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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-03-07, Seite 53
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 1
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von C. F. W. Walther.
Jahrgang 2.
St. Louis, Mo., den 7. März 1846.
No. 14.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
(Eingesandt von Pastor Keyl.)
Säcularfeier des Todes Luthers.
(Fortsetzung.)
Luthers letzte Briefe, Sprüche ꝛe.
Von Luthers letzten Briefen, die er von Halle und Eisleben aus schrieb, sind zwei an seine liebe Ehefrau in Wittenberg gerichtete zu erwähnen. Der eine vom 25. Jan., worin er ihr seine Ankunft in Halle meldet und zugleich die Verhinderung der Weiterreise wegen der ausgetretenen Saale. Er schließt mit den Worten: „Itzo nicht mehr, denn betet für uns und seyd fromm, ich halte, wärest Du hier gewesen, so hättest Du uns auch also zu thun gerathen, so hätten wir Deinem Rathe auch einmal gefolgt. Hiermit Gott befohlen, Amen.“ (L. W. XXI, 517.) Der andere Brief ist von Eisleben den 10. Febr. (also 8 Tage vor seinem Ende) datirt. Darin schreibt er ihr, daß ihn das Feuer hart vor seiner Stubenthüre habe verzehren, und daß ihn ein großer schwerer Stein aus der Mauer habe zerschmettern wollen, wenn die heil. Engel nicht gehütet hätten; er warnt sie vor ihren großen Sorgen, vor denen sie die Nacht nicht schlafen könnte, und sagt: „Ich sorge, wo Du nicht aufhörest zu sorgen, es möchte uns zuletzt die Erde verschlingen und alle Elemente verfolgen. Lehrest Du also den Katechismum und den Glauben? Bete Du und laß Gott sorgen, es heißt: Wirf Dein Anliegen auf den HErrn, der sorget für Dich. Ps. 55. und viel mehr Orten. Wir sind, Gott Lob, frisch und gesund, ohne daß uns die Sachen Unlust machen.“ Seine letzten Worte in diesem letzten Briefe an seine liebe Hausfrau lauten so: „Wir wollten uns fort gerne los seyn und heimfahren, wenns Gott wollte, Amen, Amen, Amen.“ (L. W. XXI, 1564 fl.)
Luther schrieb auch an seinen treuen Freund, den fürstl. Bischof Georg in Merseburg, zwei merkwürdige lateinische Briefe. In dem ersten vom 4. Febr. redet er von dem Anfange des Conciliums zu Trident, welches den 13. Dez. 1545 begonnen hatte, und sagt dabei voraus, der Fortgang desselben werde langsam und sein Ausgang schlecht seyn, denn die römischen Lockvögel hätten das arme Volk nur zum Besten, wie es die Sitten, Weise, Natur und eingewurzelte Nichtswürdigkeit in diesem Babel mit sich bringe. Er ruft mit Moses, wenn die Bundeslade zum Fortzug sich erhob, aus: HErr, stehe auf und zerstreue deine Feinde. 4 Mose 10, 35. (Schütz's ungedruckte Briefe L. I, 378.)
Wie kurz und treffend hat Luther mit obigen Worten den ganzen Verlauf jenes Concils beschrieben, welches 28 Jahre lang währte und mit einem furchtbaren Fluche über alle Ketzer, worunter auch natürlich die Lutheraner gehören, beschlossen wurde. Die Satzungen desselben gelten in der römisch-katholischen Kirche für ihre öffentlichen Bekenntnißschriften. In dem 2. Brief vom 14. Febr. benachrichtigt er diesen luther. Bischof, daß er ihm die von ihm erhaltene Schrift über Kirchenzucht, mit Anmerkungen begleitet, zurücksende, wobei er bemerkt: „Wenigstens muß man den Aergernissen wehren, in welche das hitzige, unbändige Volk verfällt, als ob es ohne alle Gesetze dürfe leben, auf daß nicht endlich geschehe, was nach Mosis Beschreibung vor der Sündfluth geschah, daß sie nämlich Weiber nahmen, welche sie wollten, auch selbst ihre Schwestern, Mütter und solche Weiber, die sie ihren Männern geraubt hatten, und ich höre, setzt er hinzu, daß ähnliche Exempel insgeheim stattfinden. Gott verhüte, daß sie nicht öffentlich herrschen. (Schütz I, 380.)
