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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-08-17, Seite 101
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 1
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von C. F. W. Walther.
Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 23. August 1845. No. 26.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft.
(Eingesandt von Pastor Keyl.)
Lebensgeschichte Dr. Luthers.
(Schluß.)
Im Jahre 1537 hielten die luther. Fürsten eine Versammlung zu Schmalkalden, wobei die von Luthern auf Erfordern verfaßten Artikel unterschrieben und zur Vorlage auf das angekündigte allgemeine Concilium bestimmt wurden. Auch diese schmalkaldischen Artikel hat die luther. Kirche in die Zahl ihrer öffentlichen Bekenntnisse aufgenommen. Luther reiste auch mit nach Schmalkalden und hielt daselbst einige sehr wichtige Predigten über die drei Artikel des christlichen Glaubens und über Matth. 4, 1. ff., worin er eine kurze Uebersicht der ganzen Kirchengeschichte gibt und zeigt, was die Kirche Christi, ebenso wie Christus, ihr Haupt, und jeder einzelne Christ, vom Teufel zu leiden habe, namentlich wie er als ein schwarzer Teufel die Christenheit in den drei ersten Jahrhunderten durch äußerliche Tyrannei zum Abfall von Christo versucht, und da dies nicht gelungen sei, sie als ein weißer Teufel mit fälschlicher Berufung auf die heil. Schrift durch mancherlei Ketzereien, insonderheit die arianische, angefochten habe und wie er endlich als ein göttlicher Teufel im Pabstthum durch selbsterwählte Werke und Gottesdienste sich habe anbeten lassen, wie ihm aber durch das Wort Gottes zur Zeit der Reformation die göttliche Larve abgezogen und die Gewalt über alle diejenigen genommen worden sei, die diesem Worte glauben.
Noch während seiner Anwesenheit in Schmalkalden wurde Luther von den heftigsten Steinschmerzen überfallen, so daß er selbst und andere seinen Tod vor Augen sahen. Es besuchten ihn alle anwesenden Fürsten und Herren, und als sein frommer Churfürst an sein Schmerzenslager trat, so sagte ihm Luther im prophetischen Geiste, nach seinem Tode werde sich auf der Universität Wittenberg ein Zwiespalt ereignen und seine Lehre geändert werden: denn schon damals war Melanchthon in Verdacht gerathen, daß er aus falscher Friedensliebe von der strengen Wahrheit leicht abgehe. Der Churfürst, bei dem die Worte Luthers viele Besorgnisse erweckten, bezeugte ihm fest und entschieden, ob er wohl wisse, daß der Universität Aufnahme Melanchthons Gelehrsamkeit und Ruhm zugeschrieben werde, so wolle er diesen doch lieber missen, als der Wahrheit Abbruch geschehen lassen, sollte auch die Universität darüber eingehen. Hierauf tröstete er den kranken Luther mit diesen Worten: „Unser lieber HErr Gott wird um seines Worts und Namens willen uns gnädig sein, und euch, lieber Vater, das Leben fristen;“ als er dies gesagt, wendete er sich weg; denn die Augen gingen ihm über.
Da aber die Schmerzen immer heftiger wurden, so begehrte Luther, man solle ihn nach Wittenberg bringen; dies geschah nach des Churfürsten Willen in dessen eignem Wagen, dem ein anderer mit vielen Geräthschaften zur Pflege des theuern Kranken beigegeben wurde. Zugleich erhielten zwei fürstliche Leibärzte Befehl, für seine Wiederherstellung nach allen Kräften zu sorgen. Als er Schmalkalden verließ, befahl er sich in der Kirchen Gebet und that sein kurzes christliches Bekenntniß: „Er bleibe bei dem HErrn Christo und seinem Wort und wisse keine andere Gerechtigkeit in seinem Herzen, denn das theure Blut IEsu Christi, das ihn und alle, die es glauben, von allen Sünden reinige aus lauter Gnade, wie solches seine Bücher nebst der Augsb. Confession frei bekennen.“ Beim Abschied rief er seinen Freunden zu: „Gott erfülle euch mit Haß gegen den Pabst,“ d. i. sie sollten mit des Pabstes Lehre nicht allein unverworren, sondern auch derselben Abgötterei öffentliche Feinde beständig bis an ihr Ende sein und bleiben. Schon hatte er auf dem Wagen sein Testament gemacht und hielt sich bereit, wenn sein lieber HErr Christus komme, ihn zu sich zu nehmen, ihn mit Freuden zu empfangen. Siehe, da errettete ihn noch einmal der HErr nach elf schmerzensvollen Tagen von aller seiner Krankheit. Dies geschah zu Tambach, einem kleinen Flecken am Thüringer Walde. Darum schrieb er an jenem Orte, voll Lobens und Dankens die Worte an: „Dies ist mein Pniel, daselbst ist mir der HErr erschienen,“ wie er einst den Patriarchen Jacob, als er mit dem HErrn rang, gesegnet und erlöst hat. (1 Mos. 32, 30.) Als man ihn fragte, welches Mittel ihm gegen den Stein geholfen habe, so antwortete er: „Das Gebet;“ denn in allen christlichen Gemeinden, sagte er, haben sie herzlich für mich gebetet nach dem Befehl St. Jacobi, Cap. 5, 14. 15.
