# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 08 03_S179 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſich des geſegneten Unterrichts und Umgangs des ſeligen Spener, ſo wie Joachim Lange's zu er⸗ freuen, nöthigte ihn ein neuer Anfall ſeiner Krankheit, abermals von den Studien abzuſtehen und zu ſeinen Verwandten zurückzukehren. Und ſo kam dieſelbe Prüfung des Glaubens mehrere Male wieder. Wenn der eifrige Jüngling einige Monate mit aller Kraft und mit allem Ernſt den Studien obgelegen und auf den lieben, ernſten Beruf ſeines Lebens ſich vorbereitet hatte, da rief ihn Gott wieder von der Arbeit ab und verſetzte ihn auf mehrere Monate aus der hohen Schule der Wiſſenſchaften in die für ihn vielleicht noch höhere und geſegnetere der Krankheit. Je ſpar⸗ ſamer ihm aber die geſunden Tage zugezählt wa⸗ ren, deſto treuer hielt er mit ihnen Haus, und Auguſt Hermann Franke's, ſo wie der andern mit dieſem gleichgeſinnten Lehrer der Theologie in Halle Vorträge und Umgang waren an ſeiner Seele ſo geſegnet und fruchtbar, wie an wenig andern Seelen. Auch von Merſeburg und Er⸗ furt, wo er als Lehrer für das Reich ſeines lieben HErrn geſchäftig war, rief ihn Gott durch Krank⸗ heit ab. Es war jetzt auch ſeine jüngſte Schwe⸗ ſter geſtorben, und die älteſte Schweſter, die nur noch allein von ſeinen Geſchwiſtern lebte und welche einſt Mutterſtelle bei ihm vertreten hatte, bat ihn, bei ihr in Pulsnitz zu bleiben. Da wäre denn der Vorſatz, der aus dem Kleinmuth über die beſtändige Kränklichkeit in ihm ſchon einmal aufgekeimt war, vom Studiren ganz abzugehen, vielleicht zur That geworden, hätte Gott nicht durch die chriſtlichen Freunde in Halle den Ruf zum Miſſionswerk in Oſtindien an ihn ergehen laſſen und zu gleicher Zeit in ſeinem Herzen es ihm gewiß gemacht, daß dies das Tagewerk ſei, wozu er von Mutterleibe an von dem HErrn der Gemeinde verordnet und vorbereitet worden ſei. Am 15. October 1705 kam Ziegenbalg ſamt dem mit ihm zugleich zum Werke der Miſſionen berufenen Heinrich Plüſchau nach Copenhagen, wo dieſe beiden Jünglinge die Ordination em⸗ pfingen, hierauf in däniſche Dienſte aufgenom⸗ men wurden und am 29. November freudig in einem Schiffe, welches Sophie Hedwig hieß, ihre Seereiſe antraten. Schon auf dieſer Reiſe erfuh⸗ ren die Beiden öfters Gottes gnädige Hülfe und reiche Tröſtungen; noch auf dem Schiffe war ein Buch, Schule der wahren Weisheit betitelt, die Frucht ihres gemeinſamen Gebetes und Fleißes; geſund und fröhlich kamen ſie am 9. Juli 1706 in Tranquebar an. Hier war ihr erſtes Werk das Erlernen und die Uebung der portugieſiſchen und malabariſchen Sprache, in denen beiden ſie es durch Gottes Beiſtand bald ſo weit brachten, daß ſie nun ſelber im Stande waren, in ihnen das Evangelium zu verkündigen. Darauf bau⸗ ten ſie, ſchon im Sommer 1707, ein kleines Kirch⸗ lein, welches Jeruſalem genannt wurde, und worinnen jene armen Heiden ſich verſammelten, denen Gott das Herz aufthat zum Hören und Aufnehmen des Evangeliums. Ein Jahr ſpäter, am 17. October 