Den allerletzten Brief schrieb Luther am 14. Febr. (also nur 4 Tage vor seinem Ende) an Philipp Melanchthon nach Wittenberg. Er meldet darin den Empfang des churfürstlichen Schreibens, nach welchem er eiligst dorthin zurückkehren sollte, und bemerkt dabei, daß ihm dieser Befehl sehr willkommen gewesen sey, da er aller der Vergleichs-Unterhandlungen mehr als zu satt habe. Er bittet seinen Freund, das, was zur Offenhaltung seines Fontanells gehöre und was seine Hausfrau liegen wüßte, unverzüglich zu schicken, wenn ihn auch der Bote schon auf der Rückreise anträfe; denn die Wunde sey fast ganz zugeheilt und wie gefährlich dies sei, wisse er von selbst. Nach der Mittheilung einiger Neuigkeiten schließt er mit den Worten: „Das übrige, so Gott will, bald mündlich, denn ich will mich vom Schreiben losreißen. Gehabe Dich wohl im HErrn.“ (Schütz I, 381.)
Luther wurde oft von Hohen und Niedern gebeten, in irgend ein Buch seinen Namen mit eigner Hand zum Andenken zu schreiben. Er erfüllte solche Bitten stets mit großer Bereitwilligkeit und fügte seinem Namen gewöhnlich einen schönen biblischen Machtspruch mit einer kurzen kräftigen Auslegung bei. Hier soll nur der zwei letzten Sprüche, die er auf diese Weise einschrieb, gedacht werden. Seinem Freunde Nic. Oemler schrieb er in seine Bibel die Stelle: Joh. 14, 24. Das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat; und schrieb folgende Worte dazu: „Wer glaubet das? Es ist wahr, ich höre das Wort; aber wenn ich könnte gläuben, daß Gott selber sey, der mirs saget, und mit mir redet; Lieber, sage, wo würde ich vor großer Demuth und Hoffart bleiben? Vor Demuth, daß ich mich entsetzen würde, daß mit solchem Würmlein, ja, (wie Abraham sagt) mit Staub und Aschen, die Majestät im Himmel selbst redet. Vor Hoffart, daß solche hohe Majestät mich armen Koth und Stank nicht verachtet anzusehen, ja auch mit mir zu reden, und so süße und tröstlich zu reden. O verflucht seist du, Unglaube, von allen Creaturen! Amen.“ (L. W. IX, 1436.) Er fügte noch folgendes hinzu: „Meinem guten alten Freunde, Nicolen Oemler, der mich Pusillen und Kind auf seinen Armen hat in und aus der Schule getragen, mehr denn einmal, da wir alle beyde nicht wußten, daß ein Schwager den andern trüge.“ (L. W. XXIV, Vorr. S. 63.)
Der letzte Spruch, den Luther in ein Buch schrieb, war der, welchen er dem gräfl. hohensteinischen Rentmeister J. Gaßmann, der Luthern in Eisleben besuchte, in die eben gekaufte Hauspostille schrieb. Es war dies der Spruch Joh. 8, 51. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Diesen Spruch hatte Luther besonders lieb und schrieb ihn daher mehrmals Andern zum Andenken in ihre Bücher. Den letzten Worten: „den Tod nicht sehen ewiglich,“ fügte er wie im Vorgefühl des nahen Todes und in Simeons Schwanengesang einstimmend, folgende tröstliche Erklärung bei: „Wie ungläublich ist doch das geredt und wider die öffentliche und tägliche Erfahrung, dennoch ist es die Wahrheit. Wenn ein Mensch mit Ernst Gottes Wort im Herzen betrachtet, ihm gläubet und darüber einschläfet, so sinket und fähret er dahin, ehe er sich des Todes versiehet oder gewahr wird, und ist gewiß selig im Wort, das er also gegläubet und betrachtet, von hinnen gefahren. Martinus Luther, Doktor, 1546,
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English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall never pass away, now nor ever."
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 2.
St. Louis, Mo., March 7, 1846.
No. 14.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, half of which they must pay in advance, postage to be borne by them. — In St. Louis, each single issue is sold for 5 cents.
(Submitted by Pastor Keyl.)
Tercentenary Observance of Luther's Death.
(Continued.)
Luther's Last Letters, Sayings, Etc.
Of Luther's last letters, which he wrote from Halle and Eisleben, two addressed to his dear wife in Wittenberg deserve mention. The one of January 25 tells her of his arrival in Halle and, at the same time, of the delay in continuing his journey on account of the flooded Saale. He closes with the words: "No more for now, but pray for us and be devout. I hold that, had you been here, you would have advised us to do just as we did, so that for once we would have followed your advice. Herewith commended to God, Amen." (L. W. XXI, 517.) The other letter is dated Eisleben, February 10 (thus eight days before his end). In it he writes to her that the fire nearly consumed him right at his chamber door, and that a great, heavy stone from the wall nearly crushed him, had the holy angels not kept watch; he warns her against her excessive worries, on account of which she could not sleep at night, and says: "I fear that if you do not stop worrying, the earth may finally swallow us up and all the elements pursue us. Is this how you teach the Catechism and the faith? Pray, and let God worry; it is written: Cast your burden upon the Lord, and he will sustain you. Psalm 55, and many other places besides. We are, thank God, fresh and healthy, and these matters do not trouble our spirits." His last words in this final letter to his dear wife run thus: "We would gladly be rid of this and journey home, if it be God's will, Amen, Amen, Amen." (L. W. XXI, 1564 f.)
