# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 01 11_S40 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 40 weil die römische das Ketzermorden als einen Gottesdienst gebietet, wie der Koran, während dies die lutherische Kirche als einen Teufelsdienst verdammt. Denn gesetzt, es hätte wirklich einmal eine lutherische Obrigkeit einen Ketzer um seiner Ketzereien willen hingerichtet — was nie erwiesen worden ist,*) — so hätte eben dann die luth. Obrigkeit ganz unlutherisch gehandelt, sie hätte gethan, was ihre eigne Kirche verdammt. So wenig die luth. Kirche stiehlt, einbricht ꝛc., obgleich es sogenannte Lutheraner gibt, die das thun, so wenig hätte die luth. Kirche sich jenes Ketzermordes theilhaftig gemacht, wenn auch ganze sogenannte lutherische Universitäten eingestimmt hätten, denn bei uns ist die Stimme der Prediger und Gelehrten nicht an und für sich selbst die Stimme der Kirche. Wie spricht sie aber? In der Augsburgischen Confession heißt es: „Derhalben ist das bischöfliche Amt nach göttlichen Rechten, Evangelium predigen, Sünde vergeben, Lehre urtheilen, und die Lehre, so dem Evangelio entgegen, verwerfen, und die Gottlosen, dero gottlos Wesen offenbar ist, aus christlicher Gemein ausschließen, ohne menschliche Gewalt, sondern allein durch Gottes Wort.“ (Art. 28.) Ferner heißt es in den Schmalkaldischen Artikeln: „Christus hat seinen Jüngern allein geistliche Gewalt gegeben, das ist, er hat ihnen befohlen, das Ev. zu predigen, Vergebung der Sünden zu verkündigen, die Sacramente zu reichen, und die Gottlosen zu bannen, ohne leibliche Gewalt durchs Wort.“ (Anhang.) In Uebereinstimmung mit unserer Kirche sagt Luther: „Wir sollen die Ketzer und falschen Lehrer nicht ausrotten noch vertilgen. Mit Gottes Wort soll man hier handeln; denn es geht also zu in dieser Sache, daß wer heute irrt, kann morgen zurecht kommen. Wer weiß, wenn das Wort Gottes sein Herz rühren wird? Wo er aber verbrennet oder sonst erwürgt wird, so wird damit gewehret, daß er nicht kann zurecht kommen; und wird er also dem Worte Gottes entrückt, daß er muß verloren sein, der sonst hätte mögen selig werden. Da geschieht denn, das der HErr sagt, daß der Weizen wird auch mit ausgerauft, wenn man das Unkraut ausgätet. Das ist denn gar greulich Ding vor Gott und nimmermehr zu verantworten. Daraus merke, welche rasende Leute wir sind so lange Zeit (im Pabstthum) gewesen, die wir die Türken mit dem Schwert, die Ketzer mit dem Feuer, die Juden mit Tödten haben wollen zum Glauben zwingen, und das Unkraut ausrotten mit unserer eigenen Gewalt; gerade als wären wir die Leute, die über Herzen und Geister regieren könnten, und wir sie möchten fromm und recht machen, welches doch allein Gottes Wort thun muß. Aber wir scheiden die Leute von dem Wort mit dem Morden, daß es nicht kann an ihnen wirken, und bringen also auf einmal zween Mord auf uns, so viel an uns liegt, nehmlich daß wir den Leib zeitlich, und die Seele ewiglich zugleich ermorden, und sagen darnach, wir haben Gott einen Dienst daran gethan, und wollen was Sonderes im Himmel verdient haben. Darum sollte dieser Spruch: „„Lasset's beide mit einander wachsen,““ (Matth. 13.) billig die Ketzermeister und Leutemörder erschrecken, wo sie nicht eiserne Stirnen hätten, ob sie gleich rechte Ketzer vor sich hätten.“ (Kirchenpostille. Dom. V. p. Epiph.) *) Ein Schreiber in St. Louis will es zwar erweisen, aber einfältig genug gesteht er es selbst, daß der Mann, mit welchem er es beweisen will, auch der Zauberei beschuldigt, nicht hingerichtet, sondern nur einstmals als Leiche mit einer tödtlichen Wunde in seinem Kerker gefunden worden sei!! * Prüfe nun, lieber luth. Leser, nach dem Gesagten, was die Spötter unserer Tage gegen das Christenthum schreiben, so hast du hiermit wieder genug, um ohne irre zu werden einige Dutzend Jahrgänge ihrer unsaubern Blätter zu lesen, sollte es dich ja gelüsten, es zu thun. Du wirst finden, diese Blätter sind einer Zwiebel gleich, die man abschälen kann, so weit man will, man kommt doch zu keinem Kern; die Quintessenz von tausend Bogen ist meist dies: Es hat heuchlerische Christen gegeben, die waren böse Buben, also ist das wahre Christenthum ein böses Ding!! Kirchliche Nachrichten. In No. 8 des Lutheraners