Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 23 › Seite 179
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-06-22, Seite 179
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
V
halter auf Erden, dienen will, hat das Grlübde
tiner immerwährenren Kruſchheit zu überneh⸗
men, und ſoll ſiets dieſes ſeinem Cemüthe ver⸗
halten, daß er ein Elied einer Geſellſchaft ſei,
die dazu vornehmlich geſtiftet iſt, daß ſie alle
ihre Auſmerkſamteit und Fleiß auf Fertpfian⸗
jung und Ausbreitung des Elaubens durch
öffentliche Prer igten und namentlich durch Un⸗
terweiſung der Jugend, der Einſältigen und
Unwiſſenten im Chriſtenthuüm, und drach Trö—⸗
ung der Gläubigen in der Beichte, vorzüglich
nchten ſoll. Um dieſe Zeit ſchickte Ignatiut
Etliche ſeiner Genoſſen nach Deutſchland, um
die deutſchen Kirchen, die vom päpſilichen Stuhl
abgefallen waren, durch ſolch. Prediger, die dazu
lüchtig wären, wieder unter das päpſtliche Joch,
ju bringen; denn dieſes hielt er für das einzige
Miltel, ſolches Werk zu Staude zu bringen
Rachdem dieſe durch einen gemachten Verſuch
gezeigt hatten, daß ſie den denutſchen Kirchen
durch ihre Heuchelei mehr ſchaden könnten um
wollten, als aller Aberglaube und Bigotterin
ſümmtlicher Mönchsorden zuſammengenommen,
uhtille der Cardinal Johannes Moronius, der
in der letzten Tridentiniſchen Synode päpfilicher
kegat und Vorſetzer der Synrde war, dem Is⸗
natius einen Plan mit, nach welchem er, Ig—
natius, der Papſtkirche außerordentlich wichtige
Dienſte leiſten köunte; nämlich, wenn in Rom
tin recht grußes Collegium erbaut würde, in
welchem eine recht große Anzahl deutſcher Jüng—
linge in Wiſſenſchaften und Religien auf Keſten
des Papſtes erzogen und gebildet würden, damit
ſe nachher, wenn ſie wirder in ihr Vaterland
zurückkehrten, die verfallene und niedergetretene
päpſeliche Religion daſelbſt wieder einigermaßen
aufrichten und in Flor bringen möchten. Und
an dieſes Werk machten ſich die Jeſuiten im
Jahre des Herrn 1553., und erbauten in Nom
ein ſolches Collegium, nicht fern von dem Jeſu⸗
üencollegium. Dieſe Jünglinge aber, erzähli
Undradius, werden nicht dazu in dieſes Col—
lgium aufgenommen, daß ſie nachher in den
Iſuitererden aufgenommen werden ſollen; ſon—
dern er ſagt, die Jeſuiten haben nur die Sorge,
dieſelben zu erhalten, zu erziehen und zu unter—
lictrn; und zu Uebernehmung dieſer Arbeit
ſeien ſie lediglich durch ein Verlangen und Be—
zierse nach der Wohlfahrt Deutſcͤhlands ange⸗
nicken werden, daß namlich durch ſolche CEmiſ
ſarien und Sendbeten Deutſchland wieder in
den Schoß der heiligen Kirche; oder, wenn dieß
in wenig iſt, wieder zum Fußkuß der heili⸗
gen Papſtfüße, allmählich zurückgebracht würde.
