Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 2 › Seite 14
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-09-15, Seite 14
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wohnheit findet ſich in der altluther. Zeit keine Von der methodiſtiſchen Heiliguugs⸗ gefangen in der Sünden Geſetz;
Spur; es wurden nämlich nie die Erwachſenen Gnade. weiter Gal. 5, 17.: Das Fleiſch ge⸗
öffentlich und im Beiſein der Jugend eraminirt, lüſtet wider den Geiſt, und den
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denn jene wohlerfahrnen Väter nahmen nicht wäreſt, vurch dits einzlze Wert würdeſ duGeiſt wider das Fleiſch, dieſelbi⸗
nur Rückſicht auf den guten Willen der Erwach⸗
ſenen ſich auch mit examiniren zu laſſen, und
berückſichtigten auch nicht bloß den guten Ein⸗
druck, den eine gute Antwort derſelben auf die
Jugend hervorbringen könnte, ſondern ſie bedach⸗
ten auch die leicht mögliche Beſchämung der Er⸗
wachſenen, wenn ſie gar keine oder eine falſche Ant⸗
wort gäben und aus weiſer Berückſichtigung des
übeln Eindrucks, den ſo etwas bei Alten und
Jungen hervorbringen müßte, unterließen ſie es
lieber ganz, jene mit zu examiniren; hatten ſie
doch ohnehin durch das Zuhören beim Examen
Gelegenheit genug, die kurze Wiederholung der
vorausgegangenen Predigt zu vernehmen und
ſich dabei im Stillen die der Jugend vorgelegten
Fragen zu beantworten.
Außer dieſen gewöhnlichen Examinibus, die
in Verbindung mit den Catechismuspredigten
wenigſtens an allen Sonn- und Feſttagen Nach⸗
mittags ſtatt fanden, wurden noch faſt an allen
Orten vierteljährlich binnen zwei Wochen alle
Hauptſtücke des Catechismus durchgepredigt und
examinirt, wozu man alle Gottesdienſte mit all⸗
einiger Ausnahme des ſonntäglichen Vormittags⸗
gottesdienſtes verwendete. Endlich mußte der
Suverintendent bei Kirchenviſitationen die Ge⸗
meinde, nämlich die Erwachſenen, jedoch nicht
im Beiſein der Jugend, katechiſiren, wie dieß
früher von den Biſchöfen und bei der erſten lu⸗
theriſchen Kirchenviſitation von Dr. Luther ge⸗
ſchah, laut ſeiner eigenen Erklärung in der Vor⸗
rede zum kleinen Catechismus.
So führte das Auf- und Vorſagen des Cate⸗
chismus zur Kenntniß des Textes und der Aus⸗
legung, die Predigt zum reichern Verſtändniß bei⸗
der und das Examen zur tieferen Einprägung
des auf dieſe zwiefache Weiſe Gehörten und Ge⸗
lernten.
Wie treulich folgten demnach Prediger und
Gemeinden der Ermahnung St. Pauli Col. 3,16.:
„Aaſſet das Wort Chriſti reichlich unter euch woh⸗
nen in aller Weisheit!“ Wo finden wir einen
ähnlichen Eifer bei irgeud einer Sekte? Welch'
eine Weisheit und ordnender Verſtand gehörte
dazu, ein ſolches Vorbild des Lehrweſens im
Ganzen und Einzeln zu entwerfen! Welch' eine
unabläßige Thätigkeit gehörte dazu, dieß Alles
ins Werk zu ſetzen, wovon Dr. Luthers Worte
in der erwähnten Vorrede Zeugniß geben: „dar⸗
um ſiehe darauf Pfarrherr und Prediger, unſer
Amt iſt nun ein ander Ding worden, denn es
unter dem Papſt war; es iſt nun ernſt und heil⸗
ſam worden. Darum hat es nun vielmehr
Mühe und Arbeit, Gefahr und Anfechtung, da⸗
zu wenig Lohn und Dank in der Welt; Chriſtus
aber will unſer Lohn ſelbſt ſein, ſo wir treulich
arbeiten. Das helfe uns der Vater aller Gna⸗
den! Dem ſei Lob und Dank in Ewigkeit durch
Chriſtum, unſern Herrn! Amen.
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unrein. Ambroſius.
(Fortſetzung.)
Die Wahrheit des göttlichen Wortes iſt ſo
klar und deutlich, daß dieſelbe mit ihrem hellen
Lichte zuweilen auch ihre Feinde zwingt, ihr die
Ehre zu geben und ſie anzuerkennen. Dies
zeigt ſich recht deutlich am Avolegeten. Bekannt⸗
lich bemüht ſich derſelbe zum Argerniſſe der gan⸗
zen chriſtlichen Kirche damit, durch allerlei
Schriftverdrehungen die Irrlehre zu vertheidi⸗
gen, daß der Menſch durch die ſogenannte Hei⸗
ligungs-Gnade hienieden ſchoͤn zur völligen
Sündloſigkeit gelangen könne. Und doch be⸗
hauptet er, ſich ſelber widerſprechend, No. 13
d. J. in der bereits angeführten Stelle: „Ob⸗
ſchon aber ſeine Seele frei iſt von dem, was die
Bibel Sünde nennt, ſo hat er doch ſeine
Schwachheiten und unausbleiblichen
Fehler, welche von dem Falle herkommen, weßhalb
er jeden Augenblick das Verſöhnungsblut Jeſu
und das Verdienſt ſeines Todes anſprechen muß:
vergieb mir meine Schuld, wie ich vergebe mei⸗
nen Schuldigern.“ Neben der Lüge, daß der
Geheiligte ſündenfrei ſei, bekennt alſo der Apo⸗
logete zugleich wider Willen die Wahrheit, daß
er ſeine Schwachheiten und unaus⸗
bleiblichen Fehler habe, und ſpricht da⸗
mit die Lehre der h. Schrift aus, daß der Chriſt
während ſeines Erdenlebens noch keine vollkom⸗
mene Sündloſigkeit erreichen könne. Denn wenn
einem Chriſten unausbleibliche Fehler
anhangen, d. h. Sünden, für welche er Verge⸗
bung bedarf, wenn er anders ſelig werden will,
ſo iſt es ihm geradezu unmöglich, hienieden ſchon
ſündlos zu werden.
