Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 15 › Seite 119

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-03-16, Seite 119

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Herrn, obgleich er im Geiſte wußte, daß er nicht
wiederkehren würde. Er ließ ſich ſein Leichen—
luch mit in ſeine Bücherkiſte packen und ging
dann getroſt ſeiner Beſtimmung entgegen. Noch
tinmal erbebten die Heiden vor dem Donner ſei⸗
ner Predigt und Taufende tranken die Gnaden⸗
ſröme des göttlichen Wortes von ſeinen Lippen.
Das Feuer war nicht erloſchen in dem erſtorbe⸗
nen Greiſe; es flammte noch einmal in mächti⸗
ger Lohe auf. Wiederum wie einſt in Thürin—
gen und Heſſen, ſtrömten die rohen Schaaren
berbei, bengten vor dem Gottesmanne den har—
ten Nacken und ließen ſich taufen. Kirchen wur⸗
den von den Bekehrten erbaut, Geiſtliche unter
ihnen eingeſetzt. Die Vollendung des Werkes
in Friesland war aber einem Andern aufbehal—
ten. An den Ufern der Burde hatte Bonifacius
fein Lager aufgeſchlagen und erwartete eine An⸗
zahl Getaufter zur Firmung. Es war der 3.
Juni des Jahres 755. Die Sonne iſt aufge—
gangen und Bonifacius hat ſich bereitet zu der
heiligen Handlung. Nahende Fußtritte unter⸗
brechen die feierliche Stille. Er hält ſie für die
der erwarteten Chriſten und geht ihnen entgegen
im biſchöfiichem Schmucke, um ſie zu begrüßen.
Aber wie er aus dem Zelte heraustritt, iſt es
eine Schaar racheſchnaubender Heiden mit blitzen⸗
den Schwertern. Bonifacius Gefährten woll⸗
ten ſich zur Wehr ſetzen. Er aber verbots ihnen,
weil es ihnen nicht zukomme, Böſes mit Böſem
zu vergelten, und ſchloß: Wenn euch je die Liebe
Gottes erfüllte, wenn ihr je auf meine Ermah—
nungen hörtet, ſo beherziget in dieſem Augen⸗
blicke die Worte unſeres Herrn und Gottes und
erſchreckt nicht vor denen, die den Leib tädten,
äaber unſere Seele nicht können tödten. Werfet
den Anker eurer Hoffnung weit aus, laſſet uns,
laſſet euch in dieſem heiligen Streite die Sieger⸗
krone nicht rauben, welche wir durch einen lan⸗
gen und beſchwerlichen Kampf uns bereits errun⸗
gen haben. Erduldet in der lebendigen Kraft
des Glaubens männlich und heldenmüthig die
letzte Prüfung, die uns aufbehalten iſt und ge⸗
het furchtlos in den Tod aus Liebe zu Dem, der
für uns gelitten hat und mit Dem wir uns in
dem Hauſe des Vaters ewig freuen werden.
Mit ſolchen Reden ſiek der Glaubensheld im
75. Jahre ſeines Alters nebſt den meiſten ſeiner

Genoſſen unter den Streichen der Heiden. Diefe—

ereilte die Strafe bald. Über die Theilung der
Beute in Streit' gerathen, metzelten ſie einan⸗
der ſelbſt nieder und die Übrigen wurden von
berbeikommenden Chriſten ergriffen. Bonifacius
Leiche wurde ſeinem Wunſche gemäß nach Fulda
gebracht, denn er wollte liegen mitten unter den
Völkern ſeiner Predigt zwiſchen vier von ihm be—

kehrten Stämmen und ſo ſeinem Amte noch im:

Todte treu bleiben. Er ruhet daſelbſt bis auf
dieſen Tag. Dort wird auch ein altes Buch mit
einem tiefen Arthiebe gezeigt. Das ſoll Boni⸗
fatius in der Hand gehabt haben, als er fiel.
Vor einigen Jahren hat ihm die Dankbarkeit
kbeutſcher Chriſten eine herrliche Bildſäule geſetzt,
belche einen ſchönen freien Platz in Fulda
ſchmückt. Gönne, lieber chriſtlicher und deut—
ſcher Lrfer, dieſem Manne auch in deinem Her—

