7. —
7. Wahl im weiteren und engeren Sinn. Unſere Gegner ſagen: a. Esgibteine Gnadenwahl im wenrte⸗— ren undengeren Sinn. Anm. a. Viele Worte kommen in einem weiteren und engeren Sinn vor, z. B. Buße, Evangelinm. Evan— gelinm im weiteren Sinn ſchließt das Geſetz ein. In ſolchem Sinn wurde das Evangelium eine Prediar der Buße genannt. Anm. b. Will man über Buſe reden, ſo muß man von vornherein erklären, in welchem Sinn man davynn reden will. Will man bald von Buße im engern. ha.d im weitern Sinn reden, ſo muß man das ſagen. Anm. c. Wenn jedoch jemand würde iſagen: das Evangelium geht allein über die Zerſchlagenen Nont. S. 5: die Wahl geht allein über die Kinder (ottes 2 würde niemand ſagen: Hier ſei vom Evangelium im weiteren Sinn die Rede. — b. Die GnadenwahlumfaͤßrzwoidTeile: die ordinatio mediorum (Wahl im weiteren Sinnund die praedestinatio electorum (Wahl im engeren Sinme. 1. Die ordinatio mediorum. die Verordnung der Heilsmittel: Gott hat nicht allein insgemein die Seligkeit bereitet Konk. 708 § 23. Dies iſt der erite Lehrtropus. Unterſch. 68. Anm. a. Die Gnadenwahl im weiteren Sinn iit der Ratichluß der Erlöſung, der allgemeine Enaden wille. Jowa. Anm. b. Dagegen: 1. Das wäre keine Wahl. i. § 6 f. 2. Dann kann man nicht begreifen, warum die Konkordia noch einen beſonderen Artikel aufſtellt über die Lehre von der Gnadenwahl. 3. Man kann nur reden von einer Wahl vorn Perſonen. Von einer Wahl der Mittel zu reden iſt unmöglich. Man kann von einer Ver— ordnung zur Seligkeit nicht reden: Die Taufe ſoh ſelig werden. Anm. c. Von dieſem Teil der Wahl, der oOräi— natio mediorum, die über alle Menſchen geht, von der Wahl im weiteren Sinne ſagen unſere Gegner 1. daß dieſer Teil der Wahl die Urſache der Seligkeit ſei. ſ. F 8. Antith. b., 2. daß dieſer Teil der Wahl der Haupttei! der Wahl ſei. Anm. d. ſind drei Gründe dagegen: Hier 1. Wenn man von einem Schloß recht reden will mufß man auch den Garten, die Wege u. ſ. w. mit dazunehmen. Aber ſind nun Garten und Wege der Hauptteil des Schloſſes? Man kann von Rechtfertigung nicht recht reden, wenn man nicht erſt die Lehre von der Erlöſung aller Menſchen zugrunde gelegt hat. Iſt darum die Erlöſung der Hauptteil der Rechtfertigung? 2. Welch ein Unding, contradictio in adjecto: Der Hauptteil einer Wahl, die allein über die Kin— der Gottes (Konk. § 5) geht, ſoll die Feſtſetzung des Heilsweges für al le Menſchen ſein. 3. Da in der erſten Form der Konkordienformel und in der Epitome die acht Punkttie fehlen, ſo wäre gerade der Hauptteil der Wahl weggelaſſen. Einwand. Die 8 Punkte ſeien in der Epitome kurz zuſammengefaßt 554, § 6. u. 7. 2. Die praedestinatis electorum, die Muſterung oder Auswahl der einen vor den andern nach dem richtenden Willen Gottes. Gott hat auch in Gna— den jede einzelne Perſon bedacht. Konk. 708, § 23. 