Luther also wrote two remarkable Latin letters to his faithful friend, the princely bishop George of Merseburg. In the first, dated February 4, he speaks of the opening of the Council of Trent, which had begun on December 13, 1545, and predicts that its progress would be slow and its outcome bad, for the Roman decoy-birds were merely deceiving the poor people, as the customs, manner, nature, and deep-rooted worthlessness prevailing in this Babel would bring about. With Moses, when the Ark of the Covenant was lifted up to set forth, he cries out: "Lord, rise up, and let your enemies be scattered." Numbers 10:35. (Schütz's unpublished letters, vol. I, 378.)
How briefly and aptly did Luther, with the above words, describe the entire course of that council, which lasted twenty-eight years and was concluded with a terrible curse upon all heretics — among whom, of course, the Lutherans are included. Its decrees stand in the Roman Catholic Church as its public confessional writings. In the second letter, of February 14, he informs this Lutheran bishop that he is returning to him, accompanied by notes, the treatise on church discipline which he had received from him, remarking: "At the very least one must guard against the offenses into which the hot-headed, unruly populace falls, as though it might live without any laws whatsoever, lest at last what happened, according to Moses' account, before the Flood should happen again — namely, that men took wives whomever they wished, even their own sisters, mothers, and wives whom they had stolen from other men's husbands; and I hear," he adds, "that similar instances are occurring in secret. God forbid that they should come to prevail openly." (Schütz I, 380.)
Luther wrote the very last letter on February 14 (thus only four days before his end) to Philip Melanchthon in Wittenberg. In it he reports receiving the electoral letter directing him to return there in haste, remarking that this order was very welcome to him, since he was already more than sick of the settlement negotiations. He asks his friend to send without delay whatever was needed to keep his fontanel open, which his wife would know where to find, even should the messenger meet him already on his way back; for the wound was almost entirely healed, and how dangerous that was he knew from his own experience. After relating a bit of news, he closes with the words: "The rest, God willing, soon by word of mouth, for I must tear myself away from writing. Fare well in the Lord." (Schütz I, 381.)
Luther was often asked by people high and low to write his name with his own hand in some book as a keepsake. He always granted such requests with great readiness, and usually added to his name a beautiful, powerful saying from Scripture along with a brief, forceful exposition of it. Here only the last two sayings which he inscribed in this manner shall be recorded. For his friend Nic. Oemler he wrote into his Bible the passage John 14:24, "The word which you hear is not mine, but the Father's who sent me," and added the following words to it: "Who believes this? It is true, I hear the word; but if I could believe that it is God himself who says it to me and speaks with me — dear friend, tell me, where would I stand, torn between great humility and great pride? Humility, that I should be terrified that with such a little worm — indeed, as Abraham says, with dust and ashes — the Majesty in heaven himself should speak. Pride, that such exalted Majesty does not disdain to look upon poor filth and stench such as I am, indeed even to speak with me, and to speak so sweetly and comfortingly. O cursed be you, unbelief, above all creatures! Amen." (L. W. IX, 1436.) He added the following as well: "To my good old friend, Nicholas Oemler, who carried me as a little one and a child in and out of school upon his arms, more than once, when neither of us knew that one brother-in-law was carrying the other." (L. W. XXIV, Preface, p. 63.) The last saying which Luther wrote in a book was the one he inscribed, in the newly purchased House Postil, for J. Gaßmann, steward of the Counts of Hohenstein, who visited Luther in Eisleben. It was the saying of John 8:51: "Truly, truly, I say unto you, if a man keeps my word, he shall never see death." Luther held this saying especially dear, and therefore wrote it several times in others' books as a keepsake. To the closing words, "shall never see death," he added, as though in a presentiment of his approaching death and joining in Simeon's swan-song, the following comforting explanation: "How unbelievable this is said to be, and how it runs against public and daily experience — and yet it is the truth. When a man earnestly contemplates God's Word in his heart, believes it, and falls asleep over it, he sinks and passes away before he perceives or becomes aware of death, and is surely carried away blessed in the Word which he has thus believed and contemplated. Martin Luther, Doctor, 1546,