# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 07 20_S189 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſein und gehen ſoll unter der Obrigkeit; und läßt mich alle andere Obrigkeit ſitzen, und ficht mich darin nicht an, widerſprichts auch nicht, wo ich anders im Licht mit Recht und göttlicher Ord⸗ nung da ſitze; denn Räuber und Mörder mögen heimlich und finſter in fremder Herrſchaft ſitzen; aber man ſpricht ſie wahrlich an, als die nicht unterthan daſelbſt ſind. 25. Harre (ſprichſt du), da will ich dir eins geben. Warum gläubſt du denn nun nicht, daß der Pabſt dein Herr ſei, ſondern macheſt den Endechriſt daraus; ſo doch alle Welt zeuget, er ſei das Haupt der Chriſtenheit, und beweiſen dirs auch mit der That; denn er ſitzt ja im Regiment? Antwort! Da hätteſt du mich ſchier erſchnappt. Aber laß dir ſagen: Wenn du dieſe drei Stücke mir kannſt am Pabſtthum zeigen, die ich dir an den Eltern und Obrigkeit zeige, ſo will ich das Pabſtthum für ein GOttes Werk halten, und gerne gehorſam ſein und dem Werk GOttes gläuben. Kannſt du aber das nicht thun, Lieber, ſo laß mir's ein Menſchengedicht ſein, ohne GOttes Wort und Werk, dem allerding nicht zu gläuben iſt. Daß aber ein Menſchengedicht ſei, will ich beweiſen mächtiglich. 26. Erſtlich, ſagt mir GOttes Wort wohl, daß Eltern und Obrigkeit ſeien, und ich ſolle und müſſe Eltern und Obrigkeit haben; wie gehöret iſt. Aber kein Wort GOttes iſt, das da ſage, daß ein Pabſt ſei, und ich müſſe einen Pabſt ha⸗ ben, oder dem Pabſt unterthan ſein. Weil aber die Schrift nichts vom Pabſt oder von ſei⸗ nem Regiment gebeut, ſo iſt auch kein Pabſt⸗ thum, das ein göttlich Werk ſei, ſintemal die Schrift von GOttes Werken Zeugniß gibt. Darum ich droben geſagt habe: Menſchen ſoll man gläuben, wo ſie nicht ihr Gedicht oder Werk, ſondern GOttes Wort oder Werk zeu⸗ gen und zeigen. Denn ante quaestionem, quid est, oportet quaestionem, si est, definire.“) Ehe man mich lehret, wer der Pabſt ſei, muß man mich zuvor gewiß machen, daß ein Pabſt ſei mit göttlichem Recht. Wenn er aber nicht ſein kann, ſo fragt man nicht darnach, wer er ſei. 27. Zum andern, obwohl viel Menſchen von ihm zeugen, ſo iſt doch ſolch Zeugen nicht allein vergeblich, weil es kein GOttes Werk aus dem Pabſithum machen noch beweiſen kann, ſon⸗ dern auch nicht völlig und ganz. Denn es ha⸗ ben bisher dawider gezeuget und widerſprochen, nicht alleine die ganze Chriſtenheit gegen Mor⸗ gen,“n) ſondern auch viel Unterthanen des Pab⸗ ſtes ſelbſt, die drüber verbrannt ſind, und noch täglich erwürget werden. Daß alſo ſolch Regi⸗ ment noch nie iſt angenommen und unwiderſpro⸗ chen blieben, oder zum ruhigen Stand kommen, wie der Eltern und Obrigkeit Regiment, als dro⸗ ben erzählet iſt. 28. Zum dritten, iſt auch kein GOttes Werk da: denn er thut kein Amt ſeinen Unter⸗ *) Das iſt: „Ehe man fragt, was etwas iſt, muß erſt entſchieden werden, o b es iſt.“ D. R. *1) Nemlich die griechiſch⸗orientaliſche Kirche, welche den Pabſt zu Rom nicht anerkannt hat. D. R. —18— thanen zu nutz, ja er verfolget das Evangelium und die Chriſten; ſchweige daß er ſollte lehren und handhaben. Er lehret wohl ſeinen Dreck und Gift, als die Menſchenlehre, läßt das Evange⸗ lium unter der Bank liegen; ja, er verfolgets, wiewohl es ihn nichts hilft. Er macht aus dem Sacrament Opfer, aus den Werken Glauben, aus dem Glauben Werk; verbeut Ehe, Speiſe, Zeit, Kleider und Stätte, und verkehrt, mißbraucht aller chriſtlicher Güter, zu Schaden der Seelen: wie wir ſolches alles anderswo genugſam bewei⸗ ſet haben. Weil denn alle drei Stück am Pabſt⸗ thum mangeln, ſo muß mans für lauter Men⸗ ſchengedicht halten, dem gar nichts zu gläuben iſt, und in keinen Weg der Eltern und Obrigkeit Stand zu vergleichen. 