2. Lehrtropus. Anm. a. Die Wahl der Perſonen iſt die Wahl im engern Sinn. Anm. b. Hierin beſteht allerdings das Woſen einer Wahlt daß Gott eine Anzahl Menſchen zur Seligkeit verordnet. Anm. c. Von dieſem Teil der Wahl ſagen un— ſere Gegner: 1. ſie iſt die auf Gottes Vorausſehung gegründete richterliche Applikation der Beſtimmung des allgemeinen Heilswegs, 2. ſie muß geſchehen ſein imuitu fidei. Anm. d. Dagegen: Wir ſollen die Wahl gar nicht nude. als Muſterung betrachten. Konk. 706, S 9. — Eine ſolche Wahl im engern Sinn, wie Ohio und verſchiedene Dogmatiker des 17. und 18. Jahrhunderts ſie lehren, iſt bekenntniswidrig. Die acht Punkte ſollen nimmer davon ausgeſchloſſen werden. c. Die Konkordienfoörmel rede von einer Wahl im wei— teren Sinn. Gründe: 1. Die Gnadenwahl im engern Sinn erſtreckt ſich auf die Perſonen, deren Glauben Gott voraus— geſehen hat. Dieſe Wahl kann nicht eine Urſache unſerer Berufung u. ſ. w. ſein. (Konk. 705, § 8.) Darum muß die Konkordienformel hier von einer Wahl im weiteren Sinne reden. 2. Gott hat in ſolchem Rat, Fürſatz und Verordnung nicht allein insgemein die Seligkeit be— reitet u. ſ. w. Konk. 708. 8§ 8. Alſo gehören dieſe 8 Punkte mit zum Fürſatz und Rat Gottes. 3. Die acht Punkte § 15 bis § 22 enthalten den Weg für alle Menſchen. Als Weg für alhe kommt er hier in Betracht. Anm. Das iſt die Frage: ob dieſe acht Punkte angeführt werden, inſofern alhhe dieſen Weg wandeln ſollen. oder inſofern die Auserwählten ihn wirklich wandeln. 4. Dies alles wird in der Lehre von der Wahl begriffen, § 13 bis § 24, gehört in die Be⸗ griffsbeſtimmung der Wahl. Was unter Gnaden⸗ wahl zu verſtehen iſt, lehrt §.13. Chic. 19. 5. Als hielte ſolche nicht mehrr in ſich. Kon. 706, 9. 6. In Chriſto, dem Buch des Lebens, ſollen wir des Vaters ewige Wahl ſuchen. Kon. 718, § 65. — Das ſoll jedoch heißen, wir ſollen nicht den ge · heimen Rat Gottes erforſchen, ſondern uns ans Evangelium halten. 7. Die lutheriſche Kirche habe ſeit Annahme der Kontordienformel ſich erklärt, daß das Bekenntnis von einer Wahl im weitern Sinne rede, z. B. Fecht. Quenſtedt, Hollaz, Baier. Anm. a. Auch Luther und Chemnitz ſoll von einer Wahl im weitern Sinn reden. Dagegen L. W. 26, 72. Anm. Luth. 36, 53. W. 79, 79. L. W. 52, 439. 26, 68. Anm. b. Ohio bekennt ſich zur Konkordienfor⸗ mel von der Wahl, wie die Väter ſie erklärt haben, im weiteſten Sinn. d. Die Konkordienformel rede bald von der Gnaden⸗ wahl im weitern, bald im engern Sinn, bald von dem einen Teil der Wahl, bald vom andern, z. B. § 5, daß die Wahl allein über die Kinder Gottes gehe (Wahl im engern Sinn), § 8: eine Urſache u. ſ. w. bezieht ſich auf den erſten Teil der Wahl (die Wahl im weitern Sinn). Anm. Dann wäre die Konkordienformel konfus und würde nur Verwirrung anrichten. Widerlegung. Von einer Wahl im weitern Sinn weiß die Konkordienformel nichts. a. Sie ſagt von vornherein, daß die Vahl nicht über alle Menſchen geht. 554, § 5. 705, § 5. — Gerade durch die vorhergehende Unterſcheidung von Vorher⸗ wiſſen und Vorherbeſtimmen iſt die Wahl im weiteren Sinn abgewieſen. Anm. Würde der Hauptteil der Wahl die Verord· nung der Mittel ſein, dann würde die Verordnung der Mittel nicht über alle Menſchen gehen. Calvinismus. b. Sie redet im ganzen Abſchnitt durchweg von den Kindern Gottes. Das geht hervor 1. aus dem Gebrauch der- Worte „uns“ und „wir“. Vergl. Eph. 1 und Röm. 8. Konk. 705, § 8: Der Aus⸗ erwählten Seligkeit — ſo da unſere Seligkeit u. ſ. w. 707, S 14. unſere Erlöſung, Berufung, Gerecht⸗ und Seligmachung, 2. aus den acht Punkten 8 § 15 bis 5 22, die von dem Heilsweg in Bezug auf die wahren K inder Gottes reden. Das zeigen die Worte A. πι½τu § 23. Nur von der Seligkeit der Sei— nen iſt die Rede. Einwand. Wenn das Wort suorum ſo wichtig wäre, ſei es ein