Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 2 › Seite 13

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-09-15, Seite 13

9 10 11 12 13 14 15 16

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Papfttum

⤓ Download .txt · copy text

— 13——

Eingehen des Weſens des Fleiſches Chriſti
in die Leiber der Menſchen leugnen, mögen
ſie nun ein ſubtiles, geiſtliches, himmliſches, übernatür⸗
liches oder widernatürliches, geheimes und unbegreifliches
erdichten und prebigen. (Admon. contra lib. Concordiae
P. 109.) Fürwahr! deutlicher hätte hier der Verfaſ ſer
deo Heidelbergiſchen Catechismus nicht erklären
können, daß auch die deutſch⸗reformirte Kirche in ihrem
Glauben rein zwinglianiſch ſei, ſo ſehr ſie ſich auch durch al⸗
lerlei ſchwankende Ausdrücke von jeher den Anſchein geben
wollte, als habe ſie ſich von dem zwingliſchen Rativnalis⸗
mus gereinigt. — Endlich ſchreibt Petrus Martyr:
„Es hat mir daher immer geſchienen, als ſeid ihr nicht recht
lug (ihr Lutheraner), daß ihr euch um einen eben ſo alber⸗
nen als unnützen Glaubenspunkt abmühet, zu deſſen
Behanptung ihrenichts weiter habt, als das
Wort ſto rheton] Chriſti: das iſt mein Leib.“
IDialog. p. 127.] Ein herrlicheres Zeugniß hätte wohl die⸗
ſer verſchmitzte Calviniſt nicht für unſere Lehre, und kein
ſchlechteres gegen den reformirten Glauben ablegen
können.

*

(Eingeſandt von P. Keyl.)
Die alten bewährten Maßregeln der
luth. Kirche zur reichlichen Nbung des
Wortes Gottes.
(Fortſetzung.)

Allein dieß Alles, ſo umfaſſend es auch iſt,
und ſowohl wegen des weiſen Raths als wegen
der kräftigen Ausführung unſere Bewunderung
verdient, ſo war es doch nur ein Theil deſſen,
was zur reichlichen Ibung des Wortes Gottes
für nöthig erachtet wurde. Dr. Luther und
durch ihn ſeine treuen Mitarbeiter hatten ſich
aus der früheren Geſchichte der Kirche und aus
eigener Erfahrung überzeugt, daß noch ein
Hauptbeſtandtheil hinzukommen müſſe und das
war die Ubung des Catechismus, als
der rechten Laienbibel, die in ihren mit Recht
alſo genannten Hauptſtücken, aus der h. Schrift
genommen, wieder in ſie zurückführt, alſo, daß
kein Abſchnitt in der Bibel zu finden iſt, der
nicht in eins jener Hauptſtücke gehöre und wie—
derum, daß kein Hauptſtück im Catechismus
zu finden iſt, das nicht in gar viele Abſchnitte
und Verſe der Bibel gehöre. Mit dem Ver⸗
tändniß des Catechismus ſteht und fällt, nimmt
ab und zu das Verſtändniß der ganzen h. Schrift,
iid welchen Einfluß eben deshalb die Ubung des
Catechismus auf das Gedeihen der ganzen Re⸗
formation gehabt habe, erhellet unter Anderm
aus dem kurzen bündigen Zeugniß Dr. Luthers:
„Der Catechismus würde viel Gutes bringen,
wie er denn alles Gutes, ſo in unſerm Volke
jetzt iſt, gebracht hat und noch bringt, und kein
ſtärker beſſer Kunſt iſt, die Leute bei der Andacht

und die Kiiche ganz zu erhalten, denn der Cate⸗

ibiemus, wie wir das täglich erfahren. IW. A.

19, 1486.J ö

baben wir eine dreifache Form wahrzunehmen,
das Auf- und Vorſagen des Tertes des Cate-—
chismus, die Catechismuspredigt und das Ca⸗
techismuseramen. ö

Im Betreff des Auf- und Vorſagens
des Catechismus iſt Folgendes zu merken.

