Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 10 › Seite 79
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-01-07, Seite 79
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ſigen lugen geöffnet worden wären, und er ſeine
Miſſethat erkannt hätte! — Aber leider nicht;
er beharrte in ſeinen Sünden, und wurde nur
noch verſtockter.
Er ſchlich ſich auf jenen Vorfall täglich zwar
noch, aber heimlich, in die Scheune, und der Ei—
genthümer ſah ſich baldigſt zu einer zweiten Be—
ſchuldigung gegen ihn veranlaßt, indem ihm eine
große Kette an ſeinem Fuhrwagen fehlte. Allein
each hier leugnete er, wie vormals, und ſetzte
Efolgende Worte noch als Betheurung hinzu:
„Ich will lebendig verbrennen, wenn ich dieſe
Kete geſtohlen habe.“
Ach wie ſchrecklich brach das auf ihn herabge—
Eſchworne Strafgericht Gottes herein! Wenige
Nage darauf, als er wieder in derScheune ſchlief,‚
nag ihm in ſeinem berauſchten Zuſtande die bren⸗
nende Tabakspfeife in das Heu gefallen ſein,
und nach ungefähr zwei Stunden ſeiner Entfer⸗
nung aus dem Wirthshauſe ſtand die Scheune
in vollen Flammen, und er wurde am Morgen
gjaſt ganz verbrannt auf der noch glühenden Kette,
die er entwendet hatte, gefunden.
Möge dieſe Geſchichte, und beſonders das
ſchreckliche, ſchauervolle Ende dieſes Menſchen
allen denen zur Warnung dienen, die in ſolchen
und ähnlichen Sünden dahin gehen, und es nur
der Barmherzigkeit und Liebe Gottes in Chriſto
nn danken haben, daß ſein Gericht noch nicht über
ſe gekommen iſt! „Irret euch nicht, Gott läßt
hach nicht ſpotten, denn was der Menſch ſäet, das
vird er ernten.“—
(Dasſelbe.)
— ——— —— —.—
Das Ende naht.
Auf, auf zum letzten Zuge,
Auf, auf zum letzten Sireit!
Genahet iſt im Fluge
Die letzt' betrübte Zeit.
Der Gräuel ſind ſo viele,
Die Zeichen ſind ſo klar:
Daß wir nun bald am Ziele,
Das iſt gewißlich wahr.
Das Ende naht, das Ende,
Der letzte Tag iſt nah.
Ach! rüſtet euch behende,
Bald iſt der Heiland da;
Ach! fallet ihm zu Fuße, —
Er wird nicht lang verziehn, —
* Und thut rechtſchaffne Buße,
1 Und ſucht im Gla. ben ihn.
3 Es künden alle Zeichen,
. Daß Jeſus nahe ſei:
Erdbeben, Hunger, Seuchen
Und Krieg und Kriegsgeſchrei.
Die Waſſerwogen brauſen
Mit lautem Vonnerhall,
Gewalt'ge Stürme ſauſen:
Es bebt das Weltenall.
Das weiß der alte Drache,
Daß ihm nur kurze Friſt;
Drum ſchwört er blut'ge Rache
Der Kirche Jeſu Chriſt.
Er reizet durch ſein Spotten
Die Welt ohn' Unterlaß,
4 Die Kirche auszurotten
F. Im grimm'gen Gottesbaß.
——79—
So wird es noch geſchehen,
Was Chriſtus prophezeit:
„Ihr müßt ins Elend gehen
Wohl zu der letzten Zeit';
Ihr müßt alsdann auf Erden
Erdulden Tod und Bann,
Um meinetwillen werden
Gehaßt von Jedermann.“
Doch Satan mag entzünden
Die ganze Welt zur Wuth,
Die Höll' aus allen Schlünden
Nichts ſpein, als Gift und Gluth,
Wenn auch wie Sand am Meere
Des Teufels Macht zahllos:
Doch ſiegt ob ſeinem Heere
Die Kirch' in Gottes Schooß.
Gott hat ein Wort geſprochen,
Das macht uns alle ſroh;
Der nie ſein Wort gebrochen,
Der ſaget zu uns ſo:
„Auf meinem ew' gen Worte
Soll meine Kirche ſtehn,
Trotz aller Höllenpforte
Soll ſie nicht untergehn.“
Drum wenn uns große Qualen
Und bittre Schmerzen drohn,
Uns ſtärkt zu tauſend Malen
Der ew'ge Gottesſohn.
Wenn wir an uns verzagen,
Auf ihn allein nur baun:
Wird er uns ſiegreich tragen
Durch alles Todesgraun.
Schon winken Freudenſterne
Das Ende uuſrer Noth;
Schon leuchtet in der Ferne
Ein lieblich Morgenroth.
Willkommen, ſchöner Morgen!
Geh auf, o ſel'ges Licht,
Da uns von allen Sorgen
Erlöſt des Herrn Gericht.
Es werden plötzlich Zeichen
Am Himmel dann geſchehn:
Die Sonne wird erbleichen
Und ſchwarz und dunkel ſtehn,
Wie Blut wird ſchrecklich blinken
Der Mond an hoher Hall,
Die Sterne werden ſinken,
Vergehend in dem Fall.
