Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 11 › Seite 88

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-01-20, Seite 88

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Harkeit, die ich Ihnen für viele früher erzeigte
„reundlichkeit ſchulde, noch e nen Verſuch zu
„„wagen, Ihnen mit der Hülfe Gottes und dem
„Inädigen Beiſtand Seines heil. Geiſtes durch
ſerzliche Vermahnung aus Gottes Wort zu hel⸗
„fen, ſo viel an mir liegt, daß Sie wieder nüch—
„tern werden aus des Satans Strick, in dem
„Zie jetzt gefangen liegen. Ich bitte Sie daher
„inſtändig, mir zu vergönnen, daß ich im Laufe
„des heutigen Tages mit Herrn Sommer
Izu Ihnen komme, um Ihnen brüderliche und
Hliebevolle Vorſtellung zu machen, dazu ſich ge—
„ſtern leider ſo wenig Gelegenheit fand, da ich
„gezwungen war, mich auf kurzes und entſchie—
ſchiedenes Zeugniß zu beſchränken. Laſſen Sie
„mich daher durchHerrn Sommer, der Ihnen dieſe
„Zeilen überbringt, gütigſt wiſſen, ob und zu
„welcher Zeit des heutigen Tages ich zu dem ge⸗
„nannten heiligen Zweck zu Ihnen kommen darf.

„Der gnädige Gott wolle ihr Herz lenken, daß
„Sie auf dieſen Vorſchlag eines vom Geiſt der
„Liebe und des Friedens beſeelten, treuen aber
„geringen Knechtes Chriſti gern und mit Freuden
„eingehen. Dies bittet und flehet von Herzens—
„grund

Auguſt Crämer.“

Dieſen Brief hat nun freilich Winkler gar nicht
angenommen, auch dann nicht, als ihm der
überbringer den Inhalt desſelben kurz angedeu⸗
tet hatte. Aber daraus erhellet eben ſonnenklar,
wie gar ſehr Winkler die Wahrheit entſtellt hat,
indem er dieſe Briefgeſchichte zum Vortheil ſeiner

böſen Sache deutete, während ſie, treulich dar⸗
geſtellt, allein ſeine große Verhärtung kund giebt.
Doch es iſt kein Lügenredner ſo geſchickt, er werde
denn offenbar und müßte er ſich gleich in ſeinen
tigenen Worten fangen. So ergeht es auch
Herrn Paſt. Winkler. Denn wein er nun weiter
berichtet, daß von jetzt an Crämer ſein Rotten—
veſen ganz frech und ungeſcheut getrieben und
nit der Rotte Verſammlungen über Verſamm⸗
lungen gehalten habe, aus denen am 19. Juni
unter Erämers Augen und Anführung ein Los-
ſagebrief von Paſt. Winkler hervorgegangen ſei,
ſo hat er freilich ſehr unweiſe gehandelt, das
Datum ſo genau anzugeben. Denn zwiſchen
dem nachdrucksvollen „von jetzt an“ bis zu dem
verhängnißvollen 19. Juni iſt, wie das von Wink⸗
ler gleichfalls angeführte Datum des obigen
Briefes lehrt, nur ei ne einzige Nacht. Da nun
ſtatiſtiſch nachzuweiſen iſt, daß die meiſten der
Leute zur gewerbtreibendenClaſſe gehören, die den
gaͤnzen Tag ihres Berufes warten müſſen, und
taß ſie weithin in der Stadt zerſtreut wohnen, ſo
kann ein jeder Einfältiger leicht einſehen, was
ravon zu halten ſei, wenn Winkler ſagt, der
Unterzeichnete habe mit der Rotte Verſammlun⸗
gen über Verſammlungen gehalten, nämlich daß
dies eine kecke Lüge iſt. Leicht auch wird jeder
Einfältige urtheilen können, was darauf zu ge—
ben ſei, wenn Winkler weiter berichtet, daß er
und ſein Vorſtand die überreichte Losſageſchrift
zweimal nicht angenommien, ſondern verbrannt
hätten, zu einem Bekenntniß, daß ſie mit dem
Rottenhaupt Crämer keine Gemeinſchaft haben
wollten; denn es iſt lächerlich zu hören, daß ſie

