Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 10 › Seite 40

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-01-11, Seite 40

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chriſtentum. .— 3 · Lehre. — Falſche Lehrer 14 · Prieſtertum 2 · Religionsfreiheit 1

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weil die römische das Ketzermorden als einen Gottesdienst gebietet, wie der Koran, während dies die lutherische Kirche als einen Teufelsdienst verdammt. Denn gesetzt, es hätte wirklich einmal eine lutherische Obrigkeit einen Ketzer um seiner Ketzereien willen hingerichtet — was nie erwiesen worden ist,*) — so hätte eben dann die luth. Obrigkeit ganz unlutherisch gehandelt, sie hätte gethan, was ihre eigne Kirche verdammt. So wenig die luth. Kirche stiehlt, einbricht ꝛc., obgleich es sogenannte Lutheraner gibt, die das thun, so wenig hätte die luth. Kirche sich jenes Ketzermordes theilhaftig gemacht, wenn auch ganze sogenannte lutherische Universitäten eingestimmt hätten, denn bei uns ist die Stimme der Prediger und Gelehrten nicht an und für sich selbst die Stimme der Kirche. Wie spricht sie aber? In der Augsburgischen Confession heißt es: „Derhalben ist das bischöfliche Amt nach göttlichen Rechten, Evangelium predigen, Sünde vergeben, Lehre urtheilen, und die Lehre, so dem Evangelio entgegen, verwerfen, und die Gottlosen, dero gottlos Wesen offenbar ist, aus christlicher Gemein ausschließen, ohne menschliche Gewalt, sondern allein durch Gottes Wort.“ (Art. 28.) Ferner heißt es in den Schmalkaldischen Artikeln: „Christus hat seinen Jüngern allein geistliche Gewalt gegeben, das ist, er hat ihnen befohlen, das Ev. zu predigen, Vergebung der Sünden zu verkündigen, die Sacramente zu reichen, und die Gottlosen zu bannen, ohne leibliche Gewalt durchs Wort.“ (Anhang.) In Uebereinstimmung mit unserer Kirche sagt Luther: „Wir sollen die Ketzer und falschen Lehrer nicht ausrotten noch vertilgen. Mit Gottes Wort soll man hier handeln; denn es geht also zu in dieser Sache, daß wer heute irrt, kann morgen zurecht kommen. Wer weiß, wenn das Wort Gottes sein Herz rühren wird? Wo er aber verbrennet oder sonst erwürgt wird, so wird damit gewehret, daß er nicht kann zurecht kommen; und wird er also dem Worte Gottes entrückt, daß er muß verloren sein, der sonst hätte mögen selig werden. Da geschieht denn, das der HErr sagt, daß der Weizen wird auch mit ausgerauft, wenn man das Unkraut ausgätet. Das ist denn gar greulich Ding vor Gott und nimmermehr zu verantworten. Daraus merke, welche rasende Leute wir sind so lange Zeit (im Pabstthum) gewesen, die wir die Türken mit dem Schwert, die Ketzer mit dem Feuer, die Juden mit Tödten haben wollen zum Glauben zwingen, und das Unkraut ausrotten mit unserer eigenen Gewalt; gerade als wären wir die Leute, die über Herzen und Geister regieren könnten, und wir sie möchten fromm und recht machen, welches doch allein Gottes Wort thun muß. Aber wir scheiden die Leute von dem Wort mit dem Morden, daß es nicht kann an ihnen wirken, und bringen also auf einmal zween Mord auf uns, so viel an uns liegt, nehmlich daß wir den Leib zeitlich, und die Seele ewiglich zugleich ermorden, und sagen darnach, wir haben Gott einen Dienst daran gethan, und wollen was Sonderes im Himmel verdient haben. Darum sollte dieser Spruch: „„Lasset's beide mit einander wachsen,““ (Matth. 13.) billig die Ketzermeister und Leutemörder erschrecken, wo sie nicht eiserne Stirnen hätten, ob sie gleich rechte Ketzer vor sich hätten.“ (Kirchenpostille. Dom. V. p. Epiph.)

*) Ein Schreiber in St. Louis will es zwar erweisen, aber einfältig genug gesteht er es selbst, daß der Mann, mit welchem er es beweisen will, auch der Zauberei beschuldigt, nicht hingerichtet, sondern nur einstmals als Leiche mit einer tödtlichen Wunde in seinem Kerker gefunden worden sei!!

