# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 01 08_S152 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) römiſche Kirche lehrt, es ſei geſchrieben oder nlht. Welch eine Begriffsverwechslung, welch eine Unwiſſenheit, oder aber welch eine große Bosheit. Da Herr Theophilus unirt iſt, wollen wir zu ſei⸗ nem Beſten annehmen, daß er den Unterſchied zwiſchen Tradition und Symbolen gar nicht kennt; aber dann hätte er ſich, wenn er anders ſelbſt ein ſo demüthiger Chriſt ſein will, als er am Herrn Weyl rühmt, nicht in einen Streit über ihm unbekannte Dinge einlaſſen und nicht ſo großſprecheriſch ſein ſollen. Und wie konnte er ſo gewiſſenlos die Concordienformel verläſtern, deren erſte Seite er demnach nicht geleſen hat. Dort heißt es nämlich im Eingang wörtlich alſo: „Wir glauben, lehren und bekennen, daß die einige Regel und Richtſchnur, nach welcher zu⸗ gleich alle Lehren und Lehrer gerichtet und geur⸗ theilt werden ſollen, allein die prophetiſchen und apoſtoliſchen Schriften Alten und Neuen Teſta⸗ mentes ſeien, wie geſchrieben ſteht: Dein Wort iſt meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege, Pſ. 119, 105.; und St. Paulus: Wenn ein Engel vom Himmel käme, und predigte an⸗ ders, der ſoll verflucht ſein, Gal. 1, 8. — Andere Schriften der alten und neuen Lehrer aber, wie ſie den Namen haben, ſollen der heiligen Schrift nicht gleich gehalten, ſondern alle zumal mit ein⸗ ander derſelben unterworfen und anders oder wei⸗ ter nicht angenommen werden, denn als Zeugen, welcher Geſtalt nach der Apoſtel Zeit und an welchen Orten ſolche Lehre der Propheten und Apoſtel erhalten worden iſt. — Und nachdem gleich nach der Apoſtel Zeit, auch noch bei ihrem Leben, falſche Lehrer und Ketzer einge⸗ riſſen und wider dieſelbigen in der erſten Kirche Symbole, d. i. kurze runde Bekenntniſſe, geſtellt worden ſind, welche für den einhelligen, allgemei⸗ nen chriſtlichen Glauben und das Bekenntniß der rechtgläubigen und wahrhaftigen Kirche gehalten wurden, nemlich das apoſtoliſche Symbol, das nicäniſche Symbol und das des Athanaſius, ſo bekennen wir uns zu denſelben und verwerfen hiermit alle Ketzereien und Lehren, ſo denſelben zuwider in der Kirche Gottes eingeführt worden ſind. — So viel aber die Trennungen in Glau⸗ bensſachen belangt, die zu unſern Zeiten einge⸗ fallen ſind, halten wir für den einhelligen Con⸗ ſens und Erklärung unſeres chriſtlichen Glaubens und Bekenntniſſes, beſonders wider das Pabſt⸗ thum und deſſen falſchen Gottesdienſt, Abgötterei, Aberglauben und andere Secten, als unſer Sym⸗ bol in dieſer Zeit die erſte ungeänderte Augsbur⸗ giſche Confeſſion, die Kaiſer Karl dem Fünften zu Augsburg im Jahre 1530 in der großen Reichsverſammlung übergeben wurde, ſammt der⸗ ſelben Apologie und den Artikeln, die zu Schmal⸗ kalden im Jahre 1537 geſtellt, und von den vor⸗ nehmſten Theologen damals unterſchrieben wor⸗ den ſind. Und weil ſolche Sachen auch die gemeinen Laien und derſelben Seelen Seligkeit betreffen, bekennen wir uns auch zu dem großen und kleinen Katechismus Dr. Luthers, wie ſolche beide Katechismen in den Werken Luthers ver⸗ faßt ſind, als zu der Laien Bibel, darin alles be⸗ griffen iſt, was in der heiligen Schrift weitläufig gehandelt wird und einem Chriſtenmenſchen zu ſeiner Seligkeit zu wiſſen von Nöthen iſt. Nach dieſer Anleitung, wie oben vermeldet, ſollen alle Lehren angeſtellt, und was derſelben