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durch Annahme jener Schrift mit Crämer Ge⸗
meinſchaft zu pflegen glaubten, der ja dabei nicht
weiter betheiligt war, als daß über der ihm von
Winklern gewordenen Bebandlung und reſp.
ſchnöden Zurückweiſung die Leute völlig zur Ge—
wißheit kamen, daß Winkler nicht ans Licht kom⸗
men, daß er nimmermehr ihre gerechte Sache von
einem unpartheiſchen Gericht unterſuchen laſſen
wolle, da ihnen dann freilich nichts anders übrig
blieb, als ſich von einem ſolchen offenbaren Wolf
loszuſagen. — Wenn Winkler weiter in ſeinem
Bericht alſofortfährt: Crämer habe nun in der
Begier, die DetroiterBeute zu ſichern, alles Gefühl
von Zucht und Scham verloren, und dies damit zu
beweiſen ſucht, daß er behauptet, derſelbe ſei Tag
für Tag in der Stadt umhergeſtrichen, entweder
mit den Rottirern zu Advokaten laufend, um
zu verſuchen, ob ſie der Gemeine etwa das Kir⸗
chenvermögen rauben könnten, oder mit den ärg⸗
ſten Kirchenfeinden, Pasquillſchreibern von Pro⸗
feſſion und ſtarken Biertrinkern in herzlicher Ge—
meinſchaft, oder allein auf der Straße wandelnd,
das Barett auf dem Kopfe und die Cigarre im
Mund: ſo iſt erſtlich das unmöglich, daß Crä—
mer Tag für Tag herumgeſtrichen ſein ſollte,
weil er ſich überhaupt nur noch einen Tag in
Detroit aufhielt und das Herumſtreichen gar nicht
ſeine Art iſt; weiter ſo kann auch nicht die Rede
von einer Beraubuang der Gemeinde ſein, da doch
in der That nicht diejenigen auf den Namen Ge⸗
meinde Anſpruch machen können, die bei einem
offenbar gewordenen Wolf verbleiben, und was
das Kirchenvermögen betrifft, ſo fällt ja das
nach Winklers eigner Conſtitution denjenigen zu,
die bei der reinen lutheriſchen Lehre bleiben, kei—
neswegs aber ſolchen, die wider Matth. 18. den
Bann falſch ausüben und ſich durch Anſchluß an
die Buffaloer Synode der Grabauiſchen Irrthü—
mer theilhaftig machen; endlich ſo iſt ſich derUnter—
zeichnete durchaus nicht bewußt, irgend eine Ge—
meinſchaft, geſchweige eine herzliche mit ihm be—
kannten Kirchenfeinden, Pasquillſchreibern und
Bierſöffern gepflogen zu haben, überhaupt muß
er den Paſtor Winkler für einen ſchnöden Ver⸗
läumder erklären, bis er ihm beweiſt, daß er
wirklich bei ſeinem damaligen Aufenthalt in
Detroit etwas gethan hat, das wider Zucht und
Scham geweſen wäre.

Winkler fährt in ſeinem Bericht damit fort,
daß er ſagt: wenn Crämer den Leuten weis
macht, die Advocaten hätten ihm nicht gerathen
zu prozeſſiren, aus dem Grund, Paſt. Winkler
ſei ein Advocat, ſie könnten gegen ihn nichts ge⸗
winnen, ſo iſt dies eine handgreifliche Unwahr—
heit. Darauf müſſen wir erwiedern, daß es
leider eine unleugbare Thatſache iſt, daß nicht
nur der Advocat, den die für ihr Kircheigenthum
beſorgte Gemeine um Rath fragte, ſondern auch
ein angeſehener Richter vor mehreren Zeugen
jene Außerung wirklich gethan haben. Übrigens
erinnert dieſe ohne Veranlaſſung eingeflochtene
Geſchichte an die Erzählung von dem Mann mit
dem Loch im Rock, der, obwohl es niemand be⸗
merkt hätte, durch übergroße Sorgfalt, es zu
verbergen, erſt recht die Blicke der Leute darauf
hinlenkte. Herr Paſt. Winkler möge wohl zu⸗