*

Prüfe nun, lieber luth. Leser, nach dem Gesagten, was die Spötter unserer Tage gegen das Christenthum schreiben, so hast du hiermit wieder genug, um ohne irre zu werden einige Dutzend Jahrgänge ihrer unsaubern Blätter zu lesen, sollte es dich ja gelüsten, es zu thun. Du wirst finden, diese Blätter sind einer Zwiebel gleich, die man abschälen kann, so weit man will, man kommt doch zu keinem Kern; die Quintessenz von tausend Bogen ist meist dies: Es hat heuchlerische Christen gegeben, die waren böse Buben, also ist das wahre Christenthum ein böses Ding!!

Kirchliche Nachrichten.

In No. 8 des Lutheraners haben wir gemeldet, daß Herr P. Wyneken in Deutschland einen Aufruf an unsere Glaubensgenossen habe ergehen lassen, den kirchlich verwaisten deutschen Lutheranern in den Ver. Staaten von Nordamerika zu Hülfe zu kommen. Wir freuen uns, aus kürzlich erhaltenen Briefen melden zu können, daß unsere Glaubensbrüder in der Heimath seitdem immer einmüthiger und lebendiger zusammentreten, um nach demselben Plane und denselben leitenden Grundsätzen und auf demselben Grunde unserer Symbole die zerstreuten und darbenden Lutheraner hieselbst sammeln, gründen, bauen und pflegen zu helfen. In Baiern nimmt sich dieser Sache insonderheit Pastor Löhe in Neuendettelsau bei Nürnberg an. An die Brüder in Baiern haben sich bereits die Hannoveraner (unter der Leitung des Pastor Petri), Mecklenburger, Westphälinger, Schwaben, ja auch Liefländer angeschlossen; der Verein zu Dresden für denselben Zweck steht zwar gegenwärtig noch allein, doch steht zu erwarten, daß er sich an die anderen genannten Vereine auch bald anschließen werde. Von Dresden gesendet kam hieher Dr. Sihler; derselbe ist Pastor in Pomeroy, Meigs Co., Ohio; diesem folgte kürzlich ebendaher Candidat Schmidt. Aus der Anstalt des genannten P. Löhe sind bereits 7 Boten hereingesandt, von denen drei Prediger sind, Ernst bei Marysville, Union Co., Ohio, Burger, Hancock Co., Ohio, Hattstädt, Monroe, Michigan; zwei Lehrer, Baumgart in Columbus und Schuster in Pomeroy; Saupert, als Reiseprediger bestimmt, jetzt noch in Columbus, Ohio; Zwerner als Colporteur. — Wir heißen sie alle herzlich willkommen und flehen zu Gott im Namen JEsu Christi, daß er allen Gnade geben wolle, die reine Lehre unserer Kirche hier mit freudigem Aufthun ihres Mundes zu verkündigen und sie für ihre Botschaft allenthalben eine offene Thür finden zu lassen.

Berichtigung.

In einem hiesigen Blatte wurde neulich berichtet, daß Luther ein Kind habe in das Wasser werfen lassen wollen, weil er es vom Teufel besessen geglaubt habe. So befremdend dies manchem sein mag, so erzählt der Berichterstatter in einem gewissen Sinne allerdings der Wahrheit getreu, nur daß er sich darin irrt, daß er meint, dies habe Luther nur an Einem Kinde geschehen lassen wollen. Luthers Katechismus zeigt vielmehr, daß sein Sinn ist, es möchte der alte Adam erst durch die h. Taufe und dann durch tägliche Reue und Buße in einem jeden Menschen ersäuft werden. In diesem Sinne leugnen wir keineswegs die Wahrheit des genannten Berichts.

Lied einer heilsbegierigen Seele.

Nur du, o Jesu, bleibest mein,
Nichts soll mich von dir scheiden,
Mein Herz soll sich an dir allein
Und deiner Gnade weiden.
Du bist mein Trost und meine Freud',
Mein Heil und mein' Gerechtigkeit
Im Tode wie im Leben!

O Jesu, allerbester Schatz,
Dich will ich allzeit lieben!
Mach' dir in meinem Herzen Platz;
Laß mich auch nicht betrüben
Mit Sünden deinen guten Geist,
Der mir den Weg zum Vater weist
Und mich lehrt gläubig beten.

