Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 15 › Seite 58
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-03-21, Seite 58
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war, bei ähnlichen Fällen gute Dienste gethan, und setzte hinzu: wollt ihrs haben, will ich es holen. Luther sagte Ja und Aurifaber eilte schnell zur Gräfin, rief aber zuvor dem Jonas und Cölius, die in der Unterstube waren, sie möchten schnell hinauf zu Luthern eilen, was sie auch thaten und ihn mit warmen Tüchern rieben, was ihm Linderung verschaffte, so daß er bald sagte: „Ihm wäre besser.“ Unterdessen kam Graf Albrecht von Mansfeld mit Aurifaber und brachte das vorgeschlagene Mittel, das er ihm selbst eingab. Als nun der Graf fragte: Wie gehets, o lieber Herr Doctor? antwortete er: Es hat keine Noth, gnädiger Herr, es beginnt sich zu bessern. Daher ging der Graf in der Hoffnung, es werde keine Noth haben, wieder hinweg, jedoch ließ er einen seiner Räthe, Conrad von Wolframsdorf, nebst Jonas, Cölius, Aurifaber und Ambrosius, den Diener Luthers, bei ihm. Es wurde ihm nun auf sein Begehren zum zweitenmale ein Löffel voll von jener Arznei in Wein eingegeben, wovon der genannte gräfliche Rath vorher selbst einen Löffel voll zu sich nahm, damit Luther desto weniger Scheu davor hätte. Dies Alles geschah während einer halben Stunde. Hierauf legte er sich auf sein Ruhebett in der Stube und sagte: „Wenn ich ein halbes Stündlein könnte schlummern, hofft ich, es sollte besser werden.“ Er schlief auch nun sanft 1½ Stunde lang, während seine Freunde und seine zwei Söhne bei ihm blieben. Als die Glocke zehn schlug, wachte er auf, verwunderte sich, daß man bei ihm wachte, und sagte: „Siehe, sitzt ihr noch, mögt ihr euch nicht zu Bette legen?“ worauf die Anwesenden sagten: Nein, Herr Doctor, jetzt sollen wir wachen und auf euch warten. Er stand nun allein auf und indem er über die Schwelle in seine Schlafkammer ging, sprach er: „Walts Gott, ich gehe zu Bette;“ und dann noch auf lateinisch (wie er oft that): „In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, HErr, du treuer Gott.“ Ps. 31, 6. Nachdem er sich in sein Bett gelegt, welches wohl durchwärmt war, gab er allen, die ihm nachgegangen waren, die Hand, wünschte ihnen eine gute Nacht und sagte, wie er schon früher mehrmals gethan: „D. Jona, und M. Cöli und ihr andern, betet für unsern HErrgott und sein Evangelium, daß ihm wohl gehe, denn das Concilium zu Trient und der leidige Pabst zürnen hart mit ihm;“ womit er abermals seine unablässige Sorge für die Kirche Christi und seine unermüdete Treue, zum Gebet für sie zu ermahnen, zu erkennen gab. Hierauf hatte er drei Stunden lang einen sanften, gesunden Schlaf, bis die Glocke eins schlug. Da erwachte Luther wieder, rief seinen Diener Ambrosius und hieß ihn in der Stube einheizen, welche man aber schon die ganze Nacht hindurch warm gehalten hatte. Jonas fragte ihn, ob er wieder Schwachheit empfinde? worauf er antwortete: „Ach HErr Gott, wie ist mir so wehe! Ach, lieber Doctor Jonas, ich achte, ich werde hier zu Eisleben (da ich geboren und getauft bin) bleiben.“ Darauf trösteten ihn Jonas und sein Diener und sagten: Ach, ehrwürdiger Vater, Gott, unser himmlischer Vater, wird helfen, durch Christum, den ihr gepredigt habt. Luther stand nun von seinem Bette auf, ging allein und ohne Hülfe wiederum aus seiner Kammer in die Stube und sprach, als er über die Schwelle schritt, auf lateinisch dieselben Worte, die er am Abend beim Zubettgehen gesagt: „In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, HErr, du treuer Gott.“ Nachdem er ein wenig in der Stube auf und abgegangen war, legte er sich auf ein dort befindliches Ruhebett, welches sein Sterbebett wurde, und klagte, es drücke ihn sehr hart um die Brust, aber doch schone es noch des Herzens. Er begehrte nun, daß man ihn mit warmen Tüchern reiben sollte, indem er sagte, es hülfe ihm wohl, daß man ihn warm hielt. Während dies geschah, eilten auf erhaltene Nachricht der Hauswirth Luther's, der Stadtschreiber Joh. Alb. Drachstedt mit seiner Ehefrau, zwei Aerzte, Namens Wild und Ludwig, und zuletzt der Graf Albrecht von Mansfeld und dessen Gemahlin herbei, welche letztere ohne Unterlaß bemüht war, durch allerlei Stärkungsmittel, die sie mitgebracht, ihn zu erquicken. Allein trotz aller Bemühungen der Umstehenden wollte doch keine Besserung erfolgen und Luther sprach: „Lieber Gott, mir ist sehr weh und angst, ich fahr dahin, ich werde nun wohl zu Eisleben bleiben.