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zen einen Ehrenplatz. Er heißt mit Recht Apo—
ſtel der Deutſchen, denn wenige Männer ſeit
Paulus Tagen haben für äußere Verbreitung
und inneres Gedeihen der Kirche ſo Großes ge⸗
leiſtet, wie er. Er war nicht in Deutſchland
geboren, aber er gehörte einem ſtammverwandten
Volke an und hatte ein deutſches Herz, wie nur
Einer, denn er hatte dem deutſchen Volke ſeine
ganze Kraft und ſein ganzes Leben geweihet.
Was Kark der Große gebauet hat, das hat er
gebauet auf Winfrids Bau, und das Haus,
welches Luther ſäuberte und ausfegte, hat Win—
frid zu ſeinem Baumeiſter. Der aber hat Alles
gebauet auf den einen Grund, der gelegt iſt,
welcher iſt Jeſus Chriſtus. Hat er nun auch
auf dieſen Grund nicht lauter Gold, Silber
und Edelſteine gebauet, ſondern auch Holz, Heu
und Stoppeln mitunter: ſo wird ſolches vom
Feuer verzehret werden und iſt zum Theil ſchon
verzehret, er ſelbſt aber wird bleiben und ſo
lange es ein deutſches Herz noch gielt, das
Jefum ſeinen Herrn nennt, dankbar der Apoſtel
der Deutſchen genannt werden. Es hat jeder
unter den mit Deutſchland verbrüderten Haupt—
ſtämmen ſeinen Glaubenshelden gehabt, alle aber
haben ſien Deutſchland gewirkt. Der Eng—
länder Winfrid hat unter uns das Chriſtenthum
gepflanzt, der deutſche Luther hat es gereinigt
der Schwede Guſtav Adolf iſt gekommen und

Möge das Werk dieſer drei Männer bleiben für
und für auf Erden, wie es droben unvergäng⸗
lich iſt!

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Herr Paſtor Winkler in Detroit

erzählt bereits in einer ganzen Reihe von Auf⸗
ſätzen im „Informatorium“ unter dem Titel:
„Das Wüthen des Satans wider die Kirche
Gottes“ eine ganze Menge haarſträubender Ge—
ſchichten von Unthaten, welche diejenigen Leute
begangen haben ſollen, welche ſich von ihm ge—
trennt haben. Geſetzt nun, es wäre alles
wahr, was Herr Paſtor Winkler von ſolchen
Unthaten berichtet, was wir aber natürlich nicht
glauben, denn wir wiſſen leider! aus eigner
Erfahrung, wie trübe das Auge hierarchiſcher
Fanatismus macht: geſetzt aber, wie geſagt, es
wäre jenes alles wahr, ſo würde Herr Paſt. W.
doch damit nicht beweiſen, was er beweiſem will
und beweiſen ſollte, nehmlich daß es unrecht
geweſen ſoi, ſich dießer Leute anzu⸗
nehmern; vorausgeſetzt, daß dieſelben ſich an—
fänglich chriſtlich gezeigt haben, denn in das
Herz kann man den Leuten freilich nicht ſehen.
Daß es aber in einem Fall, wie der gegenwär—
tige, reccht ſei, ſich Solcher, die ſich von ihrem
Pfarrer getrennt haben, anzunehmen: dies iſt
Lehre unſerer Kirche je und je geweſen. So
ſchreibt z. B. Tilemann Heshuſius, der
ausgezeichnete Theolog, von welchem Herr Paſtor
Grabau ſelbſt einen Traktat wieder hat auflegen
luſſen:

„Wenn aber der Fall ſich zuträgt, daß ander

Leut, ſo in unſer Pfarr nicht gehören — ſitzen

hat es mit ſeinem treuen Schwerte geſchützt.

