# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 01 08_S150 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) im allereinigſten Weſen und Natur der einigen Gottheit. Wie kann ſichs reimen? Wie iſts möglich? daß die einige ganze vollkommene Gott⸗ heit des Sohns ſich alſo ſollte trennen oder thei⸗ len, daß ſie zugleich iſt vereinigt in der Menſch⸗ heit? Und iſt zugleich einerlei Gottheit in Chriſto mit der Menſchheit eine Perſon, und nicht der Vater oder Heilige Geiſt. O wie ſollen ſie aller⸗ erſt recht ſchwärmen, taumeln und poltern, wenn ſie hieher kommen. Da ſollen ſie zu deuten fin⸗ den; wie ich denn höre, daß ſie bereitan getroſt und weidlich hinan gehen, mit Eutycherei und Neſtorei.“) Denn das dacht ich wohl, habs auch geſagt, ſie müßten hieher kommen; der Teufel kann nicht feiern, wo er eine Ketzerei ſtiftet, da muß er mehr ſtiften, und bleibt kein Irrthum alleine. Wenn der Ring an einem Ort entzwei iſt, ſo iſt er nicht mehr ein Ring, hält nicht mehr und bricht immer fort ꝛc. Und wenn ſie gleich viel rühmen, daß ſie dieſen Artikel von Chriſti Perſon gläuben, und viel da⸗ von plaudern, ſo ſollt du es nicht gläuben, ſie lü⸗ gen gewißlich alles, was ſie hievon ſagen: „Mit dem Munde ſagen ſie es wohl (wie die Teufel im Evangelio auch den HErrn nennen GOttes Sohn, Marc. 5, 7.), aber das Herz iſt weit da⸗ von“, Matth. 15, 8., das iſt gewiß. Gleichwie die Jüden ſchwuren bei dem lebendigen GOtt, aber ſchwuren doch fälſchlich, ſpricht der Prophet. Der Türke rühmet auch den Namen GOttes, aber im Sterben finden ſie, wer ihr GOtt ſei. Denn gewiß iſts, wer einen Artikel nicht recht gläubet, oder nicht will (nachdem er vermahnet und unterrichtet iſt), der gläubt gewiß keinen mit rechtem Ernſt und Glauben. Und wer ſo kühne iſt, daß er darf GOtt leugnen, oder Lügen ſtrafen in einem Wort, und thut ſolches muthwilliglich wider und über das, ſo er eins oder zweimal vermahnet oder unterweiſet iſt, der darf auch (thuts auch gewißlich) GOtt in allen ſeinen Worten leugnen und Lügen ſtrafen. Darum heißt es, rund und rein, ganz und alles gegläubt, oder nichts gegläubt. Der Heilige Geiſt läßt ſich nicht trennen, noch theilen, daß er ein Stück ſollte wahrhaftig, und das andere falſch lehren oder gläuben laſſen. Ohn wo Schwache ſind, die bereit ſind ſich unterrichten zu laſſen, und nicht halsſtarriglich widerſprechen. Sonſt, wo das ſollte gelten, daß einem jeden ohne Schaden ſein müßte, ſo er einen Artikel möchte leugnen, weil er die andern alle für recht hielte (wiewohl im Grund ſolches unmöglich iſt), ſo würde kein Ketzer nimmermehr verdammt, würde auch kein Ketzer ſein können auf Erden. Denn alle Ketzer ſind dieſer Art, daß ſie erſtlich allein an einem Artikel anfahen, darnach müſſen ſie alle hernach, und alleſammt verleugnet ſein: gleich wie der Ring, ſo er einen Borſten oder Ritz kriegt, taugt er ganz und gar nicht mehr, und wo die Glocke an einem Orte berſtet, klingt ſie auch nicht mehr, ſondern iſt ganz untüchtig. Solches laß dich die Exempel lehren. Arius nahm dieſen einigen Artikel vor, daß Chriſtus *) Neſtorei iſt der Irrthum des Neſtorius, welcher die Gottheit und Menſchheit Chriſti trennte. ſondern des mißbrauchen. 