# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 07 20_S170 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Mort und Authers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Belligirt von C. F. W. àWalther. Zahrgang 6. Hl. Louis, Mo., den 25. Zuni 1850. No. W. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wo vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In 8 n einmal für den jahrlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben t. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Nothwehr⸗Predigt über Offb. 3, V. 11., gehalten in der Kirche zu J. Sanet-Peter, in Straß⸗ burg, nachdem von Mümpelgardiſchen Pfarrern ver⸗ langt worden, daß das Bekenntniß der Reformation, das gute Bekenntniß (Augsburger Confeſſion), das unſere Väter unter viel Gebet⸗, Thränen- und Blut- Opfer abgelegt, unter die Bank ſolle geworfen werden. Die evangeliſch-lutheriſche Kirche, ſoll ſie, wie an manchen Orten Deutſchlands, abgethan wer⸗ den? Darüber freuen ſich ſchon antichriſtiſche Rotten, manche chriſtiſche Secten, und, mehr als Alle, gewiß auch der heilige Vater in Rom. „Recht ſo!“ tönt es von dort her, „nun ſeid ihr auf dem Wege; verwerfet das Bekenntniß der Refor⸗ mation (denn mit Gottes Wort zu widerlegen iſt es nicht); bald darf ich euch oder eure Nachkom⸗ men, bald euer Kirchenvolk wieder in meine Arme ſchließen.“ Das Volk nun, das bisher zu evangeliſch⸗ lutheriſchem Wort und Sacrament ſich bekannt hat, ſoll in eine bekenntnißloſe, allgemeine Welt⸗ Unions⸗Kirche eingepferchet werden. Das Be⸗ kenntniß und der Lehrkatechismus der Kirche Gottes (Hauptſtücke) ſollen dem Platz machen, was die Legion kleiner Propheten der letzten Zeit an „neuen Fündlein“ aus dem Eige⸗ nen gegraben haben. Das Bekenniniß ſoll weg, damit jeder ohne Scheu „ein anderes Evangelium“ (Gal. 1, 7—10.) lehren und predigen dürfte! Verſteht ſich, das Alles unter dem Namen „evangeliſch“. Der Lügner von Anfang muß ſich zu einem Engel des Lichts ver⸗ ſtellen (2 Cor. 11, 14.), darum wird die Ver⸗ führung zum Abfall in dieſen Spät-Zeiten der Kirche die ſchrecklichſte werden (2 Theſſ. 2, 10— 12.); er will auch Eine Heerde und Einen Hirten machen; vorerſt aber müſſe das Bekenntniß der Wahrheit, und mit ihm die Liebe zur Wahr⸗ heit weggeworfen, ſpäterhin aber das falſche, das lügneriſche Bekenntniß dem Ehriſtenvolke auferlegt werden. Darum „ſehet euch vor“ und Halte, was du haſt (Offenb. 3, 11.). Es iſt an der Zeit, da der HErr auch uns mit ſolchen und ähnlichen Worten anredet. Zu Jo⸗ hannes, dem apoſtoliſchen Seher, ſpricht Er von einer Gemeinde oder Kirche, welche das Wort behalten und da durch vor großer Ver⸗ ſuchung bewahret wird. In und mit dem Worte Gottes (dem ganzen und unverfälſchten) haben die zwölf Galiläer geſiegt; durch dasſelbige, indem ſie es gläubig bekannten, haben ihre Nach⸗ folger den „neuen Gehorſam des Glaubens“ über der vermoderten heidniſchen Unſitte aufgerichtet; mit dieſenn Worte hat es ein Luther gewagt und hinausgeführt; mit dieſem Worte allein, als Wolken⸗ und Feuerſäule durch die Wüſte, werden die Völker beſtehen können und vor beſtändigem Verirren bewahret werden. Die Zukunft liegt im Schooße der Kirche und ihrer Entwickelung, welche unter Jammer und Kämpfen Statt findet. Das jetzt lebende Geſchlecht durchdringt auch immer mehr die Ahnung von dem großen Kanpf, den der beſſere Theil desſelben in und mit der Kirche um ein heimliches, der Welt verborgenes Gna⸗ dengut zu beſtehen habe, welches, ginge es ver⸗ loren, dem armen Menſchenleben allen Werth, unſerm Daſein alle Bedeutung rauben würde. Kirche des Wortes, o höre des HErrn Ruf: „Halte, was du haſt.