Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 25 › Seite 197
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-07-20, Seite 197
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rig geweſen. Hält ſich's aber ſo mit unſerm
griechiſchen Ev. Matthäi; ſo hat auch Papias
in der von uns angeführten Stelle unſer Ev.
Manbäi erwähnt, und dafür, d. i. für eine
ſolche, in welcher unſer Ev. St. Matthäi er⸗
wähnt werde, wird auch dieſe Stelle allgemein
„aageſehen.
Der geneigte Leſer wird nun ſehen, einmal
die Richtigkeit auch dieſes Punctes unſers Be⸗
weiſes, zum andern den Grund, wes halb wir
aus der betreffenden Stelle bei Papias nur ſo
viel herausnahmen, als zu unſerm Zweck diente,
mmlich: Matthäus hat ein Evangelium ge—
ſchrieben; indem, hätten wir die Stelle unver⸗
kützt gegeben, wir auch vorſtehende ziemlich
»nnge Erläuterung hätten geben müſſen, ſtatt
deren die Mehrzaͤhl der Leſer gewiß lieber etwas
Etlecklicheres geleſen hätte, die wir aber doch jetzt
geben mußten, eben weil uns oblag nachzuwei⸗
ſen, wie Herr S. auch in dieſem Puncte am
Göngelbande der Unwiſſenheit geht.
Wir bitten den geneigten Leſer, hier einen
Augenblick einzuhalten, um einen kurzen Rück⸗
ublick zu thu.
Herr S. hatte in No. 2. der „Freien Blät⸗
ter“ den Satz aufgeſtellt, daß das Thomas-
Coangelium in den Schriften der Kirchenväter
ſo früh erwähnt werde, wie irgend eins der im
Reuen Teſtamente euthalteneu. Wir widerleg⸗
en denſelben in No. 21. des Lutheraners, um
die Leſer ſehen zu laſſeu, was von Herrn S's
Worten und von ihm als Verfaſſer derſelben
dzu halten ſei. Herr S. konnte unſere
Biderlegung nicht umſtoßen; um
ö nun aber doch Scheins halber etwas zu thun,
ſo rüttelte er wenigſtens an zwei Stützen der—
ſelben, nämlich der Behauptung, daß Origines
der erſte ſei, der das ſogen. Thomas⸗Evangel.
erwähne, und daß Papias des Ev. St. Matth.
erwähne. Indeß dieſe zwei Stützen wankten
nicht, und Herr S. hat nur ferneren Beitrag
gelirfert, zu urtheilen, was von ihm zu halten
ſti. Herr S. geſteht dies Endergebniß auch
ein, freilich auf ſeine Weiſe, nämlich durch eine
Entſtellung. Er ſpricht in Bezug auf die Wi⸗
derlezung des Satzes, daß das Thomas⸗Ev.
in den Schriften der Kirchen-Väter ſo früh er—
wähnt werde u. ſ. w., von der „Thorheit der⸗
jenigen, die, wer weiß was, erlangt zu haben
meinen, wenn ſie nur im Stande ſind, den Aus⸗
fſpruch eines Kirchen-Vaters für ſich anzufüh⸗
ren“ Das lautet ſo, als meinten wir, die
Wahrheit des Wortes Gottes hänge mit davon
ab, ob Papias das Ev. Matth. erwähne. Al⸗
lein es war Herr Schmidt, der zuerſt auf
„die Kirchen⸗Väter hinwies, indem er außer
den öfter angeführten Worten noch ausdrücklich
ſagte, „daß alſo mit Hülfe der Kirchen-Bäter
die Behauptung ſich nicht erweiſen läßt, daß
das Thomas-Ev. jünger, d. h. ſpäter geſchrie⸗
ben, ſei, als die für „Gottes Wort“ ausgege⸗
benen Cvangelien;“ und wir erklärten zuvor
in Bezug auf ſeine Behauptung in No.