149 nicht GOtt, ſondern eine Creatur wäre; die andern Artikel alle, und ſonderlich, daß GOTT der Vater ein einiger GOtt wäre, Schöpfer Him⸗ mels und der Erden, daß Chriſtus für unſere Sünde geſtorben wäre, daß die Taufe, Sacra⸗ ment, Schlüſſel, Auferſtehung der Todten und ewiges Leben wäre, gläubte er wohl andächtiger, (wie ſeine Worte lauten), denn die rechten Chri⸗ ſten gläuben: noch ſtehet da die heilige Schrift, und zeuget, er habe keinen Artikel gegläubet. Denn ſo ſpricht St. Johannes 1 Joh. 2, 23.: „Wer den Sohn verleugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennet, der hat auch den Vater“ ꝛc. Hat nun Arius den Sohn und Vater nicht, ſo hat er auch keinen GOtt, noch Schöpfer Himmels und der Erden, das iſt, es hilft ihn nicht, daß er mit ſeinem Maul GOtt den Vater Schöpfer Himmels und der Erden nennet und hoch preiſet, obwohl kein ander GOtt iſt Schöpfer Himmels und der Erden, denn der, ſo Arius nennet mit ſeinem Lügenmaul: noch iſt er ihm, dem Ario, nicht ein GOtt, darum, daß er ſeinen einigen Sohn Chriſtus verleugnet und lä⸗ ſtert, daß er nicht GOtt ſei. Alſo iſt ihm die Taufe keine Taufe mehr, Ver⸗ gebung der Sünden keine Vergebung der Sün⸗ den mehr, Sacrament kein Sacrament mehr, das iſt, es nützet ihm nicht mehr, ob er wohl zuvor recht getauft iſt, rechte Vergebung, rechte Sacrament empfangen hatte. Alſo hat er alle Artikel des Glaubens verloren, weil er den rech⸗ ten GOTT des Glaubens, Chriſtum, verleugnet, und iſt ihm kein Artikel nichts nütze, und er kann auch keinen Artikel mit rechtem Ernſt gläuben, ſondern muß derſelben alleſammt brauchen zu ſei⸗ ner Verdammniß, wie das andere Gebot ſagt: „Du ſollt den Namen deines GOttes nicht miß⸗ brauchen“, 2 Moſ. 20, 7. Da höreſt du, daß auch der rechte heilige Name GOttes nichts hilft, ſondern ſchadet denen, die nicht recht gläuben, Daher auch die alten Väter disputiret haben, ob der Arianer Taufe auch rechte Taufe wäre. Alſo kommt immer ein Unglück aus dem andern. (Schluß folgt.) Correſpondenz aus Deutſchland. (Schluß.) Um von dieſen, unſere baieriſche Landeskirche insbeſondere betreffenden, Angelegenheiten auf die Bewegungen in den proteſtantiſchen Kirchen Deutſchlands überhaupt zu kommen, ſo hat ſich vorzüglich in Preußen ein ungemeiner Eifer kund gegeben, die verſchiedenen Confeſſionskirchen ein⸗ ander näher, ja wo möglich in ein gegenſeitiges Bündniß zu bringen. Daß es mit der ſeit 1817 und 1830 beliebten Union nichts iſt, ſieht man nach und nach doch ein — obgleich dennoch ein ziemliches Häuflein Schanden⸗ und Ehrenhalber ihr noch treu iſt, — drum möchte man die Sache ein wenig beſſer anfangen und unirt nicht mehr, ſondern conföderirt. Sie haben ohne Zweifel von dieſen Conföderationsideen, wie man (vor⸗ züglich Stahl, Nitzſch, v. Bethmann⸗Hollweg und Wichern, Vorſteher des „rauhen Hauſes“ bei Hamburg) ſie im September 1848 und 