# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 07 20_S191 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Gottes, um ihres reinen Wortes und Sacramen⸗ tes willen. Dieſe Kirche iſt für mich zunächſt allerdings ein Gegenſtand des Glaubens, weil ſie ein mit Chriſto in Gott verborgenes Leben lebt, wel⸗ chem ihr offenbares auf Erden nie ganz gleich ſein oder entſprechen kann: ſie erſcheint aber in der Spendung der Gnadenmittel; darum mag ſie, wo in reinem Wort und Sacrament ſie erſcheint, auch Gegenſtand unſrer Liebe ſein; wer Chriſtum liebt, muß auch ſie lieben, denn ſie iſt unſer Aller Mutter. 3. Meine Miſſion. Darum, wie ich die evangeliſch-lutheriſche Kirche als die wahre Er— ſcheinung der Kirche Gottes liebe, das heißt, vor⸗ ziehe, alſo liebe ich und treibe die evangeliſch⸗ lutheriſche Miſſion. Wie es nicht gleichgültig iſt, was für einen Glauben du haſt, ob römiſch, ob wiedertäuferiſch, ob reformirt, ob unirt oder miſchungsglaubig, ob evangeliſch-lutheriſch; wie es nicht gleichgültig iſt, welcher Kirche du ange— höreſt, ob der römiſchen, der reformirten oder der evangeliſch⸗lutheriſchen: eben ſo wenig iſt es gleichgültig, welche Miſſion ich treibe. Muß nicht Hand, Fuß und Zunge ſein wie das Herz, wie der Glaube? Wie er glaubt, ſo redet und thut der evangeliſch⸗lutheriſche Chriſt, ſei er Laie oder Pfarrer; und damit „ſtört er“ nur die gehei⸗ men oder offenbaren Gegner der lutheriſchen Kirche und ihres vollen Bekenntniſſes.“) Warum ſollen wir die Folgerungen aus den von uns anerkannten Wahrheiten nicht lie⸗ ben? Kirchen-Mengerei freilich hat ſich Vielen ſchon als Sünde erwieſen: der Miſchungsgeiſt der Unentſchiedenheit und Zweideutigkeit zieht ſich nur Schritt für Schritt zurück; er ſucht, im Namen einer Liebe, welche ohne die volle Wahrheit einhergeht, deſto mehr auf Miſchung chriſtlicher Werke zu beſtehen. Wer nun das geöffnete Auge zud rückt, iſt nur zu ſehr geneigt, auf dem ſchönen Felde der chriſtlichen Barmherzigkeit, in innerer und äußerer Miſſion, das Bekenntniß zu verleugnen, welches wir, dem evangeliſch⸗luthe⸗ riſchen Katechismus (Haupiſtücke) gemäß, doch wieder lehren. Wider die Union der Werke, wie ſie von etlichen Miſſionshäuſern getrieben werden, müſſen aufrichtig evang.⸗luth. Glaubensbrüder auf das entſchiedenſte zeugen. Brennt auf dem Herzens⸗ oder Kirchenaltar die Leuchte reinen Wortes und Sacramentes, ſo muß auch das Werk davon zeugen, ſonſt iſt Mund und Hand und Fuß mit dem Altar nicht in Uebereinſtimmung, und man wandelt nicht als Kind des Lichts, wie es der Apoſtel verlangt. Rein ab! von die⸗ ſer unevangeliſchen und unlutheriſchen Miſſions⸗ und Werkmengerei. Rein ab, von dieſem Werk⸗ bunde. Wer die evang.⸗luth. Kirche vor⸗ zieht, muß auch die evang.⸗luth. Miſſion als Wahrheit wollen, und von jeder feinen oder gro⸗ ben, Kirchenverderblichen, Verführung ſich ent⸗ fernt halten. R. F. H. *) Damit „ſtört“ er nicht, wie Viele den Lutheranern vorwerfen, das Werk Gottes, ſondern Menſchenwerk. D. R. 190⁰ Wider den Hochmuth der Kirchendiener. Die Höhen im geiſtlichen und leibli— chen Sinne ſind der Kirche und ihren Dienern oft gefährlich geweſen. St. Paulus ſagt in erſte⸗ rer Beziehung ein warnendes Wort — ach! daß es in aller, ſonderlich begabter, Prediger und Chriſtusverkündiger Herz einen Wiederklang fin⸗ den möchte —: „auf daß ich mich nicht mei— ner hohen Offenbarungen überhebe“ (2 Cor. 12, 7.). Ach wie viele ſind ſpäter in dieſer Art irre geführt, haben die Gaben nicht ge⸗ nommen nach dem Maaße des Glaubens (nemlich desjenigen, den der HErr mit ſeinem Blute beſchrieben hat), ſondern nach dem Maaße ihres Herzensdünkels! Sie wurden in ſich ſtolz, aufgeblaſen und leer, gaben hohe Offenba⸗ rungen vor, die ſie nicht hatten, und ſtürzten von dem Gehorſam gegen das Wort JEſu und der Kirche in die ſchmutzigen Pfützen der Ketzerei und alles Iirthums und Sündenlebens herab. Wie Wolken, die hoch dahingehen, aber keinen Regen geben, fuhren ſie unfruchtbar trotz aller Gaben, oft auch zum Verderben die Gemeinde dahinrei⸗ ßend, vorüber. Wie manches abſchreckende Bei⸗ ſpiel nach dieſer oder jener Seite hin hat nicht unſere Zeit, in einer beginnenden Neugeburt des chriſtlichen Lebens, ſchon aufzuweiſen! Und wenn wir von dieſem auf ein niedrigeres Gebiet herab⸗ ſteigen, wo die Welt ſich ohne Scheu geltend macht, aber doch immer