In Gotha trafen ihn die Abgesandten der oberländischen reform. Kirchen, Bucer und Lycosthenes, welche zur Beförderung der vorjährigen Concordie nach Schmalkalden reisen sollten. Obgleich nun Luther noch ziemlich schwach war, so ließ er sie doch zu sich kommen, und redete freundlich mit ihnen. Unter andern sagte er, das wäre dis Beste zur Sache, daß sie forthin stille schwieg'n und recht lehreten und frei und rund heraus lekenneten: Liebe Freunde, Gott hat uns fallen lassen, wir haben geirret, lasset uns nun vorsehen und recht lehren; denn mit dem Umhermäntdln läßt es sich nicht thun, man kann auch der Leute Gewissen mit solchem Umschweifen nicht stilen; Gott werde auch der Lehre halben eine strenge Rechnung von uns fordern, darum dürfen wir in unserm Amte Gott nichts vergeben. Aus dieser ganzen Unterredung, sowie aus nehreren Briefen Luthers erhellet deutlich, daß dis Vorgeben der Reformirten, als ob er sich damals zu ihrer Lehre hingeneigt habe, ungegründet sei: denn während er nach der Liebe alle mögliche Gelindigkeit bewies und aufs mine das Beste zu hoffen anfing, so wich er doch n der Lehre selbst nicht ein Haarbreit von seinen früheren Bekenntniß ab.
Nachdem Luther wieder gesund in Wittenberg angekommen war, fuhr er wieder eifrig fort mit Beten, Studirn, Vorlesungen und Predigten. Namentlich lgte er auf der Canzel die Abschiedsreden Christi nach Johannes Cap. 14-16 aus, welche Dr. Creutziger nachgeschrieben und dann in Druck gegeben hat. Diese Schrift erklärt Luther selbt für sein bestes Buch, das er gemacht habe, setzt aber mit großer Demuth hinzu: „wiewohl ich's nicht gemacht, sondern Dr. Creutziger hat senen großen Verstand und hohen Fleiß daran beviesen.“
Während nun Luther zemlichen Frieden vor auswärtigen Feinden hate und mit Freuden sah, daß sie mit alle ihrem Schnauben und Trotzen nicht viel ausrichtten, und im Gegentheil immer mehr Städte und Länder das Evangelium annahmen, so entstand um das Jahr 1538 unter seinen eigenen Schülern ein heimlither Zwiespalt, welcher Luthern tief bekümmerte; denn es traten falche Lehrer auf, welche das Gesetz, sowie die Lehre von guten Werken aus der Kirche verbannen und die Leute allein durch die Predigt von Christo dem Gekreuzigten zur Buße bringen wollten, weshalb sie Gesetzesstürmer oder Antinomer genannt wurden. Da aber der Anstifter
English translation AI translation
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Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall pass away neither now nor evermore."
Published by C. F. W. Walther.
Volume 1.
St. Louis, Mo., August 23, 1845.
No. 26.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar and twenty-five cents for out-of-town subscribers, half of which they must pay in advance, and who must also bear the postage. — In St. Louis, each single issue is sold for 6¼ cents.
(Submitted by Pastor Keyl.)
Life History of Dr. Luther.
(Conclusion.)
In the year 1537 the Lutheran princes held an assembly at Schmalkalden, at which the articles Luther had composed at their request were signed and designated for presentation to the general council that had been announced. The Lutheran church has likewise received these Schmalkald Articles into the number of its public confessions. Luther also traveled to Schmalkalden and there delivered several very important sermons on the three articles of the Christian faith and on Matthew 4:1ff., in which he gives a brief survey of the whole history of the church and shows what the church of Christ, as well as Christ its head, and every individual Christian, must suffer from the devil — namely, how in the first three centuries he tempted Christendom to fall away from Christ as a black devil, through outward tyranny; and when this did not succeed, how he assailed it as a white devil, falsely appealing to Holy Scripture, through various heresies, especially the Arian heresy; and how finally, as a divine devil in the papacy, he let himself be worshiped through self-chosen works and forms of worship — but how, at the time of the Reformation, the divine mask was stripped from him through the Word of God, and power was taken from him over all those who believe this Word.
