# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 05 28_S154 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lntheraner. „Gottes Mort und Juthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der dentſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.“ Belligirt von C. F. W. Walther. Zahrgang 6. 5t. Louis, No., den 28. Mai 1850. No. 20. Bevingungen: Der Lutheraner erſcheint alle vorauszubezahlen und das Poſtgeld R Nuyur die Briefe, welche enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Waither, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. (Eingeſandt von P. Gruber.) Ehrengedächtniß des ſeligen Herrn Gotthold Heinrich Löber, treuverdien ten Paſtors der evang.⸗Iuth. Gemeinde zu Altenburg, Perry Co., Mo., geſtorben am 19. Auguſt 1849. (Schluß.) Der HErr hatte unſern Löber mit ſchönen Ga⸗ ben geſchmückt, damit er ihn auch mit viel Segen ſchmücken möchte. Sein Temperament beſtand in einer glücklichen, durch die Gnade geheiligten Miſchung des Melancholiſchen und Sanguini⸗ ſchen, verbunden mit etwas Phlegma. Die Ge⸗ brechen des einen Temperaments wurden durch die Vorzüge des andern zurückgedrängt, und durch des Heiligen Geiſtes Gnadenwirkung wur⸗ den die Mängel aller gebeſſert, die Vorzüge aller geheiligt und verklärt. Die Sorglichkeit und Aengſtlichkeit des melancholiſchen Tempera⸗ ments wurde in eine zärtliche, gewiſſenhafte Lie⸗ besſorge für das Heil der anvertrauten Seelen, die veränderliche Vielgeſchäftigkeit des Sanguini⸗ ſchen in eine unermüdete, geordnete und geregelte Thätigkeit, die Ruhe des Phlegma in heitre Gott⸗ gelaſſenheit und nüchterne Beſonnenheit veredelt. Sein Gedächtniß behielt treu, was einmal auf⸗ genommen war; ſeine Urtheilskraft ſchied lang⸗ ſam, aber deſto ſchärfer das Wahre von dem Falſchen; ſeine Willenskraft zeugte von großer Energie, wenn es galt, Schwierigkeiten zu über⸗ winden. Er war zum Seelſorger geboren und die praktiſche Theologie ſein eigentliches Ele⸗ ment, obwohl ihm die ſpeculative weder unbe⸗ kannt noch gleichgültig war. Denn ſeine Pre⸗ digten, in denen früher das Strafen und Er⸗ mahnen etwas zu ſehr vorgeherrſcht hatte, ent⸗ hielten ſpäter den ganzen Glaubensgrund Rs Evangeliums rein, deutlich, einfach und kräftig. Es fand ſich darin das Wort der Wahrheit recht ausgetheilt und recht geſchieden, das Geſetz in ſeiner ganzen Schärfe, das Evangelium mit allen Schätzen des Heils, der neue Gehorſam in allen Beziehungen des Lebens durch alle Hebel der Gnade aufgerichtet und gefördert. Die frü⸗ her angewandten künſtlichen Mittel, Intereſſe zu erregen durch pikant ausgedrückte Themata, ließ er ſpäter gänzlich fallen und begnügte ſich, die einzelnen Lehren unſeres heiligen Glaubens nach Sprüchen der heiligen Schrift einfach abzuhan⸗ deln oder einzelne Sprüche gründlich und erbau⸗ lich auszulegen. Er war bemüht, nichts zurück⸗ zuhalten, nichts einſeitig zu treiben und über die geſammten Glaubenslehren und Lebenspflich⸗ ten faßlichen und eindringlichen Unterricht zu er⸗ theilen. Die meiſten Predigten ſchrieb er wörtlich auf, und bereitete ſich mit großer Gewiſſenhaf⸗ tigkeit, oft Nächte durchſitzend, auf alle ſeine Predigten vor. Doch band er ſich nicht immer an das Concept, daher ſie bisweilen länger dauerten, als ihm ſelbſt lieb war. Seine Stimme war ſtark und durchdringend, ſeine Action lebhaft, aber