noch geiſtliche Färbung annimmt — wie mag es verkannt werden, daß ſchon vom Ende des dritten Jahrhunderts an, als die Märtyprerzeit kaum abgelaufen, die Kirche viele Flecken bekam durch den ehrſüchtigen Streit zwiſchen Geiſtlichen über höhern Rang und Würden, über Bisthümer, Erzbisthümer, Patriar⸗ chate ꝛc, ſo daß alle Kraft des chriſtlichen Geiſtes in den einzelnen wahrhaften Betern und Streitern und Zeugen dazu gehörte, um den tiefen Fall eine Zeit lang aufzuhalten? Was iſt der tiefe Seufzer der Chriſtenheit über tauſend Jahre lang als der, daß dieſe ungöttliche Selbſterhebung in Rom ihren Sitz aufſchlug, in der Gemeinde ge— rade, die durch ihre Selbſtſtändigkeit, ihre uner⸗ ſchütterliche Treue, ihr blühendes Glaubensleben in den erſten Zeiten mit Recht ſo berühmt war; daß der angemaßte Statthalter Chriſti die ſchwin⸗ delnde Höhe beſtieg und von dort mehr als von einem Weltenthrone die Gewiſſen tyranniſirte! Der Beiſpiele in neuerer Zeit können wir billig überhoben ſein: ein jeder weiß und beklagt es, wie Viele, die Hirten, demüthige Nachfolger JIEſu ſein ſollten, ſich betragen als Herren über den Glauben der Gemeinde ſtatt als Mitgenoſſen ihrer Freude am gemeinſchaftlichen Glauben; ein jeder weiß es, daß das, worüber die proteſtantiſche Kirche am lauteſten ſeufzt, das iſt das verſplit⸗ terte Pabſtihum in ihr, wodurch ſo manches Dorfſchulmeiſterlein ſich Luthers Schuhe anpaßt, ſo mancher Stadt- und Landpfarrer ein kleines Modell der päbſtlichen Krone ſich macht, auf welche er wie ein Rohrſperling ſchimpft. ö (Aus Rudelbach's Kirchenſpiegel, S. 246.) —. * Aus einer Correſpondenz. Bad Hom burg bei Frankfurt a. M., den 19. März 1850. — — Wie in vielen Theilen Deutſchlands ein neues Leben erwacht und die alte Liebe zur luthe⸗ riſchen Kirche wieder erweckt iſt, wird Ihnen nicht unbekannt ſein, aber auch in unſerer Gegend, in Heſſen, Naſſau, Baden, wo ſo lange und ſo erſchrecklich der geiſtliche Tod geherrſcht hat, regt ſich's gewaltig, beſonders in meiner naſſau⸗ iſchen Nachbarſchaft, wo es wohl am ſchlimmſten ausſah, mehren ſich die Gläubigen und damit zu⸗ gleich die Austritte aus der unirten Landes⸗ kirche wirklich wunderbar! Pfarrer Brunn wirkt als ſeparirt lutheriſcher Pfarrer in dieſem Lande ſehr ſegensreich, und wenn der HErr ferner ſo mit der Predigt des Worts iſt, wie bisher, muß die Landeskirche in kurzer Zeit zuſammenſtürzen, weil kein wahrhaft gläubiger Chriſt ſich mehr in ihr befinden wird. Aehnlich verhält es ſich auch mit den anderen Landeskirchen, die die Union durchgeführt haben, oder durch eine bekenntnißloſe und darum bekenntnißfeindliche Büreaukratie ver⸗ waltet werden. Doch werden noch ſchwere Trüb⸗ ſale und Anfechtungen über uns kommen, ehe die Mauern Zions wieder erbaut ſein werden, und helfen auch Sie uns beten zu unſerem Hohen⸗ prieſter und Könige, daß er uns Muth und Kraft gebe, dieſelben zu ertragen! — — Karl Meyer, Pfarrvicar an der luth. Stadtkirche zu Homburg. * Was traurſt du doch? Ein frommer und gottesfürchtiger Mann wußte, daß einer ſeiner vertrauten Freunde wegen Man⸗ gel an Nahrung ſehr bekümmert war. Er beſuchte ihn deßhalb, ſtellte ſich traurig und ſagte: Ich weiß nicht, was wir endlich anfangen und wo wir Waſſer zum Brauen und anderer Nothdurft hernehmen werden? Wie ſo? erwiderte der Be⸗ trübte, habt ihr denn Sorge ums Waſſer? Frei⸗ lich, ſprach der Erſte, denn ich ſehe, daß man's nicht allein mit Eimern aus der Elbe herauf trägt, ſondern auch mit großen Fäſſern, daran vier ſtarke Pferde zu ziehen haben, herauf fährt, wo will endlich alles Waſſer herkommen? Der Andere lächelte und antwortete: Ich weiß nicht, was ich denken ſoll, daß ihr ſo ſonderbare Gedan⸗ ten habt; die Elbe hat bisher Waſſer genug ge⸗ habt, nicht allein für unſere Stadt, ſondern für ſo viele andere Städte, Flecken und Dörfer, da ſie vorbeifließt, ſie wird auch ferner genug haben. Wohl, ſagte der Erſte, ich gebe euch Recht, ich bekenne, daß ich mir unnöthige Sorge gemacht habe; allein, womit wollt ihr beweiſen, daß eure Sorgen beſſer ſind, als die meinigen? Ihr ſorgt, wie ihr euch und die Eurigen ferner ehrlich ernäh⸗ ren und durchbringen möget, und weil ihr Ab⸗ gang an eurer Nahrung merkt, meint ihr, ihr habt Urſach, euch deshalb zu bekümmern und zu betrüben. Wer hat euch aber bisher ſo viele Jahre, ja, wer hat eure Eltern und Großeltern