Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 7 › Seite 26
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-11-29, Seite 26
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Kirchengemeinſchaften 3
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daran. Unterstehest dich darnach weiter mit deiner Lügen und Trügerei, die göttliche Wahrheit und Erkenntniß zu verdunkeln und verfinstern, verführst die Leute durch falsche Lehre, daß sie zur Erkenntniß Christi nicht kommen können. Item, du lobest und rühmest deine eigene Heiligkeit und Gerechtigkeit: die Heiligkeit aber Christi, dadurch wir allein heilig und gerecht werden, verfluchst und verdammest du auf's ärgste, gleich ob sie allerdings ein ganz gottlos und teuflisch Ding wäre.“
Schließlich bezeuge ich, daß ich dies weder aus Parteihaß geschrieben habe, noch irgend Jemandes Person habe beleidigen wollen. Wird es aber dennoch von unsern Gegnern so ausgelegt, so mögen sie nicht vergessen, daß noch einer über uns ist, der da recht richtet, der alle Heuchelei ausrottet und die Zunge, die da stolz redet. Viel lieber wünsche ich, daß unsre Gegner nicht uns, sondern der göttlichen Wahrheit, deren Stachel sie in ihrem Gewissen fühlen, die Ehre geben. Es wird ihnen sonst eben so schwer werden, wider den Stachel zu löcken, wie ehemals dem Saulus. Uns thut es zwar wehe, daß auch sie sich mit der Welt verbinden, das arme Häuflein, das an der Wahrheit JEsu Christi hält, zu hassen und anzufeinden, um so theurer wird uns aber der Trost, daß der HErr sein Volk nicht verstoßen, noch sein Erbe verlassen wird, denn Recht muß doch Recht bleiben, und dem werden alle frommen Herzen zufallen.
G. A. Schieferdecker, ev. luth. Pastor.
Calvin und Luther in Betreff ihrer Lehre vom heiligen Abendmahl.
Zugleich als Fortsetzung der Antwort auf die neueste Vertheidigung der Union.
I.
Wie hat sich Calvin hinsichtlich des Abendmahlstreites bei Lebzeiten Luthers gezeigt?
Als wir in dem ersten Jahrgange des Lutheraners gegen das jetzt allenthalben betriebene Unionswerk Zeugniß ablegten, zeigten wir vor allem, daß die Kluft, welche zwischen Lutheranern und Reformirten liege, zu groß sei, als daß sie sich darüber hinweg die Bruderhand zu kirchlicher Vereinigung reichen könnten. Wie groß diese Kluft sei, dies wiesen wir unter andern Artikeln auch an der Lehre vom heiligen Abendmahl nach, wie sie die Häupter der reformirten Partei, ein Zwingli und ein Calvin, geführt, und wozu sie ihre Jünger verführt haben. Wir machten hierbei keinen Unterschied zwischen Zwingli und Calvin, sondern sprachen von ihnen als von geistlichen Zwillingsbrüdern. Dies hat uns Hr. Nollau nicht wenig übel genommen. Derselbe protestirt feierlich dagegen, daß die Evangelischen Zwinglianer seien und mit diesen eine kirchliche Union eingehen wollen. Er schreibt in seinem Büchlein: „Ein Wort für die gute Sache der Union“ Folgendes: „Unsere Gegner beabsichtigen eine unedle Täuschung, indem sie die unbiblische Bedeutungslehre Zwingli's mit der Lehre Calvin's und der Deutsch-Reformirten Kirche so vermischen, daß der Unkundige beide nicht mehr unterscheiden kann, sondern glauben muß, daß alle Reformirten die wirkliche sacramentliche Gegenwart Christi im Abendmahle leugnen, und daß die gesammte Reformirte, sowie die Evangelische Kirche in der Lehre vom heil. Abendmahl dem Zwinglischen Dogma (Lehrartikel) huldige. Wir müssen jedoch gegen ein solches unredliches Verfahren, das wir in der Polemik der Ultra-Lutheraner finden, feierlich protestiren.“
Einer solchen derben Lection haben wir unglückseligen Lutheraner uns freilich nicht versehen, als wir die gerügte Darstellung gaben. Da die Herren Evangelischen, wie hier landkundig ist, nicht die mindeste Schwierigkeit machen, einen Zwinglianer, ja einen Rationalisten unter die Glieder, ja unter die Vorsteher ihrer Gemeinden aufzunehmen, so waren wir armen Sünder in unserer Einfalt der Meinung, daß sie keinen so großen Schauder vor der Zwinglischen Abendmahlslehre haben könnten. Es ist jedoch freilich wahr, Zwingli hat, was den genannten Punct betrifft, seinen Unglauben und seine Feindschaft gegen alle, welche hier ihre Vernunft gefangen nehmen unter den Gehorsam Christi und seiner klaren Worte, so grob herausgegeben, daß einst nicht nur Calvin unter seinem Paniere etwas auszurichten sich nicht getraute, sondern daß man es auch den Herren Evangelischen nicht verdenken kann, wenn sie wenigstens in der Theorie sich von ihm lossagen, obgleich sie es practisch nicht durchzuführen suchen, damit die gute Sache ihrer Union nicht Schaden leide.