nie die heiligen Schranken überſchreitend. Der Geiſt der Andacht und Gottesfurcht belebte ſeine liturgiſchen Verrichtungen, bei denen er durch ſeine ſchöne Tenorſtimme noch beſonders unterſtützt wurde. Auch die Lämmer Chriſti recht und wohl zu weiden, war er trefflich begabt. Den Unterricht der Confirmanden und die kirchlichen Examina ließ er ſich ſehr angelegen ſein und wußte ſich mit Gewandtheit und freundlicher Milde zu der Faſ⸗ ſungskraft der Jüngern und Schwachen herabzu⸗ laſſen. Die Aufſicht über die Schule übte er durch bisweilige Beſuche, Theilnahme am Un⸗ terricht und Beſprechung mit den Lehrern. Mit allen ſeinen Schullehrern lebte er in Frieden und Eintracht, ſo viel es ihm nur möglich war. Seine ſchönen Kenntniſſe in dem ganzen Worte Gottes, das ihm durch tägliches Leſen, Betrach⸗ ten und Lehren ſehr bekannt war, in den alten Sprachen, in der grammatiſchen und praktiſchen Exegeſe, darin er mit viel Scharfſinn den Sinn einzelner Schriftſtellen zu ermitteln und anzu⸗ wenden begabt war, in der Dogmatik, da er faſt in alle Glaubenslehren durch innere und äußere Kämpfe ſich hineingelebt hatte, in der Kirchen⸗ und Weltgeſchichte, die er vorzüglich liebte, in der Homiletik, Paſtoralik, Liturgik und Caſui⸗ ſtik, welche letztere er aus natürlicher Neigung und Drang der Umſtände fleißig trieb, in der Geographie, Mathematik und Aſtronomie, in der deuiſchen Sprache und ihren Schätzen, alle dieſe Pfunde ſchöner Kenntniſſe wandte er als guter und treuer Haushalter nicht zu ſeiner Ehre und Nutzen, ſondern zum Unterricht der zum Predigtamt heranzubildenden Jünglinge und zum Beſten der Kirche an. Daß er die Gabe der Lehrhaftigkeit in reichem Maße beſaß, zeigte ſich auch bei dieſem Unterricht. Er hielt nicht blos die Lehrſtunden, ſondern wußte auch jede Erholungsſtunde, jeden Spaziergang, ja jede Mahlzeit durch lehrreiche Geſpräche mit ihnen, ſo wie durch belehrende Erzählungen aus dem rei⸗ chen Schatze ſeiner Erfahrung und Lectüre zu würzen. Gern vergönnte er ihnen auch die nö⸗ thige Leibeserholung, nahm wohl ſelbſt an einem Geſellſchaftsſpiel Theil und hielt dabei die Herzen und Zungen in den nöthigen Schranken. Junge Leute durch mannigfache, zweckmäßige, ihnen ſelbſt angenehme Arbeiten und Aufgaben zu be⸗ ſchäftigen, dazu beſaß er eine beſondere Erfin⸗ dungskraft. Oft ließ er auch gute deutſche Gedichte auswendig lernen und declamiren, deren Inhalt in Proſa übertragen und gab ihnen Stoff zu Uebungen in der Dichtkunſt. Seine Ehe⸗ gattin und Freunde erfreute er bisweilen mit einem poetiſchen Erguß an ihren Geburtstagen. Dem tiefſten Innern ſeines Gemüths entquollen iſt das Gedicht über die wegziehenden Kraniche in den allererſten Blättern des Lutheraners. Wie ſein Mund mit lieblicher Rede begabt, ſo war auch ſeine Hand bereitet, der Griffel eines guten Schreibers zu ſein. Er wußte ſich leicht und fließend, vorſichtig und geſchickt bei allem, was er niederſchrieb, auszudrücken. Briefe zu ſchreiben war ihm faſt mehr Erholung als Arbeit. Die Anzahl der von ihm geſchriebenen Briefe mag wohl weit in die Tauſende reichen. Auch in dem kleinſten Billet konnte man ſeine aufrich⸗ tige Liebe, ſeine zarte Gewiſſenhaftigkeit und ſtrenge Pünktlichkeit, ſein zu Gott allezeit gerich⸗ tetes Herz erkennen. Hätte er der Welt ge⸗ dient, ſo könnte er wohl ein berühmter Diplomat