Der Apologet wird demnach jetzt der lutheri⸗
ſchen Kirche Recht geben müſſen, wenn dieſelbe
Röm. 7, 14 — 25. von dem Zuſtande eines
Wiedergebornen verſteht und mit der Concor⸗
dienformel alſo bekennt: „Nachdem aber die
Gläubigen in dieſem Leben nicht vollkömmlich,
ganz und gar (completive vel consummative)
verneuert werden; denn obwohl ihre Sünde
durch den vollkommenen Gehorſam Chriſti be⸗
deckt iſt, daß ſie den Gläubigen zur Verdamm⸗
niß nicht zugerechnet wird, auch durch den heili⸗
gen Geiſt die Abtödtung des alten Adams und
die Verneurung im Geiſt ihres Gemüths ange⸗
gefangen iſt, ſo hängt doch noch immer der alte
Adam in ihrer Natur und allen innerlichen
und äußerlichen Kräften derſelben an, davon der
Apoſtel geſchrieben, Nöm. 7, 18.: ich weiß,
daß in mir, das iſt, in meinem
Fleiſch, wohnet nichts Gutes; und
abermals: ich weiß nicht, was ich
thue, denn ich thue nicht, was ich
will, ſondern, das ich haſſe, das
thue ich; ferner: ich ſehe ein anderes
Geſetz in meinen Gliedern, das
da widerſtrebt dem Geſetz in mei⸗
nem Gemüthe, und nimmt mich
gen ſind wider einander, daß ihr
nicht thut, was ihr wollt. Denn
wenn der Apologete ſagt, auch der Geheiligte
habe ſeine Schwachheiten und unaus⸗
bleiblichen Fehler, ſo wird er auch zuge⸗
ben müſſen, daß die Worte: „das ich haſſe,
das thue ich; die Sünde wohnt
in mir; ich bin fleiſchlich; das
Böſe hanget mir an“ u. ſ. w. mit
vollem Rechte auf einen Wiedergeborenen bezo⸗
gen werden, denn ſie ſagen ja nicht mehr aus,
als daß auch der Geheiligte ſeine „unaus⸗
bleiblichen Fehler“ habe.
So, wie die Stelle Röm. 7, 14 — 25. von
der Concordienformel verſtanden wird, iſt die⸗
ſelbe auch von Auguſtin und Luther erklärt, alſo
gerade von den Männern, welche die reichſte und
tiefſte geiſtliche Erfahrung hatten und darin bis⸗
jetzt wohl noch von Niemanden übertroffen ſind.
Hören wir nur Luther, wie er ſeinen Seelenzu⸗
ſtand mit denſelben Worten des Apoſtels be⸗
ſchreibt: „Die andern, ſie rühmen Geiſt oder
Fleiſch, ſollt du nicht hören. Wie denn jetzt
rühmen unſere Schwärmgeiſter, die den heiligen
Geiſt mit Federn und mit allem haben gefreſſen,
ſind gar durchgeiſtert, ſprechen, der heilige Geiſt
habe mit ihnen vom Himmel herabgeredet und
viel ſonderliches geoffenbaret und dergleichen.
Ich kann mich nicht viel rühmen vom Geiſt, ſie
werden mir allzubald Geiſt. Ich rühme mich
des Geiſtes der Liebe, ſonſt bin ich ein armer
fleiſchlicher Sünder; ich ſollte ja auch
etwas darum wiſſen von dem Geiſt, deß ſie ſich
rühmen; aber ſie ſind mir viel zu hoch durch⸗
geiſtert.“ Pred. am 8. Trin.
(Fortſetzung folgt.)
— ——
Die Bibel und die römiſche Kirche.
Eine zu Bononien im Jahre 1553 zu dem
Zweck verſammelte Anzahl von Biſchöfen, ſich
über die Art und Weiſe zu berathen, wie die der
römiſchen Kirche durch die Reformation geſchla⸗
genen Wunden zu heilen ſeien, erließ ein Schrei⸗
ben an Papſt Julius III., worin demſelben un⸗
tee anderen folgender Rath gegeben wird:
„Endlich — dieſen Rath, als den wichtigſten
unter allen, die wir zu dieſer Zeit geben können,
haben wir bis zu letzt aufbehalten — ſind hier
die Augen zu öffnen und iſt mit aller Macht dar⸗
auf hinzuarbeiten, daß in den Staaten, welche
unter deiner Botmäßigkeit und Herrſchaft ſind,
vom Evangelio (beſonders in der Landesſprache)
ſo wenigals nur möglich geleſen werde.
Es genüge jenes Wenige, was bei der Meſſe
pflegt geleſen zu werden; und mehr als dies
werde keinem unter den Sterblichen zu leſen zu⸗
gelaſſen: Denn ſo lange die Leute mit jenem
Wenigen zufrieden geweſen ſind, ſo lange haben
deine Sachen nach Wunſch ihren Fortgang ge⸗
habt, ſind aber in Abgang gerathen, ſobald es
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