Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 15 › Seite 120

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-03-16, Seite 120

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Sacramenten holen wollen, ſollen wir ſie nicht
von uns anderſtwohin vertreiben noch weiſen.
Denn der brüderliche Bund und das Geſetze der
Natur vermag, daß wir ihnen in dieſem Fall
thun, das wir ſelbſt gerne hätten, daß man uns
thäte, wenn wir an ihrer Statt wären.“ —
(Ib. p. 439.)

Herr Paſtor Winkler will nun freilich erſt⸗
lich nicht zugeben, daß er ſich „tyranniſchen We—
ſens ſchuldig gemacht, „die Gewiſſen beſchwert
und dieſelben mit falſcher Lehre und Menſchen—
ſatzung verſtrickt“ habe; allein, wollen wir auch
gern nach der Liebe glauben, daß Herr Paſt. W.
ſich ſolcher Schuld nicht bewußt iſt, ſondern
daß er in allem nur nach der Lehre, die er irr—
thümlich für recht hält, gehandelt: ſo iſt doch
ſeine Schuld von Profeſſor Krämer unwider⸗

ſprechlich dokumentariſch erwieſen worden, woge⸗
gen ſeine leidenſchaftlichen Ausfälle nichts, als
das wachwerdende Schuldgefühl, beweiſen.

Herr Paſt. W. wird ferner ſagen: Geſetzb', ich
hätte einige Schuld, ſo beweiſt doch das Verhal⸗
ten derer, die mich verlaſſen haben und die ihr
angenommen habet, daß ſie unbußfertige Men-⸗
ſchen ſind. Hierauf antworten wir erſtlich: es iſt
nicht wahr, daß alle als unbußfertige Leute of—⸗
fenbar geworden wären; es haben ſich vielmehr
Viele von denen, welche Herrn Paſt. W. verlaſſen
haben, als rechtſchaffene Chriſten erwieſen, deren
gottſeligerWandel wider Herrn Paſt. W's. Bann⸗
flüche ein lautredendes Zengniß ablegt, und wir
wünſchen von Herzen, daß Herr Paſt. W. davon ö
abſtehen möge, alle, die ſich von ihm getrennt
haben, als Feinde Gottes und ſeiner Kirche aus⸗
iurufen, damit nicht einſt am jüngſten Tage
Gott ſelbſt Zeugniß für die von ihm Geſchmäh—
ten und gegen ihn ablegen müſſe.

Endlich geſtehen wir es ihm aber gern und
willig ein, daß manche, welche wir angenommen,
weil ſie in ihrem Gewiſſen beſchwert zu ſein vor⸗
gaben, hernach als unlautere Menſchen mit un—
gebrocheuen Herzen offenbar geworden ſind, die
die theure Freiheit in Chriſto zu einem Deckel!
der Bosheit machen wollten. Dies beweiſt aber
ſo wenig gegen die Richtigkeit unſerer Lehre und
Praris, ſo wenig es einſt gegen die Richtigkeit der
rehre und Praxis Luthers bewies, daß die
größte Anzahl derjenigen, welche den Papſt und
die römiſchen Prieſter verließen, die luther. Lehre
don der evangeliſchen Freiheit annahmen und
lobten und in die lutheriſchen Gemeinden auf⸗
genommen worden waren, nun unter dem Evan⸗
gelio ſchlimmer hauſten, als uater des Papſtes
und der Prieſter Zwang und Heriſchaft.

