Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 23 › Seite 178

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-06-22, Seite 178

177 178 179 180 181 182 183 184

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

Ausweg zu erdenken, nämlich, wie jene phllo⸗
ſophiſche Meinung von der Rechtfertigung mit
Worten der heil. Schri't al'o geſchmückt und ein⸗
gekleidet werden könnte, daß nicht ein Jeder es
gleich merkte, ſondern daß ſie einigermaßen das
von Gott aus ſeinem Wort wieder geſchenkt.
Licht ertragen oder vielmehr vor demſelben ſich
verbergen könnte. Daß dieſes. das Hauptge
ſchäft in jener, ſo viele Monate dauernden Hand
lung und Berathung geweſen ſei, bezeugen ſo—
wohl die Detrete des Concils ſelbſt, als auch
beſonders die Auslegungen meines Gegners, der
Jeſuiten Andradius. — (Weil in dieſer Schriſt
öfters des Jeſuiten Andradius und der Jrſuiten
überhaupt hin und wieder gedacht wird, ſo mögr
hier erſt folgender Bericht von Chemnitz über di.
Jeſuiten, und namentlich über ſeinen Gegner
Andradius, ein eſchaltet ſtehen:)

Es ſind jetzt drei Jahre, (ſchreibt Chemnit
zu ſeiner Zeit, im Jahre 1565.) daß ich die
Hauptſtücke der Lehre der Jeſuiten, aus einer
Zuſammenſtellung von ihnen ſelbſt entnommen
meinen Leſern in einem kurzen Ueberblick verge.
legt habe, und zwar in der Abſicht, daß dieſe
Secte, welche ganz kürzlich zum Verderben der
Kirchen, welche die reine Lehre des Evangelii
angenommen haben und bekennen, vom römi—
ſchen Papſte, ſchriftlichen Nachrichten zu Folge—
geſchaffen worden iſt, unſern Kirchen bekann—
und kenutlich gemacht würde, und zwar, nicht
nur aus ihrer beſondern Ordenskleidung, ſon⸗
dern, wie Chriſtus, Joh. 10., einen wahren
Hirten von einem Miethling oder Wolf unter⸗
kcbeiden lehrt, aus ihrer Stimme, d. i. aus ih⸗
rer Lehre, d'e ſie bekennen und ausbreiten. Und
zwar hatte ich, ohne weitere Auslegung, die
bloßen Hanptſtücke ihrer Lehre angeführt, damit
ich ihnen Gelegenheit gäbe, daß ſie ſelbſt ſich
reutlicher erklärten. Aber aus dieſer ganzen
Faktion oder Rotte, die ſie ſelbſt die Geſellſchaft
Jeſu nennen, hat bis jetzt (1565) noch Keiner
auf den Kampfplatz treten wollen: aus was für
Urſachen aber ſie dieſen Kampf ſo entſchieden
und hartnäckig ablehnen, können Menſchen, die
nicht ganz dumm ſind, leicht errathen. Damit
man ihnen aber nicht vorwerfen könne, ſie hätten
ganz und gar geſchwiegen, ſchoben ſie einen ge⸗
wiſſen gemietheten Emiſſarius, einen armſeligen
Wicht, Namens Johann Alber, aus der Schule
zu Ingolſtadt, auf die Bühne, welcher jene
Rolle maskirt ſo lächerlich und elend ſpielte, daß
er ſchon im Vorſpiel des Stückes, als er von
ferne die folgenden Scenen ſah, die Maske ab⸗
warf und beſtürzt von der Bühne floh, nachdem
er zuvor den Zuſchauern Hoffnung gemacht hatte,
es werde bald ein auderer Acteur nachfolgen,
der die übrigen Theile des Schauſtückes, wenn
auch nicht glücklicher, doch wenigſtens anſtändi⸗
ger ausführen werde. Endlich trat aus dem
Tridentiniſchen Concil ein großſprecheriſcher De⸗
clamator auf, die Rolle der Jeſuiten zu ſpielen
und ihre Sache zu führen, Jacobus Payva An⸗
dradius, ein Portugieſe, welcher in ſeiner Dedi⸗
cationsſchrift erzählt, daß die angeſehenſten Vä⸗
ter des Tridentiniſchen Concils ihn aufgefordert
hätten, mein Büchlein über die Theologie der