zuwider, als unſers Glaubens einhelliger Erklärung entgegen, verworfen und verdammt werden. — Solcher 151 Geſtalt werd der Unterſchied zwiſchen der Heiligen Schrift Alten und Neuen Teſtaments und allen andern Schriften erhalten, und bleibt allein die heilige Schrift der einige Richter, Regel und Richtſchnur, nach welcher, als dem einigen Pro⸗ bierſtein, alle Lehren erkannt und beurtheilt wer⸗ den ſollen und müſſen, ob ſie gut oder bös, recht oder unrecht ſeien. — Die andern Symbole aber und angezogenen Schriften ſind nicht Richter, wie die heilige Schrift, ſondern allein Zeug⸗ niſſe und Erklärung des Glaubens, wie jederzeit die heilige Schrift in ſtreitigen Artikeln in der Kirche Gottes von den damals Lebenden ver⸗ ſtanden und ausgelegt und derſelben widerwärtige Lehre verworfen und verdammt worden ſind.“ — Ach, daß doch Herr Theophilus das erſt geleſen und verſtanden hätte, ſo hätte er ſich ſeine kühne Herausforderung erſparen können, ſo wüßte er doch, was Symbole ſeien, und könnte höchſtens noch darüber ſtreiten, ob die heilige Schrift in den lutheriſchen Symbolen auch wirklich recht ver⸗ ſtanden und aufgefaßt ſei. Und ſo er dann die einzige Regel und Richtſchnur, das geſchriebene Gotteswort, gewiſſenhaft an unſer Bekenntniß legen und den Heiligen Geiſt um Erleuchtung bitten würde, ſo könnte er doch noch zur Erkennt⸗ niß ſeiner unirten Irrthümer kommen und würde noch verſtehen lernen, warum wir uns zu unſern Symbolen verpflichten, nemlich weil ſie mit dem einigen geſchriebenen Worte Gottes überein⸗ ſrimmen, und warum wir wider die falſche Lehre der Unirten und Reformirten zeugen, nemlich weil ſie mit der heiligen Schrift nicht überein⸗ ſtimmt und deshalb falſch iſt. So würde er auch erkennen müſſen, daß er mit ſeinem erſten Schluß⸗ ſatz wider uns nur ſeine Unwiſſenheit geoffenbaret, keineswegs aber uns einfältige Lutheraner in Verlegenheit geſetzt hat. Nein, Herr Theophilus, die Schuld, warum wir den unirten und refor⸗ mirten Irrthum verdammen, liegt nicht an unſe⸗ rer inconſequenten Verdammungsſucht, ſondern weil in der Schrift geſchrieben ſteht: das iſt mein Leib, weil alſo die Reformirten der kla⸗ ren Schrift widerſprechen, die Unirten aber noch ſchlimmer ſind und darüber ganz und gar ſchwei⸗ gen und mit Pilatus fragen: was iſt Wahrheit? — Daruach zerfällt auch der zweite Schlußſatz in ſein Nichts. Hr. Theophilus hat nemlich in gewiſ⸗ ſer Siegeshoffnung vorher ſchon poſaunt, was er uns antworten wolle, wenn wir aus Scheu, für Römiſche zu gelten, die heilige Schrift als einzige Regel und Richtſchnur der Lehre anerkennen wür⸗ den. Er ruft uns zu: laßt uns denn allen (ver⸗ ſtehe: Unirten, Reformirten ꝛc.), die dieſe Richt⸗ ſchnur redlich annehmen, die Hand zum Frieden reichen, dem Unglauben nicht länger zum Spott und zur Nahrung dienen, und keiner Kirche, die dieſes thut, den Namen einer chriſtlichen Kirche abſprechen. O Theophilus, hätteſt du doch ge⸗ ſchwiegen! Wir haben ja mit den Unirten und Reformirten nur deswegen Streit, weil ſie eben die heilige Schrift als Richtſchnur des Glaubens und Lehre nicht redlich annehmen, und ſie haben dieſen Streit erregt und hegen ihn. — Was ſonſt noch in dem Sendſchreiben des Hrn. Theo⸗ philus vorkömmt, nemlich ſeine grobe Verſündi⸗ gung gegen das 8. Gebot, da er böſe, zweideutige und verleumderiſche Gerüchte über uns in die Welt ausſtreut, und uns hintendrein erſt fragt, ob ſie auch