# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 07 20_S188 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) • ſie nicht ehren. So wäre GOttes Gebot fein aufgehoben, ganz und gar. 14. Desſelbigen gleichen wollt ich keinen Bru⸗ der, Schweſter, Vettern, noch einigen Freund kennen, und immer fürgeben, ich wüßte nicht, daß ſie mir zugehöreten, weil ich ungewiß wäre, welche meine Eltern wären ꝛc. Aber ſolchem Geiſt wollt ich (wenn ich Herr im Lande wäre) wiederum dienen, und verbieten, daß er auch kein Erbe, weder Haus noch Hof, noch einen Heller müßt von ſeinen Eltern behalten, gewar⸗ ten noch empfahen, und wollt alſo ſeines eigenen Glaubens mit ihm ſpielen, bis ihm der Geiſt wieder zu Fleiſch würde. Denn weil er die Eltern nicht wiſſen noch gläuben wollte, ſo müßte er auch ihr Gut nicht wiſſen noch gläuben. O welch ein fein löblich Regi⸗ ment würde da in der Welt werden, da niemand des andern Kind, Bruder, Schweſter, Vetter, Freund, Erbe noch Nachbar ſein wollt. Nichts beſſers, denn unter die wilden Wölfe mit ſolchen Chriſten! 15. Item, alſo wollte ich auch keinem Fürſten noch Herrn unterthan ſein, und fürgeben, ich wüßte nicht, ob er Fürſt geboren wäre, weil ichs nicht geſehen hätte, ſondern den Leuten gläuben müßte. Und wollt alſo abermal ein frei Geſell ſein, GOttes Gebot aufheben, und keine Obrig⸗ keit haben, ſondern von Leuten unter die Wölft laufen, da ſolche Gebot GOttes von Eltern und Obrigkeit zu ehren nichts gölten. Und zwar, daß der Teufel in dieſen Täuflern ſolches gerne wollte, ſcheinet wohl an dem, daß ſolche Täufler ſchon be⸗ reit (als man ſagt) Weib und Kind, Haus und Hof verlaſſen, und ſchlechts alleine gen Himmel wollen. Davon hernach mehr. 16. Ja, ich wollt auch wohl ſagen, die heilige Schrift wäre nichts, Chriſtus wäre nichts, die Apoſtel hätten auch nie gepredigt: denn ſolches alles habe ich nicht geſehen, noch gefühlet, ſondern von Menſchen habe ich's gehöret. Darum wollt ichs nicht gläuben, es würde denn alles von neuem, vor meinen Augen alſo gemacht, gethan und gehandelt. So wäre ich denn allererſt ein rechter frei Geſell, auch von allen GOttes Gebo⸗ ten. Da wollt ich hin, ſpricht der Teufel, wenn ich könnte. Das heißt ein Grund gelegt der Wiedertaufe, auf daß nichts bleibe, weder im Himmel noch auf Erden. ) 17. So ſprichſt du: Haſt du doch ſelbſt geleh⸗ ret, man ſolle allein GOtt, und nicht Menſchen gläuben. Traun, in der Weiſe ſollteſt du mich wohl mit meinem eigenen Schwert ſchlagen. Weil du aber ſo zänkiſch biſt, ſo frage ich wieder: ob man GOtt auch ſoll gehorſam ſein, da er die El⸗ tern und Oberherrn gebeut zu ehren? Sageſt du: Ja, ſo antworte ich: wie weißt du denn, welche ſie ſind, wo du Menſchen gar nicht gläuben willt? *) O du lieber Lukher, ſollteſt du jetzt leben, ſo würdeſt du mit Erſtaunen ſehen, wit unſere jetzigen Lichtfreunde, Communiſten, Socialiſten und dergleichen Geſchmeiß wirk⸗ lich auf den von den Wiedertäufern gelegten Grund fort⸗ gebauet haben und nun conſequent behaupten, es ſei nichts mit Bibel und Chriſtenthum, denn ſie wären nicht dabei geweſen, wie dieſe Dinge geboren worden! D. R. 18⁷² Wie ſteheſt du nun? Es mangelt dir daran (ſehe ich wohl), daß du nicht willſt verſtehen, was Menſchen gläuben heißt, und plum⸗ peſt ſo hinein, wie Schwärmer pflegen.“) Darum höre zu: 18. Wenn man lehret, daß wir nicht ſollen den Menſchen gläuben, ſo meinet man freilich, daß ſie allein Menſchen für ſich, und nicht GoOtt bei ihnen ſei, das iſt, daß ſie reden als Menſchen von ihnen ſelbſt, ohne GOt— tes Wort und Werk, was ſie erdichten, und können ſolches weder mit GOttes Worten, noch Werken beweiſen. Denn wer wollt das Menſchenlehre heißen, die von GOTT durch Menſchen wird vorgetragen? Und wer wollt auch ſagen, daß ſolch gläuben an ſolche Lehre, hieße an Men⸗ ſchen, und nicht an GOtt gegläubet? Denn darum ſchilt St. Paulus die Menſchen⸗ lehre, Col. 2, 23., daß ſie nie geſehen habe, was ſie lehret; das iſt, es iſt erdichtet, was ſie ſaget, kanns auch nicht beweiſen mit einigem Wort oder Werk GOttes. Darum, wenn du höreſt, daß man Menſchen nicht ſolle gläu⸗ ben, ſo mußt du es verſtehen, daß da kein GOttes Wort noch Werk angezeigt noch be— weiſet wird, ſondern iſt ein lauter Menſchen⸗ gedicht, auf daß du einfältiglich (wie die Wort lauten) Menſchen gläuben ſcheideſt wider GOtt gläuben. 