Von dieſem Jeſuitenplan verſpricht Andradius
ſch und den Seinen ein ſo glückliches Gelingen
und Fortgang, daß er ſagt: ich zweifle nicht,
daß durch die Arbeit und den Fleiß dieſer Jüng—
linge Deutſchland das ihm geraubte Licht des
Glaubens (des päpſtlichen nämlich) einmal
vieder erlangen werde. Und eben das iſt's,
was ich in meinem Büchlein vorher geſagt hatte:
nümlich, die Secte der Jeſuiten ſei ganz beſonders
zum Verderben der Kirche Deutſchlands geſchaf⸗
ſen worden. Vieß aber ſuchte Joh. Alber von
Ingolſtatt durch tapferes Läugnen von dem Or⸗
den abzuwälzen. Dem Andradius aber danken
wir, daß er die gänzliche Bewandniß der Stif
tung des Ordens, ſein Weſen, Zweck und Be⸗
ſtimmung, ſo einfach und deutlich, und ehne
allen Hehl uns auseinandergeſetzt hat, daß wir
nun nicht mehr nöthig haben, nach bloßen Ge
rüchten oder Vermuthungen zu rathen, in wel—
cher Abſicht wohl der römiſche Stuhl dieſe neue
Ausgeburt in dieſen letzten Zeiten der Welt der
Menſchheit aufgedrungen habe. Das iſt nun
die Erzählung, die ich meiner Schriſt voraus—
ſchicken wellte, um einigermaßen mit Gunſt die
Jeſuiten von mir zu verabſchieden. Denn in
dieſer Schriſt habe ich mir vorgenommen, nicht
mit den Jeſuiten, die das Licht ſcheuen, zu han—
eln; ſondern mit dem Buch des Andradiue,
welches „orthodexe Erklärungen ſtreitiger Ar—
tikel“ enthölt, welches eken Ciklärungen der
Deerete des Tridentiniſchen Concils ſind, werde
ich's in dieſer meiner Schrift zu thun haben, die
eine Unterſuchung dieſer Deerete und Erklärun—
gen ſein ſell. Denn And radius war eine Haupt⸗
perſon bei den Berathungen der Tridentimiſchen
Synode; hat auf der Synode die Feder geführt;
hat auch auf dem Coneil ſelbſt ſeine Bücher
gegen mich geſchrieben, und zwar auf Anrathen
undAufſorterung der angeſehenſter Snodalräter.
Auch erklärt er Vieles, was in den Synodalbe—
ſchlüſien ſo verhüllt und verſtecktiſt, naß es nicht
leicht Jemand beim Leſen merten oder finden
würde, ziemlich deutlich und greiflich, wie an
ren betreffenden Orten gezeigt werven ſoll. Ta
ich nun zu einer und derſelben Zeit die Schma—
hungen des Andradius, und die Teerete des
Concils in meine Hände lekommen hatte, ſo
zweifelte ich nicht, mir ſei dadurch der Weg und
die Weiſe gezeigt worden, wie ich meine Ant—
wort und Unterſuchung der Detrete ſammt den
Erklürungen des Andrarius einzurichten habe.
Denn die Decrete der Synode ſind kurz und
nackt hingeſtellt; was ſür Berathungen aber
vorhergegangen; aus welchen Gründen und
Quellen die Entſcheidungen genommen; ni
welcher Liſt und Kunſt die Decrete geſchmiedet
und fabrizirt; welchen Sinn und Zweck ſie ha—
ben; — das zeigen die Auslegungen des An⸗
cradius einigerimaßen. Denn der verblieb in
Trident (Trient) bis zur Vellendung und
Schluß des Coneils; und hat daſelbſt mitten
in den Handlungen ſeine Auslegungeu gemacht;
und hat in allen Seſſionen die Berathungen
theils dirigirt, theils thätigen Antheil daran
genemmen. Wenn ich daher die Auslegungen
des Andradins mit den Decreten des Concils,
und beide wiederum mit der Regel der heiligen
Schrift verglichen und nach derſelben unterſucht
und examinirt haben werde, ſo wird aus dieſer
Behandlung und Arbeit entſtehen und hervor—
gehen ein „Examen oder Unterſuch⸗
ung der Decrete, d. h. Lehrbeſtim⸗
mungen und Beſchlüſſe der Tri⸗
dentiniſchen Synode; weron ich für
den chriſtlichen Leſer einen ziemlichen Nutzen und
Frucht hoffe. (Eine ſolche Unterſuchung der
Lehrbeſtimmungen und Deerete der Tridentini⸗
tigung enthält nun auch gegenwaͤrtige Abhand⸗
lung Chemnitzens, in welche wir, aus ganz
nahe liegenden Gründen, ſeinen Bericht uͤbet
Cntſtehung und Stiſtung, Zweck und Beſtim⸗
mung des Jeſuitenordeys eingeſchaltet haben.)