“ Was ſoll denn unſere Kirche halten, ſo feſt halten, daß es nicht geraubt werde? J. Sie ſoll halten das „Wort“ in Bekenntniß, Lehre und Leben. Wie ſie heißt, ſo iſt ſie auch. Evangeliſch nannten ſich, von Deutſchland aus, diejenigen, welche auf Grund des Bibelwortes gegen Un⸗ glauben und Aberglauben zur Zeit der Reforma⸗ tion proteſtirten. Jener Name kommt alſo vom Evangelium, das iſt, von der frohen Kunde her, nach welcher der heilige und gerechte Gott Sün⸗ der durch JEſum Chriſtum, den um unſrer Sünde willen Gekreuzigten, von ihren Sünden ſelig machen will. Doch, gleich wie die Benennung „chriſtliche“ Kirche, bei dem Babelbau chriſtiſcher und anti⸗ chriſtiſcher Secten mißbraucht und mißverſtanden wird, ſo geht es auch jenem Worte. Evangeliſch nemlich nennen ſich auch diejenigen, welche ein falſches Evangelium wollen, ohne Buße und Vergebung der Sünden im Namen und im Blute IEſu. Evangeliſch nennen ſich in Deutſch⸗ land und Amerika auch diejenigen, welche nicht an den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Geiſt, glauben; welche das natürliche Verderben der Menſchen leugnen; welche den Sohn Gottes als wahrhaftigen Gott verwerfen, und die Recht⸗ fertigung des Sünders vor Gott, allein durch den Glauben an IEſum Chriſtum, verläſtern. Evangeliſch ſind auch die Wiedertäufer, obgleich ſie in ihrer Lehre manches Irrige, ja Verderbliche haben, das die Kirche Gottes, als der geiſtliche Menſch, in der Augsburgiſchen Confeſſion durch Gottes Wort gerichtet hat. Evangeliſch ſind insbeſondere auch die vielen reformirten Kirchen und Secten in England, Amerika und an dern Orten, und dennoch ſind wir nicht mit ihnen evangeliſch wiedertäuferiſch, quä⸗ keriſch, biſchöflich, presbyterianiſch, methodiſtiſch; ja wir ſind eben in dieſem Sinne auch nicht evangeliſch⸗reformirt. Zwar freuen wir uns über alle theilweiſe Wahrheit in Bekennmiß und Leben der Gläu⸗ bigen, und wiſſen, daß es viele Kinder Gottes unter Jenen gibt. Aber auch Leid haben wir, daß ſie an etlichen Hauptſtücken Mangel haben, weil, bald mehr, bald weniger, der Rathſchluß Gottes, Sünder ſelig zu machen, nicht rein bekannt, und auch die Sacramente nicht laut des Evan⸗ gelii gereicht werden. Um nun der Sprachverwirrung und der fal⸗ ſchen, babyloniſchen Vereinigung (Union) zu begegnen, tragen wir, außer dem Namen evan⸗ geliſch, noch den Beinamen „lutheriſch'. Das will nicht heißen, daß wir in dem Wittenberger „Madenſack“, wie Luther ſich ſelbſt nennt, etwas Anderes als einen begnadigten Sünder erkennen; die evangeliſch⸗lutheriſche Kirche ſpricht ihm nicht Alles nach, was er, beſonders in den erſten Jah⸗ ren ſeiner Erweckung, geſagt hat. Aber was er in dem kleinen und großen Katechismus und in der Augsburgiſchen Confeſſion bekannt hat, — dem Teufel des neunzehnten Jahrhunderts und