Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 9 › Seite 34
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-12-22, Seite 34
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Kirche und Staat 3 · Kirche und Staat 5 · Religionsfreiheit 3 · Synode
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von keiner rechtlich anerkannten und vorzugsweise bestätigten herrschenden Landeskirche die Rede sein kann: so ist klar, daß die weltliche Obrigkeit, wenn sie gleich christlich heißt, keine Mitwirkung in der Leitung und Verwaltung der Kirche oder im Kirchenregiment haben kann und will. Nur wo in Folge schwärmerischer Ausbrüche dieser oder jener Secten, die Unversehrtheit der Personen oder des Eigenthums gefährdet, mithin die bürgerlichen Gesetze verletzt werden, da muß natürlich die weltliche Obrigkeit einschreiten, welche den Staat, als Rechtsanstalt, vertritt, und an den Uebelthätern, als Verletzern der bürgerlichen Ordnung, durch die Strafe das Recht wiederherstellt.
Durch diese völlige Trennung von Kirche und Staat hiesigen Landes entsteht nun freilich der Uebelstand, daß die tollsten und aberwitzigsten Secten sich hier mit derselben Freiheit bewegen und ausbreiten dürfen, als die dem Worte Gottes ganz oder doch theilweise gehorsamen Kirchen, sofern jene nur nicht die Gesetze des Staates verletzen. Auf der andern Seite ist aber freilich nicht zu leugnen, daß durch solche grundsätzliche Scheidung von Kirche und Staat einem doppelten Uebel vorgebeugt und gewehret ist, welches sich im Laufe der Geschichte zerrüttend genug geltend gemacht hat und noch macht. Das eine Uebel ist das Uebergreifen der Kirche, oder eigentlich der Priesterherrschaft (Hierarchie) in den Staat und die Staaten und solche Wechselverhältnisse derselben, die nicht unmittelbar das Gewissen zu Gott und den Glauben betreffen. Dieses gottlose Uebergreifen hat denn die römisch-papistische Kirche, besonders zwischen dem 9. und 16. Jahrhundert, nach ihrer gräulichen Herrschsucht und Tyrannei fleißig exercirt; denn die Päbste nahmen Kaisern und Königen ihre Gerechtsame, setzten sie ab und ein und verschenkten nach Belieben Land und Leute, uneingedenk des Wortes Christi: „Wer hat mich zum Erbschichter über Euch gesetzt?“ Und denselben Sinn hat des Teufels Lehnträger, der Pabst, auch noch, wenn er gleich dermalen die Kraft nicht hat, es ins Werk zu richten.
Das andere Uebel ist das Uebergreifen des Staates d. i. der weltlichen Obrigkeit in die Kirche, d. i. in ihre dem göttlichen Worte gemäße Verwaltung und Ordnung oder das Kirchenregiment, ja sogar theilweise in ihr vom weltlichen Regiment und Landesherrn zuvor bestätigtes Recht innerhalb seines Landgebietes, ihre Lehre auch im gemeinsamen öffentlichen Gottesdienste frei und ungehindert zu bekennen und zu treiben. (Cäsareopapismus.) Dieser Uebergriffe haben sich z. B. schuldig gemacht, von den Papisten aufgehetzt, der König von Frankreich in Verfolgung der Hugenotten mit dem schrecklichen Ausgang der Pariser Bluthochzeit, ferner die Sardinischen und Savoyschen Fürsten in der Verfolgung der Waldenser, die englischen Könige im Aufdrängen der bischöflichen Verfassung, und so denn auch in neuerer Zeit mehrere Fürsten Deutschlands, unter Vorausgang des verstorbenen Königs von Preußen, *) um aus Lutheranern und Reformirten eine sogenannte unirte, oder evangelische oder protestantische Kirche zu bilden, uneingedenk des Wortes Christi: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und Gotte, was Gottes ist.“
So ist es denn also natürlich, daß die lutherische Kirche hieselbst keine Verfassung haben kann, wie z. B. in Deutschland; denn daselbst sind die sogenannten Consistorien eingerichtet, die halb aus geistlichen, halb aus weltlichen Gliedern bestehen, und nebst den Superintendenten und General-Superintendenten von der höchsten weltlichen Obrigkeit, dem Landesherrn, eingesetzt und geordnet sind, um das Kirchenregiment zu führen.