Wir haben bereits geſehen, und werden im
Folgenden noch mehr ſehen, wie namentlich und
beſonders auch in dieſem wichtigen Hauptartikel
von der Rechtfertigung das Tridentiniſche Con—
eil, und vornehmlich die Jeſuiten, mit aller Liſt
und Kunſt, mit allen Woffen der Philoſophie,
Dialektik und ſcholaſtiſchen Theologie vieſe Lehre
des Crangeliums ren der Rechtſertigung, wel⸗
che allein die Freiheit des Chriſten und der Kir⸗
che begründet und verwahrt, zu verdunkeln und
zu fälſchen ſuchen, um die Freiheit der Cheiſten
zu untergraben und zu raulen, und dieſchreckli⸗
che, zerderbliche Tyrannei des Pabſtes und der
Hierarchie immer weiter auszubreiten und zu
befeſtigen. Denn ſie wiſten wehl, wie viel an
dieſer Lehre des Evangellums gelegen iſt: Denn
durch dieſe Lehre, ſagt Luther, wird der Teuſel,
Antichriſt und Papſt üb erwältigt, ſein Reich zer⸗
brochen, das Geſetz, Sünde und Tod (durch
welcher, als dreier mächtigen und unüberwind—
lichen Tyrannen, Hilfe, er das ganze menſchliche
(Beſchlecht unter ſich gebracht) gewaltiglich ihm
abgedrungen, und endlich diejenigen, ſo er im
Reich der Finſterniß zu ewiger Dienſtbarkeit ge—
fangen, zum Reich des Lichts und der Freiheit
gebracht. Sollt aber dieß dem Teufel nicht
faul thun, noch verdrießen? Sollt er das ſo
ſtillſchweigend verſchlafen und geſchehen laſſen?
Oder ſellt er nicht vielmehr dawider, als ein
Vater der Lügen, alle ſeine Künſte und Kräfte
verſuchen, damit er dieſe Lehre, daraus alles
Heil, Seligkeit und ewiges Leben herkommt,
gründlich asrotten und vertilgen möchte? Ge—
wiß iſts, vaß Paulus in ſeinem Brief an dir
Galater und allen andern ſeinen Epiſteln Nichts
mehr klaget, denn daß der Satan ſelches durch
ſeine Apoſtel (und Emiſſarien) weidlich bewei⸗
ſet und ausgerichtet habe, da er ſchon noch am
Leben geweſen, und ſelbſt hat zuſehen müſſen.
(Fortſetung folgt.)
XD m—
Für den „Lutheraner“.
Die alten Heiden beſchämen die neuen.
Cin Heide, der noch ror Chriſti Geburt lebie,
hat geſagt: Was iſt ſo leichtfertig und
eines ernſten und geſetzten Mannes
ſo unwürdigals — Etwas, das man
nicht gehörig erforſcht und erkannt
hat, ohne demgeringſten Zweifel zu
behaupten.
Dieneuen Heiden, die Bibelfein⸗
de in unſern Tagen, aber behaup⸗
ten, wasſienicht gehörig erforſcht
und erkannt haben, mit der aller⸗
größten Zuverſicht.
Darum ſtraſen ſelbſt die alten Heiden die
neuen, und ſtehen dieſe vor jenen als leichtfer⸗
tige und des Namens ernſter und geſetzter Man⸗
ner unwürdige Leute da.
ſchen Synode über den Ariikel von der Rechtfer⸗
4
English translation
Not yet translated.