# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 14_S202 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) er Cukheraner. „Gottes WMort und Kuthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Belligirt von C. F. W. ͥalther. Zahrgang 6. H. Louis, Mo., den 19. Nuguſt 1850. No. 26. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verfauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, MIo., anher zu ſenden. wů elche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. Dr. Martin Luthers Brief an zwei Pfarr⸗ herren, voan der Wiedertaufe. Anno 1528. (Fortſetzung.) 55. Gleich als wenn eine Magd einen Mann nähme, mit Unwillen und ganz ohne eheliches Herz gegen dem Mann, die iſt freilich vor Gott nicht ſein treu ehelich Weib. Nun über zwei Jahre gewönne ſie ihn ehelich lieb: ſollte man hie auch wiederum neu Verlöbniß, neue Ver⸗ trauung und neue Hochzeit anrichten, und für⸗ geben, ſie wäre ohne eheliche Treu ſein Weib worden, drum wäre die vorige Verlöbniß und „Hochzeit nichts? Man würde freilich ſagen, du wäreſt ein Narr, ſintemal es hie nun alles ſchlecht wäre, weil ſie zurecht käme, und den Mann, den ſie unrecht genommen hatte, nun recht behält. 56. Item, wenn ein alter Menſch ſich fälſch⸗ lich täufen ließe, und über ein Jahr gläubig würde: Lieber, meineſt du, daß man ſolchen auch wiederum täufen ſollte? Er hat die rechte Taufe unrecht empfangen. So höre ich wohl, ſein Unrecht ſollt die Taufe unrecht machen, und ſollte menſchlicher Mißbrauch und Bosheit ſtär⸗ ker ſein, denn GOttes gute und unzerſtörliche Ordnung. 57. GOtt machte einen Bund mit dem Volk Iſrael auf dem Berge Sinai, 2 Moſ. 34, 10. Da haben etliche denſelbigen Bund nicht recht und ohne Glauben angenom⸗ men. Wenn nun hernach dieſelbigen zum Glau⸗ ben kommen ſind, Lieber, ſollt der Bund auch unrecht ſein geweſen, und GOtt müßte einem jeglichen von neuem auf den Berg Sinai kom⸗ men, und den Bund wieder verneuen? 58. Item, GOtt läßt ſeine Zehen Gebot predigen, aber weil dieſelbigen etliche allein mit den Ohren faſſen, allerding unrecht, ſo ſind es nicht Zehen Gebot, tügen auch nichts, und GOtt müßte hinfort andere neue Zehen Gebot geben, anſtatt der vorigen, und müßte nicht genug ſein, daß die Leute ſich recht bekehreten, und die vorigen Zehen Gebote hielten. Da würde mir ein ſelt⸗ ſam Weſen aus, daß GOttes Wort, ſo ewiglich bleibt, müßte ſo oft verwandelt und ein neues werden, ſo oft die Menſchen ſich wan⸗ deln, und neue werden; ſo es doch darum be⸗ ſtändig und ewig bleibt, auf daß die, ſo jetzt nicht daran hangen oder davon fallen, einen gewiſſen beſtändigen Fels haben wieder zu kehren und ſich daran zu halten. 59. Wenn Unterſaſſen ihrem Herrn huldeten, der Meinung, ſie wollten ihn tödten, und über drei Tage reuete ſie es, und gäben ſich recht in Gehorſam von Herzen: Lieber, wäre es hie auch noth, aufs neue und anders hulden? Nein zwar, weil ſie nun die Hulde recht führen, die ſie doch fälſchlich gethan hatten. 