While he was still at Schmalkalden, Luther was overtaken by the most violent pains of the stone, so severe that he himself and others thought his death was at hand. All the princes and lords present visited him, and when his devout Elector came to his sickbed, Luther told him, in a prophetic spirit, that after his death a division would arise at the University of Wittenberg and his teaching would be altered — for even then Melanchthon was suspected of being ready, out of a false love of peace, to depart easily from strict truth. The Elector, whom Luther's words filled with much anxiety, declared to him firmly and decisively that, although he well knew the university's reputation and renown were ascribed to Melanchthon's learning, he would rather do without him than allow harm to be done to the truth, even should the university itself perish over it. He then comforted the ailing Luther with these words: "Our dear Lord God will be gracious to us for the sake of his Word and his name, and will prolong your life, dear father" — and when he had said this, he turned away, for his eyes filled with tears.
But as the pains grew ever more violent, Luther asked to be brought to Wittenberg; this was done, at the Elector's wish, in his own carriage, to which another was added, laden with many implements for the care of the precious sick man. At the same time two of the prince's own physicians were ordered to do everything in their power to restore him. As he left Schmalkalden, he commended himself to the prayer of the church and made his brief Christian confession: "He would remain with the Lord Christ and his Word, and knew no other righteousness in his heart than the precious blood of Jesus Christ, which cleanses him and all who believe it from all sins out of pure grace, as his books, together with the Augsburg Confession, freely confess." At his departure he called out to his friends: "God fill you with hatred against the pope" — that is, they should not only remain unconfused by the pope's doctrine, but should also remain, steadfastly to their end, public enemies of its idolatry. Already in the carriage he had made his will and held himself ready, should his dear Lord Christ come to take him to himself, to receive him with joy. But behold, the Lord once more delivered him from all his sickness after eleven days of suffering. This happened at Tambach, a small village in the Thuringian Forest. There, therefore, full of praise and thanksgiving, he wrote these words: "This is my Peniel; there the Lord appeared to me" — just as he once blessed and delivered the patriarch Jacob when he wrestled with the Lord (Genesis 32:30). When he was asked what remedy had helped him against the stone, he answered: "Prayer" — for in all the Christian congregations, he said, they had prayed earnestly for him according to the command of St. James, chapter 5:14-15.
At Gotha he was met by the envoys of the Upper German Reformed churches, Bucer and Lycosthenes, who were traveling to Schmalkalden to further the previous year's Concord. Although Luther was still rather weak, he nevertheless had them come to him and spoke with them in a friendly manner. Among other things he said that the best course in the matter would be for them henceforth to keep quiet, to teach rightly, and to confess freely and plainly: "Dear friends, God has let us fall, we have erred; let us now take care and teach rightly, for one cannot manage matters by mincing words, nor can people's consciences be quieted by such evasions. God will also demand of us a strict account for our teaching; therefore in our office we dare give nothing away from God." From this whole conversation, as well as from several of Luther's letters, it is plainly evident that the Reformed party's claim — that he had at that time inclined toward their doctrine — is unfounded; for while out of love he showed every possible gentleness and began once more to hope for the best, in the doctrine itself he did not depart a hairsbreadth from his former confession.
After Luther had returned to Wittenberg in good health, he went on eagerly again with prayer, study, lectures, and preaching. In particular, he expounded from the pulpit Christ's farewell discourses according to John, chapters 14-16, which Dr. Creutziger took down and then had printed. Luther himself declared this work to be the best book he had made, but added with great humility: "although I did not make it, but Dr. Creutziger showed his great understanding and high diligence in it."
Now while Luther enjoyed fairly good peace from foreign enemies, and saw with joy that for all their snorting and defiance they accomplished little — while, on the contrary, ever more cities and lands were accepting the gospel — there arose, around the year 1538, a secret division among his own students, which grieved Luther deeply; for false teachers appeared who wanted to banish the law, as well as the doctrine of good works, from the church, and to bring people to repentance solely through the preaching of Christ crucified, for which reason they were called stormers of the law, or Antinomians. But when the instigator of this—