Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 12 › Seite 92

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-02, Seite 92

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Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luthe

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„Gottes Wort und Luthers Lehr“ verhehet nun und nimmermehr.““ ²

r. Synode von Miſſouri,

(Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.)

Ohio und andern Staateu.

Nedigirt von C. F. W. Walther.

Jahrg. 8.

No. 12.

2.

dedingungen:

Led Der Lutheraner erſcheint allt wwei Wochen einmal für den jährlichen
Taln un deg en von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber „welche deuſelben ——
ihleu und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.

Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderen
aber, welches Geſchäftliches, Beſtellungen. Abbeſtelungen, Gelder 2. enthalten,
Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.

unter der Adreſfe

́——ä— —

Sendbriefe

an die lutherishen Eltern dieses Landes
über

die chriſtliche Kinderzucht.

—

No. 1.

Gnade und Friede in Chriſto!

Obwohl der Schreiber dieſes nur die Wenig—
ſten von Euch von Angeſicht zu Angeſicht kennt,
ſo ſeid Ihr ihm doch alle in's Herz geſchrieben, die⸗
weil er mit Euch denſelben allertheuerſten Glau—
ben überkommen hat und von dem Einen HErrn
durch den Einen Geiſt, mittelſt der Einen Taufe,
und ob Gott will, in demſelben Glauben des
Herzens, mit Euch zu dem Einen Leibe, an dem
Chriſtus das Haupt iſt, gliedlich verbunden iſt.
Und deshalb werdet Ihr es gewiß nicht un—
freundlich aufnehmen, wenn die Liebe Chriſti ihn
dränget, über einen hochwichtigen Gegenſtand,
nämlich über die chriſtliche Auferziehung Eurer
Kinder, etliche Worte an Euch zu richten.

Ehe ich aber dazu ſchreite, ſo laſſet es Euch
nicht verdrießen, wenn ich zuvor über den zwie⸗
fachen Beweggrund dieſes meines Schreibens
Einiges vorausſchicke.

Der erſte dieſer Beweggründe iſt ein äußer—
lichet, nämlich die durchſchnittlich leider höchſt
hetrübte und verderbte Beſchaffenheit der Erzie⸗
hung der Jugend unter den eingebornen Ame⸗
nikanemn engliſcher und deutſcher Zunge. Denn

einzelne ehrenwerthe Ausnahmen abgerechnet,

wo etwa ein geſunder chriſtlicher Sinn in dieſem
und jenem Hauſe herrſcht, da werdet Ihr ja
mannigfaltig, ſchon ſelbſt in Eurer Nachbar—
ſchaft geſehen und gehört haben, wie traurig
es mit der Erziehung der armen Jugend beſtellt
iſt. Da iſt meiſt nur eine fleiſchliche Affenzärtlich—
keit und ängſtliche Sorgfalt um die Leiber der
Kinder vorhanden, zumal wenn ſie noch klein
ſind, und zugleich eine erſchreckliche Verwahrlo—
ſung der Seelen an den Kindern, die heranwach—
ſen, das erſte Jahr erreicht haben und darüber
hinaus ſind. Da iſt faſt keine Spur von Bre⸗
chung des Eigenſinns und Eigenwillens, von
heilſamer Zucht und Gewöhnung zum Gehor—

ſam und zur Ehrerbietung gegen die Eltern, zur—
Wahrhaftigkeit, zur Arbeitſamkeit, zur Dienſt⸗

fertigkeit, zur Beſcheidenheit, zur Mäßigkeit; da
iſt keine Ernährung der jungen Seelen, je nach
ihrem Alter, mit dem göttlichen Worte, keine Er⸗
zählung der wichtigſten bibliſchen Geſchichten
und großen Thaten Gottes, etwa nach Bildern,
ſchon auf mütterlichem Schooße; da iſt keine
geiſtliche Lebensluft für die Kleinen in lieblichen
ſüßen Chriſtliedlein, keine Anleitung, mit geſalb⸗
ten kindlichen Gebetsverslein das Angeſicht deſ⸗
ſen zu ſuchen, der da ſprach: „Laſſet die Kind⸗
lein zu mir kommen!“ Da iſt ſpäter eben ſo
wenig, weder daheim, noch in den Diſtrikts⸗

oder Freiſchulenn), eine Unterweiſung im gött⸗

*) Es iſt ein trauriges Zeichen der Leichtfertigkeit im ame⸗
rikaniſchen Kirchen weſen, daß faſt nirgends unter den eng⸗

lichen Geſetz und Evangeli um, eine ſtetige Vor⸗
malung Moſis und Chriſti, eine kräftige Er⸗
weckung der Gottesfurcht, eine heilſame Schär—
fung des 4. Gebots, eine herzlich väterliche Er⸗
mahnung, eine bewegliche Anleitung des der
Sünde überführten Kindes, im Gebet ſeinen Hei⸗
land zu ſuchen und Vergebung von Ihm zu ho—
len. Summa, es fehlt für die Kinder faſt:
durchweg „die Zucht und Vermahnung zum
HErrn,“ im Hauſe, wie in der Schule, in der
Schule, wie in der Kirche, vo man von gründ⸗
licher Handhabung des Katechismus, als eines
Stückes des gemeinſamen öffentlichen Gottes—
dienſtes, auch Nichts weiß. Die meiſten Kinder
wachſen daher wie die Bäume im Walde.
„Und dieſe herrſchende ungeheure Verwahrlo—

lng der armen Kinder in der häuslichen Erzie—

huͤng bei Gebildeten und Ungebildeten rührt
zwar vornämlich aus dem Unglauben und fleiſch⸗
lichen Sinn der Eltern her; zum Theil aber
auch iſt ſie eine natürliche Folge und eine große
Schattenſeite der hieſigen Verfaſſung des bür—
gerlichen Gemeinweſens; denn aus dem vor—⸗
nehmſten Grundſatze derſelben, nämlich dem von
der Machtvollkommenheit und Oberherrlichkeit
des Volks als Geſammtheit der zum Regiment

liſchen Glaubensparteien, die Katholiken ausgenommen,
chriſtiche Gemeindeſchnlen beſtehen, darin die Kinder von,
JIugend auf in Gottes Wort und in der chriſtlichen Lehre
unterwieſen würden ; und wer nur ein wenig Einſicht in die ſe
Sache hat, wird ſchwerlich behaupten, daß die Sonntags⸗
ſchulen einen gründlichen und anngſamen Erſatz dafür bieten.

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