Da jedoch die liebe Union, d. h. die kirchliche Vereinigung der Lutheraner und Reformirten erst dann auf festem Grunde ruht, wenn man vorher sich recht klar geworden ist, worin denn eigentlich der Unterschied zwischen beiden bestehe, so werden die Evangelischen mit uns übereinstimmen, daß es wohl der Mühe werth sei, etwas genauer zu untersuchen, ob denn ein wesentlicher Unterschied zwischen Calvin und Zwingli und denen, welche dem einen oder dem andern folgen, stattfinde oder nicht, ob Calvin wirklich Luthern so nahe stehe, daß zwar zwischen Lutheranern und Zwinglianern keine Union gestiftet werden könne, aber doch zwischen Lutheranern und Calvinisten.
Ehe wir aber das kurz vor Luthers Ableben und jetzt noch bestehende Verhältniß der Calvinischen Abendmahlslehre zu der Lutherischen näher in's Auge fassen, bitten wir unsere Leser, mit uns vorerst Calvin in der Zeit zu beobachten, in welcher Luther in Deutschland noch das Wort führte. Es wird sich in der Folge zeigen, daß eine solche Beobachtung für unsern Zweck nicht undienlich sei, das rechte Verhältniß Calvins zu Luther in der Lehre vom heil. Abendmahl kennen zu lernen.
Was wir nämlich Nro. 13. des 1. Jahrgangs dieses Blattes von Zwingli nachgewiesen haben, daß derselbe erst mit Luther ganz gleichgesinnt war, dies scheint uns nach allem, was wir von Calvin wissen, auch bei diesem der Fall gewesen zu sein.
Schon im Jahre 1535 gab Calvin seine sogenannten „Institutionen“ heraus; es ist dies ein Buch, in welchem er die ganze christliche Lehre in ihrem Zusammenhange dargestellt hat. Die erste Ausgabe dieses Buches ist zwar nicht in unsern Händen, wir lesen aber in Schriften älterer Theologen, die diese Ausgabe besessen haben, daß Calvin darin noch die reine lutherische Lehre vom heil. Abendmahle mit den unzweideutigsten Worten vortrage, und mit seiner eigenthümlichen neuen Lehre hiervon erst in den spätern Ausgaben hervorgetreten sei. Läßt sich nun dies aus noch vorhandenen Exemplaren des ersten Abdrucks der genannten „Institutionen“ wirklich nachweisen, so ist es ganz unleugbar, daß Calvin erst ein Lutheraner war, und erst später durch Vernunftspeculation sich verleiten ließ, den auf den einfachen Schriftworten ruhenden lutherischen Glauben zu verlassen.
