# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 01 08_S149 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Zum drittenmal wurden ſie vermahnet durch das ſchreckliche Urtheil GOttes, da der Zwingel ſo jämmerlich ward erſchlagen, wie die Hiſtorien und ihre Briefe zeugen, und mit ihm bei fünf⸗ hundert Mann, ſehr feiner Leute. Wiewohl ſie ſolch zornig Urtheil gleich für ein Gnadenzeichen deuten wollten, und den Zwingel als einen Hei⸗ ligen rühmen, der (gleichwie alle Heiligen viel lei⸗ den müſſen) auch unſchuldig erſchlagen ſei. Was hilfts? wenn GOtt noch mehr Plagen, denn er über Pharao thät, über ſie ſchicket, weil ſie ſol⸗ ches Sinnes ſind, daß ſie eitel heiliges Leiden dar⸗ aus machen wollen? wie die Jüden nun 1500 Jahr ihr Leiden und Unglück auch deuten, und ſich damit verſtocken, damit ſie ſo greulich vermahnet werden. Ich aber, ſo gewiß bin, daß Zwingel (wie ſein letzt Büchlein zeuget) in großen und vielen Sünden und Gottesläſterung geſtorben iſt, kann ihre Deutung nicht gläuben. Wiewohl ich wünſche und wollte, daß GOtt mit ihm hätte den Spruch St. Pauli gebraucht 1 Cor. 5, 5.: „Uebergeben zum Verderben des Fleiſches, auf daß der Geiſt ſelig werde am Tage des HErrn IEſu“; und 1 Cor. 11, 32.: „Wenn wir geſtraft werden, ſo werden wir vom HErrn gezüchtigt, daß wir nicht ſammt der Welt verdammt werden.“ O! herzlich gerne wollt ich, daß ihm nach dieſen Sprüchen gangen wäre: denn mir ſolch ſein Unglück über die Maße leid war, und noch iſt. Wenn leiden ſoll heilig hei⸗ ßen und heilig machen, muß zuvor Unſchuld da ſein und gute göttliche Sache, wie auch St. Au⸗ guſtinus ſpricht: Non poena, sed causa facit martyrem.*) Nun wiſſen ſie wohl, daß Zwin⸗ gel über die Läſterung wider das Sacrament, auch weltlicher Weiſe, böſe Sache hatte, da er an dem Straßelegen wider jenes Theil freventlich handelte. Daß ſich's wohl mehr findet, er ſei nach dieſem Spruch geurtheilet: Qui acceperit gladium, gladio peribit. Matth. 26, 52. Ja, ſo müſſen wir denken und halten, ſie mögen deu⸗ ten, ſagen, ſchmücken, was ſie wollen; die Hiſto⸗ rien und ihre Schriften ſind wider ſie ſelbſt. Sie tröſten ſich auch (höre ich ſagen), daß ſie viel Bücher ſchreiben und große Arbeit bei der Kirche und an der Schrift thun. Was hilft's? weil ſie GOttes Wort und Sacrament fälſchen und verkehren und nicht hören wollen? Wer GOtt nicht höret, den höret er wieder nicht, ſon⸗ dern ſein Gebet iſt ein Greuel, Sprüchw. 28, 9. Die Jüden arbeiten auch ſehr in der Schrift, nun wohl 1500 Jahr. Ja, welche Ketzer haben nicht viel mehr gearbeitet mit lehren und ſchrei⸗ ben, denn die Chriſten? Des Teufels Mar⸗ tyrern (wie man ſpricht) wird die Hölle viel ſäurer zu verdienen, denn der Himmel den Hei⸗ ligen. Weil nun ſo viel und große Warnungen und Vermahnungen GOttes an ihnen ſchlechts verlo⸗ ren ſind; denn meine Schrift, vor 17 Jahren ausgegangen, kann ich mit gutem Gewiſſen und ſtarkem Glauben auch göttliche Vermahnung rüh— men, neben den andern zwo Vermahnungen: ſo *) Nicht die Strafe, ſondern die Urſache zur Strafe macht zum Märtyrer. 