Hiervon ſchreibt Luther ſelbſt u. a. Folgen⸗
des:

„Nun ſind wir frei, nicht allein von der ſchwe—
ren Laſt des Geſetzes Moſis, ſondern auch von
des Papſtes Schatzung. Wie man aber Gott
und ſeinem Evangelio für dieſe Freiheit danket,
das ſiehet man täglich an Bauern, Bürgern,
Adel ꝛc., denn da gitbtnun Niemand gern mehr
einen Heller zum Evangelio und Predigtamt, ja,
jedermann ſtiehlt und raubt lieber der armen
Kirche, was vor Alters gegeben iſt. Die Bauern

—118 —

Pfarrherrn ſollen einen Zaun machen, ja ſie
zwingen ihn wohl, daß er der Kühe und Säue
hüten muß, gleich den andern Bauern. Im
Alten Teſtament und Geſetz Moſis wurden die
Jüden gezwungen, ihren Prieſtern gehorſam zu
ſein; gleichwie im Papſtthum auch Niemend
wider Mönche noch Pfaffen mucken durfte; aber
jetzt unter dem Evangeliv will Jedermann thun,
was ihm gelüſtet, und werden die Pfarrherrn
und Prediger nicht allein verachtet, ſondern auch
ſonſt übel gehalten . .. Jetzt iſt der gemeine
Mann los, nicht allein der Beſchwerung mit
dem Wachslichtern, ſondern auch alles Zwanges,
darin ſie im Papſithum geſteckt ſind, und genießen
des Lichts des Evangelii ohne alle Beſchwerung,
lauter umſonſt. Da ſollten ſie Gott für danken:
aber ſie werden frech und wilde, und wollen
nichts gutes thun.“ (Hauspeſtille. Siehe
Luthers Werke, Hall. Ausg. Tom. XIII, 2536.9

Es würde uns ein Leichtes ſein, Herrn Paſtor
Winkler mit ähnlichen Redensarten zu regali—
ren, wie er von uns braucht, wir meinen aber.
das ſind Waffen, dic einen Streiter Chriſti nicht
zieren noch ziemen und ſeine Sache nur bet
denen empfehlen, die den für den Beſiegten
halten, über welchen die meiſten Schimpfreden
ausgegoſſen worden ſind. Will Herr Paſt. W.
übrigens noch ferner Bänkelſängern Stoff lie—
fern, von uns zu ſagen und zu ſingen, ſo laſſen
wir ihm dieſe Freude und Ehre herzlich gern.
Wir wollen unterdeß ruhig der Wahrheit Zeug—
niß geben. Mögen dann noch ſo Viele ſelbſt von
denen, welche die Wahrheit mit uns vormals
bekannten, das Kreuzige! Kreuzige! rufen:
weder wir, noch die Wahrheit kann dabei etwas
verlieren. Wir werden durch Gottes Gnaͤde bei
der erkannten Wahrheit bleiben und die Wahr—
heit — wird ſich ſelbſt Bahn machen, ſie muß
ſirgen. „Deunn Recht muß doch Recht
bleiben, und dem werden alle from⸗
me Herzen zufallen. Pſ. 94, 15.

Herrn Paſtor Grabau's

Aufſatz: „Wider die miſſouriſche Lehre vom
heiligen Predigtamt“, wovon ſich der Anfang in
der 10. Nummer des „Informatorium“ befindet,
ſoll, ſo bald derſelbe beendigt iſt, in dem „Luthera—
ner“ beleuchtet, die darin vorkommenden Irrthü—
mer und Entſtellungen (oder Mißverſtändniſſe?)
nachgewieſen und die reine Lehre unſerer Kirche,
vas iſt, des göttlichen Wortes, von dem heiligen
Predigtamte dargeſteilt werden. Da das Be-
kenntniß der Wahrheit uns hier ſchon ſo viel
Haß zugezogen hat, nach dem alten Sprüchwort:
„Veritas odium parit““, ſo iſt es Herrn Paſtor
Graban allerdings ein Leichtes, durch eine
gehäſſige Vorſtellung der von uns bekann⸗
ten Lehre ſich Freunde zu erwerben und den
Haß, den wir tragen müſſen, zu ſteigern. Es
ſoll aber dem lieben Manne nachgewieſen wer⸗
den, daß aller der Spott und Hohn, den der⸗
ſelbe im Angeſichte der luiheriſchen Kirche um
unſeres Bekenniniſſes willen auf uns zu häufen

