# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 06 28_S86 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 86 in die deutsche Sprache, wozu er im J. 1517 mit Uebersetzung der sieben Bußpsalmen den Anfang gemacht und seitdem 17 Jahre lang allen Fleiß und viele Zeit darauf gewendet hatte. Die Schwierigkeiten, die er bei dieser Arbeit zu überwinden hatte, übersteigen alle Vorstellungen. Namentlich hat er im alten Testament oft vier Wochen über ein einziges Wort nachgedacht und nachgefragt, wie er es aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzen wolle, oft ohne es finden zu können. Mit vollem Rechte nennt daher Matthesius diese Bibelübersetzung eines der größten Wunderwerke, welche Gott durch Dr. Luther ausgerichtet hat; denn es kommt einem aufmerksamen Bibelleser nicht anders vor, als ob der heil. Geist durch der Propheten und Apostel Mund in unserer deutschen Sprache geredet hätte. Deshalb übertrifft diese Uebersetzung nicht nur die früheren, die noch dazu äußerst selten und fast ganz unverständlich waren, sondern auch alle späteren Uebersetzungen bis in die neueste Zeit, so daß auch hierin Luther immerdar Meister bleiben und seine Arbeit den Preis behalten wird. Gott hat auch dieses Werk mit vielem Segen geschmückt; denn durch die Millionen Abdrücke dieser Uebersetzung ist das Wort Gottes nicht nur in Deutschland, sondern auch durch die Uebersetzung derselben in fremde Sprachen in viele andere Länder ausgebreitet worden. Nächstdem ist durch diese Bibelübersetzung ein reicher Sprachschatz gebildet worden, aus welchem sowohl die eigenthümliche und kraftvolle Kirchensprache genommen ist, wie sie sich vor allem in Luthers Schriften findet, und wodurch auch der Grund zur Vervollkommnung der deutschen Sprache überhaupt gelegt worden ist. Im Jahre 1535 richteten die Wiedertäufer neues Unheil an und verführten viele Leute; sie verwarfen das geschriebene Wort Gottes und das heil. Predigtamt; sie behaupteten auf eine gotteslästerliche Weise vom heil. Abendmahl, daß dabei nichts als Brod und Wein ausgetheilt werde; sie schändeten die Obrigkeit und führten ein wildes und wüstes Leben. Besonders trieben sie ihr Unwesen in der Stadt Münster, bis endlich ihrer Rotterei mit Gewalt der Waffen gewehrt wurde. Luther aber führte auch gegen diese Feinde der christlichen Kirche gewaltig das Schwert des Geistes, nämlich das Wort Gottes, in mehreren Schriften und warnte treulich vor ihren Irrthümern, so wie vor Schleichern und Winkelpredigern, oder vor solchen, die sich ohne einen ordentlichen Beruf durch Menschen zu Lehrern selbst aufwerfen. Zu Ende dieses Jahres kam ein päbstlicher Abgesandter, Namens Paul Vergerius, nach Deutschland, um eine freie und schon längst versprochene Kirchenversammlung anzukündigen. Er kam auch mit einem großen Gefolge nach Wittenberg und forderte Luthern zu sich. Als nun die Rede auf das Concilium kam, erklärte Luther, daß es damit der Gegenpartei kein Ernst sei, und wenn auch ein solches zu Stande käme, so würde man da nach ihrer Gewohnheit doch nur von unnöthigen Dingen, nicht aber vom Glauben, der Rechtfertigung und von der rechten Eintracht im Geist und Glauben handeln. Dabei wandte sich Vergerius zu seinen Begleitern und sagte: „Der trifft wahrlich den Hauptzweck im ganzen Handel.“ Luther aber setzte hinzu: „Wir sind durch den heil. Geist der Dinge aller gewiß und dürfen gar kein Concilium, sondern andere arme Leute, so durch eure Tyrannei unterdrückt werden; denn ihr wisset nicht, was ihr glaubt. Nun wohlan! habt ihr Lust dazu, so machet eins, ich will, ob Gott will, kommen, und wenn ich wüßte, daß ihr mich verbrennen solltet.“ Dieser Vergerius wurde nach 10 Jahren ein eifriger Lutheraner; denn als er in der Hoffnung, Cardinal zu werden, die Schriften Luthers mit großem Fleiße las, um sie zu widerlegen, so wurde er dadurch von der Wahrheit so überzeugt, daß er nun nicht wider das Lutherthum, sondern gegen das Pabstthum schrieb. Unter den vielen Schriften, welche Luther in diesem Jahre verfaßte, ist besonders die zu merken: „Einfältige Weise zu beten, für einen guten Freund.