148 bin ich auch nicht zu geringe dazu, daß ſie von mir ſich ſollten vermahnen laſſen, wenn ſie hoch rühmen, denn ich auch ein Diener Chriſti bin, ſo⸗ wohl, wo nicht mehr, als ſie, und auch in ſeiner Kirchen gearbeitet habe, ehe denn ſie, will nicht zu hoch rühmen; muß ſie fahren laſſen und mei⸗ den, als die autokatakritos, Tit. 3, 11., die wiſſentlich und muthwillig verdammt ſein wollen, und mit ihrer keinem einigerlei Gemeinſchaft ha⸗ ben, weder mit Briefen, Schriften, Worten, noch Werken, wie der HErr gebeut Matth. 18, 17., er heiße Stenkefeld, Zwingel, oder wie er wolle; denn ich rechne ſie alle in einen Kuchen, wie ſie auch ſind, die nicht gläuben wollen, daß des HErrn Brod im Abendmahl ſei ſein rechter na⸗ türlicher Leib, welchen der Gottloſe, oder Judas, eben ſowohl mündlich empfähet, als St. Petrus und alle Heiligen. Wer das (ſage ich) nicht will gläuben, der laß mich nur zufrieden mit Briefen, Schriften oder Worten, und hoffe bei mir keiner Gemeinſchaft, da wird nichts anders aus.“) „ Hiemit habt ihr, mein guter Freund, meine Urſache, warum ich das Läſtermaul, Schwenke⸗ feld, nicht habe wollen hören, noch ihm antwor⸗ ten: das mögt ihr, wo es euch anders gelüſtet, denen anzeigen, die vielleicht der Stenkefeld wider mich beſtenkert und beſchmeißt. Ich (wie geſagt) habs gern, daß mich ſolche Läſtermäuler ſchänden, und daß ſie ſehr zürnen über mich; hie iſt nie⸗ mand, der auf ihren Zorn gibt. Dürfen ſie den Hausvater Beelzebub ſchelten, was ſollten ſie nicht läſtern ſein Geſinde? das iſt, dürfen ſie unſern lieben HErrn IEſum Chriſtum läſtern und Lügen ſtrafen in ſeinen Worten: „nehmet, eſſet, das iſt mein Leib“ ꝛc. und ſein ſeliges tröſt⸗ liches Sacrament deuten und verkehren in eine Bauernzeche: was ſollten die allerhochmüthigſten Geiſter dem armen Luther nicht thun? Summa, ſie ſind von mir erfunden und über⸗ wunden vielfältiglich, als die offenbarlichen Läſte⸗ rer und Lügner. Erſtlich, da ſie im Anfang lehre⸗ ten, es wäre nichts denn eitel Brod und Wein im Abendmahl. Darüber ſie uns ſcholten und lä⸗ ſterten Fleiſchfreſſer, Blutſäufer, Thyeſtas, Ca⸗ pernaiten, unſern HErrn den gebackenen GOtt, den brödtern GOtt, den weinern GOtt ꝛc., wie die Bücher am Tage zeugen ewiglich. Welch Chri⸗ ſtenherz kann oder will auch gläuben, daß der Heilige Geiſt, und nicht vielmehr der leidige Teufel, nochmals und immerfort in ihnen ſei? weil ſie die hellen Worte des HErrn: „Nehmet, eſſet, das iſt mein Leib“, deuten, aus eigener Durſt und Frevel, auf ihren Traum, daß er geiſt⸗ lich und nicht leiblich da ſei. Denn wir wiſſen ſehr wohl: obgleich der „HErr Chriſtus durch den Glauben (wie St. Paulus lehret Epheſ. 