Doch haben wir uns schwerlich hieselbst über diesen Mangel an der Consistorial-Verfassung bitter zu beklagen; denn sie scheint uns selbst darin ziemlich mangelhaft, ja sehr bedenklich zu sein, daß die Consistorien, als die leitenden Behörden der Kirche, vom Landesherrn, als dem Haupte des Staates, förmlich eingesetzt und verordnet sind, als seine Vertreter, die in seinem Namen das Kirchenregiment führen. Dies aber ist ja eigentlich schon ein Uebergreifen des Staates in die Kirche, oder des weltlichen Regiments in das geistliche, da hier der Landesherr als oberster Bischof oder als weltlicher Pabst über die lutherische Kirche in seinem Lande auftritt. Nun ist er aber doch, der That und Wahrheit nach, nur der weltliche Beherrscher dieses oder jenes Staats, innerhalb dessen die lutherische Kirche durch den Augsburger Religionsfrieden von 1555 und den Westphälischen Frieden von 1648 rechtliches Bestehen und verbürgte Geltung hat; und als einzelner Christ betrachtet, ist er, falls er auch das lutherische Bekenntniß theilt, nur ein Glied der lutherischen Kirche, wie der geringste seiner Unterthanen. Von Rechtswegen käme ihm also, als Landesherrn, nichts anderes zu, als die von der Kirche, als solche, selbst erwählte leitende Behörde, seien sie nun Bischöfe und Superintendenten, oder Presbyterien oder Synoden innerhalb seines Gebiets, kraft seines landesherrlichen Ansehens zu bestätigen und äußerlich zu schützen, falls besondere Bestimmungen in diesen verschiedenen Verfassungen des Kirchenregiments nicht wieder irgendwie in die Verfassung des Staates störend übergreifen und dessen Gerechtsame verletzen.
*) Es ist actenmäßig erwiesen, wie diese preußischen Unionsversuche betrieben wurden. Verweigerung der Annahme der neufabricirten unirten Agende von Seiten lutherischer Geistlichen und Gemeinden, weil diese Agende in der Handhabung des Gottesdienstes und der besondern kirchlichen Handlungen nicht das Bekenntniß und die Lehre ihrer Kirche ausdrückt, der die Diener der Kirche in ihrem Amtseide ja unbedingte Treue gelobt hatten, wurde als bürgerlicher Ungehorsam und Widersetzlichkeit gegen den König angesehen und mit Geld und Gefängniß bestraft; ja die treuen und beharrlichen Zeugen unter den lutherischen Geistlichen wider diese Verletzungen des Rechtes ihrer Kirche und ihres eigenen Gewissens wurden als halsstarrige Rebellen wider des Königs Majestät ihres Amtes entsetzt und ins Gefängniß geworfen oder aus dem Lande verwiesen. Die Superintendenten dagegen, die theils selber gegen Recht und Gewissen die Agende annahmen und sie auch ohne Widerstand der theils unwissenden, theils eingeschüchterten Geistlichen in ihren Sprengeln einführten, erhielten für diese ihre Willigkeit und Verdienste den rothen Adlerorden zur Belohnung.
Unsere Kirche hier zu Lande daher, auf keinerlei Weise vom Staate gefährdet und beeinträchtiget, ist für ihre Regierung und Leitung am natürlichsten wohl auf die Synodal-Verfassung gewiesen, so daß also hier die Synoden nicht etwa bloß berathende und begutachtende Versammlungen sind, wie z. B. in den lutherischen Ostseeprovinzen Rußlands, auch nicht bloß Vertheidiger der reinen Lehre des Evangeliums und Widerleger der Irrlehren, wie die Apostel- und Aeltesten-Synode in Jerusalem (Apostgsch. 15, 5.) und die 4 allgemeinen Synoden oder Concilien der 4 ersten Jahrhunderte, welche beiderlei Synoden nur aus Dienern der Kirche bestanden, sondern Versammlungen und Körperschaften, welche im Namen d. i. im Auftrage und Vertretung der Kirche d. i. der Gesammtzahl aller erwachsenen und confirmirten Glieder, je nach örtlichen und räumlichen Verhältnissen, die Kirche, ihrem Wesen und Zwecke gemäß, leiten, überwachen und verwalten sollen.