1708, fühlte ſich unſer Bartho⸗ lomäus ſchon weit genug gefördert in der Erkennt— niß der malabariſchen Sprache und ſtark genug —178— im Glauben, um den Grund zu einem Werk zu legen, auf welches ſeine ganze Seele ſchon längſt ſich gefreut hatte: er fing an, das neue Teſtament ins Malabariſche zu überſetzen. Er griff dieſe Arbeit mit ſolcher Liebe und ſo brennendem Eifer an, daß er am 19. Oetober ſchon bis zum 23ſten Capitel des Matthäus vorgeſchritten war, als ihn Gott abermals, nicht nur wie vormals durch Krankheit, ſondern durch eine noch ſchwerere Prü— fung von ſeinem Werke abrief. Er wurde an dieſem Tage als Gefangener in das Caſtell ab⸗ geführt und daſelbſt eingeſperrt. Es hatten nem⸗ lich ſchon längſt die beiden treuen Verkündiger des Evangeliums durch ihren Ernſt und ihren Eifer in dem Beruf, den Gott ihnen aufgetragen, den Widerwillen und Haß jener vornehmen, in Oſtindien lebenden „Chriſten“ auf ſich gezo⸗ gen, deren Standes- und Chriſtenpflicht es ge⸗ weſen wäre, die Friedensboten auf alle Weiſe zu ſchützen und in ihrer Arbeit zu fördern. Dieſer Haß hatte jetzt alle Scheu vor Gott und Men⸗ ſchen abgelegt und ſeine Hand an den unſchuldi⸗ gen Bartholomäus gelegt, welcher vergeblich bat, daß man ihm wenigſtens verſtatten möchte, an ſeiner Ueberſetzung der heiligen Schrift im Ge— fängniß fortzuarbeiten. Wenn man aber auch dieſem armen Gefangenen IEſu Chriſti die Mög⸗ lichkeit benommen hatte, das Werk und Wort des HErrn mit Feder und Tinte zu betreiben: ſo konnte man ihm wenigſtens nicht verwehren, die⸗ ſes Wort und Werk unter Thränen und mit hei⸗ ßem Sehnen in ſeinem Herzen und mit ſeiner Zunge zu betreiben. Er hielt hier in ſeinem ſtil— len Gefängniß ohne Aufhören an im Gebet und Betrachtung des Wortes, und empfing dadurch nur um ſo größere innere Kraft zur nachmaligen äußeren Fortſetzung ſeines Werks. Auch ſchrieb er im Gefängniß zwei kleine deutſche Büchlein. Nach ſeiner Befreiung begab er ſich dann mit geſteigertem und durch Trübſal geläutertem Ver⸗ mögen an die Fortſetzung ſeiner Bibelarbeit und ſeines Lehrergeſchäftes. Die Ueberſetzung des neuen Teſtaments war vollendet, auch der münd⸗ liche Unterricht ſchien einige weitere Früchte zu verſprechen, da ſahe ſich Bartholomäus genöthigt, am 14. October nach Europa zu reiſen, um ſei⸗ nen dortigen obern Behörden die großen äußer— lichen Hinderniſſe, welche dem Miſſionswerk in Oſtindien entgegenſtünden, deutlich anzuzeigen und um Abhülfe zu bitten. Am 1. Juni 1715 landete er zu Bergen in Norwegen. Gott ließ ihn bei dem König und allen ſeinen Vorgeſetzten ein geneigtes Gehör finden und ſeine Reiſe in je— der Hinſicht für das Werk der Miſſionen geſegnet ſein. Auch ließ er ihn eine treue Lebensgefährtin und Gehülfin am Werk finden; denn die Tochter eines verſtorbenen Freundes, des Licentiaten Salzmann in Merſeburg, welche er in ihrer Kindheit mit andern Kindern zugleich unterrich⸗ tet hatte, entſchloß ſich, ihn als Hausfrau nach Oſtindien zu begleiten. Die Seereiſe dahin, auf einem engliſchen Schiffe, dauerte