# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 08 31_S196 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) noch jemand inſonderheit heißen täufen, ſo wol⸗ len wir niemand täufen. Er hat aber heißen alle Heiden täufen, keinen ausgeſchloſſen, da er ſaget, Matth. 28, 19.: „Gehet hin, leh— ret alle Heiden, und täufet ſie in mei⸗ nem Namen“ ꝛc. Nun ſind die Kin der auch ein groß Stück der Hei den. 50. So leſen wir in der Apoſtelgeſchichte Cap. 2, 39., Cap. 16, 15. und St. Pauli Epi⸗ ſteln, 1 Cor. 1, 16., wie ſie ganze Häuſer getauft haben; aber die Kinder ſind wahr⸗ lich auch der Häuſer ein gut Stücke, daß es ſcheinet, gleichwie ihnen Chriſtus ohn allen Un⸗ terſcheid befiehlt, „alle Heiden zu lehren und täufen“: alſo haben ſie auch gethan, und in den Häuſern alles getauft, was darinnen ge⸗ weſen. Haben ſich nicht verſehen, daß die Rot⸗ tengeiſter würden Unterſcheid ſuchen zwiſchen jung und alt, weil ſie ſonſt in allen Epiſteln ſo viel ſchreiben, daß „kein Anſehen noch Unter⸗ ſcheid der Perſonen“ unter den Chriſten ſind, Röm. 10, 12., ſie hätten ſonſt ſolches alles überkommen und ausgedrückt. Denn St. Jo⸗ hannes 1. Ep. 2, 13. auch den Kindlein ſchrei⸗ bet, daß „ſie den Vater kennen“. Und freilich die Kindertaufe von den Apoſteln kommen iſt, wie St. Auguſtinus auch ſchreibt. 51. Derhalben die Täufler allerding gefähr⸗ lich handeln, daß ſie nicht allein ihres Dinges ungewiß ſind, ſondern auch wider ſolche einge⸗ führte Sprüche handeln, und Unterſcheid der Per⸗ ſon erdichten aus eigenem Kopf, da ſie GOtt nicht gemacht hat. Denn ob ſie gleich vermei⸗ neten, daß ſie nicht genugſam dadurch überwunden würden; ſo müſſen ſie dennoch, wie zänkiſch ſie ſind, ſich zum wenigſten davor entſetzen, eine Sorge kriegen, daß ſie unrecht thun, und auf ungewiſſe Gründe ſich wiedertäufen. Wenn ſie aber ungewiß ſind, ſo iſt es ſchon beſchloſſen, daß ſie unrecht thun: denn in göttlichen Sachen ſoll man nicht des ungewiſ⸗ ſen, ſondern des gewiſſen ſpielen. 52. Denn ſo ein Wiedertäufer höret (der nicht halsſtarrig, ſondern gelehrig ſein will), daß, gleichwie Johannes iſt gläubig und heilig worden, da Chriſtus kam, und durch ſeiner Mut⸗ ter Mund redet: alſo werde das Kind auch gläu⸗ big, wenn Chriſtus in der Taufe zu ihm durch Täufers Mund redet, weil les ſein Wort, ſein Gebot iſt, und ſein Wort nicht kann umſonſt ge⸗ hen. So muß dennoch der Wiedertäufer ſagen: Es möchte wahrlich ſein! und kanns nicht ganz und beſtändiglich leugnen, noch Schrift dawider aufbringen. Kann ers aber nicht beſtändiglich und mit gutem Grunde leugnen, ſo kann er auch ſeine Wiedertaufe nicht beſtändiglich erhalten: denn er muß zuvor beſtändiglich beweiſen, daß die Kinder ohne Glauben getauft werden, ſoll er das Wiedertäufen bekräftigen. Alſo meine ich, ſei gnug beweiſet, daß ihr Grund ungewiß und lau⸗ ter Vermeſſenheit ſei. 53. Wohlan, ich ſetze gleich, daß ſie allerdinge