60. Wenn ſie da hinaus wollen, ſo werden wir zu täufen genug kriegen alle Stunde. Denn ich will den Spruch („wer da gläubet“) vor mich nehmen, und wo ich einen Chriſten finde, der gefallen oder ohne Glauben iſt, da will ich ſagen: Dieſer iſt ohne Glauben, darum muß ſeine Taufe nichts ſein, und will ihn wieder täufen. Fället er darnach abermal, ſo will ich abermal ſagen: Siehe, der iſt ohne Glauben, darum iſt ſeine vorige Taufe nichts, er muß zum drittenmal auch getauft werden. Und ſo fortan, ſo oft er fället, oder Zweifel iſt, ob er gläube, will ich ſagen: Der gläubt nicht, darum iſt ſeine Taufe nichts, er muß kurzum ſich ſo lange laſſen täufen, bis er nimmemehr fallen oder ohne Glauben ſein könne, auf daß er dem Spruch („wer da gläubet“) genug thue. Sage mir, welcher Chriſt will denn immermehr genugſam getauft werden, oder ſeine Taufe ein gewiß Ende bekommen? 61. Kann nun die Taufe recht und genug bleiben, ob der Chriſt tauſendmal im Jahr vom Glauben fiele, oder ſündigte; und iſt genug, daß er ſelbſt ſich wieder zurecht kehre und gläubig werde, und nicht muß ſo oft wieder getauft wer⸗ den: warum ſollt nicht auch die erſte Tauͤfe ge⸗ nug und recht ſein, wenn der Chriſt hernach recht und gläubig wird; ſo doch kein Unterſchied iſt unter der Taufe ohne Glauben; ſie ſei vor oder hernach ohne Glauben, ſo iſt ſie ohne Glauben. Iſt ſie ohne Glauben, ſo muß man ſie ändern nach dem Spruch („wer da gläubet“); wie die Wiedertäufer narren. 62. Das ſage ich darum: Wenn die Täufer gleich ihr Ding könnten beweiſen, daß Kinder ohne Glauben ſind (als ſie nicht ſind); ſo hät⸗ ten ſie doch damit nichts mehr erſtritten, denn daß die rechte Taufe, ſo von GOtt eingeſetzt iſt, nicht recht, ſondern im Mißbrauch empfangen iſt. Wer aber nicht mehr denn Mißbrauch beweiſet, der beweiſet auch nicht mehr, denn daß der Mißbrauch zu ändern ſei, und nicht des Dinges Weſen. Denn Mißbrauch ändert keines Dinges Weſen. Gold wird darum nicht Stroh, obs ein Dieb ſtiehlet und mißbraucht; Silber wird darum nicht Papier, obs ein Wucherer fälſchlich gewinnet. 63. Weil denn die Wiedertäufer allein den Mißbrauch der Taufe anzeigen, ſo handeln ſie wider GOtt, Natur und Vernunft, daß ſie die Taufe ſamt dem Mißbrauch neuen und ändern; gleichwie alle Ketzer auch am Evangelio thun: weil ſie dasſelbige fälſchlich vernehmen, und alſo im Mißbrauch hören, fahren ſie zu, und änderns, und machen ein neu Evangelium draus.“) Alſo, wo du die Wiedertäufer hinkehreſt, ſo thun ſie unrecht, läſtern und ſchänden GOttes Ordnung, heißen es unrechte Taufe, um der Menſchen Un⸗ recht oder Mißbrauchs willen; wiewohl ſie auch ſolch Unrecht und Mißbrauch der Menſchen nicht können beweiſen. 64. Es iſt aber ein Werkteufel bei ihnen, der gibt Glauben für, und meinet doch das Werk, und führet mit dem Namen und Schein des Glaubens die armen Leute auf Trauen der Werk. Gleichwie unter dem Pabſtthum uns geſchehen iſt, da man uns zum Sacrament trieb, als zum Mik des Gehorſams, und niemand dahin ging, daß er den Glauben ſpeiſen wollte; ſondern, wenn wir *) Das thun die Secten noch jetzt. Sie ſehen, wie greulich die Lehre von dem Glauben und von der Recht⸗ fertigung aus Gnaden gemißbraucht wird. Was thun ſie nun? Sie thun ihre Lehre von der eigenen Bereitung, Empfindung und vollkommener Heiligung dazu, um den Weg zum Himmel etwas mehr, als der liebe Gott, zu um- zäunen. D. R. —