vom 4. März bis zum 10. Auguſt 1716 und glich nach einem Brief, den die Neuvermählte an ihre Freunde in Mit Freudenthränen und Lobgeſängen wurde das Land der ſchönen Berufung begrüßt, aus deſſen Zimmetwäldern der Duft von weither den Schiffenden entgegenkam. Bartholomäus begab ſich von neuem an ſein Werk der Bibelüberſetzung und vollendete unter Gottes Beiſtand einen Theil der hiſtoriſchen Bü⸗ cher des alten Teſtaments. Auch ließ ihn Gott nicht blos vielfache Rettungen aus Gefahren und ſeine gnädige Durchhülfe in mancher Noth erfah⸗ reu, ſondern auch an mancher Frucht ſeiner Ar⸗ beiten ſich erfreuen. Im Jahre 1718 war der Bau einer neuen Kirche beendet worden, darinnen er am 11. October die Einweihungspredigt über Jerem. 16, 19—21. hielt. Ja, der HErr, der von Kindheit an ſeine Stärke und ſeine Kraft und ſeine Zuflucht in der Noth geweſen, hatte ſich in allen Trübſalen ſeines bisherigen Lebens als ſein treuer Helfer bewährt, und wollte auch nun in der letzten und größeſten, in der Trübſal des Todes, ſein Troſt ſein und bleiben. Schon ſeit mehreren Monaten hatte er ſich kränklich gefühlt, doch hatte er noch am Weihnachtsfeſte 1718 und am Neujahrsfeſte 1719 ſein Amt als Prediger mit freudigem Geiſt, wenn auch mit ſchwachem Leibe, verſehen. Im Februar dieſes Jahres aber legte er ſich auf das Lager ſeines letzten Kampfes. Er hatte ſich zu dieſem durch den Genuß des heiligen Abendmahls geſtärkt, und noch einmal von den Gliedern ſeiner kleinen Ge⸗ meinde einen innig liebevollen Abſchied genom⸗ men, da nahte am 23. Februar 1719 des Mor⸗ gens frühe ſein letztes Stündlein. Um ſein Bette ſtunden und weinten die Freunde, welche hier im Lande der Fremdlingsſchaft die innigſte Liebe mit ihm verband; am heißeſten aber weinte die Arme, die nun hier im fernen Lande als Wittwe und einſame Mutter mehrerer Waislein zurück⸗ bleiben ſollte. Er aber tröſtete ſich und jene mit der Krone des Lebens, welche unſer nach dem vollbrachten guten Kampf des Glaubens wartet, mit der Hoffnung, daß wir ja bald da ſind, wo Er iſt, IEſus, unſere Liebe. Auf einmal, als die Augen ſchon zu brechen ſchienen, rief er aus: „Wie iſt mir doch ſo hell vor den Augen, als ob mir die Klarheit der Sonne hineinleuchtete!“ Hierauf begehrte er, daß man ihm das Lied: „JEſus, meine Zuverſicht“ ſingen und dazu auf dem Clavier ſpielen ſollte, und als das Lied geendet war und man ihn ſeinem Verlangen zu Folge aufrecht geſetzt hatte, da gab er unter dem Thränengebet der Seinigen den Geiſt auf. Ja, er hatte genug die Worte des 7. Verſes jenes Oſterliedes erfahren: „Was hier kränkelt, ſeufzt und fleht“; er ſollte nun auch erfahren, was das heiße: „wird dort friſch und herrlich gehen.“ Dies war das Ende eines der erſten Frie⸗ densboten der neuern Zeit in der lutheriſchen Kirche. (Von G. H. v. Schubert, nach Chriſt. Gerber bearbeitet.) Anmerkung. „In der Kirche zu Pulsnitz wird Sonntags für alle Heidenbekehrungsanſtal⸗ Europa ſchrieb, einer fröhlichen Spazierfahrt. ten oder Miſſionen gebetet, und zwar aus Ver⸗