“ Es ist dies eine kurze, aber vortreffliche Anweisung, wie man die drei ersten Hauptstücke des Katechismus zum Gebet anwenden sollte. Wie bereitwillig Luther war, zu einer Vereinigung mit den Reformirten, unbeschadet der rechten Lehre, die Hand zu bieten, sieht man abermals bei der sogenannten Wittenberger Concordia. Es wurden nämlich im Jahre 1536 kurz vor Pfingsten einige reformirte Theologen und unter ihnen Bucer nach Wittenberg gesendet, um sich mit Luthern und den übrigen Theologen wegen des Artikels vom heil. Abendmahl nochmals zu besprechen. In den Einleitungsreden zeigte Luther, warum er bis jetzt an der redlichen Absicht der Gegenpartei habe zweifeln müssen, und erklärte namentlich gegen Bucer, wenn er es nicht redlich meine, so wäre es besser, die Gedanken wegen einer Concordia ganz aufzugeben, damit das Uebel uicht ärger werde und die Nachkommen über solchem Blendwerk nicht seufzen müßten. Als nun Bucer etwas bestürzt versicherte, daß er eine redliche Absicht habe, und das Geschehene zu entschuldigen suchte, so verlangte Luther, sie sollten ihre bisher geführte Lehre vom heil. Abendmahle öffentlich als unchristlich widerrufen, und versprechen, die wahre Lehre davon mit der lutherischen Kirche annehmen und vortragen zu wollen; sie müßten rein heraussagen, daß im Sacrament Christi Leib und Blut im Brod und Wein wesentlich gegenwärtig sei, wenn gleich der, welcher es austheile, oder empfinge, unwürdig wäre. Diese und andere Puncte wurden darauf von Melanchthon zusammengestellt und sämmtlich von den reformirten und lutherischen Theologen unterschrieben, auch öffentlich von der Kanzel abgelesen. Ein Theil der Reformirten bezeugte ihre Freude gegen diese Concordia, die Schweizer aber wollten dieselbe nicht annehmen, sondern ließen aufs neue eine Gegenschrift ausgehen; allein bald fing auch Bucer wieder an zu wanken und sogar Melanchthon und andere, die es mit ihm hielten, nahmen ins geheim manches vor, womit sie den Abweichungen von der rechten Lehre vielen Vorschub leisteten, und dadurch großen Schaden stifteten, Luthern aber noch in seinen letzten Lebensjahren vielen Kummer verursachten. — (Fortsetzung folgt.) Antwort auf die neueste Vertheidigung der Union. (Fortsetzung.) Wir haben in der letzten Nummer des Lutheraners behauptet, daß Hr. Nollau noch nicht zum Bewußtsein der christlichen Kirche erwacht sei, ferner daß er unsere Darlegung der Lehre von der Kirche nicht gefaßt und daher dieselbe freilich noch weniger widerlegt, sondern unglücklicher Weise gegen einen Feind gekämpft habe, der nirgends als in seinen Gedanken existire. Es liegt uns nun ob, diese unsere Behauptungen zu beweisen. Hr. N. führt Seite 7 aus dem „Lutheraner“ diese unsere Worte an: „Wir wollen nicht einräumen, daß es viele wahre Kirchen gibt;“ hierauf entgegnet Hr. Nollau: „Wir auch nicht; aber die Eine wahre Kirche Christi ist eben die unsichtbare, die Menge der Gläubigen, die der HErr allein als die Seinen kennt und welche über die ganze Erde zerstreut sind; die andere, die sichtbare, ist die ganze Christenheit.“ — Wäre Hr. N. sich wirklich dessen bewußt gewesen, was er mit dem Zugeständnisse ausspreche, daß es nur Eine wahre Kirche gebe, so hätte ihn dies zu ganz andern Ergebnissen führen müssen, als in der That geschehen ist. Denn welches sind die Folgerungen, die Hr. N. aus jenem Grundsatz zieht? Er spricht: „Wir müssen entweder annehmen, daß es keine wahre rechtgläubige Kirche gibt, weil auch die lutherische nicht absolut die Eine rechte Auslegung der heil. Schrift hat, oder wir müssen auch andern Kirchen den Ruhm der Rechtgläubigkeit einräumen.“ S. 18. 19. Hr. N. sagt daher ferner: wenn gewisse Gemeinschaften „das und jenes davon und dazu gethan haben“ (vgl. 5 Mos. 4, 2., Offenb. 22, 18. 19.), so bezeichne „dieses Das und Jenes der Apostel 1 Cor. 3, 12. ꝛc. unter Holz, Heu und Stoppeln, welches neben Gold, Silber und Edelsteinen auf den Einen Grund IEsum Christum gebaut wird.“ S. 27. Nach S. 30 darf man daher auch den Reformirten und allen andern nicht absprechen, „daß sie den Glauben rein und rund bekennen;“ und S. 34 wird von jeder und daher auch von der irrgläubigen Kirche behauptet: „Der Grund der Kirche ist Christus und sein Evangelium.“ S. 25 und 26 redet Hr. N. (indem er sich dabei der Worte eines gewissen Hrn. Stier bedient) erst von der christlichen Kirche, die wir im dritten Artikel zu glauben bekennen, und sagt von dieser, daß jetzt zu ihr gehören „alle, welche den Glauben an den dreieinigen Gott nach der Offenbarung IEsu Christi äußerlich mit einander bekennen u. s. f., ob auch gar große Mängel eingerissen