19. Nun ſiehe, wenn du geboren wirſt, das gehet nicht heimlich zu, wird auch nicht von Men⸗ ſchen erdichtet, ſondern es iſt GOttes Werk, das öffentlich an Tag kommt, und kein Menſch wider⸗ ſprechen kann. Und obs jemand widerſprechen wollte, wie die Juden ſich wider Chriſti Wunder⸗ zeichen unterſtunden, ſo hats doch keinen Beſtand. Denn es werden doch die andern obliegen, ſo das göttliche öffentliche Werk ſehen und zeugen, und den andern das Maul mit der That und Wahr⸗ heit ſtopfen. Denn GOttes Ordnung hie ſtark gehet, daß „in zweier oder dreier Zeugen Mund beſtehen alle Sachen“, 5 Moſ. 19, 15. Siehe, ſolchen Leuten muß man wahrlich gläuben, denn ſie zeugen das Werk GOttes, nem⸗ lich deine Geburt, und beweiſen, daß es von deinen Eltern komme. Dazu ſo nimmt ſich dein nie⸗ mand an, denn deine Eltern; ficht und arbeitet auch niemand für dich, ohn ſie alleine. Und ge⸗ hen alſo GOttes Weik ſo öffentlich, daß ſie nie⸗ mand widerſicht, auch kein Teufel noch Menſch, ſondern jedermann ſo gewiß weiß und bekennet, als er bekenn et, daß du lebeſt. 20. Siehe, das heißt nicht Menſchen, ſondern GoOtt gläuben: denn man dir GOttes Werk zeu⸗ get. Und Summa, wo man dir GoOttes Werk zeiget und zeuget, und nicht von Menſchen erdich⸗ tet iſt, und dazu weder vom Teufel noch Men⸗ ſchen widerſprochen wird, da gläubeſt du GOtt und nicht Menſchen: denn es iſt GOttes Werk, *) So geht es jetzt unſern lieben Unirten auch, welche ebenfalls ſagen, man dürfe keine Symbole neben der Bibel haben, denn man dürfe ja nicht „Menſchen gläuben“. * * das er ſo öffentlich darſtellet, daß auch der Teufel nicht dawider kann. 21. Daß aber etliche Kinder werden zuweilen verthan und weggeſchickt, und ihre Eltern nicht gewiß kennen ihr Lebenlang, das gibt dieſen Sachen nichts zu ſchaffen: denn wir reden hie von gemeiner göttlicher öffentlicher Ordnung. Solche Kinder aber werden unredlich, heimlich, und wider GOttes Ordnung gezeuget: darum iſts nicht Wunder, obs auch anders mit ihnen zugehe: und wie ſie heimlich gezeuget werden, alſo auch ihre heimliche Eltern nicht kennen mögen. Finſterniß iſts, Finſterniß mags bleiben, was der Teufel thut; aber GOttes Ordnung gehen im Licht. 22. Wenn du mich nun frageſt, warum ich gläube, daß der Mann und die Frau meine El⸗ tern ſind? ſo ſage ich zuerſt: Ich bin gewiß, daß ich ein GOttes Werk und Menſch bin, und muß ja Vater und Mutter haben, und bin nicht aus einem Stein geſprungen, weil GOtt 1 Moſ. 1, 28. ſpricht zu den Menſchen: „Wachſet und mehret euch.“ Daraus man muß ſchließen, daß alle Menſchen von Mann und Weib kom⸗ men, das iſt, Vater und Mutter haben. Welches er auch beſtätiget mit ſeinem Gebot, da er ſagt zu allen Menſchen 2 Moſ. 20, 12.: „Du ſollt Vater und Mutter ehren.“ (Chriſtus iſt billig dort und hie, als GOttes Sohn, ausge⸗ nommen.) Weil es nun gewiß iſt, daß ich Men⸗ ſchen zu Eltern habe, und nicht auf einem Baum gewachſen bin, ſo zwinget mich zum andern wei⸗ ter, daß ich gläube, der Mann und die Frau ſei es, die mir von Menſchen werden angezeigt, durch den Spruch 5 Moſ. 19, 15.: „In zweier oder dreier Zeugen Mund ſtehen alle Sachen.“ Damit zwinget mich GOtt, ſol⸗ chen Leuten zu gläuben. 23. Zum dritten iſt das Werk GOttes auch, daß ſich niemand in ſeinem Namen mein, als eines natürlichen Kindes, annimmt in aller Welt, denn dieſe zwei Menſchen, oder in ihrem Namen (ſo ſie todt ſind) die Freunde oder fromme Leute, und ſolches alles unwiderfochten bleibet, von Teu⸗ fel und Menſchen, wie ein ander öffentlich GOt⸗ tes Werk. Denn öffentliche GOttes Werke kann weder Welt noch Teufel anfechten; und ob ſie ſichs unterſtünden, iſts nichts. Aber GOttes Wort (weil das Werk noch verborgen iſt), das kann er meiſterlich anfechten. 24. Alſo, daß ich gläube, der Mann ſei mein Fürſt und Herr, iſt erſtlich die Urſach: GOttes Wort ſpricht Röm. 13, 1.: „Jedermann ſei der Obrigkeit unterthan.“ Daraus ich nehme, daß ich muß einen Oberherrn haben, und „unterthan“ ſein. Zum andern, weil alle Welt zeuget und ſaget, dieſer ſei es, und jedermann hält ihn dafür und niemand widerſprichis, als ein öffentlich Werk GOttes, ſo muß ich gläuben ſolchen Zeugen. Und obs jemand widerſpräche, ſo beſtehts doch nicht; jedermann ſpricht doch zu⸗ letzt: er leuget. Zum dritten, iſt das öffentliche Werk GOttes da, daß ſich mein ſonſt niemand als zum Unterthan annimmt, ich lebe unter ſei⸗ nem Schutz, Schirm, Recht und Friede, wie es