wahr ſeien, das wollen wir in ſeine unirte Verblendung und in ſeine irrende Liebe zu den Unionsbrüdern mit einrechnen, und Gott für ihn um Vergebung und um Erleuchtung bit⸗ ten. — Schließlich erſuchen wir ihn, unſern auf⸗ richtigen „Lutheraner“ von St. Louis nicht wie⸗ der einen Halbbruder des Weyl'ſchen Kirchenboten zu nennen. Die einfaluge nrubenige lutheriſche Kirche weiß von ſolchen halben Bruderſchaften nichts. Daß aber Hr. Weyl nicht lutheriſch ſei, beweiſ't er auch dadurch wieder klärlich, daß er ſich darum loben läßt, die Unterſcheidungslehren zwiſchen den Lutheriſchen und zwiſchen den Re⸗ formirten und Unirten für Neben ſätze anzu⸗ ſehen, während doch ſchon im kleinen Katechismus Lutheri z. B. vom heiligen Abendmahl bekannt⸗ lich im ſechsten Hauptſtück gehandelt wird, und das auf Grund der Schrift, ſintemal das Sacra⸗ ment des Altars ein ſeliges Gnadenmittel iſt, und deshalb ein Irrthum, der die ſchriftmäßige Lehre vom heiligen Abendmahl untergräbt, von jedem einfältigen chriſtgläubigen Menſchen als ein ſeelengefährlicher erkannt werden muß.ͥ — Auguſt Crämer. (Eingeſandt.) Ein Geſpräch über Californien. A. „Was nicht aus dem Glauben kommt, das iſt Sünde.“ (Röm. 14, 23.) Glaubſt du das? . Ja freilich. Welcher Chriſt wird das leug⸗ nen? A. Iſt das dein ganzer voller Ernſt? B. Warum zweifelſt du? A. Weil du nach Californien gehen willſt. B. Nun, kann man denn dahin nicht auch im Glauben gehen? A. Laß mich doch hören, in welchem Glauben du zu gehen gedenkſt. B. Ei, ich verlaſſe mich auf Niemand anders, als auf Gott. Meinſt du, ich wüßte nicht, daß Alles an Seinem Segen gelegen iſt? Ich kann nicht dafür einſtehen, daß ich am Leben bleibe, daß ichGlück habe, daß ich im Stande bin wie⸗ der zu kommen, daß ich die Meinen geſund und wohl wieder antreffe: Gott aber kanns. Das glaub ich, darauf wag ichs und das iſt mein Glaube. Was haſt du dagegen einzuwenden? A. Meinſt du denn, daß man ſich des Schutzes und Beiſtandes Gottes in einem, wie im andern Falle getröſten dürfe? B. In welchem nicht? A. Z. E. wenn man etwas vorhat, das aus einer unlauteren Quelle kommt. B. Ich hoffe doch, daß du meinem wohl über⸗ legten Vorhaben keine unlauteren Beweggründe unterſchieben willſt. Daß Viele, Viele in keiner chriſtlichen Geſinnung dahin gehen mögen, das gebe ich dir ohne Widerrede zu, von deinem Freunde aber ſollteſt du doch ein wenig beſſer den⸗ ken. A. Was treibt denn dich? B. Kurz zu ſagen, nichts, als die Armuth. Du weißt, daß ich weder verſchwenderiſch noch faul bin; gleichwohl kann ich aus dem Schulden⸗ machen und Schuldenbezahlen nicht heraus kom⸗ men. Und ich ſpreche nicht leicht Jemanden an, ich mag aber auch nicht wortbrüchig werden. Darüber aber bin ich ſo ins Gedränge gekommen, daß es mir ſchwerlich Jemand glauben wird. Und wenn es nach und nach nur etwas beſſer worden wäre! nein, es iſt immer ſchlimmer und ſchlim⸗ mer geworden. Vor drei Jahren hats angefan⸗ gen, das Unglück, und hat bis jetzt nicht abge⸗ laſſen. Zum Erſten hatte ich mein wohl erſpar⸗ tes Geld einem untreuen Freunde geliehen, zum Andern kam die lange Krankheit meiner Frau, dann bin ich abgebrannt, dann kam der naſſe Sommer, der mich um die ganze Erndte gebracht hat, dann das Viehſterben — A. Genug, genug. Ich weiß, daß du ganz beſonders hart biſt mitgenommen worden. Aber iſt denn nun der Zug nach Californien der Weg, auf welchem dir geholfen werden ſoll?