Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 14 › Seite 53

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-03-08, Seite 53

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von C. F. W. Walther.

Jahrgang 1.

St. Louis, Mo., den 8. März 1845.

No. 14.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft.

(Eingesandt von G. H. Löber.)
Der Irrlehrer Arius und sein Ende.

1. Die Zeit des Arius.

Es war ohne Zweifel eine ebenso wunderbare, als gnädige Hülfe, die einst der allmächtige Gott seiner bedrängten Kirche auf Erden durch den ersten römischen Kaiser erzeigte, welcher sich zum Christenthum bekannte. — Fast drei Jahrhunderte hindurch war nun die Christenheit in dem ganzen römischen Reiche durch Satans Bosheit von blinden Heiden aufs blutgierigste verfolgt und eine unzählbare Menge heiliger Blutzeugen um ihres standhaften Glaubens willen erwürgt, oder verbrannt, aufgehängt, oder von wilden Thieren zerrissen, ins Wasser gestürzt, oder sonst auf qualvolle Weise zu Tode gemartert worden. — Selbst noch zu Anfang des vierten Jahrhunderts wehte die blutige Fahne der Verfolgung, da es immer von neuen römischen Tyrannen versucht ward, den Namen Christi, sein Wort und seine Bekenner von der Erde zu vertilgen. Ja, noch einmal wurde die Geduld der Christen unter dem grausamen Wüthen eines Diocletian, eines Galerius und Maximinus auf die höchste Probe gestellt, also, daß wirklich ein großer Theil der Hartbedrängten in ihrem Muthe matt wurden und mehr, als jemals, zu Gott um Errettung geseufzt wurde. —

Siehe, da erhörte auf einmal der gnädige und barmherzige Gott dieses Seufzen seiner Kirche und machte den Kaiser Constantin zu einem eifrigen Freund und Beschützer derselben. Auf einem Feldzuge gegen seinen Nebenbuhler Maxentius, im Jahre 312 nach Christo, blickte dieser Kaiser eines Mittags mit heißer Sehnsucht empor, um zu erkennen, welchen Gott er zu dem bevorstehenden Kampf um den Sieg anrufen sollte. Und wie er nun schon in seiner Jugend manche christliche Eindrücke empfangen, aber den auch für ihn gekreuzigten Mittler und Heiland noch nicht erkannt hatte, so erbarmte sich Gott seiner jetzt auf eine besondere Weise, und ließ ihn — (wie es Constantin selbst dem Kirchengeschichtsschreiber und Bischof Eusebius mit einem Eide versichert hat,) — in der Luft ein großes glänzendes Creuz erblicken, woran ihm mit zwei griechischen Worten angezeigt ward: „Dadurch sollst du siegen.“

Ein Traum in der darauf folgenden Nacht bestärkte ihn in dem Entschluß, das Creuz Christi von nun an als Panier seinem Heere vorantragen zu lassen, und Gott verlieh den Sieg nicht nur über den einen, sondern auch noch über einen andern Gegenkaiser, von welchen beiden die Christen ebenfalls hart gedrückt und verfolgt worden waren.

So sollte ein großer Wendepunkt in der Geschichte der Kirche Christi auch durch ein besondres Ereigniß, welches die göttliche Weisheit dazu erwählt hatte, bezeichnet und vorbereitet werden. Denn jemehr nun Constantin ohne Zweifel aus Gottes Wort erkennen lernte, was der eigentliche Sieg sei, den das Creuz Christi Allen, die da glauben, gebracht habe, destomehr nahm er sich der armen Creuztragenden Christen an, rief sie aus ihren Höhlen und Einöden hervor, baute ihnen Kirchen und Schulen, ehrte und versorgte ihre Bischöfe und Lehrer, schützte ihre gottesdienstlichen Versammlungen durch öffentliche Gesetze, führte Gedenktage der heil. Märtyrer ein, und verwendete mit seiner Mutter Helena große Summen, um seine Hochachtung gegen das Christenthum mit ungescheutem Bekenntniß öffentlich an den Tag zu legen. —

Hat es ihm nun auch dabei noch an tieferer Erkenntniß und christlicher Erfahrung, ja auch in vielen seiner Verordnungen an rechter Weisheit gefehlt, so bleibt es doch immer wahr, daß ihn Gott damals zu einem Werkzeug gebraucht hat, um das greuliche, finstre Heidenthum im römischen Reiche zu stürzen und der Christengemeine äußerliche Ruhe und freie, öffentliche Ausübung ihres Glaubens zu verschaffen.