Daß Calvin wie Zwingli zuerst ein Lutheraner war, dies scheint uns aber noch aus mehreren andern Gründen ganz unbestreitbar zu sein. Das Erste, worauf wir uns hierbei stützen, ist das Land der Geburt und ersten Ausbildung Calvins. Derselbe war nehmlich, wie bekannt, ein geborner Franzose; er wurde 1509 zu Noyon in der Picardie von vornehmen Eltern geboren, studirte in Orleans die Rechtswissenschaft, wurde durch einen gewissen Olivetan auf die in Deutschland neuaufgehende evangelische Lehre aufmerksam gemacht, kam zu lebendiger Erkenntniß derselben und studirte daher nun aus Liebe zum Worte Gottes noch Theologie (besonders vom Jahre 1533 an), mußte aber, da er nun seinen Glauben frei und öffentlich bekannte, sein Vaterland im Jahre 1534 verlassen; er floh nach Basel, wo er nun seine Institutionen gewissermaßen als eine öffentliche Vertheidigung des von ihm bekannten Glaubens herausgab. Da es nun erwiesen ist, daß die ersten Protestanten in Frankreich durch Verbreitung lutherischer, nicht zwinglischer Schriften entstanden und durchaus lutherisch gesinnt gewesen; auch von ihnen in den ersten Jahren keiner als ein Zwinglianer, wohl aber viele um der Wahrheit willen von den Papisten als Lutheraner hingerichtet worden sind; da ferner ausgemacht ist, daß diejenigen Männer, welche in Frankreich den größten Einfluß auf Calvin's theologische Ausbildung ausgeübt haben, wie Volmar (ein Deutscher) und Faber Stapulensis, auch in der Lehre vom heil. Abendmahl mit Luther übereinstimmten: so läßt sich nicht anders erwarten, als daß auch Calvin in solchen Verhältnissen und unter solchen Einflüssen, der lutherschen Lehre im Anfange auch im Puncte des heil. Abendmahls zugethan gewesen sei.
Dies bekennt Calvin selbst, wenn er schreibt: „Als ich aus der päbstlichen Finsterniß aufzutauchen anfing, und der heiligen Lehre ein wenig Geschmack abgewonnen hatte, so las ich bei Luthero, daß von Oekolampad und Zwingli in den Sacramenten nichts übrig gelassen werde, als nackte und leere Zeichen; dies, ich muß es bekennen, hat mir die Lesung ihrer Bücher so sehr verleidet, daß ich mich derselben
English translation AI translation
in doing so. You then venture further, with your lies and deceit, to obscure and darken divine truth and knowledge, and lead people astray through false doctrine, so that they cannot come to the knowledge of Christ. Likewise, you praise and boast of your own holiness and righteousness; but the holiness of Christ, through which alone we become holy and righteous, you curse and condemn in the worst way, just as if it were altogether a wholly godless and devilish thing."
Finally I testify that I have written this neither out of party hatred, nor have I wished to insult anyone's person. But should it nevertheless be so construed by our opponents, let them not forget that there is still One above us who judges rightly, who roots out all hypocrisy and the tongue that speaks proudly. I would much rather wish that our opponents give the honor not to us, but to the divine truth whose sting they feel in their conscience. Otherwise it will go as hard for them to kick against the pricks as it once did for Saul. It does indeed grieve us that they too join with the world in hating and showing enmity toward the poor little flock that holds fast to the truth of Jesus Christ; but all the dearer to us is the comfort that the Lord will not cast off his people nor forsake his heritage, for right must after all remain right, and to it all pious hearts will rally.
G. A. Schieferdecker,
Evangelical Lutheran Pastor.
Calvin and Luther Regarding Their Doctrine of the Holy Supper.
At the Same Time a Continuation of the Reply to the Most Recent Defense of the Union.
I.
How Did Calvin Conduct Himself, During Luther's Lifetime, With Regard to the Controversy over the Lord's Supper?
When, in the first volume of Der Lutheraner, we bore witness against the union-effort now being pursued everywhere, we showed above all that the gulf lying between Lutherans and Reformed is too great for them to be able to join hands across it in brotherly fashion for ecclesiastical union. How great this gulf is, we demonstrated, among other articles, also with regard to the doctrine of the Holy Supper as it was set forth by the heads of the Reformed party, a Zwingli and a Calvin, and into which they led their disciples astray. In doing so we made no distinction between Zwingli and Calvin, but spoke of them as spiritual twin brothers. This Mr. Nollau took no small offense at. He solemnly protests against the notion that the Evangelicals are Zwinglians and wish to enter into an ecclesiastical union with them. He writes the following in his little book "A Word for the Good Cause of the Union": "Our opponents intend an ignoble deception, by mixing Zwingli's unbiblical doctrine of signification together with the doctrine of Calvin and the German Reformed Church so thoroughly that the uninformed can no longer distinguish between the two, but must believe that all Reformed deny the real sacramental presence of Christ in the Supper, and that the entire Reformed Church, as well as the Evangelical Church, in the doctrine of the Holy Supper, adheres to the Zwinglian dogma (article of doctrine). We must, however, solemnly protest against such a dishonest procedure, which we find in the polemics of the ultra-Lutherans."