bedeutender Mangel, daß es im deutſchen Text weggelaſſen iſt. Auslegung der Gegner: salutem suorum, weil endlich nur die Seinen die für alle beſtimmte Se— ligkeit erlangen: b. eo modo. § 23. auf dieſe Weiſe, wie jetzt gemeldet. Die acht Punkte wollen nur den Weg beſchreiben, den Gott ſeine Auserwählten zu füh— ren beſchloſſen hat; c. et quidem, und zwar § 23. Anm. Auch die Reprobation, die doch zum all— gemeinen Heilswillen gehört: Wer nicht glaubt. wird verdammt, fehlt. Wir ſollen nur an die Aus— erwählten denken. Anm. Mit den acht Punkten wird geſagt: Gott hat die Auserwählten nicht kurzweg zur Seligkeit prädeſti— niert, ſondern zugleich die Art und Weiſe, den Weg dazu beſtimmt, welcher kein anderer Weg iſt als der allge— meine. S 21f. Nun kann keiner ſich der Wahl tröſten, der nicht auf dieſem Wege wandelt. § 30 b.; 3. aus der Berufung auf Ap. 13, 48, was bei einer Wahl im weitern Sinn unverſtändlich wäre. Einwand 1. So da unſere Seligkeit und was da⸗— zu gehört, ſchafft. Zur Seligkeit gehört die Er hö— ſung. Darum muß hier Wahl im weitern Sinn ge— meint ſein. — Das Bekenntnis ſetzt die Erlöſung als eine bereits geſchehene Tatſache voraus: in Chriſto Jeſu eine Urſache. 705, § 8. Einwand 2. Der erſte von den acht Punkten 707. § 15, redet von der Erlöſung des ganzen menſch— lichen Geſchlechts. Das kommit hier nur als Grundlage der Wahl in Betracht. Das Bekennt nis legt ſich ſelbſt alſo aus: auf Chriſti Verdienſtage gründet. 720, § 75. Anm. a. Der erſte von den acht Punkten ſteht in einem andern Verhältnis zur Wahl, wie die andern. Anm. b. Wie man von der Rechtfertigung nur dann recht reden kann, wenn man vorher von Sünde und Erlöſung geredet hat, ſo ſoll man auch, wenn man von der Gnadenwahl „mit Frucht reden“ will, „ſich gewöh nen“ (Kon. 707, § 13), die Erlöſung, den allgemeinen Heilswillen Gottes, die allgemeine Gnade, die allgemeine Berufung u. ſ. w., zugrunde zu legen. — Damit iſt aber nicht geſagt, daß die Erlöſung des ganzen Men— ſchengeſchlechts ein Stück der Lehre von der Wahl ſei. Einwand 3. Die Konditionalſätze 708. § 21: wo ſie an Gottes Wort ſich halten, wenn ſie an Gottes Güte bleiben. Da die Wahl nicht umgeſtoßen werden kann, kann dies nicht von Auserwählten geredet ſein, ſondern von der Wahl im weiteren Sinn. Dagegen: ag. Paulus war ſeiner Seligkeit gewiß und ſpricht doch: Daß ich nicht andern predige und ſelbſt verwerf lich werde. — Scheidung von Geſetz und Evangelium ö b. Die Mahnungen: Vleibt treu, ſchafft u. ſ. w. ſtehen nicht im Widerſpruch mit der Ausſage: Gott iſt's, der in euch wirtet. ͤ‚ c. Gott ſtellt an die Auserwählten Bedingungen. zu deren Erfüllung er ſelbſt Vermögen darreicht. d. Weil die Auserwählten denſelben Weg geführt wer— den, wie andere Menſchen, darum iſt auch die Beſchrei⸗ bung des Heilswegs dieſelbe. e. Sie haben noch das Fleiſch an ſich und bedürfen darum der Ermahnung. Schlußbemerkung: Die Konkordienformel 1. ſagt überhaupt nichts davon, daß das Wort Gnadenwahl einen weiteren oder engeren Sinn habe, ſagt auch nirgends, daß es von einer Wahl im weitern oder engern Sinn reden wolle, redet nur von einer Wahl von Anfang bis 2. zu Ende: von der Wahl imeigentlichen Sinn. Anm. Wenn wir unterſcheiden zwiſchen Wahl im engeren und weiteren Sinn, ſo tun wir es nur um der Gegner willen. Antanaclasis.