Nach Dr. Luthers Vorſchrift ſollte denſelben je⸗

der Hausvater von den Kindern und Dienſtboten
täglich von Wort zu Wort aufſagen laſſen, wie

dies auch in der Schule geſchah; wer aber den
Catechismus nicht aufſagen oder lernen wollte,
dem ſollte Eſſen und Trinken verweigert, ja der
ſollte zum Hauſe und zum Lande hinausgewieſen
werden. Aber man wußte wohl, daß man ſich
auch bei dieſer Ubung nicht ganz auf Haus und
Schule verlaſſen dürfe und war mithin genö—
thigt, der Gemeinde auch in den Gottesdien⸗
ſten Gelegenheit zu geben, die Hauptſtücke zu ler⸗
nen und ins Gedächtniß zurückzurufen. Daher
mußten nicht nur die Schulkinder im Examen
den Catechismus regelmäßig aufſagen, ſondern
er wurde auch von dem Prediger wenigſtens nach
der Predigt, bisweilen aber auch noch vor der⸗
ſelben von der Kanzel aus dem Volke laͤngſam
und deutlich, doch ohne die Auslegung, vorge⸗
ſprochen, wie dies ſogar im Papſtthum üblich
geweſen war. Die Hochbergiſche Kirchenord—
nung muß gewußt haben, daß einmal ein auf⸗
geklärtes und vornehmes neunzehntes Jahrhun—
dert auf ſie herabſehen würde, denn ſie entſchul⸗
digt ihre Verfügungen und ſagt: „Wiewohl nun
dieſe Verordnung bei Manchem ein geringes An⸗
ſehen haben möchte, als die viel ſchlechter uud
kindiſcher wäre, denn das fürnehmlich die Ge—
lehrten damit beladen ſollten werden; jedoch
welcher bedenkt die hoch groß Authorität der be—
meldten Stück, und was treffenlicher Nutz der
heil. chriſtlichen Kirchen daraus entſteht, der wird
ſich, er ſei gleich wie gelehrt er woll, derſelben der
Kirchen fürzuſprechen nicht ſchämen. Denn die
zehen Gebot ſind von Gott ſo hoch geachtet wor—
den, daß er ſie ſelbſt ſeiner Kirche auf dem Berg
Sinai fürgeſprochen hat. So hat unſer Herr
Chriſtus auch ſelbſt das Vaterunſer zu beten ge⸗
lehrt. Was dann das Symbolum apostolicum,
fürnehmlich die Artikel von dem Sohn Gottes,
unſerm Herrn Jeſu Chriſto, belangt, hat es
Petrus mit gegenwärtiger Kundſchaft anderer
ſeiner Mitapoſtel auf dem Pfingſtfeſt (Apoſtelg.
2.), da ſie allererſt den heiligen Geiſt empfangen
hatten, gepredigt. Und iſt nicht zu zweifeln,
nachdem die wahre, rechte chriſtliche Lehre viel
Jahr mit Menſchengedicht verdunkelt geweſen,
und doch dabei der Gebrauch der obenbemeldten
Stück nach der Predigt fürzuſprechen gehalten,
daß viel Menſchen durch dieſelben aus Gnaden
des heiligen Geiſtes erleuchtet und erhalten wor⸗
den ſein. Darum ſoll ſich Keiner dieſes chriſt—
lichen nützlichen Werks zu unterfangen beſchwe—
ren, ſondern dasſelbe mit allem Fleiß und Ernſt
verrichten.“

Außerdem beſtand noch ein beſonderes Cate—

chismusverhör der Einzelnen in der Beichte, fer⸗
in die Jugend bläue, nicht hoch noch ſcharf, ſon⸗

ner bei denen, welche ein Pathenamt übernehmen

wollten und ſich bei der Taufhandlung verpflich⸗
Auch bei dieſer Art der ÜUbung Gottes Worts

ten mußten, ihren Täufling die Hauptſtücke des

Catechismus zu lehren oder dafür zu ſorgen, daß

dies geſchehe; endlich wurde es auf ähnliche
Weiſe mit den Brautleuten vor der kirchlichen
Trauung gehalten, alles nach früherer löblicher
Sitte. n 115
„Es ſoll aber nicht an dem genug ſein“, ſagt.
Dr. Luther, „daß mans alleine den Worten nach
faſſe und erzählen könne, ſendern laſſe das junge
Volk auch zur Predigt gehen, ſo zum Catechismo

geordnet, daß ſie es hören auslegen und ver⸗
ſtehen lernen, was ein jeglich Stück in ſich habe.“