O Jesu, allerhöchstes Gut,
Ach, trockne meine Thränen
Mit deiner heißen Liebesgluth,
Still meines Herzens Sehnen!
Da du, o theures Gotteslamm,
An des verfluchten Kreuzes Stamm
Dein Leben für mich ließest.

Ach, könnt' ich dieses nimmer nicht
Aus meinem Sinne lassen,
Daß du befreitest vom Gericht,
Die voller Elend saßen
In Satans und des Todes Reich,
Von Gott verstoßen allzugleich,
Und nun durch dich gerettet.

So oft ich dies bei mir bedenk,
Verspür' ich süßen Frieden;
Den gibst du als ein frei Geschenk
Den Armen und den Müden,
Die dein so sanft und süßes Joch
In diesem armen Leben noch
Mit Freuden dir nachtragen.

Es kränkt und schmerzt mich übersehr,
Daß ich nichts weiter habe,
Als meiner Sünden großes Heer,
Dafür du mir als Gabe
Von deinem Vater wardst geschenkt;
Daran mein Herz mit Freud' gedenkt —
Ich will ihn allzeit loben!

Ach, wenn's doch wüßte alle Welt,
Wie sehr du pflegst zu lieben!
Sie würde über Gut und Geld
Sich nimmermehr betrüben;
Sie würde deine Freundlichkeit
Sehr rühmen hier schon in der Zeit
Und schmecken deinen Frieden.

Ach, Jesu, laß mich noch zuletzt
Auch beten für die Brüder!
Daran dein Herze sich ergötzt,
Wenn sie als deine Glieder
Sich lieben und in Einigkeit
Dein Werk befördern weit und breit
Und preisen deine Gnade.

J. M. Quast.

Gedruckt bei Weber und Olshausen.

English translation AI translation

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because the Roman church commands the killing of heretics as an act of divine service, just as the Koran does, whereas the Lutheran church condemns this as a service of the devil. For suppose that a Lutheran authority had indeed once put a heretic to death for his heresies — which has never been proven*) — even then the Lutheran authority would have acted in a wholly un-Lutheran manner; it would have done what its own church condemns. Just as little as the Lutheran church steals or breaks into houses, etc. — although there are so-called Lutherans who do such things — just as little would the Lutheran church have made itself party to that murder of a heretic, even if whole so-called Lutheran universities had agreed to it; for among us the voice of preachers and scholars is not, in and of itself, the voice of the church. But how does the church speak? In the Augsburg Confession it says: "Wherefore, according to divine right, the office of bishop is to preach the Gospel, forgive sin, judge doctrine, and reject the doctrine that is contrary to the Gospel, and to exclude from the Christian congregation the ungodly whose ungodly conduct is manifest — not by human power, but by the Word of God alone." (Art. 28.) Further, it says in the Smalcald Articles: "Christ has given his disciples spiritual power alone, that is, he has commanded them to preach the Gospel, to proclaim the forgiveness of sins, to administer the sacraments, and to ban the ungodly — without bodily force, through the Word alone." (Appendix.) In agreement with our church, Luther says: "We are not to root out or destroy heretics and false teachers. Here one must deal with God's Word; for in this matter it happens that he who errs today may come right again tomorrow. Who knows when the Word of God will touch his heart? But where he is burned or otherwise put to death, this prevents him from ever coming right, and he is thereby snatched away from the Word of God, so that he must be lost who might otherwise have been saved. Then what the Lord says comes to pass, that the wheat too is torn up along with the tares when one weeds out the weeds. That is indeed a horrible thing before God and can never be answered for. From this, take note what raging people we were for so long a time (under the papacy), we who wanted to force the Turks to the faith with the sword, the heretics with fire, the Jews by killing, and to root out the weeds by our own power — exactly as if we were the people who could rule over hearts and spirits and could make them godly and righteous, which only God's Word must do. But we cut people off from the Word by murder, so that it cannot work upon them, and thereby bring upon ourselves, so far as it lies in our power, two murders at once, namely that we murder the body temporally and the soul eternally at the same time, and afterward we say) that we have thereby done God a service, and think to have earned something special in heaven. Therefore this saying: 'Let both grow together' (Matthew 13), ought rightly to terrify the heretic-hunters and man-murderers, were their foreheads not made of iron, even though they had genuine heretics before them." (Church Postil, Fifth Sunday after Epiphany.)

