Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 23 › Seite 177
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-06-22, Seite 177
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(Oſſenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.)
*Bottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten.
ö Nedigirt von C. F. W. Walther.
——
„St. Louis, Mo., den 8. Ju
li 1851.
VNo. 23.
Jahrg. 7.
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Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.
Von dem Hauptſtück unſerer ganzen chriſt⸗
lichen Lehre: d. i. von der Rechtfertigung
des Sünders vor Gott durch den Glauben
an Chriſtum; item: Heftigſte Bekämpfer
dieſer Lehre: Tridentiniſche Synode und
Ieſuiterorden; item: Entſtehung und Be⸗
ſtimmung dieſes Ordens.
Aus Chemnit. Exam. Concil. Trid. — Aus dem
Lateiniſchen üverſetzt von J. G.
Fort ſetzung.
Iuden Schlüſſen des Tridentiniſchen Concils
wird der Kirche wieder der ganze Wuſt ſcholaſti⸗
ſcher Meinungen von inwohnenden neuen Ei⸗
genſchaften der Gerechtigkeit, durch welche der
Nenſch Gott angenehm gemacht werde und ſei,
und daß er zum ewigen Leben aufgenommen
werde durch ſeine guten Werke, die aus jenen
neuen Eigenſchaften hervorgehen, aufgedrungen,
und zwar als eine Lehre, die von dem Sohn
Gottes ſelbſt, der Sonne der Gerechtigkeit, ge⸗
lehrt worden ſei, und zwar mit ungehängter
ausdrücklicher Verwarnung und Verbot, daß
ſchs von nun an Niemand unterſtehe, anders
zu glauben, zu predigen oder zu lehren. O un⸗
glückliche Kirche! der durch das Tridentiniſche
Concil verboten iſt, zu glauben, zu predigen
und zu lehren die Seligkeit des Menſchen, dem
Gott die Gerechtigkeit Chriſti ohne ſeine eigenen
Werie zurechnet; welche Seligkeit durch Moſis,
Davids und aller anderen Propheten Zeugniß
beſtätigt und verſichert iſt! Aber, möchte Je—
mand ſagen: wenn das Vorhaben und der
Zweck der Väter des Concils dieſer war, daß ſie
nur die Verdammungen der Lehre unſerer Kir⸗
chen wiederholten und zu erkennen gäben, ſie
wollten oder könnten durchaus keine Reforma—
tion ihrer Lehre, welcher Art ſie auch ſei, anneh⸗
men oder zulaſſen: ſo hätten ſie die Sache kürzer
abthun können, und hätten nicht ſo viele und
lange Berathungen durch ſo viele Monate hin—
durch, nöthig gehabt. Und allerdings ſind ge⸗
wiſſe Leute der Meinung, daß dieſes nur, wie
man ſagt, pro forma, oder zum Schein geſchehen
ſei, daß man nämlich einen gewiſſen Schein vor⸗
wenden könne, jene Decrete und Lehrbeſtimm⸗
ungen von der Nechtfertigung ſeien keineswegs
aus vorgefaßten Meinungen, ſondern nach ge⸗
pflogener langer, ernſtlicher und reiflicher Bera⸗
thung und Ueberlegung aus den Quellen der
Schrift gefaßt und feſtgeſtellt worden. Ich aber
finde aus den Mittheilungen und Berichten mei⸗
nes Andradius, (ein Jeſuit und Hauptgegner
von Chemnitz, der im Tridentiniſchen Concil die
Feder geführt) und namentlich aus den Decre⸗
ten des Concils ſelbſt, daß vorzüglich zwei Ur⸗
ſachen einer ſo ängſtlich ſorgfältigen und lang⸗
wierigen Berathung geweſen ſeien: erſtlich, weil
das Licht der Zeugniſſe der Schrift (welche leh⸗
ren, daß wir nicht um unſerer Eigenſchaften
oder Tugenden willen, ſondern durch die Zurech⸗
nung der Gerechtigkeit, des Gehorſams und Ver⸗
dienſtes Chriſti willen aus Gnaden und um⸗
ſonſt vor dem Gericht Gottes gerechtfertigt, das
iſt, von Sünden losgeſprochen und zum ewigen
Leben angenommen werden) — ſo groß iſt, daß
es auch die Unmündigen erleuchtet, die From⸗
men ſtärkt, und auch den Widerſachern wider
ihren Willen mit ſo großem Glanz in ihre Augen
leuchtet: ſo hat man auf Künſte und Nänke be⸗
dacht ſein müſſen, daß man es durch irgend ei⸗
nen Nebel und Finſterniß wieder verdunkeln
möge, damit es nicht gar ſo hell den Leuten in
die Augen leuchte. Und weil vieſes mit ziem⸗
lichem Schein geſchehen mußte, ſo bedurfte es
ja freilich mehr als einen Monat Zeit zu ſolcher
Berathung. Zweitens, weil die Scholaſtiker
gar ſo grob und tölpiſch philoſophiren vom Ver⸗
dienſt des Menſchen, welcher ſo viel thut, als in
ſeinen Kräften ſteht, und von der Rechtfertigung
ohne die heil. Schrift und nicht anders dispu—
tiren und handeln, als ob ſie in Ariſtoteles
Schule von phyſiſchen (natürlichen) Bewegun⸗
gen philoſophirten, — das Tridentiniſche Con⸗
cil aber jene Lehre der Scholaſtiker doch beibe—
halten wollte, zugleich aber auch ſah, daß die
Menſchen durch das Leſen der heiligen Schrift,
trotz der ganzen Macht des antichriſtiſchen Reichs,
bereits ſo weit in ihrer chriſtlichen Erkenntniß
gekommen ſeien, daß ſie gegen jene profane, d.
i. unchriſtliche, heidniſche Lehr- und Redeweiſe
und Ausdrücke Widerwillen und Abſcheu hätten,
und Alles nach der Schrift erklärt und entſchie⸗
den haben wollten, ſo erforderte es freilich viel
und große Arbeit und lange Berathung, einen
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