“ Da trösteten ihn Jonas und Cölius und sprachen: Ehrwürdiger Vater, rufet euren HErrn IEsum Christum an, unsern Hohenpriester, den einigen Mittler, ihr habet einen großen guten Schweiß gelassen, Gott wird Gnade verleihen, daß es wird besser werden. „Ja, erwiederte Luther, es ist ein kalt todter Schweiß, ich werde meinen Geist aufgeben, denn die Krankheit mehret sich.“ Hierauf fing er an zu beten und sprach: „O mein himmlischer Vater, ein Gott und Vater unsers HErrn JEsu Christi, du Gott alles Trostes, ich danke dir, daß du mir deinen lieben Sohn IEsum Christum offenbaret hast, den ich gepredigt und bekannt hab, den ich geliebet und gelobet hab, welchen der leidige Pabst und alle Gottlosen schänden, verfolgen und lästern. Ich bitte dich, mein HErr JEsu Christ, laß dir mein Seelichen*) befohlen sein. O himmlischer Vater, ob ich schon diesen Leib lassen und aus diesem Leben hinweggerissen werden muß, so weiß ich doch gewiß, daß ich bei dir ewig bleiben, und aus deinen Händen mich niemand reißen kann.“
*) Seelichen sprach er ohne Zweifel aus tiefer Demuth vor Gott, als wollte er sagen: Welch eine arme Creatur bin ich gegen dich, du große unendliche ewige Majestät.
Weiter sprach er auf lateinisch: „Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Joh. 3, 16. Desgleichen die Worte: „Wir haben einen Gott, der da hilft, und den HErrn HErrn, der vom Tode errettet.“ Ps. 68, 21. Nachdem nun Luther zum letztenmale noch einen Löffel voll von einer sehr stärkenden Arznei genommen hatte, sprach er abermals: „Ich fahre dahin, meinen Geist werde ich aufgeben,“ und wiederholte drei mal sehr schnell die Worte: „In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, HErr, du treuer Gott.“ Ps. 31, 6. Als er nun seinen Geist in die Hände Gottes, seines himmlischen Vaters, befohlen hatte, fing er an still zu sein, man rüttelte, rieb und die Gräfin so wie die Aerzte strichen ihn mit allerlei stärkenden Wassern, man rief ihm, aber er that die Augen zu und antwortete nicht. Indem er aber so still lag, riefen ihm endlich Jonas und Cölius mit starker Stimme zu: Ehrwürdiger Vater, wollet ihr auf Christum und die Lehre, wie ihr geprediget, beständig sterben? Da antwortete er noch einmal mit einem deutlichen und lauten „Ja!“ und dies war sein letztes Wort, mit welchem er seine Lehre und seinen Glauben beschlossen und versiegelt hat; denn nach diesem Worte wendete er sich auf die rechte Seite und fing an zu schlafen fast eine Viertelstunde lang, so daß einige der Umstehenden wieder Hoffnung schöpften, allein die Aerzte und Andere trauten diesem Schlafe nicht und leuchteten ihm mehrmals unter sein Angesicht, und siehe da, er erbleichte immer auffallender, seine Füße und Nase erkalteten, er holte noch einmal tief, doch sanft Athem und damit gab er seinen Geist still und in größter Geduld auf, so daß Niemand etwas von Unruhe, Qual oder Schmerzen des Todes an ihm wahrnehmen konnte, sondern er entschlief friedlich und sanft im HErrn, wie Simeon singet, und Aurifaber drückte ihm die Augen zu. —
So starb Dr. Martin Luther in seiner Vaterstadt Eisleben nach nur zweistündiger Krankheit am 18. Februar 1546 Morgens gegen 3 Uhr. Die Zeit seiner Wallfahrt hatte gewähret 62 Jahre, 14 Wochen, 1 Tag und 4 Stunden. Er starb in Gegenwart seiner beiden kleinern Söhne und von noch 12 Personen, welche trauernd und weinend an seinem Sterbebette standen und glaubwürdige Zeugen seiner letzten Stunden sind, deren genaue Beschreibung wir insonderheit dreien unter ihnen, näm Jonas, Cölius und Aurifaber zu verdanken haben, wobei Gottes Hand offenbar zu sehen, welche dies Alles nicht nur auf das genaueste hat sogleich aufschreiben lassen, sondern auch 300 Jahre lang unverfälscht erhalten hat; gewiß ein seltnes Beispiel, ja einzig in seiner Art.