—178—

Jeſuiten zu widerlegen, weil die heiligen Väter
aus vieler Leute Mund erfahren hätten, daß
vieſe meine kleine Schrift nicht vhne Beifall und
Olückwünſchungen von den Proteſtanten aufge⸗
lommen worden ſei. So ſchreibt Er: ich aber
chließe daraus dieſes: daß die Väter des Con⸗
ils nicht ſowohl um der Jeſuiten willen dem
Undradius dieſen Auftrag gegeben, als vielmehr
aß ſie durch den Andradius, als einen taugli
hen Ausleger des Concils, die Aus legung ihrer
Decrete unter das Volk ausſtreuen wollten:
vas auch der Titel der ihm aufgetragenen Schrift
nicht undeutlich zu erkennen gikt. (Der Jeſun
Indradine, ein Elied des Tridentiniſchen Con—
eils, ſellte die Sache des Concils, der römiſchen
Kirche, d. i. des Papſtes, führen.)

In dieſem gegenwärtigen Weirk alſo werde ic
es nicht ſowohl mit der leſenderen Sache und
eehre der Jeſuiten, als ſolcher, zu thun haben;
denn dieſe fliehen den Kampf aufs Entſchiedenſie.
ſondern vielmehr mit den Decreten des Triden—
uniſchen Concils, zu welchen Andradius in
Auftrag der heiligen Vuter Auslgurgen unters
Volk zu bringen ſucht, durch genannte Schrift
nümlich, welche den Titel führt: „Orthodox.
rechtgläubige) Erklärang ſtreitiger Religions⸗
artikel.“ Denn da ich in meinem Büchlein vor—
iehmlich von 2 Hauptpunkten gehandelt hatte.
erſtlich von dem Urſprung der Jeſuiten, und
weitens von ihrer Lehre und Therlogie; ſe
uchte der Ingolſtäd ter Prerurator Johann Al!
ver, in der Theologie der Jeſuiten Vieles zu
nildern und anders auszulegen: aber Andra—
dius ſucht dieſelbe ganz und gar, ganz ſo, wie
ie von ihnen aufgeſtellt iſt, unverandert und
unvermindert zu erhalten und zu keſtatigen: 16
damit er ja den Andern in Nichts nachzuſtehen
ſcheine, ſo erweitert er noch dieſelbe mit einen
ziemlichen Portion noch größerer Unverſchämt.
heit, und fügt noch eine Menge von unerhörten
Ungereimtheiten und Unſinn hinzu; ſo daß frei—
lich auf dem ganzen Erdenrund kein beſſerer Pa—
tron und Adrocat der Jeſuiten hätte aufgefun—
den noch ausgeſonnen werden können, als An⸗
drad ius. Es bleibe alſo die Theologie der Je—
ſuiten, wie ſie iſt; wir ſinds ganz zufrieden, daß
Andradius ſie ſo ungeſchminkt, ungemirdert und
ungeſchwächt hinſtellt; ſie bleibe öffentlich ſo
ſtehen, wie ſie iſt, bis ſie ſelbſt dieſelbe vermehrt
und verbeſſert aufs Neue wieder ans Licht ſtellen.

Was aber den erſten Urſprung, Stiftung
und Alterthum der Jeſuiten betrifft, oder ihre
Schöpfung, wenn ſie es ſelbſt lieber ſo nennen
wollten: ſo will ich Einiges, was ich aus der
Erzählung und Bericht des Andradius gelernt

habe, hier beibringen, damit ich dieſelben, wenn

ſie zuvor von mir beleidigt und geärgert worden
wären, was man jedoch von ihrer Heiligkeit
nicht argwöhnen ſollte, wieder begütigen und
beſänftigen und einen friedlichen und freund⸗
lichen Abſchied von ihnen erlangen möge. Auch
iſt es nützlich, daß ein wahrer Bericht von dem
Plan und Zweck dieſer päpſtlichen Stiftung und
Ausgeburt vorhanden und bekannt ſei. Denn,
was mich betrifft, ſo bekenne ich, daß ich aus
den Schriftſtellern unſerer Zeit bis jetzt noch