- Konk. 708
- L. W. 51, 368 margin
- Luth. 36, 52 margin
- W. 80, 47 margin
- L. W. 27, 268 margin
- Luth. 37, 52 margin
- W. 80, 47 margin
- L. W. 27, 172 margin
- L. W. 27, 172. 244 margin
- L. W. 27, 137 margin
- Trak. 4 margin
- Trak. 4, 66 margin
- L. W. 52, 303 margin
- L. W. 52, 303. 337 margin
- L. W. 26. 138 margin
- W. 51, 370 margin
- L. W. 27. 244 margin
- Luth. 36. 52 margin
- Trak. 1 margin
- Trak. 1, 49 margin
- Konk. § 5
- Konk. 708
- Konk. 708
- Konk. 706
- Konk. 705
- Konk. 708
- Konk. 708. 8
- L. W. 28. 27 margin
- W. 18. 34 margin
- L. W. 27 margin
- L. W. 51, 369 margin
- Trak. 71 margin
- Trak. 71. 72 margin
- Trak. 1 margin
- Trak. 1, 47 margin
- W. 10. 4 margin
- W. 80, 15 margin
- W. 80, 15. 46 margin
- Trak. 4 margin
- Trak. 4, 11 margin
- Trak. 4, 11. 66 margin
- L. W. 52, 385 margin
- Trak. 1 margin
- Trak. 1. 44 margin
- L. W. 26, 146 margin
- L. W. 26, 146. 147 margin
- Trak. 1 margin
- Trak. 1. 69 margin
- Kueg. 30, 31 margin
- L. W. 26, 72
- Luth. 36, 53
- W. 79, 79
- L. W. 52, 439
- L. W. 26, 68
- Konk. 705
- L. W. 28, 140 margin
- Trak. 1 margin
- Trak. 1, 45 margin
- W. 80, 42 margin
- W. 80, 42. 43 margin
- Trak. 1 margin
- Trak. 1. 48 margin
- L. W. 26, 68 margin
- Luth. 37, 166 margin
- W. 10. 11 margin
- W. 10. 11. 21 margin
- Trak. 2 margin
- Trak. 2. 7 margin
- Trak. 2. 7. 10 margin
- Trak. 2. 7. 10. 11 margin
- L. W. 27, 172 margin
- L. W. 27, 172. 26, 137 margin
- Trak. 2 margin
- Trak. 2, 11 margin
- L. W. 26, 300 margin
- L. W. 26, 300. 27, 101 margin
- L. W. 52, 440—446 margin
- L. W. 26, 300 margin
- L. W. 26, 300. 27, 269 margin
- L. W. 26, 300. 27, 269. 30, 241 margin
- Luth. 36, 52 margin
- Trak. 4 margin
- Trak. 4. 12 margin
- Trak. 4. 12. 67 margin
- W. 80, 43 margin
- L. W. 27, 382 margin
- L. W. 52, 440 margin
- L. W. 52, 440. 441 margin
- Trak. 1 margin
- Trak. 1, 46 margin
- L. W. 27, 246 margin
- L. W. 26, 142 margin
- L. W. 26, 142. 209 margin
- Trak. 4 margin
- Trak. 4. 70 margin
- W. 80, 44 margin
- L. W. 26, 142 margin
- L. W. 26, 142. 299 margin
- Trak. 4 margin
- Trak. 4, 70 margin
- Luth. 36, 52 margin
- Luth. 36, 52. 53 margin
- W. 80, 45 margin
- L. W. 26, 299 margin
- W. 80, 44 margin
- L. W. 26, 147 margin
- L. W. 26, 147. 144 margin
- L. W. 26, 147. 144. 27, 246 margin
- L. W. 26, 147. 144. 27, 246. 2 margin
- L. W. 26, 147. 144. 27, 246. 2 27 margin
- L. W. 26, 147. 144. 27, 246. 2 27. 245 margin
- L. W. 26, 147. 144. 27, 246. 2 27. 245. 2 margin
- L. W. 26, 142 margin
- L. W. 52, 442 margin
- L. W. 52, 442. 443 margin
- Trak. 1 margin
- Trak. 1, 49 margin
- Trak. 4 margin
- Trak. 4. 68 margin
- Trak. 1 margin
- Trak. 1. 49 margin
- L. W 27. 150 margin
- L. W. 26, 143 margin
- L. W. 26. 143 margin
- L. W. 51, 196 margin
- L. W. 27, 268 margin
- L. W. 27, 101 margin
- Luth. 37 margin
- Luth. 37 130 margin
- W. 80, 16 margin
- L. W. 30, 2153. 214. Chi
- W. 16.
vol b, printed page 366–370 · scan: bub_gb_YkEUAAAAYAAJ/n0442