# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 08 03_S181 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Non tollit adversarius Verbum gregi beato. Adest ei potens Deus Cum Spiritu Sacrato. Corpus, omnia Auferat bona; Perfer exitum, Mox sentiet malum: Nobis quies parata. Billig war es, daß die zwiſchen den thätigen Sängerchören ſtehenden Kreuzritter, die als öffent⸗ liche Pfleger und Säugammen des Collegiums an dieſem Feſte ganz beſonders betheiligt waren, auch eine beſondere Auszeichnung erhielten. Herr P. Schieferdecker widmete ihnen eine herzliche Anſprache und ermunterte ſie zu rüſtigem Fort⸗ fahren in ihrem Streben durch das Andenken an den bereits von ihnen gewirkten Segen, den edlen Zweck, für den ſie ſich vereint: Wiſſenſchaft zu befördern, ja durch die Unterſtützung des Predigt⸗ amts unſterbliche Seelen mit retten und den ewi⸗ gen Frieden ihnen bringen zu helfen. Er erin⸗ nerte ſie an den eigenen Nutzen, der ihnen aus ihrer Arbeit erwachſe: Daß auch ihnen ſelbſt Prediger bleiben, wenn die alten dahingeſchieden; und den Gnadenlohn von dem, der einen Becher kalten Waſſers, in eines Jüngers Namen gereicht, nicht unbelohnt laſſe. Und wer wollte dieſem Jünglingsverein nicht von Herzen ein kräftiges Wachsthum, zahlreiche Verbündete auch an an⸗ dern Orten, und immer friſchen fröhlichen Eifer wünſchen? Möchten nur alle, die ſich für Walter von Habenichts halten, willig ſich einreihen in dieſe Schaar; ſie könnten hier Thaten thun, wahrlich nicht unedlere, als die jenes Helden, und bald würden Mangel und Noth der Con⸗ cordia-Studenten fliehen wie die Türken vor Löwenherz! — Zum Schluß legte Herr P. Bün⸗ ger in einem ernſten Dank- und Bittgebete die ganze Anſtalt innig in die Hände der barmherzi⸗ gen Liebe Gottes, daß Pflanzen und Begießen ein kräftiges Gedeihen krönen möge. Nach und nach verlor ſich die Menge unter den Klängen der Inſtrumentalmuſik, die von Zeit zu Zeit noch ihre harmoniſchen Töne in die Abendluft ſandte, während die zur Feier herbei⸗ gekommenen lutheriſchen Prediger aus der näch⸗ ſten Umgegend (es waren ihrer wohl fünfzehn) und einige andere Freunde bei den gaſtfreien Pro⸗ feſſoren ein fröhliches Mahl hielten. Auf den Vormittag des folgenden Tages wa⸗ ren die Gäſte zum Anhören der Schulreden ein⸗ geladen worden, die innerhalb des Gebäudes ſollten gehalten werden. — Der Saal war zur beſtimmten Stunde gedrückt voll. Man ſang das Lied: HErr IEſu, aller Menſchen Hort! No. 164 des St. Louiſer Geſangbuchs. Einer der Alum⸗ nen, Herr Eißfeldt, ſprach über das jetzt ſo ver⸗ achtete Studium der Theologie, das beſonders in Amerika ſo wenig Ausſicht auf irdiſche Beloh⸗ nung habe. Entſchieden jeglichen Zug nach ma⸗ teriellem Gewinn als unwürdig und ſchändend von der Tenne dieſes Studiums fegend, hieß er ſeine Commilitonen erquickende Blicke in dieſes Heiligthum thun, das nichts weniger ſei, als ein Sich⸗Verſenken in die göttlichen Tiefen der Of⸗ 180 fenbarung, ein Leben in den heiligſten Ideen und den erhabenſten Gedanken, welche die Glaubens⸗ artikel von der Dreieinigkeit, der Gottmenſchheit Chriſti, der Auferſtehung, der Kirche u. ſ. w. dem Forſcher in Fülle bieten. Sprache und Haltung war edel und man konnte es dem begabten Redner anſehen, daß er in der armſeligen Lage eines deutſchen lutheriſchen Predigers hier zu Lande, der auch er entgegenſieht, nicht den Muth ver⸗ lieren wird. — Der Rector des Gymnaſiums, Herr Gönner, hielt hierauf ein lateiniſches Gebet und behandelte ſodann in einer langen lateiniſchen Rede das reiche Thema von dem Nutzen und der unumgänglichen Nothwendigkeit der Kenntniß der alten Sprachen, und den nie verſiegenden vollen Quell des Schriftwortes der Kirche offen zu halten und die reine Lehre vor den immer erneuten Liſten des Satans zu retten. Wir hörten die Väter der Kirche hierüber ein⸗ ſtimmiges Zeugniß ablegen. — Hierauf erklang der alte Hymnus: Veni Creator Spiritus! die Feier beſchließend in den melodiſchen feierlichen Tönen des alten Rhythmus, und wer dieſe heili⸗ gen Herzſchläge der alten Kirche zu empfinden vermochte, fühlte, daß dieſe neuen amerikaniſchen Mauern innerhalb des Domes liegen, der, Jahr⸗ hunderte alt, den Heiligen Geiſt ſelbſt zum Bau⸗ meiſter und Schöpfer hat. So ſei denn, Concordia, dem gütigen Gott in Liebe befohlen! Er ſegne Dich aus der Höhe, aus Seinem Heiligthume! Wachſe in viel tauſend⸗ mal Tauſend und Dein Same beſitze die Thore Deiner Feinde! Die Kinder der Kirche tragen Dich auf dem Herzen; die Jeruſalem lieben, wünſchen Dir Glück. Wer Dich ſegnet, werde geſegnet immer und ewiglich! — Und die ihr einſt, ſchön begabt und geziert von einer reichen und freundlichen Mutter, austretet in's Feld, auf den Kampfplatz, bleibet Concordiales, Pfleger der Eintracht! R. L. Abhandlung von dem ſündlichen Kircheuſchlaf.