# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 06 18_S83 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 83 Hause und zum h. Priesterthum, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind, durch JEsum Christum." 1 Pet. 2, 5. Daher bekennen wir, daß die Kirche sei „Eine heilige," und die Gemeinschaft der Heiligen." Diese Eine wahre Kirche ist an kein Volk gebunden, von keinem Ort und von keiner Zeit begrenzt; sie besteht unter allen Himmelsstrichen, war und wird sein zu allen Zeiten, und ist vereinigt durch Eine Wahrheit und Einen Glauben, den sie bekennt, durch Einen Geist, der in ihr wohnt, durch Ein Haupt und Einen HErrn, der sie regiert, durch Eine Hoffnung, zu welcher sie berufen ist. Denn also spricht St. Paulus: „Wir sind durch Einen Geist alle zu Einem Leibe getauft, wir seien Juden oder Griechen (Heiden), Knechte oder Freie, und sind alle zu Einem Geiste getränkt." 1 Cor. 12, 13. Dasselbe bezeugt Johannes, wenn er spricht: „JEsus sollte sterben für das Volk, und nicht für das Volk allein, sondern daß er die Kinder Gottes, die zerstreut waren, zusammenbrächte." Joh. 11, 51. 52. Daher bekennen wir eine „katholische," d. i. allgemeine, christliche Kirche und eine „Gemeinschaft (aller) Heiligen." Dieselbe ist nun nicht eine sichtbare Anstalt, wie ein Staat, sondern ein unsichtbares Reich, ein in den Herzen der Menschen von Gottes Geist aufgerichteter geistlicher Bau. Denn also spricht Christus von seiner Kirche: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Joh. 18, 36. „Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Geberden. Man wird auch nicht sagen: Siehe hier, oder da ist es. Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch." Lucas 17, 20. 21. Hieraus ist unwidersprechlich, daß die wahre Kirche Christi eigentlich nie sichtbar ist. Es kann auch nicht anders sein, denn da nur wahrhaft gläubige wiedergeborne Christen Glieder der Kirche sind, so kann Niemand sagen: diese oder jene Leute sind die Kirche; denn jeder soll und kann wohl, was ihn selbst betrifft, gewiß werden und sein, daß er in Christo, und Christus in ihm sei; aber untrüglich gewiß kann Niemand über irgend einen andern Menschen sein, ob derselbe ein Kind Gottes, ob er also ein lebendiger Stein des geistlichen Hauses Gottes oder der Kirche sei. Wie denn Salomo sagt: „Gott allein erkennt das Herz der Menschenkinder," 2 Chron. 6, 30. und St. Paulus: „Der feste Grund Gottes bestehet, und hat dieses Siegel: Der HErr kennt die Seinen." Daher bekennen wir: „Ich glaube seine Kirche;" der Glaube ist aber „eine gewisse Zuversicht deß, das man hoffet, und nicht zweifelt an dem, das man nicht siehet." Ebr. 11, 1. — In Uebereinstimmung hiermit spricht der sel. Luther: „Darum bekennen wir recht im Glauben, da wir sagen: wir glauben eine h. christliche Kirche; denn sie ist unsichtbar, lebet im Geist, an einer Stätte, dahin Niemand kommen kann." (L. W. H. VIII, 2745.) Luthern folgend schreibt auch J. Gerhard in seinen Locis theologicis: „Wir sagen, daß die wahre, heilige und katholische (allgemeine) Kirche immer unsichtbar sei, auch selbst zu dieser Zeit, wo das wieder angezündete Licht des Evangeliums in vielen Reichen und Provinzen auf das hellste leuchtet." Art. XXIII. § 69. Nachdem wir nun diese vier Hauptpuncte in der Lehre von der Kirche in's Auge gefaßt haben, so haben wir nun, um die heil. Schrift recht zu verstehen, wo sie von Kirche redet, auch noch dieses zu merken, daß außerdem in der Schrift sowohl die sichtbare Gesammtheit aller äußerlich Berufenen, als auch einzelne sichtbare Gemeinschaften (Particularkirchen), in welchen das Evangelium sammt den heil. Sacramenten gehandelt wird, mit dem Worte „Kirche" in einem uneigentlichen Sinne bezeichnet werden; darum nämlich, weil in dem Haufen der Berufenen die Kirche oder die Gläubigen und Auserwählten enthalten, und zwar nur da zu suchen sind. In diesen sichtbaren Gemeinschaften gibt es aber viele, welche nicht zur Kirche gehören, denn der HErr spricht: „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt." In der Kirche der Berufenen gibt es Heuchler, Ungläubige, Unheilige, Ketzer und Secten. So redet z. B. St. Paulus die corinthische Gemeinschaft mit den Worten an: „Der Gemeine (oder Kirche) Gottes zu Corinth;" und doch straft er in dem ganzen Briefe an sie, daß sich unter ihr nicht nur Spaltungen (Separatisten), sondern auch ein Blutschänder (1 Cor. 5, 1. ff.) Rotten oder Secten (11, 19), ja Ungläubige (15, 1. 