3, 17.) in unſerm Herzen wohnet“, welches geiſtliche Wohnung heißt, ſo hat er doch keinen geiſtlichen Leib noch Blut an ſich genommen, noch für uns gegeben, wie er ſpricht Luc. 24, 39.: „Greift und ſeht, ein Geiſt hat kein Fleiſch noch Beine, wie ihr * Hier verwirft Luther mit demſelben Ernſt Calvin's wie Zwingel's Lehre. ſehet, daß ich habe“, und doch geiſtlich in unſern Herzen wohnet. Zum andern, die Sprüche, ſo ſie geführet ha⸗ ben, als die von der Himmelfahrt und vom un⸗ nützen Fleiſch reden, habe ich klärlich überweiſet, daß ſie dieſelben fälſchlich gedeutet und im verlo⸗ genen Verſtand gebraucht haben, und alſo in vie⸗ len groben Lügen ergriffen ſind, und in ſolchen öffentlichen Läſterungen und Lügen noch heuti⸗ ges Tages unbußfertig, verſtockt, halsſtarriglich verharren. So müßte ich mich ſelbſt in Ab⸗ grund der Hölle, ſammt ihnen, verdammen, wo ich's mit ihnen ſollt halten, oder mit ihnen Ge⸗ meinſchaft haben, oder darzu ſtillſchweigen, wenn ich's merkte oder hörete, daß ſie ſich meiner Ge⸗ meinſchaft anmaßeten oder rühmeten; das thue oder darzu ſchweige der Teufel und ſeine Mutter, ich nicht. Ich will mit dem heiligen Vater Abraham und allen Chriſten auf dem Spruch Röm. 4, 21. ſtehen: „Was Gott redet, das kann er auch thun“; item Pſalm 51, 6.: „Auf daß du Recht habeſt in deinen Worten, wenn du geurtheilet wirſt“, und will nicht zuerſt meine Vernunft Rath fragen, wie ſich's reime oder möglich ſei, daß ich ſeinen Leib und Blut mündlich empfahen möge, und darnach, als ein Richter über GOTT, ſeine Worte nach meinem Dünkel deuten. Nein, ſo will ich nicht ſchwärmen; er hats geſagt, da laß ich's bei bleiben; verführet er mich, ſo bin ich ſeliglich verführet. Er hat noch nie keinmal ge⸗ logen, kann auch nicht lügen. Aber die Schwär⸗ mer ſind öffentliche Lügner, von mir und ihnen ſelbſt erfunden; müſſen auch immer fort lügen, weil ſie ihrem Dünkel mehr trauen, denn dem Wort GOites. ö Und wer das nicht will thun, und nicht ſtehen auf dem, oder dergleichen Sprüche, „was GOtt redet, das kann er thun“; item, „GOtt kann nicht lügen“ ꝛc., dem rathe ich treulich, daß er die heilige Schrift und die Artikel des chriſtlichen Glaubens zufrieden laſſe; denn mit ſeinem Deu⸗ ten verteufelt er ſich, je länger je mehr, und iſt ihm beſſer, er bleibe ein verdammter Heide, denn daß er ein verdammter Chriſt werde. O, lieber Menſch! wer nicht will gläuben den Artikel im Abendmahl, wie will er doch immer mehr gläuben den Artikel von der Menſchheit und Gottheit Chriſti in einer Perſon? Und ſich⸗ tet dich an, daß du den Leib Chriſti mündlich empfäheſt, wenn du das Brod vom Altar iſſeſt; item das Blut Chriſti empfäheſt mündlich, wenn du den Wein trinkeſt im Abendmahl: ſo muß dich gewißlich viel mehr anfechten (ſonderlich wenn das Stündlein kömmt), wie die unendliche und unbegreifliche Gottheit, ſo allenthalben we⸗ ſentlich iſt und ſein muß, leiblich beſchloſſen und begriffen werde in der Menſchheit und in der Jungfrauen Leibe, wie St. Paulus ſagt Col. 1, 19.: „In ihm wohnet die ganze Fülle der Gott⸗ heit leiblich.“ Und wie iſts möglich, daß du ſollteſt gläuben, wie allein der Sohn ſei Menſch worden, nicht der Vater, noch Heiliger Geiſt, ſo doch die drei Per⸗ ſonen nichts anders ſind, denn der einige GOtt,