We unfortunate Lutherans, to be sure, did not expect such a stern lecture when we gave the censured account. Since the gentlemen Evangelicals, as is well known here, make not the least difficulty about admitting a Zwinglian, indeed even a rationalist, among the members — indeed even among the leaders — of their congregations, we poor sinners were of the simple opinion that they could not have so great a horror of the Zwinglian doctrine of the Supper. It is, however, indeed true that Zwingli, as far as the point in question is concerned, expressed his unbelief and his hostility toward all who take their reason captive under the obedience of Christ and his clear words so crudely that in his day not only did Calvin not trust himself to accomplish anything under his banner, but one cannot even blame the gentlemen Evangelicals if they, at least in theory, disavow him — although in practice they do not seek to carry this through, lest the good cause of their union suffer harm.
Since, however, the beloved union, that is, the ecclesiastical union of Lutherans and Reformed, rests on firm ground only once one has first become quite clear as to what the difference between the two actually consists in, the Evangelicals will agree with us that it is well worth the trouble to examine somewhat more closely whether an essential difference exists or not between Calvin and Zwingli and those who follow the one or the other, and whether Calvin really stands so close to Luther that, although no union could be formed between Lutherans and Zwinglians, one could nevertheless be formed between Lutherans and Calvinists.
But before we examine more closely the relationship of the Calvinist doctrine of the Supper to the Lutheran doctrine, as it existed shortly before Luther's death and still exists today, we ask our readers first to observe with us Calvin in the period during which Luther still held sway in Germany. It will become apparent in what follows that such an observation is not unhelpful for our purpose of coming to know the true relationship of Calvin to Luther in the doctrine of the Holy Supper.
What we demonstrated in No. 13 of the first volume of this paper concerning Zwingli — namely, that he was at first entirely of one mind with Luther — this, from everything we know of Calvin, appears to us to have been the case with him as well.
As early as 1535 Calvin published his so-called "Institutes"; this is a book in which he presented the whole of Christian doctrine in its coherence. The first edition of this book is, to be sure, not in our hands, but we read in the writings of older theologians who possessed this edition that Calvin there still set forth the pure Lutheran doctrine of the Holy Supper in the most unambiguous terms, and that he did not come forward with his own peculiar new doctrine on this subject until the later editions. If this can indeed be demonstrated from still-existing copies of the first printing of the aforementioned "Institutes," then it is quite undeniable that Calvin was at first a Lutheran, and only later, through speculation of reason, allowed himself to be led away from the Lutheran faith resting on the simple words of Scripture.
That Calvin, like Zwingli, was at first a Lutheran seems to us, moreover, quite indisputable for several other reasons. The first thing on which we rely here is the country of Calvin's birth and early education. He was, namely, as is well known, a born Frenchman; he was born in 1509 at Noyon in Picardy of distinguished parents, studied law at Orléans, was made attentive by a certain Olivétan to the evangelical doctrine then newly arising in Germany, came to a living knowledge of it, and therefore, out of love for the Word of God, went on to study theology as well (especially from the year 1533 on); but since he now confessed his faith freely and publicly, he was forced to leave his homeland in 1534; he fled to Basel, where he then published his Institutes, in a certain sense as a public defense of the faith he had confessed. Now since it is established that the first Protestants in France arose through the spread of Lutheran, not Zwinglian, writings, and were thoroughly Lutheran in disposition; and that among them, in the early years, not one was a Zwinglian, though many were put to death by the papists as Lutherans for the truth's sake; and since it is furthermore established that those men who exercised the greatest influence in France on Calvin's theological formation, such as Volmar (a German) and Faber Stapulensis, also agreed with Luther in the doctrine of the Holy Supper — one cannot expect otherwise than that Calvin too, in such circumstances and under such influences, was at the beginning likewise devoted to the Lutheran doctrine even on the point of the Holy Supper.
Calvin himself admits this when he writes: "When I began to emerge from the papal darkness, and had acquired a little taste for the holy doctrine, I read in Luther that, according to Oecolampadius and Zwingli, nothing was left in the sacraments but bare and empty signs; this, I must confess, so thoroughly disgusted me with reading their books that I long abstained from them.