Daher ist es denn klar, daß die hiesigen Synoden unserer Kirche nicht bloß aus den Dienern des Wortes, sondern auch aus solchen Gliedern ihrer Gemeinden bestehen, zu denen die letzteren das Vertrauen hegen, daß es kirchlich gesinnte, gläubige und verständige Leute sind, und die deßhalb nach Stimmenmehrheit von den Gemeinden als Synodal-Glieder gewählt werden. Diese also, auf kürzere oder längere Zeit gewählt, bilden mit den Dienern der Kirche die Synoden, die nun theils in periodischen meist jährlichen Versammlungen, (hier meist aus einem Präsidenten, Secretär und Schatzmeister bestehend,) alles zu ordnen, zu leiten und zu verwalten haben, was in Bezug auf Lehre, Leben, Gottesdienst und Zucht, der Kirche zweckdienlich und nöthig ist. Alle Mittel also, welche unsre Kirche, ihrem Wesen und Zwecke gemäß, nach allen Seiten erhalten und fördern, haben die Synoden, je nach ihrem Vermögen, möglichst thatkräftig in Bewegung zu setzen und ihr harmonisches und lebendiges Zusammenwirken zu überwachen.
Soviel vorläufig. Ueber die besondere Verfassung und den Geschäftsbetrieb solcher Synoden später.*)
(Fortsetzung folgt.)
Pabst Leo X.
Als dieser Pabst, der Luthern in den Bann that, einstmals zwei Philosophen über die Unsterblichkeit der Seele disputiren hörte, sprach er zu dem, welcher sie vertheidigte: „Du beweisest zwar die Unsterblichkeit der Seele mit trefflichen Gründen, allein ich halte es doch lieber mit dem andern, weil seine Meinung einen guten Muth macht.“ Er setzte hinzu den Vers des Cornelius Gallus: Et redit in nihilum, quod fuit ante nihil, d. i. was aus nichts entstand, kehrt auch in sein Nichts zurück.
*) Wir halten für gut, den gegenwärtigen Aufsatz erst ganz abdrucken zu lassen, ohne alle Bemerkungen von unserer Seite. Später gedenken wir die darin berührten Gegenstände noch einmal aufzunehmen und auch unsere geringe Stimme darüber abzugeben. —
Herausgeber des Lutheraner.
English translation AI translation
there can be no talk of any legally recognized and especially confirmed established state church, it is clear that the civil authority, even though it may be called Christian, can have and wishes to have no participation in the direction and administration of the church, or in church government. Only where, as a result of the fanatical outbreaks of this or that sect, the safety of persons or property is endangered, and thus the civil laws are violated, must the civil authority naturally intervene — the authority which represents the state as a legal institution and, through punishment, restores the right against the wrongdoers as violators of the civil order.
Through this complete separation of church and state in this country there arises, admittedly, the drawback that the wildest and most absurd sects are permitted to move about and spread here with the same freedom as the churches that are wholly or at least partly obedient to the Word of God, so long as the former do not violate the laws of the state. On the other hand, it cannot be denied that through such a principled separation of church and state a twofold evil is prevented and guarded against, an evil that has proven ruinous enough in the course of history and still does. The one evil is the encroachment of the church, or properly of priestly rule (hierarchy), upon the state and the states, and such reciprocal relations of the same as do not directly concern conscience toward God and faith. This godless encroachment was diligently practiced by the Roman-papist church, especially between the ninth and sixteenth centuries, in keeping with its abominable lust for dominion and tyranny; for the popes took away the rights of emperors and kings, deposed and installed them, and gave away land and people at will, forgetful of the word of Christ: "Who made me a divider over you?" And the devil's vassal, the pope, still holds the same disposition today, even though at present he lacks the power to put it into effect.
The other evil is the encroachment of the state, that is, of the civil authority, upon the church — that is, upon its administration and order that conform to the divine Word, or its church government — indeed even, in part, upon that right within its territory, previously confirmed to it by the secular government and territorial ruler, freely and unhindered to confess and practice its doctrine even in the common public worship service. (Caesaropapism.) Guilty of such encroachments have been, for example — incited by the papists — the King of France in his persecution of the Huguenots, with the terrible outcome of the Parisian Blood Wedding; further, the princes of Sardinia and Savoy in their persecution of the Waldensians; the English kings in forcing through the episcopal constitution; and so also, in more recent times, several princes of Germany, led by the late King of Prussia,*) in order to form out of Lutherans and Reformed a so-called United, or Evangelical, or Protestant church — forgetful of the word of Christ: "Render unto Caesar the things that are Caesar's, and unto God the things that are God's."