49 aus⸗ geheckt hat, ſchon gehört und ich brauche deshalb wohl nicht viel darüber zu ſchreiben. Der Unter⸗ ſchied zwiſchen dieſer Conföderation und der frü⸗ heren Union (die aber freilich in Preußen noch nicht geſetzlich aufgehoben iſt) beſteht kurz darin, daß man in der Union durch das Kirchenregi⸗ ment und die Liturgie, in der Conföderation aber durch gemeinſame Liebeswerke die lutheriſche und reformirte Kirche (nicht wenige hätten gerne auch die römiſch⸗katholiſche dabei, und conſequentermaßen gehört ſie auch in dies Kleeblatt) unter einen Hut bringen will. Daß ehrliche Lutheraner an dieſen Conföderationsbe⸗ ſtrebungen keinen Antheil nehmen, können Sie ſich leicht denken. Freilich geht das Schelten über ihre Excluſivität und Härte aufs neue los — aber was liegt daran? Laßt jene Schwimmer ſchwimmen auf dem Zuckerwaſſer ihrer ſalzloſen Liebe, die Alles mit Zärtlichkeit umfaßt, auch die Lüge und den beharrlichſten Irrthum, es wird doch die Zeit kommen, da ſie von ihrer Conföderation das nem⸗ liche ſagen, was ſie jetzt mit Achſelzucken über die geprieſene Union ausſprechen, daß es nemlich auf dieſe Weiſe nicht gehe. Wollen wir es getroſt allein mit der Einen und reinen Wahrheit halten: wer es ſerner noch mit ihr hält, mit dem brauchen wir keine Union und keine Conföderation zu ſchlie⸗ ßen, ſondern wir ſind mit ihm das, was jene ſu⸗ chen und nicht finden, nemlich einig. — Das ſind im Ganzen auch die Grundſätze, welche die Glieder der im Auguſt 1848 und September 1849 zu Leipzig gehaltenen Conferenz als die ihrigen ausſprachen. Denn auch die lutheriſche Kirche war in dieſen Zeiten der Bewegung nicht träge; auch hier hat ſich, wie auf politiſchem und ſocialem Gebiete, das Gleichartige zuſammen gefunden. Wahrſcheinlich haben Sie auch über dieſe Con⸗ ferenz ſchon die Hauptſache gehört, wie ſie gerne den ſchönen Gedanken Einer deutſchen lutheriſchen Kirche, die durch keine Landesgrenze mehr zer⸗ ſchnitten wäre, realiſirt hätte, wie ſie ſich aber ganz gut gegen die Wittenberger Confödera⸗ tionsideen ausſprach u. ſ. w. Daraus werden Sie denn wohl auch abgenommen haben, daß im Gan⸗ zen wenig durch dieſelben ausgerichtet wurde. „Viel Lärm um nichts“ iſt das Motto für ſämmt⸗ liche Bewegungen in den letzten zwei Jahren auf politiſchem Gebiet ſowohl, als auf kirchlichem. Es ſteht in den meiſten Verhältniſſen ſchlimmer, als vor zwei Jahren. Darum kann auch die Revolu⸗ tion noch nicht beendigt ſein, und iſt's auch nicht; die Gegenſätze, die ſich in Deutſchland finden, müſſen noch ganz anders auf einander platzen, und wenn das geſchieht, gibts einen harten Kampf, denn es handelt ſich um „Sein oder Nichtſein“. Wie tief und bedeutungsvoll die Gegenſätze ſind, hat man aus dem vollendeten Stadium der deut⸗ ſchen Revolution klar erkannt — wie ich Ihnen Eingangs dieſes Briefs ſchon angedeutet habe. Der Socialismus unterwühlt den Staat; der Deutſchkatholicismus und das Lichtfreundthum führt ein Gleiches gegen die Kirche im Schilde. Doch iſt das Letzte bisher im Ganzen noch wenig