„der päpſtiſchen Kirche eine Verwechslung der

4
Nichts Gewiſſes habe erfahren können; und zun
Kenntniß einer ſo ganz neuen Sache nützen die
Documente des Alterthums Nichts. Ich bin
daher ihren eigenen Netizen und Berichten ge⸗
folgt, ſo viel ich deren erlangen konnte. So
viel ich aber höre, iſt bereits jetzt ſchoͤn unter ſo
vielen Schwärmen von Orden und Religionen

Theatiner, welche von Paul IV. ihren Urſprung
haben, mit den Jeſuiten, deren Geburt andere
U.heber hat, geſchehen. Damit alſo dieſer Irr⸗
thum und Verſehen durch eine genügende Sa⸗
iisfaction läßlich werde und vergeben werden
könne, ſo will ich den Bericht über den Urſprung
und andere Umſtände der Stiſtung der Jeſuiten
aus dem hochtratenden Vriwert des Andradius
einfach und kurz hier beibrimgen. Ein gewiſſer
ſpaniſcher Seldat, Namens Ignatius Loyola,
ward bei der Belagerung der Start und Feſtung
Pampelona in Spanien au einem Bein durch
eine Kanonenkugel ſehr verletzt, am andern be⸗
iam er eine geſahrliche Wunde. Darauf ver—

ieß er kald Vaterland, Haus und alle ſeine
Güter, und beſchloß, ein neues, ſirenges und
vemüthiges Leben anzuſangen. Weil er aber
zu ſolcher neuen Lebensweiſe, die er anzufangen
gedachte, die Keuntniß der Wiſſenſchaften für
nützlich hielt, begab er ſich nach Paris, wo er
10 Jahre ſtudirte, und 10 Genoſſen ſeiner
neuen Religion an ſich zog. Nach dieſen 10
Jahreu begab er ſieh mit ſeinen neuen Religt⸗
onsgenoſſen wieder nach Spanien, i. J. 1566.
Im Jehre 1537 kemen ſie nach Rem, um rom
ömiſchen Papſte die Erlaukhniß zu erlangen,

nach Jeruſalem und andern Oiten des heiligen
Landes zu wallſchn Daſcber der Krieg der

Türken mit Venedg dieſes Verheben verhin⸗
derte, änrerten ſie ihren Entſchluß, und beſchloſ⸗
ſen, innerhalb der römiſchen Kirche ihr Leben
der Belehrung des Volkes zu wirmen. In Ve⸗
nedig wurden vem paͤpſilicken Legaten ſieben aus
ihnen zeweihet, und empfingen die Crlaubniß,
frei und ungehindert überall das Velk zu lehren,
geheime Beichte zu hören und Sacramente zu
derwalten. Im Jahre 1540. kamen ſie, unter

Vermittlung des Cardinals Coutarenus bei!
Papſt Paul III. mit dem Geſuch ein, ihre Le—
bensweiſe und Geſellſchaft als einen neuen Or⸗
den durch päpſtliche Autorität zu beſtätigen.
Der Papſt ließ ſich dieſes Geſuch wohlgefallen
und gewährte es unter der Bedingung, daß dit
Geſellſchaft nicht mehr als 60 Glieder zählen
ſollte. Bald aber begriff man, daß zur Wieder⸗
herſtellung und Befeſtigung der erſchütterten und
wankenden Papſtkirche dieſer Orden vor allen
andern ganz beſonders paſſend und tauglich ſei.
Darum beſchloß der Papſt im Jahre 15433
dieſe, mit dem Namen bezeichnete, Geſellſchaſt
ſolle hinfüro weder durch örtliche Grenzen, noch
durch beſtimmte Zahl ihrer Glieder in ihren
Ausbre'tung und Wirkſamkeit eingeſchränkt ſein.
Weſen und Zweck ihrer Stiftung führt Andra⸗
dius aus ihren Documenten alſo beſchriebez
an: „ Ein Jeder, der zu unſerm Orden gehb⸗
ren und als ein tapferer Streiter allein den
Herrn und dem Papſt zu Rom, ſeinem Staty

English translation

Not yet translated.