It is therefore natural that the Lutheran church here cannot have a constitution such as, for example, in Germany; for there the so-called consistories are established, consisting half of clerical and half of secular members, which, together with the superintendents and general superintendents, are appointed and ordained by the highest civil authority, the territorial ruler, to conduct the church government.
Yet we here can hardly complain bitterly about this lack of a consistorial constitution; for it seems to us to be rather defective, indeed quite questionable, precisely in this: that the consistories, as the governing authorities of the church, are formally installed and ordained by the territorial ruler, as the head of the state, as his representatives who conduct the church government in his name. But this is, in fact, already an encroachment of the state upon the church, or of the civil government upon the spiritual, since here the territorial ruler appears as supreme bishop or as secular pope over the Lutheran church in his land. Now, in fact and in truth, he is only the secular ruler of this or that state, within which the Lutheran church has legal standing and guaranteed validity through the Peace of Augsburg of 1555 and the Peace of Westphalia of 1648; and considered as an individual Christian, even if he shares the Lutheran confession, he is only a member of the Lutheran church, like the least of his subjects. By right, then, nothing else would be due to him, as territorial ruler, than to confirm, by virtue of his princely authority, and to protect externally, the governing body chosen by the church itself as such — whether bishops and superintendents, or presbyteries, or synods within his territory — provided that particular provisions in these various constitutions of church government do not themselves in some way disruptively encroach upon the constitution of the state and violate its rights.
*) It is documented on record how these Prussian attempts at union were carried out. The refusal by Lutheran clergy and congregations to accept the newly fabricated united liturgy — because this liturgy, in the conduct of worship and of the particular churchly acts, did not express the confession and doctrine of their church, to which the servants of the church had, after all, sworn unconditional fidelity in their oath of office — was regarded as civil disobedience and defiance of the king, and was punished with fines and imprisonment; indeed, the faithful and steadfast witnesses among the Lutheran clergy against these violations of the right of their church and of their own conscience were deposed from their office as stubborn rebels against His Majesty the King, and thrown into prison or banished from the land. The superintendents, on the other hand, who partly themselves accepted the liturgy against right and conscience, and introduced it in their districts without resistance from the clergy — some of them ignorant, some intimidated — received, as reward for this willingness and their services, the Order of the Red Eagle.
Our church in this country, therefore, being in no way endangered or hampered by the state, is most naturally directed, for its government and guidance, toward the synodical constitution — so that here the synods are not merely deliberative and advisory assemblies, as for example in the Lutheran Baltic provinces of Russia, nor merely defenders of the pure doctrine of the Gospel and refuters of false teaching, like the synod of the apostles and elders at Jerusalem (Acts 15:5) and the four general synods or councils of the first four centuries — both of which kinds of synods consisted only of ministers of the church — but rather assemblies and bodies which, in the name of, that is, by the mandate and on behalf of, the church, that is, of the whole body of all adult and confirmed members, according to local and regional circumstances, are to direct, oversee, and administer the church in keeping with its nature and purpose.
It is therefore clear that the synods of our church here consist not merely of ministers of the Word, but also of such members of their congregations in whom the congregations place their trust as churchly minded, believing, and sensible people, and who are therefore elected as synodical members by majority vote of the congregations. These, then, elected for a shorter or longer term, together with the ministers of the church, form the synods, which now, partly in periodic — mostly annual — meetings (here consisting mostly of a president, secretary, and treasurer), have to order, direct, and administer everything that is useful and necessary to the church with regard to doctrine, life, worship, and discipline. All the means, then, which serve to maintain and promote our church on every side, in keeping with its nature and purpose, the synods are to set in motion as vigorously as their resources allow, and to oversee their harmonious and living cooperation.
So much for now. More on the particular constitution and the conduct of business of such synods later.
(To be continued.)
Pope Leo X.
When this Pope, who excommunicated Luther, once heard two philosophers disputing about the immortality of the soul, he said to the one who defended it: "You do indeed prove the immortality of the soul with excellent arguments, but I would rather side with the other one, because his opinion gives good courage." He added the verse of Cornelius Gallus: Et redit in nihilum, quod fuit ante nihil — that is, what arose from nothing also returns into its nothing.
*) We consider it good to have the present article printed in full first, without any remarks from our own side. Later we intend to take up once more the subjects touched upon in it and also to add our modest voice on the matter. — Editor of the Lutheraner.