könnten gewiß machen, daß die Kinder ohne Glau⸗ ben ſind in der Taufe: wollt ich doch gerne wiſ⸗ und. 19⁵ ſen, aus was Grund ſie wollten beweiſen, daß ſie um deßwillen wieder zu täufen ſein ſollten, wenn ſie hernach gläubig oder bekennend des Glaubens werden? Denn es iſt nicht genug, daß ſie ſagen: ſie ſind ohne Glauben getauft, darum ſind ſie wieder zu täufen; ſie müſſen Urſach geben. Es iſt eine unrechte Taufe, ſprichſt du. Was liegt daran? dennoch iſts eine Taufe: ja, es iſt eine rechte Taufe an ihr ſelbſt, ohne daß ſie unrecht empfangen. Denn es ſind die Wort geſprochen und alles gethan, was zur Taufe ge⸗ hört, ſo völlig, als geſchieht, wenn der Glaube da wäre. 54. Wenn nun ein Ding an ihm ſelbſt recht iſt, ſo muß darum nicht anders erneuet werden, obs gleich un⸗ recht empfangen iſt: man thue das Unrecht ab, ſo wird alles recht, ohne alle Verneuerung. Abusus non tollit substantiam, imo confirmat substantiam, d. i. Mißbrauch ändert keinem Ding ſein Weſen: ja, ohne Weſen kann kein Mißbrauch ſein. Wenn nun der Glaube über zehen Jahr nach der Taufe käme, warum ſollt man doch wiederum täufen, ſo nun der Taufe allerding iſt genug geſchehen, und alles recht wor⸗ den? Denn er gläubt nun, wie die Taufe for⸗ dert. Iſt doch der Glaube nicht um der Taufe willen, ſondern die Taufe ums Glaubens willen. Wenn nun der Glaube kommt, ſo hat die Taufe das ihre, und iſt die Wiedertaufe vergeblich. (Fortſetzung folgt.) Iſt eine Vereinigung evangeliſch⸗ lutheriſcher und reformirter Kirchen zu machen?“) Dieſe Frage iſt ſeit einiger Zeit ſehr viel ver⸗ handelt, und von den Einen mit Begeiſterung bejaht, von den Anderen mit Ernſt verneint wor⸗ den. So wie die Sache nun ſteht und z. B. in Frankreich oder im Elſaß noch betrieben wird, iſt es keinem evang.⸗luther. Chriſten des Elſaßes und Lothringens, wie auch ſchon unirter Länder, mehr erlaubt, gleichgültig zu bleiben; ein jeder muß Partei nehmen, und es zu einem Ja brin⸗ gen oder zu einem Nein. Saget nicht etwa, das ſeien Dinge, von denen ihr Städter und Landleute nichts verſteht, die euch nichts angehn, und welche nur gelehrte Leute ausmachen ſollen. Daß ihr die Sache verſtehen lernet, ſoll gegenwärtiges Schriftlein die gehörige Anleitung geben. Daß es euch angeht, und nicht die Gelehrten allein, ſoll einem Jeglichen ein⸗ leuchten, dem Religion und Kirche am Herzen liegt. Nur ein Ungläubiger und Verächter des Heiligthums kann gleichgültig ſagen: „Macht mit der Kirche, was ihr wollt, was liegt mir dran.“ Wie? Brüder! es handelt ſich davon, zu wiſſen, ob unſere Kirche ſoll bleiben, wie wir ſie von den Glaubensvätern ererbt haben; ob das Kleinod unſeres Glaubens ſoll unangetaſtet erhalten wer⸗ den? oder ob es mit Glauben und Kirchen⸗ Gebräuchen ſoll anders werden? und Ihr ſolltet *) Es iſt dies wieder einer von den Elſäſſiſchen Tractaten. R. ſagen: Das geht mich nichts an? Ihr kennt ja das Sprichwort: „Wer nichts ſagt, willigt ein.