Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 9 › Seite 68
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-12-22, Seite 68
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Herausgegeben von der Deutſchen
5DIIFIFJ—— :—
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
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(Offenb. Joh. Cap. 11, v. 6. 7.)
——.——.—
Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. S.
No • 95
St. Louis, Mo., den 23. December 1851.
Bedingungen. Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen
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Eine Auslegung
über Joh. 1, 1—14.
von Dr. Martin Luther, geprediget Anno 1542.
Inhalt.
Von Ehriſto, dem Sohn GOttes und
Narien, oder von Chriſti Gottheit
und Menſchheit; item, von der Ver⸗
einigung der zwo Naturen in Chriſto.
Joh. 1, 1 — 14.
Im Anfang war das Wort, und das
Wort war bei Gott, und Gott war das
Wort. Daſſelbige war im Anfang bei
Gott. Alle Dinge ſind durch daſſelbige
gemacht, und ohne daſſelbige iſt nichts ge—
macht, was gemacht iſt. In ihm war das
Leben, und das Leben war das Licht der
Renſchen. Und das Licht ſcheinet in der
Finſterniß, und die Finſterniß haben's
nicht begriffen. Es war ein Menſch von
Gott geſandt, der hieß Johannes. Der—
ſelbige kam zum Zeugniß, daß er von dem
licht zeugete, auf daß ſie alle durch ihn
gläubeten. Er war nicht das Licht, ſon⸗
dern daß er zeugete von dem Licht. Das
rar das wahrhaftige Licht, welches alle
Renſchen erleuchtet, die in dieſe Welt
kenmen. . Es war in der Welt, und die
Welt iſt durch daſſelbige gemacht, und die
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Welt kannte es nicht. Er kam in ſein
Eigenthum, und die Seinen nahmen ihn
nicht auf. Wie viel ihn aber aufnah—
men, denen gab er Macht, Gottes Kinder
zu werden, die an ſeinen Namen gläuben.
Welche nicht von dem Geblüt, noch von
dem Willen des Fleiſches, noch von dem
Willen eines Mannes, ſondern von Gott
geboren ſind. Und das Wort ward Fleiſch
und wohnete unter uns, und wir ſahen
ſeine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des
eingebornen Sohns vom Vater, voller
Gnade und Wahrheit.
Ihr habt oft gehöret, daß das liebe Kindlein
JEſus zugleich GOtt und Menſch iſt, in einer
Perſon. Das lehret der Evangeliſt in dieſem
Cvangelio. Die blinde, tolle (ſollte ſagen, klu—
ge) Vernunft, klettert hinauf gen Himmel, und
will wiſſen, was Gott ſei, was er gedenke, vor—
habe und thue. Das will ich dir bald ſagen,
ſpricht St. Johannes, wenn du es nur glauben
wollteſt, und will dir kund thun den allerheim—
lichſten Nathſchlag, den GOtt hat im Grunde
ſeines Herzens. Das iſts aber, ſo du es wiſſen
willt: Im Anfang war das Wort. Da
haſt du es. Ja, ſagſt du, wer verſtehet dieſe
unerhörte und ungewöhnliche Rede? Lieber,
du frageſt auch ein hoch und unbegreiflich Ding.
Biſt ſo einfältig und unverſtändig, ſo thue ihm
alſo: Wo du höreſt das Wörtlein Wort, ſo
verſtehe Sohn. Wenn du das weißt, daß der
Evangeliſt das Wort den Sohn heißt, ſo liß
den Tert alſo: „Im Anfang war der Sohn
und der Sohn war bei Gott, und der Sohn
war Gott, derſelbige war im Anfang bei Gott.
Alle Dinge ſind durch Ihn (den Sohn) ge—
macht, und ohne Ihn iſt nichts gemacht.“
Verſteheſt du nun, was der Evangeliſt das
Wort heiße? Nimm es ſo, und merke es, ſo
fehleſt du nicht; denn am Ende macht ers ſelbſt
alſo: „Das Wort ward Fleiſch.“ Das iſt:
Der Sohn Gottes iſt ein menſchlicher Sohn
worden, des Baters ewiger Sohn iſt ein zeit—
licher, der unanfängliche ein anfänglicher Sohn
worden. Dieſes ſollſt du aber alſo verſtehen,
daß du nicht zween Söhne aus GOites und
Marien Sohne macheſt. Es ſind nicht zween
Söhne, der ewige, unanfängliche, und der zeit—
liche und anfängliche; ſondern einer muß ſein.
Er hat wol zweierlei Geburten, eine in
Ewigkeit, vom Vater; die andere zeitlich, von
der Jungfrauen; und iſt doch nur der einige
Sohn, der vom Vater in Ewigkeit und von Ma⸗
ria zeitlich geboren iſt: ſie hat nicht einen an⸗
dern Sohn in die Welt gebracht, denn den der
Vater von Ewigkeit gebracht hat. Zweierlei
Geburten ſind es wol: eine andere aus dem
Vater, eine andere aus der Mutter, und iſt
doch ein einiger Sohn. Den Maria ihren wah—
ren, natürlichen Sohn heißet, den heißt auch
der Vater ſeinen wahren, natürlichen Sohn.
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