haben wir gemeldet, daß Herr P. Wyneken in Deutschland einen Aufruf an unsere Glaubensgenossen habe ergehen lassen, den kirchlich verwaisten deutschen Lutheranern in den Ver. Staaten von Nordamerika zu Hülfe zu kommen. Wir freuen uns, aus kürzlich erhaltenen Briefen melden zu können, daß unsere Glaubensbrüder in der Heimath seitdem immer einmüthiger und lebendiger zusammentreten, um nach demselben Plane und denselben leitenden Grundsätzen und auf demselben Grunde unserer Symbole die zerstreuten und darbenden Lutheraner hieselbst sammeln, gründen, bauen und pflegen zu helfen. In Baiern nimmt sich dieser Sache insonderheit Pastor Löhe in Neuendettelsau bei Nürnberg an. An die Brüder in Baiern haben sich bereits die Hannoveraner (unter der Leitung des Pastor Petri), Mecklenburger, Westphälinger, Schwaben, ja auch Liefländer angeschlossen; der Verein zu Dresden für denselben Zweck steht zwar gegenwärtig noch allein, doch steht zu erwarten, daß er sich an die anderen genannten Vereine auch bald anschließen werde. Von Dresden gesendet kam hieher Dr. Sihler; derselbe ist Pastor in Pomeroy, Meigs Co., Ohio; diesem folgte kürzlich ebendaher Candidat Schmidt. Aus der Anstalt des genannten P. Löhe sind bereits 7 Boten hereingesandt, von denen drei Prediger sind, Ernst bei Marysville, Union Co., Ohio, Burger, Hancock Co., Ohio, Hattstädt, Monroe, Michigan; zwei Lehrer, Baumgart in Columbus und Schuster in Pomeroy; Saupert, als Reiseprediger bestimmt, jetzt noch in Columbus, Ohio; Zwerner als Colporteur. — Wir heißen sie alle herzlich willkommen und flehen zu Gott im Namen JEsu Christi, daß er allen Gnade geben wolle, die reine Lehre unserer Kirche hier mit freudigem Aufthun ihres Mundes zu verkündigen und sie für ihre Botschaft allenthalben eine offene Thür finden zu lassen. Berichtigung. In einem hiesigen Blatte wurde neulich berichtet, daß Luther ein Kind habe in das Wasser werfen lassen wollen, weil er es vom Teufel besessen geglaubt habe. So befremdend dies manchem sein mag, so erzählt der Berichterstatter in einem gewissen Sinne allerdings der Wahrheit getreu, nur daß er sich darin irrt, daß er meint, dies habe Luther nur an Einem Kinde geschehen lassen wollen. Luthers Katechismus zeigt vielmehr, daß sein Sinn ist, es möchte der alte Adam erst durch die h. Taufe und dann durch tägliche Reue und Buße in einem jeden Menschen ersäuft werden. In diesem Sinne leugnen wir keineswegs die Wahrheit des genannten Berichts. Lied einer heilsbegierigen Seele. Nur du, o Jesu, bleibest mein, Nichts soll mich von dir scheiden, Mein Herz soll sich an dir allein Und deiner Gnade weiden. Du bist mein Trost und meine Freud', Mein Heil und mein' Gerechtigkeit Im Tode wie im Leben! O Jesu, allerbester Schatz, Dich will ich allzeit lieben! Mach' dir in meinem Herzen Platz; Laß mich auch nicht betrüben Mit Sünden deinen guten Geist, Der mir den Weg zum Vater weist Und mich lehrt gläubig beten. O Jesu, allerhöchstes Gut, Ach, trockne meine Thränen Mit deiner heißen Liebesgluth, Still meines Herzens Sehnen! Da du, o theures Gotteslamm, An des verfluchten Kreuzes Stamm Dein Leben für mich ließest. Ach, könnt' ich dieses nimmer nicht Aus meinem Sinne lassen, Daß du befreitest vom Gericht, Die voller Elend saßen In Satans und des Todes Reich, Von Gott verstoßen allzugleich, Und nun durch dich gerettet. So oft ich dies bei mir bedenk, Verspür' ich süßen Frieden; Den gibst du als ein frei Geschenk Den Armen und den Müden, Die dein so sanft und süßes Joch In diesem armen Leben noch Mit Freuden dir nachtragen. Es kränkt und schmerzt mich übersehr, Daß ich nichts weiter habe, Als meiner Sünden großes Heer, Dafür du mir als Gabe Von deinem Vater wardst geschenkt; Daran mein Herz mit Freud' gedenkt — Ich will ihn allzeit loben! Ach, wenn's doch wüßte alle Welt, Wie sehr du pflegst zu lieben! Sie würde über Gut und Geld Sich nimmermehr betrüben; Sie würde deine Freundlichkeit Sehr rühmen hier schon in der Zeit Und schmecken deinen Frieden. Ach, Jesu, laß mich noch zuletzt Auch beten für die Brüder! Daran dein Herze sich ergötzt, Wenn sie als deine Glieder Sich lieben und in Einigkeit Dein Werk befördern weit und breit Und preisen deine Gnade. J. M. Quast. Gedruckt bei Weber und Olshausen.