Einen solchen Tod hatte sich Luther oft gewünscht. So bezeugt Dr. Bugenhagen in der ihm gehaltenen Leichenpredigt Folgendes: „Ich gedenke noch, wenn der Ehrwürdige, unser lieber Vater D. Martinus Luther, etliche sahe süßiglich entschlafen im Bekenntniß Christi, daß er sprach: Gebe mir Gott, daß ich auch so süßiglich entschlafen möge im Schooß Christi, und nicht mit langen Todesschmerzen der Leib gequälet werde, doch geschehe Gottes Wille.“ Cölius berichtet in seiner Leichenpredigt von ihm, „er habe gebeten, wo es Gott wohlgefiele, daß er sich nicht lange auf dem Siechbette quälen müßte;“ und Dr. Weller schreibt: „Ich weiß mich wohl zu erinnern, daß ich oft und viel von dem Manne Gottes, Dr. Luther, gehöret: Er besorge und fürchte sich nichts weniger, als für einem schnellen und jählingen Tod: sintemal diese, so durch einen schnellen Tod weggenommen werden, dürfen nicht lange mit dem
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had been, had done good service in similar cases, and he added: If you want it, I will fetch it. Luther said yes, and Aurifaber hurried quickly to the countess, but first called to Jonas and Cölius, who were in the room below, that they should hurry upstairs to Luther, which they did, and rubbed him with warm cloths, which brought him relief, so that he soon said: "He felt better."
Meanwhile Count Albrecht of Mansfeld came with Aurifaber and brought the proposed remedy, which he administered to him himself. When the count asked: How is it, dear Doctor? he answered: There is no danger, gracious lord, it is beginning to improve. The count therefore departed again, hoping that there would be no danger, but he left one of his councillors, Conrad von Wolframsdorf, along with Jonas, Cölius, Aurifaber, and Ambrosius, Luther's servant, with him. At his request, a second spoonful of that medicine mixed in wine was given to him, of which the aforementioned count's councillor first took a spoonful himself, so that Luther would be less wary of it. All this took place over the course of half an hour.
He then lay down on the couch in the room and said: "If I could slumber for half an hour, I hope it would get better." He then slept gently for an hour and a half, while his friends and his two sons remained with him. When the clock struck ten, he awoke, was surprised that they were keeping watch over him, and said: "See, are you still sitting up? Won't you go to bed?" to which those present replied: No, Doctor, now it is our turn to watch and wait upon you. He then rose alone, and as he stepped over the threshold into his bedchamber, he said: "God's will be done, I am going to bed"; and then, in Latin, as he often did: "Into your hands I commend my spirit; you have redeemed me, O Lord, faithful God." Ps. 31:5.
After he had lain down in his bed, which was well warmed, he gave his hand to all who had followed him, wished them a good night, and said, as he had already done several times before: "Dr. Jonas, and M. Cölius, and the rest of you, pray for our Lord God and his Gospel, that it may go well with him, for the Council of Trent and the wretched pope are dealing harshly with him in their wrath" — by which he once again made known his unceasing care for the Church of Christ and his untiring faithfulness in urging prayer for her. After this he had a gentle, sound sleep for three hours, until the clock struck one.
Then Luther awoke again, called his servant Ambrosius, and told him to heat the room, though it had already been kept warm the whole night through. Jonas asked him whether he felt weak again, to which he answered: "Ah, Lord God, how great is my pain! Ah, dear Doctor Jonas, I think I shall remain here in Eisleben (since here I was born and baptized)." Then Jonas and his servant comforted him and said: Ah, reverend father, God, our heavenly Father,
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will help, through Christ, whom you have preached. Luther then rose from his bed, went alone and without help once more out of his chamber into the room, and, as he stepped over the threshold, spoke in Latin the same words he had said the evening before when going to bed: "Into your hands I commend my spirit; you have redeemed me, O Lord, faithful God."