Dies führt uns auf die zweite Form, auf die
Catechismuspredigt, durch welche den
Alten und Jungen ein reicherer und weiterer
Verſtand des Catechismus nach Anleitung des
großen gegeben werden ſollte. Wenn ein Mei⸗
ſter im Lehren des Catechismus wie Dr. Luther
immer noch ein Schüler desſelben bleiben mußte
und auch wollte, ſo wäre es freilich eine ſehr
verkehrte Frage, warum an ſolcher Catechismus—
lehre auch die Erwachſenen fort und fort Theil
nehmen ſollten. Es iſt bei dieſein Vorbild der
heilſamen Lehre nicht, wie etwa beim Nechnen,
Leſen und Schreiben ein gewiſſes Ziel zu ſtecken,
ſo daß man ſagen könnte, wenn ein Chriſt ſo
und ſo viel weiß, ſo hat er daran für ſein gan—
zes Leben genug, wie man in unſerer Zeit ge⸗
wohnt iſt, die Confirmation als ein ſolches Ziel
und gleichſam als den Abſchluß alles Lernens
der heilſamen Lehre anzuſehen; daß man zur
Zeit der Reformation die entgegengeſetzte Anſicht
hatte, geht ſchon daraus hervor, daß man nur
an einigen wenigen Orten die Confirmation mit
in den öffentlichen Gottesdienſt hineinzog, an
den meiſten Orten aber die wohl unterrichteten
Catechumenen ohne Weiteres an der Beichte und
an dem h. Abend mahl Theil nehmen lirß. Wie
nöthig auch allen Erwachſenen ein fortwährender
Catechismusunterricht durch die Predigt ſei, die
zunächſt für ſie beſtinunt war, das ſagt uns Dr.
Luther in der Vorrede zu ſeinem großen Catechis⸗
mus, wenn er ſpricht: „Sind wir denn nicht
die allerfeinſten Geſellen, die wir uns laſſen.
dünken, wenn wirs einmal geleſen und gehört
haben, daß wirs Alles können und nicht mehr
leſen noch lernen dürfen, und können das auf
eine Stunde auslernen, das Gott nicht ſelbſt
kann auslehren? ſo er doch davon lehret von An—
fang der Welt bis zu Ende und alle Propheten
ſammt allen Heiligen daran zu lernen gehabt,
und noch immer Schüler ſind blieben und noch
bleiben müſſen!,

Mit den Catechismuspredigten ſollten Cate—
chismusexamina oder Catecheſen verbunden
werden, wie dies aus der kürzern Vorrede er-
erhellt, worin Dr. Luther, nachdem er von der
Theilnahme der Jugend in den Catechismuspre⸗
digten geredet, ſo fortfährt: „alſo, daß ſie es auch
können aufſagen, wie ſie es gehört haben und
fein richtig antworten, wenn man ſie fragt, auf

daß es nicht ohne Nutz und Frucht geprediget

werde; denn darum thun wir den Fleiß den Ca⸗
techismum oft vorzupredigen, daß man ſolches

dern kurz und aufs einfältigſte, auf daß es ihnen
wohl eingehe und im Gedächtniß bleibe.“

So wurde ein Stück des Catechismus nach
dem andern erſt in der Predigt erklärt und dann
im Eramen abgefragt, worüber die alten Kir—
chenordnungen und beſonders die Pommerſchi
ſehr ausführliche Vorſchriften geben, denen mar
es wohl abfühlen kann, daß es ihren ehrwürdi—
gen Verfaſſern ein großer heiliger Ernſt um der
Katechismusunterricht geweſen ſein müſſe.

RNur von einer ſpäter aufgekommenen Ge—

—2

English translation

Not yet translated.