“) Vorrede. Es wird nicht leicht Jemand leugnen dürfen, daß ſeit den Zeiten der heiligen Apoſtel und Jünger Chriſti kein ſchlimmeres Chriſtenthum geweſen iſt, denn leider das heutige iſt. Die dicke Finſterniß des Unglaubens hat die heutige Chri⸗ ſtenheit ſo ſtark überzogen, als zur Zeit des ver⸗ ſtockten Pharao in Egypten geſchah. Viele tau⸗ ſend fromme Chriſtenherzen ſeufzen über ſolchen Jammer und wünſchen dermaleinſt im Lande Goſen zu ſein und das Freudenlicht der herrlichen Erſcheinung des Sohnes Gottes zu ſehen, weil doch faſt keine Hoffnung übrig iſt und es von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr in der Chriſten⸗ heit immer ärger werden will. Viele ſchwere und verdammliche Hauptlaſter gehen unter den Chri⸗ ſten in Schwange, welche doch theils für keine *) Es iſt dieſe Abhandlung von dem bekannten Ahas- verus Fritſch, einem gottſeligen Juriſten des 17ten Jahrhunderts. Sünden, theils nur für geringe Sündenſplitter erkannt werden wollen. Einen großen Catalog ſolcher Sünden könnten wir hierher ſetzen, welche alle heutiges Tages faſt insgemein bei den Men⸗ ſchen in geringen Betracht kommen. Für dieſes Mal wollen wir nur mit Wenigem von dem faſt aller Orten ſehr gemeinen Kirchenſchlaf reden und deſſen Sündlichkeit nebſt einer treuherzigen Warnung vorſtellen. Das erſte Capitel. Von dem Kirchenſchlaf und deſſen Ur⸗ ſachen. Daß von Vielen heutigen Tages aus dem Gottesdienſte und Kirchengehen nur ein opus operatum gemacht werde, alſo daß man meinet, wenn das Werk an ihm ſelbſt verrichtet und der öffentliche Gottesdienſt in der Kirche gewöhn⸗ lichermaßen beſucht worden, ſo ſei es denn genug, ſolches iſt leider bekannt, und haben bisher viel fromme und gotteseifrige Prediger und Seelſorger darüber ſchmerzlich geklagt und geſeufzet. Ein bekannter vornehmer Theolog darf wohl öffentlich ſchreiben, daß die größeſten Sünden, gegen welche Ehebruch, Raub, Schelten und der⸗ gleichen nicht zu achten ſeien, in der Kirche ge⸗ ſchehen; denn, ſagt er, das Kirchengehen ohne Andacht, ohne Furcht, ohne guten Vorſatz, ohne Beſſerung, ja, mit Heuchelei und Sicherheit, mit beharrlicher Luſt zur Sünde iſt nichts anders, denn ein Geſpötte Gottes, eine rechte Greuel⸗ ſünde, eine erſchreckliche Bosheit. So haben wir nun Chriſten in der Kirche, aber in den Häuſern, Schenken, Raths⸗ und Gerichtsſtuben, in den Läden, auf Reiſen — Türken, Heiden, Atheiſten, Spötter, Spieler, Flucher, Hader⸗ katzen, Trunkenbolde, Hurer, Geizhälſe, Schin⸗ der und dergleichen. In die Zunft ſolcher ſchlimmer Kirchengänger gehören auch die Kirchenſchläfer, die ge⸗ wohnt ſind, unter der Predigt und dem Gottes⸗ dienſt zu ſchlummern, zu ſchlafen und zu ſchnar⸗ chen, und das theure Wort Gottes mit verſchla⸗ fenen Augen und Ohren dahin in die Luft tönen und ſchallen laſſen. Denn da ſiehet man in manchen Kirchen, wie die Leute haufenweiſe, zu dreißig, vierzig, funfzig, ja, wo große Gemeinden ſind, zu hundert und mehr, ſonderlich unter den Nachmittags⸗Predigten, in den Stühlen, auf den Em porkirchen, oder in andern Winkeln die Köpfe hängen von einer Seite zur andern, als die Trunkenen hin und her taumeln und wanken. Da ſchlafen manchmal zugleich Herr und Knecht, Frau und Magd, Mutter und Tochter, Lehrer und Schüler ꝛc. Der Prediger ſtudiret bis in die Nacht hinein, ſitzet und ſchwitzet manchmal darüber; er tritt auf die Kanzel, rufet, bis er heiſer und krank wird, damit er ja ſeinen Zuhörern das Wort des HErrn, die theure Seelen⸗ ſpeiſe, mit gutem Nachdruck beibringen und die⸗ ſelben im Glauben und Chriſtenthum wohl er⸗ bauen möge; die Kirchenſchläfer ſind aber nicht allein wie die vergeßlichen Hörer, die das ge⸗ predigte Wort zu einem Ohr ein- und zum an⸗ dern wieder auslaſſen, ſondern ſie verſchließen