Wenn darum das heutige Geschlecht in seinem trostlosen Unglauben, sowie die biblischen Wunder, so noch viel mehr das Wunder zu Constantins Zeit nur bezweifeln und belächeln kann; — wenn jetzt nicht bloß Heiden, sondern so viele, die sich Christen nennen, das Creuz Christi für Thorheit achten, dagegen aber „Vernunft und eigne Kraft“ zu ihrem Panier und Feldgeschrei machen, so haben damals ohne Zweifel alle frommen Christen, deren Gebete und Fürbitten noch dazu so fleißig für diesen Kaiser emporgestiegen waren, dem starken und wahrhaftigen Gott Dank, Preis und Ehre gegeben, daß er über alles Bitten und Verstehen helfen und nach seiner Verheißung auch in kümmerlicher Zeit selbst Könige zu Pflegern und Fürsten zu Säugammen seiner Gemeinde das Creuz machen könne. Jes. 49, 23. — Und so wird sich nun die Gemeinde Christi unter obrigkeitlichem Schutz und Frieden von langen, schweren Drangsalen erholt und unstreitig in vieler Hinsicht besser gebaut und für christl. Ordnung in Kirche, Schulen und Haus förderlicher gesorgt haben, als es wohl oft in Zeiten der Verfolgung möglich gewesen.

Allein, so wenig wir darum läugnen dürfen, daß Zeiten des Friedens und der ungestörten kirchlichen Freiheit ihr vieles Gute haben, so gewiß ist es doch auch, daß solche Zeiten insonderheit für das innere Leben im Glauben des Sohnes Gottes leicht sehr gefährlich werden können. Denn gute Tage, sagt unser Luther, wollen starke Beine haben, und verführen uns nur zu leicht in fleischliche Sicherheit, in Uebermuth und weltliches Wesen; nicht, als ob Gott daran Schuld sei, der ja freilich die guten, wie die bösen Tage, denen, die ihn aufrichtig lieben, nur zum Heil und Besten kommen läßt; aber unser verführerisches Herz, das bei Sturm und trübem Wetter leicht muthlos untersinkt, steigt unter mildem Sonnenschein auch ebenso leicht auf geistliche Höhen der Hoffart und der Heuchelei. — Auf solchen Höhen wird denn des demüthigen Dankes gegen Gott vergessen, das brünstige Gebet wird kalt und lau, der Gottesdienst wird eine todte Gewohnheit und der Glaube eine bloße Verstandessache.

Und so geschah es auch leider zur Zeit des ersten christl. Kaisers, daß in der Christenheit viel Lauheit und geistlicher Stolz, viel Scheinheiligkeit und ungöttliches Wesen einriß. Auf äußerlich prachtvollen Gottesdienst und kirchl. Ceremonien wurde ein großes Gewicht gelegt und die innere Kraft des wahren Glaubens nahm immer mehr ab. Das göttliche Wort wurde zwar noch, ganz anders, als in den meisten Gemeinden heut zu Tage, als göttliches Wort geehrt und verkündigt; aber, anstatt es zur wahren Gottseligkeit zu gebrauchen, so machten viele es mehr zu einem Gegenstand müßiger Speculationen und spitzfindiger Wortzänkereien, wozu schon in den vorigen Jahrhunderten durch manche Kirchenlehrer der Grund gelegt worden war. Das geistliche Amt stand zwar als das köstliche und herrliche Amt berufener Diener Gottes (ebenfalls ganz anders, als heut zu Tage,) in vollem Ansehen, und wurde von vielen rechtschaffenen Bischöfen mit

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's teaching shall pass away neither now nor ever."

Edited by C. F. W. Walther.

Volume 1.

St. Louis, Mo., March 8, 1845.

No. 14.

— 53

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar and twenty-five cents for subscribers living at a distance, half of which they must pay in advance, and who must also bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for [illegible] cents.

(Submitted by G. H. Löber.)

The False Teacher Arius and His End.