21. des Lutheraners ausdrücklich: Nun macht
es war gar nichts aus, ob das Ev. Thomä zu
derſelben Zeit wie, oder ſpäter geſchrieben iſt,
— 197—
als die vier kanoniſchen Evangelien; es bleibt
darum doch ein Apokryphon; und wandten
darnach erſt das Zeugniß der Kirchen-Vä⸗
ter an, und zwar für diesmal nur, um den Le⸗
ſer in den Stand zu ſetzen, ſelber zu urtheilen,
was von Herrn S. zu halten ſei; während
wir daſſelbe allerdings zu etwas viel Beſſerem
gebrauchen können, und gemeiniglich auch ge—
brauchen, nämlich zur Stärkung unſers Glau⸗
bens.
Dann gebehrdet Herr S. ſich ſehr übel über
die Anmerkung der verehrlichen Redaction zu
unſerm Artikel in No. 21. des Lutheraners,
während er derſelben hätte Dank wiſſen ſollen,
einmal vafür, daß dieſelbe dazu, daß Herr S.
ſolches Zeug in die Welt ſchreibt, als er thut,
noch den glimpflichſten Beweggrund annimmt,
der ſich denken läßt, nämlich Noth; und zum
andern dafür, daß ſie, ungeachtet deſſen, was
in Herrn S's, Blatt vorliegt, über deſſelven
Befähigung zu ſeinem neuen Berufe, der an
ſich ein ebenſo ehrenwerther als wichtiger iſt,
ſchweigt.
Schließlich bemüht ſich Herr S. zu verfech—
ten, was er in No. 2. der „Freien Blätter“
über die überſchrift der Evangelien geſagt hatte,
und zu nichte zu machen, was von uns in No.
21. des Lutheraners zu dem von Herrn S. Ge⸗
ſagten bemerkt war. Hierbei legt nun Herr S.
eine ſolche Unwiſſenheit an den Tag,
daß, wenn er auch nie mehr als jene Paar Dut⸗
zend Zeilen geſchrieben hätte, man ihn doch da⸗
rum ſchon für unfähig halten müßte, auch nur
eine wiſſenſchaftſiche Außerung über die Bibel
zu thun, die irgend Beachtung verdiente.
Herr S. ſagt, „es gebe nur zwei Stellen, in
denen das Wort kata zur Bezeichnung des
Verfaſſers gebraucht werde, und indem er dieß
verſichert, gebehrdet er ſich, als wolle er Him—
mel und Erde als Zeugen darüber anrufen.
Der geneigte Leſer vergleiche nun, beliebt's,
folgende Stellen, deren Zahl wir leicht noch
vermehren könnten.
Clemens Alerandrinus bei Euſebius (Kir⸗
chengeſchichte 6, 14.) ſagte „das Evangelium
kata Marcon ſei auf folgende Veranlaſſung
geſchrieben.“ Und dann erzählt er (Clemens
A.), daß, als Petrus zu Rom das Evangelium
gepredigt hätte, Markus, der Begleiter des Pe⸗
trus, von den dortigen Chriſten aufgefordert
wäre, Petri Worte aufzuſchreiben, und daß er
(Markus) da ſein Evangelium verfaßt habe.
Clemens A. verſteht alſo unter Evangelium
kata Marcon das von St. Marcus geſchrie⸗
bene Evangelium.
Irenäus ſagt („gegen Ketzer“ 3, 119, „Jo⸗
hannes habe ſein Cvangelium nach Matthäus,
Mareus und Lukas geſchrieben,“ und nennt 3,
11, 17 vas Evangelium „Evangelium kata
(secundum) Ioannen“ — Irenäus verſteht
alſo unter Evangelium kata Ioannen das von
St. Johannes geſchriebene Evangelium.
Origines ſagt bei Euſebius (Kirchengeſch. 5,
1, 25): „zuerſt iſt das Evangelium kata Mat-
thaion geſchrieben, der es für die, welche aus
den Juden waren gläubig geworden, in hebräi⸗
*
2
ſcher Spracht aufſetzte. (N. B.: dies iſt
eine Stelle, auf die Herr S. ſich bei einer an⸗
dern Gelegenheit beruft.)