Wenn ſo die Himmelslichter
Verlöſchen in der Nacht:
Dann komnit der Weltenrichter
In ew'ger Gottespracht,
Gleich einem hellen Blitze,
Mit aller Engel Schaar,
Auf hehrem Wolkenſitze:
Dann naht das Jubeljahr.
O ſeliges Entzücken,
Wenn Chriſti Stimme ruſt,
Um uns zu ſich zu rücken,
Verkläret durch die Luft.
Dann werden wir ihn ſchauen,
Und ſelig vor ihm ſtehen,
Und mit ihm zu den Anen
Des Paradieſes gehn.
Herr Jeſu, ach! erbarme
Dich über uns aus Gnad'
Erhalte feſt uns Arme
Auf Deinem ſchmalen Pfad,
Daß wir Dir treu anhangen
Im Leben und im Tod,
Und bald zu Dir gelangen,
Du ew'ger, treuer Gott.
Hermann Zick.
Eine herzliche Bitte.
Der geehrte liebe Leſer des „Lutheraners“
wird freundlich gebeten, folgendes mit theilneh-
mender Liebe und Barmherzigkeit zu leſen:
Hier in Detroit, wo vor ungefähr fünf Jahren
eine lutheriſche Gemeinde ſich zu bilden und
ſchnell aufzublühen anfieng, ſieht es nun zum
Erbarmen aus. Als der Unterzeichnete vor zwei
Monaten von dem Überreſte der Gemeinde beru⸗
fen wurde und etwas ſpäter als Hirte und Leh⸗
rer derſelben in ihre Mitte trat, dachte er an das
Wort der Schrift: „Da Er das Volk ſahe, jam⸗
merte ihn desſelbigen; denn ſie waren verſchmach⸗
tet und zerſtreuet, wie die Schafe, die keinen Hir⸗
ten haben.“ Und er muß noch immer daran den⸗
ken: ein zerſtreutes Häuflein, dem Verſchmachten
nahe, iſt noch immer die übriggebliebene kleine
Schaar.
Wie ganz anders wars vor fünf Jahren, und
eine Zeit lang hernach. Welche Hoffnung und
Freude muß damals die Herzen derer bewegt
haben, die nun wie ein Schilf das Haupt nie⸗
derſenken und traurig ſind. Mit vieler Aufopfe⸗
rung und Hingabe ans Reich Gottes brachten
ſie damals eine Backſteinkirche in die Höhe, wie
ſie manche Gemeinde nur wünſchen würde. Aber
ſchon bei der Einweihung derſelben gerieth die
verſammelte Gemeinde, die es nicht wollte und
nichts davon ahnte, durch plötzliche Einführung
der in früherer Zeit üblichen Ceremonien der luth.
Kirche in eine allgemeine Beſtürzung. Viele
Glieder, deren chriſtliche Freiheit durch ſolchen
Zwang verletzt war, wurden ſchon damals aus
der Gemeinde getrieben und irren nun entweder
noch irgendwo umher, wie geſcheuchte Schafe,
oder ſind bereits anderwärts einem Wolfe zur
Beute geworden; wie ſich denn wirklich von je—
ner Zeit die Betſäle der Sekten zu füllen began⸗
neu. Seitdem war eine Zeit beſtändigen Rei⸗
ßens, Zerſtreuens, Zerſtörens, wovon man ſich
nur ſchwer einen Begriff machen wird. Alle reifere
Erkenntniß des Chriſtenthums, die er hätte för⸗
dern ſollen, ſchien dem ungetreuen Hirten be—
ſchwerlich zu ſein. Er ſuchte den, an welchem
er ſie wahrnahm, zu entfernen, gleichwie die Welt
einen Mann, der ihr Gewiſſen ſchärft, gerne aus
dem Wege räumet. Dazu half Fluch und Bann.
Jegliche Widerrede gegen erlittenen Zwang konn⸗
te mit dem Bann augenblicklich belegt werden,
oder doch in ſolcher Weiſe, die mit Matth. 18,
15 bis 17 ganz und gar nicht ſtimmte. So wur⸗
de eine nicht geringe Zahl in dieſem Stück ur⸗
ſchuldiger Seelen dem Satan übergeben und jede
Bitte und Ermahnung von Seiten der unglück⸗
lichen Heerde war fruchtlos. Die Folge war, daß
eine noch größere Zahl von Glieder, die nicht
gebannt waren, ſich von dieſem grauſamen Hir⸗
ten losmachte und ihn nach dem Befehl des
SErrn floh. Dieſe verbanden ſich mit ihren un⸗
rechtmäßig gebannten Brüdern: und dieſe armen,
gequälten und eingeſchüchterten Seelen zuſam⸗
men beriefen hierauf den Unterzeichnetn zu ihrem
Hirten.
Aber was iſt's nun? DerSchaden iſt damit nicht
ſchon geheilt; er wird vielmehr erſt recht offenbar.
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