1. The Age of Arius.

It was without doubt a help as wondrous as it was gracious, which almighty God once showed to his hard-pressed Church on earth through the first Roman emperor to profess Christianity. For almost three centuries, throughout the whole Roman Empire, Christendom had been persecuted most bloodthirstily by blind heathen through Satan's malice, and countless numbers of holy martyrs had been strangled, or burned, hanged, or torn apart by wild beasts, drowned, or otherwise tortured to death in agonizing ways for the sake of their steadfast faith. Even at the beginning of the fourth century the bloody banner of persecution still flew, as ever-new Roman tyrants attempted to blot the name of Christ, his Word, and his confessors from the earth. Indeed, once more the patience of the Christians was put to the utmost test under the cruel raging of a Diocletian, a Galerius, and a Maximinus, so that truly a great part of the hard-pressed grew faint in courage, and sighed to God for deliverance more than ever before.

Behold, then the gracious and merciful God at once heard this sighing of his Church, and made the emperor Constantine into a zealous friend and protector of the same. On a campaign against his rival Maxentius, in the year 312 after Christ, this emperor one midday looked up with burning longing to discern which god he should call upon for victory in the coming battle. And since he had already, in his youth, received various Christian impressions, but had not yet recognized the Mediator and Savior who had also been crucified for him, God now had mercy on him in a special way, and let him behold — as Constantine himself affirmed with an oath to the church historian and bishop Eusebius — a great, shining cross in the sky, on which was shown to him, in two Greek words, the message: "By this you shall conquer."

A dream in the following night confirmed him in his resolve to have the cross of Christ carried before his army from then on as a standard, and God granted victory not only over this one but also over another rival emperor, by both of whom the Christians had likewise been hard oppressed and persecuted.

Thus a great turning point in the history of the Church of Christ was also to be marked and prepared by a special event which divine wisdom had chosen for the purpose. For the more Constantine, without doubt, learned from God's Word to recognize what the true victory was which the cross of Christ had brought to all who believe, the more he took up the cause of the poor cross-bearing Christians, called them forth out of their caves and wildernesses, built them churches and schools, honored and provided for their bishops and teachers, protected their worship assemblies by public laws, instituted days of remembrance for the holy martyrs, and, together with his mother Helena, spent great sums to display publicly and without shame his high regard for Christianity.

Now even though he still lacked deeper insight and Christian experience, and indeed right wisdom in many of his ordinances, it nevertheless remains always true that God at that time used him as an instrument to overthrow the dreadful, dark heathenism in the Roman Empire and to secure for the Christian congregation outward peace and the free, public exercise of their faith.

If, then, the present generation, in its comfortless unbelief, can only doubt and mock the biblical miracles — and all the more, the miracle of Constantine's time — and if now not only heathen but so many who call themselves Christians regard the cross of Christ as foolishness, and instead make "reason and their own strength" their banner and battle-cry, then at that time, without doubt, all devout Christians — whose prayers and intercessions had, moreover, so diligently ascended for this emperor — gave thanks, praise, and honor to the strong and truthful God, that he can help beyond all asking and understanding, and, according to his promise, even in wretched times can make kings the nursing-fathers and princes the nursing-mothers of his congregation. Isaiah 49:23. And so the congregation of Christ, under the protection and peace of the authorities, recovered from long, heavy afflictions, and undoubtedly, in many respects, was better built up, and provision was made more effectively for Christian order in church, schools, and household, than was often possible in times of persecution.

Yet, little as we may therefore deny that times of peace and undisturbed churchly freedom have much good in them, it is equally certain that such times can easily become very dangerous, especially for the inner life of faith in the Son of God. For good days, says our Luther, require strong legs, and all too easily seduce us into carnal security, arrogance, and worldliness — not as though God were to blame for this, who indeed causes both good and bad days to work only for the salvation and good of those who sincerely love him; but our deceitful heart, which in storm and gloomy weather easily sinks down discouraged, just as easily rises under mild sunshine to spiritual heights of pride and hypocrisy. On such heights, humble thanksgiving toward God is forgotten, fervent prayer grows cold and lukewarm, worship becomes a dead habit, and faith a mere matter of the intellect.

And so it happened, unfortunately, that even in the time of the first Christian emperor, much lukewarmness and spiritual pride, much hypocrisy and ungodliness broke into Christendom. Great weight was laid upon outwardly splendid worship and church ceremonies, while the inner power of true faith diminished more and more. The divine Word was indeed still honored and proclaimed as God's Word — quite differently than in most congregations today — but instead of using it for true godliness, many made it rather an object of idle speculation and hairsplitting wordy quarrels, the groundwork for which had already been laid by various teachers of the church in earlier centuries. The spiritual office still stood, indeed, in full esteem as the precious and glorious office of God's called servants (likewise quite differently than today), and was administered by many upright bishops with