2.) und die von Gott nichts wüßten (15, 34.), befänden! Hieraus sehen wir, wenn die ganze getaufte Christenheit die christliche Kirche, oder wenn eine Versammlung von Menschen in einer Provinz, oder in einer Stadt, oder in einem Hause eine Kirche genannt wird, so geschieht dies nach der Ausdrucksweise, die man synecdoche nennt, d. h., man legt dem Ganzen bei, was nur von einem Theile desselben gesagt werden kann und was auch von diesem allein gelten soll. Diese Ausdrucksweise kommt in der Schrift sehr häufig vor. Es bleibt daher trotz dieser Redeart der Bibel nichts desto weniger fest stehen, daß die wahre Kirche Christi eigentlich ein unsichtbares geistliches himmlisches Reich auf Erden ist, daß sie allein aus wahren Christen besteht und allein von ihnen gebildet wird. Daher sagt die Augsburger Confession im achten Artikel gar recht: „Die christliche Kirche eigentlich nichts anderes ist, denn die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen;" und die Apologie im siebenten Artikel: „Wenn man eigentlich reden will, was die Kirche sei, muß man von dieser Kirche sagen, die der Leib Christi heißt, und Gemeinschaft hat nicht allein in äußerlichen Zeichen, sondern die Güter im Herzen hat, den heil. Geist und Glauben. Denn man muß ja recht eigentlich wissen, wodurch wir Gliedmaßen Christi werden, und was uns macht zu lebendigen Gliedmaßen der Kirche. Denn so wir würden sagen, daß die Kirche allein eine äußerliche Polizei wäre, wie andere Regimente, darinnen Böse und Gute wären ꝛc., so wird Niemand daraus lernen, noch verstehen, daß Christi Reich geistlich ist, wie es doch ist, darinnen Christus inwendig die Herzen regiert, stärket, tröstet, den heil. Geist und mancherlei geistliche Gaben austheilt." Noch deutlicher redet hiervon Luther in seinem großen Katechismus, in der Erklärnng der Worte: „Gemeinschaft der Heiligen". „Das ist eben die Meinung und Summa von diesem Zusatz: Ich glaube, daß da sei ein heiliges Häuflein und Gemeine auf Erden, eiteler Heiligen, unter einem Haupte, Christo, durch den heil. Geist zusammenberufen, in Einem Glauben, Sinne und Verstand, mit mancherlei Gaben, doch einträchtig in der Liebe, ohne Rotten und Spaltung." — Spricht man: Sagt aber Christus nicht deutlich, daß das Himmelreich gleich sei einem Acker, auf welchem Unkraut und Weizen wachse? So antworten wir mit unserer Apologie, daß der HErr deutlich sagt: „Der Acker ist die Welt," nicht die Kirche! Matth. 13, 38. Bei einer solchen Darstellung der Kirche sagen freilich die Papisten, wir Lutheraner machten aus derselben eine Platonische Republik, das heißt, eine schöne, heilige und reine Kirche, die nirgends als in unseren Gedanken existirte; aber so kann nur geistlicher Unverstand reden. Es gibt nicht nur in Wahrheit eine heil. Gemeine der Gläubigen, die durch die ganze Welt zerstreut, aber durch Einen Glauben und Einen Geist innig verbunden ist, sondern es gibt auch deutliche Merkmale, durch welche sie erkennbar, oder wie man sonst spricht, sichtbar wird; wie die Seele, obgleich sie nie gesehen werden kann, doch ihr Vorhandensein deutlich kund gibt. Diese Kennzeichen sind das Wort Gottes und die heil. Sacramente, denn Wort und Sacramente sind nicht nur die Mittel, durch welche allein die Kirche gestiftet und erhalten wird, sondern auch der ihr anvertraute Schatz, den sie allein verwaltet, bewahrt und anderen überliefert; daher sie auch ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit genannt wird. 1 Tim. 3, 15. Wie jener Stern den Weisen aus dem Morgenlande das Haus zeigte, in welchem das Christkindlein lag, so zeigt das Himmelslicht des Wortes Gottes das Haus, in welchem Christus wohnt, nämlich die Kirche. Wie Christus einst nicht aus einem äußeren Glanze seiner Erscheinung erkannt werden konnte, sondern allein aus den Weissagungen in den Schriften der Propheten, so wird auch noch jetzt die Kirche, welche sein geistlicher Leib ist, allein aus dem Worte erkannt. Wir halten es für unnöthig, dies hier weiter auszuführen, indem wir diesen einzelnen Punct bereits in No. 6 unseres Blattes ausführlich behandelt haben. Die Reinheit des Wortes hat nun zwar, was die Predigt desselben in der Kirche betrifft, zu verschiedenen Zeiten ihre verschiedenen Stufen, daher auch die Kirche in der Schrift mit dem wechselnden Monde verglichen wird. (Hohelied 6, 9.); selbst die Glieder der wahren Kirche oder die Christen bauen daher oft auf den rechten Grund, das ist, auf Christum und den Glauben, auf den sie gebaut sind, nicht lauter „Gold, Silber und Edelsteine" bewährter Lehren, sondern auch „Holz, Heu und Stop⸗