ſehen, daß er nicht durch die Sophiſtereien und
Lügenkünſte in dieſem ſeinem Berichte ſelbſt aller
Welt offenbare, daß er mehr Geſchick zu einem
Advocaten als zu einem Paſtor hat. Oder iſt's
etwas anderes als ein Advocatiſcher Kunſtgriff,
wenn Winkler gar wohl weiß, daß wir, die wir
90 Meilen von Detroit entfernt unſeres Berufes
warteten, von ſchmutzigen boshaft verläumderi⸗
ſchen Artikeln, die die Rotte, wie er ſagt, län⸗
gere Zeit hindurch wider ihn in einer Sociali⸗
ſtiſchen Zeitung habe drucken laſſen, ſelbſt wenn
dergleichen, gewiß zu unſerem eigenem großen
Mißfallen, geſchehen wäre, gar nichts wiſſen
konnten und dennoch lügneriſch verheißt, es werde

zu ſeiner Zeit offenbar werden, welchen Antheil
die Rottenprieſterſchaft an jenen Artikeln Zehabt

habe. Wir können dieſe Zeit getroſt abwarten
und zuſehen, wie Winkler ſo lange fortfährt zu
läſtern und zu verläumden, bis er ſich ſelbſt aller
Welt als einen Advocatiſchen Lügenfabrikanten
geoffenbaret hat. Im weiteren Verlauf ſeines
Berichtes ſagt nun Winkler: die Synode von
Buffalo habe hierauf ihrem Beruf geinäß durch
ein Kirchengericht die Detroiter Sache unterſu⸗
chen laſſen. In der That Paſt. Winkler muß
auf ſehr vergeßliche Leſer rechnen, daß er ihnen
ſo etwas bieten darf. Hat er doch ſelber im
Eingang laͤng und breit erzählt, daß ihre Con⸗
ſtitution für den Fall, daß die Gemeinde keiner
Synode angehöre, als Weg, etwa vorfallende
Streitigkeiten zu entſcheiden, den vorſchreibe, daß
von beiden ſtreitigen Theilen Glieder einer zu
bildenden Committee berufen würden und be⸗
ruht doch ſein ganzer Bericht auf der unläug⸗
baren Thatſache, daß er ſelber im vorliegenden
Fall jenen⸗Weg eingeſchlagen hat, ja hartnäckig
darauf beſtanden iſt, daß die Sache ſo und nicht
anders entſchieden werden müſſe. Wie mag er
alſo ſagen, die Spnode von Buffalo hätte ihrem
Beruf gemäß die Sache zu unterſuchen gehabt.
Wir möchten doch fragen, wo dieſer Beruf her—
kommen ſoll. Vielmehr iſts nach allem ſonnen⸗
klar, daß ſie ſich da etwas unterfangen hat, was
ihr nicht zuſtund. Wenn nun Winkler weiter
berichtet: als die Rotte geſehen habe, daß ſie
mit ihrem Haß nicht durchdringe, bei einer
gründlichen Unterſuchung aber ihre Greuelthaten
ans Licht kommen müßten, habe ſie geſagt, ſie
erkenne das Gericht nicht an: ſo iſt's in der That
empörend zu ſehen, wie da mit einem Mal dir
Sache gerade umgekehrt und alſo dargeſtellt wird,
als hätten die Beſchwerdeführenden ſich einer
genauen Unterſuchung entzieben wollen; wäh—
rend doch aus Winklers Bericht ſelbſt, mehr noch
aber aus unſerer wahrhaften Darſtellung der
Sache ſonnenklar erhellt, daß die Leute je und
je höchſt willig und bereit waren, ihre Angele⸗
genheit auf conſtitutionsmäßigem Weg von ei—
nem unpartheiiſchen Gericht unterſuchen zu laſ⸗
ſen, Winkler hingegen, als es damit Ernſt wer—
den ſollte, Störung dazwiſchen gebracht, ja durch
die ſchnöde Verwerfung des früher von ihm an⸗
erkannten Committeeglieds ſeines Gegentheils
die Unterſuchung unmöglich gemacht hat, welche
Thatſache eizentlich allein ſchon hinreicht, män⸗
niglich zu überzeugen, daß die Leute keine Rotte

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