Kind. Und
liegt große Macht an dieſem Artikel; denn ſo
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