&

aber entweder unter dem antichriſtiſchen Papſt—
thum oder unter falſchen Lehrern, als Calvini⸗
ſten, Synergiſten, Majoriſten, Adiaphoriſten,
Schwenkfeldianern, für den ſich ein Chriſt hüten
muß, oder werden von ihren tyran⸗
niſchen Pfarrern wider ihr Ge—
wiſſen beſchweret, oder ſind ſonſt auf der
Reiſe, werden etwan mit Krankheit befallen, oder
bedürfen ſonſt Troſtes, und wollen ihr Gewiſſen
durch den Brauch der Sacrament ſtärken —, unſers
Dienſtes begehren und bei uns die Sacramenta“
ſuchen: auf ſolchen und dergleichen
Fällen ſtehet's uns Predigern frei,
einem jeden Menſchen, er komme gleich von An⸗
fang oder Niedergang der Sonnen, wofern er
rechte Buße thut und demEvangelio gläubet, die
Sacrament mitzutheilen, kraft des Spruches
Joh. 16.: Der (heil. Geiſt) wird die Welt
ſtrafen, d. i., das Reich Chriſti und heiliges
Predigtamt ſtrecket ſich über der ganzen Welt
Kreis und iſt an keinen Ort, noch Perſon, no
Zeit gebunden. Und daß die Chriſten, ſo ihr
Pfarrer, die da falſche Lehre und Läſterung
ausgeben, oder ihr Gewiſſen wide
Gottes Wort beſchweren wollen
meiden und die Sacramenta in andern Pfarre
bei rechtſchaffenen Lehrern ſuchen — chriſtli
handeln, erſcheinet aus den Worten Chriſti
Sehet euch für vor den falſchen Propheten“,
Matth. 7. Itei Paulus: SSehet auf die böſe
Arbeiter“; Philipp. 3. und Röm. 16.: Sehe
auf die, ſo da Zertrennung und Aergerniß an
richten neben der Lehre, die ihr gelerne
habt, und weichot von denſelbigen!“ (Siehe
Dedekenni; thesaur. Vol. I, pag. 438.)

Ferner ſchreibt Wolfgang Waldne
in einem von Dedekennus ebenfalls in ſeiner
Thesaurus aufgenemmenen Bedenken:

„Was Chriſtus, der HErr, von ſich ſelbe
ſagt, das ſagt er auch von allen Lehrern un
Chriſten, daß ſie einerlei Sinne gegen alle Men
ſchen ſollen haben und mit Chriſto ſagen: Alles;
was zu mir kommt, das ſtoße ich nicht hinaus
Und das haben von Anfang der Welt die heili
gen Patriarchen und Propheten, nach ihnen di
lieben Apoſtel, Väter und Lehrer gethan: we
aus einer andern Herrſchaft und Pfarren zu ih
nen kommen und Gottes Wort bei ihnen geſucht
den haben ſie nicht allein nicht weggeſchafft, ſon
dern ganz willig und gerne aufgenommen. Un
ſetzet St. Paulus deß eine rechte Urſache für all
und jede Diener Gottes, Regenten unb Chriſten
an ſeiner eigenen Perſon Röm. 1. und ſpricht'
„Ich bin ein Schulodner beide der Griechen un
Ungriechen, boide der Weiſen und Unweiſen“
Warum? — Cap. 3. ſpricht er: Gott iſt nich
allein der Jüden, ſondern auch der Heiden Gott“.
Die Brüder und Chriſten, ſo man daheim i
ihrem Gewifſen mit falſcher Lehr—
und Menſchenſatzung verſtricken wilh
ſind rechte Gefangene und wohlgeplagte Leute
welche auch täglich auf ihre leibliche Gefängni
warten und wie Schlachtſchaafe gehalten werden.
Wenn denn dieſelben zu unſerer Kirche kommen,
Rath, Hülſe, Troſt und Bericht aus der Predigt
des göttlichen Wortes und wahrem Gebrauch der

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