auf den Dörſern beſchweren ſich, wenn ſie ihrem

ſich getraut, eigentlich unſeren lieben Vater

Luther und eine ganze Wolke treuer lutheri⸗
ſcher Wahrheitszeugen trifft, die bereits in ihren
Gräbern vrm Kempſe ausruhen und denen wir
folgen, nach dem Beiehle des heiligen Geiſtes,
der da ſpricht: „Gedenket an eure Lehrer, dit
euch das Wort Gottes geſagt haben, welcher
Ende ſchauet an, sund folget ihrem Glauben
nach.“ Ebr. 13, 7.

Miſſiousbericht.

Bethanien, 29. December 1851.

An die verehrliche Miſſions-Commiſſion der

ev. luth. Synode von Miſſouri, Ohio ꝛt.
Geehrte und in dem Herrn geliebe Brüder!

Der nahe Jahresſchluß gemahnt mich an die
Pflicht, Ihnen über den Stand der Miſſion zu
zu Bethanien Bericht zu erſtatten. Und indem
ich mich anſchicke, dieſer Pflicht nachzukommen
kann ich nicht umhin, vorerſt die Gnade unſers
Gottes zu preiſen, die bisher ſo ſichtlich mit uns
geweſen iſt, und das geſamme lie Gemeindlein,
den vielen auf einander folgenden Stürmen und
Anläufen des Satans ungeachtet, beiſammen
erhalten hat. Es hat im verfloſſenen Jahre Zei⸗
ten gegeben, wo ich meinte, es könne kaum eint
Seele dem Stricke des Voglers entgehen; und
dennech hat ſich die Macht der Finſterniß innner
wieder brechen müſſen an dem Worte Gottes,
das ewiglich bleibt.

Die alten Heiden gehen, mit weniger Aus⸗
nahme, wohl noch in ihrer hergebrachten Weiſt
fort, und ſie werden durch ſo elende Geſchichten
von uns abgehalten, um ſie bei Gelegenheit zum
Methodismus zu verführen, daß ich mich ſchäme
ſie nachzuerzählen. Gott wird ja auch dieſen
Feiuden ſeines Wortes Maaß und Ziel ſetzen,
wenn ſeine Stunde kommt. Uebrigens haben nun
die meiſten derRänner, auf meinen oft wiederhol⸗
ten Rath, angefangen ſich Blockhäuſer zu bauen.
Sechs ſind bereits aufgerichtet, zwei ſind fertig
und drei ſollen nächſtens aufgerichtet werden.
Ich hoffe, daß ſie dieſe bequemeren Wohnungen ö
bald lieb gewinnen, und dann nicht mehr ſo viel
umherziehen werden, was ihnen auch ohnehin,
durch die nun ſich hier anſiedelnden Hanker's, die
das Land bereits ringsumher angekauft und
auch zum Sägemühlenbau Vorkehrungen getrof⸗
fen haben, mehr und mehr erſchwert werden
wird. Ein ſtättiges Leben der Indianer aber
haben wir doch mit allem Fleiße zu erzielen;
denn ein ewiges Umherziehen kann wohl dem
feldlagernren Methodismus in gewiſſer Hinſicht,
nicht aber dem lutheriſchen Chriſtenthum günſtig
ſein.

Die ältern Schüler haben nach und nach, des
Jagens ꝛc. wegen, die Schule verlaſſen; ein
neues Häuflein beginnt ſich erſt nach und
nach zu ſammeln; ſo daß ich im Sommer oft
nur zwei bis drei, im Herbſt und jüugſt doch
wieder acht bis zehn Schüler hatte. Von meinen
erſten Schülern haben manche ziemlich gut leſen
gelernt; da ſie aber im Umgange mit den Ihri⸗
gen das Engliſche immer mehr und mehr verler⸗

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