After he had walked back and forth a little in the room, he lay down on a couch there, which became his deathbed, and complained that something pressed very hard on his chest, but that it still spared his heart. He now desired to be rubbed with warm cloths, saying that being kept warm helped him well. While this was happening, upon receiving word, Luther's landlord, the town clerk Joh. Alb. Drachstedt, together with his wife, two physicians named Wild and Ludwig, and finally Count Albrecht of Mansfeld and his consort hurried to the scene; the latter labored without ceasing to revive him with all manner of restoratives she had brought along.
But despite all the efforts of those standing by, no improvement came, and Luther said: "Dear God, I am in great pain and distress; I am passing away; I shall surely remain here in Eisleben now." Then Jonas and Cölius comforted him and said: Reverend father, call upon your Lord Jesus Christ, our High Priest, the one Mediator; you have broken into a great, good sweat — God will grant grace, so that it will get better. "Yes," Luther replied, "it is a cold, deathly sweat; I shall give up my spirit, for the sickness is increasing."
Thereupon he began to pray and said: "O my heavenly Father, one God and Father of our Lord Jesus Christ, you God of all comfort, I thank you for revealing to me your dear Son Jesus Christ, whom I have preached and confessed, whom I have loved and praised, whom the wretched pope and all the godless disgrace, persecute, and blaspheme. I beseech you, my Lord Jesus Christ, let my little soul* be commended to you. O heavenly Father, though I must now leave this body and be torn away out of this life, yet I know for certain that I shall remain with you forever, and that no one can tear me out of your hands."
*) He undoubtedly said "little soul" out of deep humility before God, as if to say: What a poor creature I am before you, you great, infinite, eternal Majesty.
He further said, in Latin: "For God so loved the world that he gave his only-begotten Son, that whoever believes in him should not perish, but have everlasting life." John 3:16. Likewise the words: "We have a God who helps, and the Lord GOD, by whom we escape death." Ps. 68:20.
After Luther had taken, for the last time, one more spoonful of a very strengthening medicine, he said once again: "I am passing away; I shall give up my spirit," and repeated three times, very quickly, the words: "Into your hands I commend my spirit; you have redeemed me, O Lord, faithful God." Ps. 31:5.
When he had thus commended his spirit into the hands of God, his heavenly Father, he began to grow still; they shook him, rubbed him, and the countess, as well as the physicians, applied all manner of restorative waters to him; they called to him, but he closed his eyes and did not answer. As he lay thus still, Jonas and Cölius at last called to him in a loud voice: Reverend father, will you die steadfastly holding to Christ and the doctrine as you have preached it? Then once more he answered with a clear and loud "Yes!" and this was his last word, with which he closed and sealed his doctrine and his faith; for after this word he turned onto his right side and began to sleep for nearly a quarter of an hour, so that some of those standing by drew hope again; but the physicians and others did not trust this sleep, and repeatedly held a light under his face, and behold, he grew ever more strikingly pale, his feet and nose grew cold, he drew one more deep yet gentle breath, and with that gave up his spirit, quietly and with the greatest patience, so that no one could perceive in him any restlessness, agony, or pain of death, but he fell asleep peacefully and gently in the Lord, as Simeon sings, and Aurifaber closed his eyes. —
So died Dr. Martin Luther, in his native town of Eisleben, after an illness of only two hours, on February 18, 1546, in the morning at about 3 o'clock. The time of his pilgrimage had lasted 62 years, 14 weeks, 1 day, and 4 hours. He died in the presence of his two younger sons and twelve other persons, who stood mourning and weeping at his deathbed and are trustworthy witnesses of his last hours, for the precise account of which we are especially indebted to three among them, namely Jonas, Cölius, and Aurifaber — in which God's hand is plainly to be seen, since it not only had all of this recorded most exactly at once, but has also kept it uncorrupted for 300 years; surely a rare example, indeed unique of its kind.
Such a death Luther had often wished for himself. Thus Dr. Bugenhagen testifies the following in the funeral sermon held for him: "I still recall how, when the reverend, our dear father Dr. Martinus Luther, saw certain persons fall sweetly asleep in the confession of Christ, he would say: Grant me, O God, that I too may fall asleep just as sweetly in the bosom of Christ, and that my body not be tormented with long death-pains — yet let God's will be done." Cölius reports of him in his funeral sermon that "he had prayed, if it should please God, that he might not have to suffer long upon a sickbed"; and Dr. Weller writes: "I remember well that I often heard much said of the man of God, Dr. Luther: that he feared and dreaded nothing less than a swift and sudden death, inasmuch as those who are taken away by a sudden death need not long dispute with the