*) A writer in St. Louis claims, indeed, to be able to prove this, but he naively admits himself that the man by whom he wishes to prove it — who was also accused of sorcery — was not executed at all, but was merely found once, as a corpse with a fatal wound, in his prison cell!!

Now, dear Lutheran reader, test by what has been said what the scoffers of our day write against Christianity, and you will thereby have enough to read a good many dozen volumes of their unclean sheets without going astray, should you ever be tempted to do so. You will find that these sheets are like an onion, which one may peel as far as one likes and never come to any kernel; the quintessence of a thousand pages is mostly this: there have been hypocritical Christians who were wicked fellows, therefore true Christianity is a wicked thing!!

Church News.

In No. 8 of Der Lutheraner we reported that Pastor Wyneken, in Germany, had issued an appeal to our fellow believers to come to the aid of the ecclesiastically orphaned German Lutherans in the United States of North America. We are glad to be able to report, from letters recently received, that our brothers in the faith in the homeland have since been coming together ever more unanimously and vigorously, in order to help gather, found, build up, and care for the scattered and needy Lutherans here, according to the same plan and the same guiding principles, and on the same foundation of our confessions. In Bavaria, Pastor Löhe of Neuendettelsau, near Nuremberg, has taken this cause especially to heart. The brethren in Bavaria have already been joined by the Hanoverians (under the leadership of Pastor Petri), Mecklenburgers, Westphalians, Swabians, and even Livonians; the society at Dresden formed for the same purpose still stands alone at present, but it is to be expected that it too will soon join the other societies named. Sent from Dresden, Dr. Sihler has come here; he is now pastor in Pomeroy, Meigs Co., Ohio; he was followed recently, from the same place, by candidate Schmidt. From the institute of the aforementioned Pastor Löhe, seven emissaries have already been sent over, three of whom are preachers — Ernst, near Marysville, Union Co., Ohio; Burger, in Hancock Co., Ohio; Hattstädt, in Monroe, Michigan — two are teachers, Baumgart in Columbus and Schuster in Pomeroy; Saupert, appointed as a traveling preacher, is presently still in Columbus, Ohio; and Zwerner as a colporteur. — We bid them all heartily welcome and pray to God, in the name of Jesus Christ, that he would grant them all grace to proclaim the pure doctrine of our church here with joyful opening of their mouths, and to let them find, for their message, an open door everywhere.

Correction.

It was recently reported in a local paper that Luther had once wanted to have a child thrown into the water because he believed it to be possessed by the devil. Strange as this may seem to many, the reporter does, in a certain sense, actually relate the truth, except that he is mistaken in supposing that Luther wished this to happen to only one child. Luther's Catechism shows, rather, that his meaning is that the old Adam should be drowned in every human being — first through Holy Baptism, and then through daily repentance and contrition. In this sense we by no means deny the truth of the report in question.

Song of a Soul Longing for Salvation.

Thou only, Jesus, dost remain mine,
nothing shall part me from thee;
my heart shall feed on thee alone
and on thy grace.
Thou art my comfort and my joy,
my salvation and my righteousness
in death as in life!

O Jesus, best of all treasures,
thee will I love at all times!
Make room for thyself within my heart;
let me not grieve
thy good Spirit with sins,
who shows me the way to the Father
and teaches me to pray in faith.

O Jesus, highest good,
ah, dry my tears
with the burning glow of thy love,
still the longing of my heart!
Since thou, O precious Lamb of God,
upon the accursed stem of the cross
didst give up thy life for me.

Ah, could I never let this
slip from my mind:
that thou didst free from judgment
those who, full of misery, sat
in Satan's and death's kingdom,
cast off by God, all alike,
and now saved through thee.

As often as I ponder this within myself,
I feel sweet peace;
this thou givest as a free gift
to the poor and the weary
who bear thy so gentle and sweet yoke
with joy after thee
in this poor life still.

It grieves and pains me sorely
that I have nothing more to offer
than my great host of sins,
for which thou wast given to me as a gift
by thy Father;
my heart remembers this with joy —
I will praise him at all times!

Ah, if only all the world knew
how greatly thou art wont to love!
It would never again trouble itself
over goods and gold;
it would praise thy kindness
greatly here already in this life
and taste thy peace.

Ah, Jesus, let me at the last
pray also for the brethren!
In this thy heart delights,
when they, as thy members,
love one another and in unity
further thy work far and wide
and praise thy grace.

J. M. Quast.
Printed by Weber and Olshausen.