Derſelbe (DOrigines) ſagt bei Euſebius (6,
25]: „das zweite Evangelium aber iſt das Ka-
ta Markon, der es nach Petri Anleitung auf⸗
ſchrieb. — Origines verſteht alſo unter
Evangelium kata Matthaion und kata Mar-
kon das von St. Matthäus und das von St.
Marcus geſchriebene Evangelium.
Euſebius (Kirchengeſchichte 3, 250 ſagt:
„Man ſagt, daß Johannes, nachdem Marcus
und Lucas die Evangelien Kata autous (d. i
ihnen) herausgegeben hatten, Johgnnes
endlich auch zum Schreiben kam“ — Euſebius
verſteht alſo unter Evangelium kata Markon
und kata Loukan die von St. Marcus und
St. Lucas geſchriebenen Evangelien.
Athanaſius (Synopsis G. 8s.): „Das Evan⸗
gelium kata Matthaion war von Matthäus in
griechiſcher Sprache geſchrieben.“
Derſelbe ebenda: „Das Evangelium kata
Loukan wurde vom Apoſtel Paulus überliefert
von Lukas aber aufgeſchrieben und veröffent—
licht“ — Athanaſius (oder wer immer der
Verfaſſer jener Schrift ſein mag, was hier
nichts verſchlägt, wo es nur auf den Sprach—
gebrauch ankommit) verſteht alſo unter den
Evangelien Kata Matthaion und kata Lou-
kan die von St. Matthäus und von St. Lu⸗
cas geſchriebenen Evangelien.
Wir möchten wiſſen, was Herr S., der nun
auch als Philolog als ein neues lumen mundi
(Licht der Welt) ſich kund giebt, ſagen wird,
wenn er dieſe Stellen ſieht. Ohne Zweifel wird
er auf die lieben Kirchen-Väter, weil ſie ihn
abermals Lügen ſtrafen, noch erboßter werden,
als er es ſchon geworden iſt, ſeitdem ſie ihm bei
ſeinem Thomas-Evangelium und ſonſt eine
Dementie gegeben haben. Allein es bleibt ihm
ja noch die „geſunde Logik;“ die wird ihm
vielleicht etwas aus der Verlegeuheit helfen,
und ihm ſo es erſparen, eine eiſerne Stirn zu
machen. Vielleicht wird er ſagen: Das gilt
nicht, das iſt ja eine petitio principi, d. h.
es ſollte ja erſt bewieſen werden, daß Lata
Matthaion ꝛc. heißt: von Matthäus ꝛc. Da⸗
rauf müßten wir erwiedern: Eben darum ha⸗
ben wirs mit jenen Stellen bewieſen. Dann
würde er vielleicht ſagen: Nein, ich meine, es
müßte erſt aus jenen beiden Stellen (2 Mak⸗
kabäer 2, 13; und Epiphanius a. h. 8, 4)
bewieſen werden, daß kata den Verfaſſer be⸗
zeichne. Darauf müßten wir erwiedern, daß
er das meine, ſei eben auch eine kleine Unwiſ⸗
ſenheit. In ſolcher ſteckt aber Herr S. wirk⸗
lich, indem, wie aus den betreffenden Worten
in ſeinem Artikel hervorgeht, er nicht einmal
weiß, um was es ſich handelt, wenn Theologen
jene beiden Stellen im Lten Buch der Makkab.
und bei Epiphanius anziehen. Der Herr Ig⸗
norant meint, es ſei um eine unerwieſene Sache
zu beweiſen, während es doch geſchieht um über—
flüſſigen Beweiſes willen für eine erwieſene.
Wir ſagen hier nichts weiter über die Bedeu⸗
tung des Worts kata, da wir ſie in unſerm
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