“ Nun, wenn Ihr nichts ſagt, und machen laßt, kann's ja wohl geſchehen, daß an einem ſchönen Morgen es, ohne daß Ihr gefragt worden ſeid, eine gemachte Sache iſt. Darum, lieben Brüder, nehmt die Sache ernſtlich zu Herzen: Prüfet alles, und das Gute behaltet (1 Theſſ. 5, 21.). Bittet, ſo wird euch gegeben, und ſuchet, ſo werdet ihr finden (Matth. 7, 7.). I. „Iſt es an der Zeit, daß die luthe— riſchen und reformirten Kirchen ſich vereinigen?“ ö Schreiber dieſes geſteht, daß er zu Denen ge⸗ hört, die auf dieſe Frage mit eniſchiedenem Nein antworten, und ſeine Abſicht eben iſt, im Folgen⸗ den dieſes Nein zu rechtfertigen und, ſo Gott will, Andere dafür zu gewinnen. Wo aber die Kirchen⸗ mengerei ſchon geſchehen, in Kirche oder Miſſion, da iſt es Zeit, daß dieſes Babelwerk aufhöre, da⸗ durch des HErrn Werk geſtört wird. Es iſt voraus zu ſehen, daß ſolche Antwort mancher Seele wehe thut, welche die ganze Welt gern als Eine Heerde unter Einem Hirten ſehen möchte. Und dazu, meint man, wäre die Verei⸗ nigung der Lutheraner und der Refomirten ein löblicher Anfang. Nun! ſolchen Wunſch haben wir auch, und würden es als ein ſündhaft Unter⸗ nehmen achten, dawider zu ſein. Aber das iſt unſere Ueberzeugung, daß alle Vereinigung nur dann im Sinne unſeres Heilandes geſchieht, wenn ſie auf der Einigkeit in der Wahrheit und im Glauben ruht; jede andere Union iſt Mach⸗ werk und Heuchelei, die früher oder ſpäter jäm⸗ merlich zu Schanden wird. Wenn jetzt eine Union geſchieht, ſo reicht man ſich die Hand nicht auf Grund des Glaubens, ſondern auf Grund des Zweifels und des Unglaubens. In ſol⸗ chem Thun iſt kein Segen — und wer Gott fürch⸗ tet, hilft nicht mit bauen an einer Kirche, die un⸗ beſtimmten Glauben hat. Leſet vielmehr von der rechten Union Eph. 4, 3—6.5 Doch, hören wir einmal Diejenigen, welche eine Union wollen und daran arbeiten; ſie ſagen: „Es iſt jetzt an der Zeit, ſolch Vereinigungswerk zu betreiben, denn wir Lutheriſche und Reformirte ſind ja eigentlich im Glauben ſchon einig; die Unterſcheidungslehren, welche früher die zwei Schweſterkirchen getrennt haben, ſind ja ſchon lange beiderſeits aufgegeben; ſo daß, z. B. in der Lehre vom heiligen Abendmahl, die Lutheriſchen reformirt und, in der Lehre von der Gnadenwahl, die Reformirten lutheriſch geworden ſind. Wir ſtehen ja beide auf demſelben Grunde: Chriſtus und ſein Wort. Da, wo noch ein Unterſchied iſt, deckt man ihn mit Liebe zu, und denkt: in ſo ge⸗ heimnißvollen geiſtigen Dingen, wie die Religion iſt, werden die Leute doch nie einig, ſondern jeder ſeine eigenen Gedanken haben. Uebrigens iſt jetzt *) Der liebe St. Louiſer „Friedensbote“ hat wohlweis⸗ lich nur den Zten Vers zu ſeinem Motto gemacht. Er ver⸗ läßt ſich darauf und wohl nicht ohne Grund, daß ſeine Leſer den dazu gehörigen 5ten Vers mit ſeinem „Einen Glauben, Einer Taufe“ überſehen werden. D. R.