29. Alſo hie auch: die Taufe iſt ein Werk GOttes, das kein Menſch erdichtet, ſondern GOtt befohlen und bezeuget hat im Evangelio. Zum andern ſind Leute, die ſolches von dir zeu⸗ gen, daß du getauft ſeieſt, und niemand wider⸗ ſprichts, noch beweiſet das Widerſpiel. Zum dritten folget das Werk, daß man dich in der Chriſten Zahl rechnet, läßt dich zum Sacrament und allem Chriſtlichen Recht kommen, und deß alles gebrauchen: welches man nicht thäte, wo du nicht getauft wäreſt, und nicht jedermann ſol⸗ ches gewiß wäre. Welches alles auch eitel Zeug⸗ niß ſind deiner Taufe: denn alle Welt weiß und ſiehet, daß man jedermann täufet, weil er ein Kind iſt. Wer nun dieſem allen nicht gläuben wollt, der ihät eben ſo viel als gläubte er GOtt ſelber nicht, weil GOtt ſelber ſpricht, „zweien Zeugen ſoll man gläuben“. Und ſtraft doch ſolche Zeugen nimmermehr, der doch keine falſche Zeugen ungeſtraft und unge⸗ ſchändet läßt. 30. Hiemit, halte ich, ſei genug beweiſet, daß keiner möge an ſeiner Taufe zweifeln, als wiſſe er ſie nicht, und daß der ſündige an GOtt, wers nicht gläuben wollt. Denn er iſt viel gewiſſer ſeiner Taufe, durch der Chriſten Zeugniß, denn ob er ſie ſelber geſehen hätte, weil der Teufel ihn leichtlich könnte irre machen im Kopf, daß er dächte, er wäre im Traume oder Geſpenſt, und nicht recht getauft, und müßte dennoch an der Chriſten Zeugniß ſich halten, und zu Ruhe ſtel⸗ len; welches Zeugniß der Teufel nicht alſo kann irre oder zweifelhaftig machen. (Fortſetzung folgt.) „ (Eingeſandt.) Von der methodiſtiſchen Heiligungs⸗ Gnade. Motto: Du wagſt es, Novatian, dich rein zu nennen? und wenn du auch rein in deinen Werlen wäreſt, durch dieſes einzige Wort würdeſt du unrein. Ambroſius. Daß es unter den Methodiſten manche ver⸗ blendete Leute gibt, welche ſich einbilden, von al⸗ len Sünden, ja ſogar von jeder böſen Luſt befreit zu ſein, wird der liebe Leſer zu ſeinem herzlichen Bedauern gewiß ſchon öfters gehört haben. Trau⸗ rig iſt es, daß der Apologete ſich dazu hergibt, ſolche arme Blinde noch in ihrem hochmüthigen, ſeelenverderblichen Wahne zu beſtärken, indem er lehrt, daß der Menſch durch die Gnade des Hei⸗ ligen Geiſtes ſchon hier auf Erden einen Zuſtand völliger Sündloſigkeit erlangen könne. So ſagt er Nr. 13. d. J. von dem Geheiligten: „Obſchon aber ſeine Seele frei iſt von dem, was die Bibel Sünde nennt, ſo hat er doch ſeine Schwachheiten und unausbleiblichen Fehler, welche von dem Falle herkommen, weßhalb er jeden Augenblick das Verſöhnungsblut IEſu und das Verdienſt ſeines Todes anſprechen muß: vergieb mir meine Schuld, wie ich vergebe meinen Schuldnern.“ Können nun die „völlig Geheiligten“ unter den Methodiſten mit Recht von ſich ſagen: Wir haben keine Sünde? Nein, vielmehr ſagen ſie damit eine große Lüge. Denn Gottes Wort ſagt 1 Joh. 1, 8: So wir ſagen, wir haben keine Sünde, ſo verführen wir uns ſelbſt und die Wahrheit iſt nicht in uns. Hiernach iſt es unwiderſprechlich gewiß, daß der Chriſt auf Erden noch nicht vollkommen ſündlos werde. Denn ſo⸗ bald er ſagt, daß er keine Sünde habe, ſobald trifft ihn das Donnerwort der heiligen Schrift: „daß er ſich ſelbſt verführt und daß keine Wahr⸗ heit in ihm iſt“. Dieſe Worte lehren uns auch, wie wir diejeni⸗ gen Methodiſten zu betrachten haben, welche ſich einbilden, frei von Sünden zu ſein, nemlich als ſolche Leute: „welche ſich ſelbſt verführen und in denen keine Wahrheit iſt“. Mag ein Solcher noch ſo ſchön von Außen glänzen, noch ſo heilig gleißen und noch ſo fromm, demüthig und geiſt⸗ lich ſich geberden: Gottes Wort ſagt von ihm: er hat ſich ſelbſt verführt. Und wenn er ſich auch auf die deutlichſten Gefühle und Erfahrungen be⸗ ruft zum Beweiſe, daß er frei von Sünden ſei, er verführt ſich ſelbſt, indem er ſeinem falſchen Herzen und der lügneriſchen Stimme des Satans, welche ihm daraus zuflüſtert, mehr glaubt, als dem Worte Gottes. Es hilft ihm auch nichts, wenn er Gottes Wort auf das Liſtigſte verdreht, um damit den Schein hervorzübringen, als könne man auf Erden ſchon ſündlos werden: Gottes Wort ſagt von ihm: er verführt ſich ſelbſt und die Wahrheit iſt nicht in ihm. Darum wehe, wehe dem Unglückſeligen, der ſich erfrecht, zu ſagen: ich habe keine Sünde. Ach! wir haben nicht Thränen genug, um ſeine Ver⸗ blendung, um ſein ewiges Verderben zu beweinen. Die Wahrheit iſt nicht in ihm! Er hat die Wahrheit, er hat IEſum verloren. Erloſchen iſt in ſeinem Innern das ſelige Licht der Wahrheit, dagegen iſt er erfüllt mit der Finſterniß der Lüge und des Irrthums; es iſt Nacht in ihm. Und zwar iſt dieſe Finſterniß um ſo grauenvoller, als der eingebildete Heilige ſie nicht ſieht oder wenig⸗ ſtens nicht ſehen will. Wie furchtbar mag die Enttäuſchung eines ſolchen Menſchen im Tode ſein! Denn weil keine Wahrheit in ihm iſt, weil er durch die Schuld ſeines Hochmuthes IEſum verloren hat, ſo kann er nicht ſelig werden. Darum, wer in dieſem Irrthum ſteckt, er thue Buße, ehe es zu ſpät iſt.