# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 01 08_S148 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) darin bereitet. Seine letzte Beichtrede in Frohna handelte von dem täglichen Teſtament eines Chri⸗ ſten. Er ahnte jedoch ſein ſo nahes Ende nicht gleich am Anfange der Krankheit. Aber er war voll Lobens und Dankens über jede Erquickung, die ihm durch die liebevolle, Tag und Nacht an⸗ haltende Pflege der Seinigen zu Theil wurde, über die Güte Gottes in den fruchtbeladen en Pfir⸗ ſichbäumen, die er von ſeinem Lager aus erblickte. Dabei redete er ſo freundliche Worte zu ſeinen Hausgenoſſen, daß ſeiner Ehegattin oft die Thrä⸗ nen im Auge ſtanden. Mehrmals ſchien die Krankheit zur Beſſerung ſich zu wenden. Beſon⸗ ders war der 16. Auguſt ein Tag neuer Hoffnung, da er, von des Fiebers Gewalt viel freier, mit dem Schreiber dieſes faſt wie ein Geneſender ſich unterredete. Auch der Arzt gab neue Hoffnung. Aber es war die letzte Unterredung geweſen. Neue Verſchlimmerung trat bald wieder ein. Auch in des Fiebers Phantaſien hörte man nur Worte liebender Beſorgniß um die Seinen oder um lei⸗ dende Amtsbrüder. Er fing nun an, ſein nahes Ende zu fühlen. Am letzten Tage ſeines Lebens, der ein Sonntag, der 11te nach Trinitatis war, ſah er es mit Gewißheit kommen; in früher Mor⸗ genſtunde ließ er ſich durch einen ſeiner Zöglinge, den jetzigen Paſtor Wunder in Centreville, die Abſolution von allen ſeinen Sünden in den kräf⸗ tigen, geſalbten Worten einer alten Agende noch einmal verkündigen, bezeigte laut ſeine Freude über den empfangenen Troſt, hieß die Seinen um ſein Lager ſich ſammeln, ſegnete, tröſtete und er⸗ mahnte ſie. Darnach brach der letzte Kampf an, aber des Heiligen Geiſtes Troſt blieb bei ihm und in ihm. Mit ſchon brechendem Auge rief er, noch einmal ſich auf ſeinem Sterbelager aufrich⸗ tend: „HErr IEſu, da haſt Du meine Seele.“ Darauf verlor ſich die Sprache all⸗ mählich und er entſchlummerte ſanft, als die Sonne zum Untergang ſich neigte, umgeben und beweint von den Seinen und zahlreichen Gliedern ſeiner Gemeinde. Am 21. Auguſt Vormittags wurde die abgelegte Hütte, begleitet faſt von der ganzen Gemeinde, zur Erde beſtattet. Sein älteſter Zög⸗ ling, Paſtor Biltz, hielt die Grabrede, anhebend mit der wehmüthigen Klage: HErr, warum haſt du uns das gethan? Schreiber dieſes mußte, was er nie für möglich gehalten, ihm die Gedächt⸗ nißpredigt halten. Deren Text war Hebr. 13, 7.: „Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes geſagt haben, welcher Ende ſchauet an und folget ihrem Glauben nach.“ Ihr Inhalt war: ein Ueberblick des Lebensganges des Ent⸗ ſchlafenen und deſſen göttlicher Leitung, das Vor⸗ bild ſeines Glaubens, die Ermahnung zu ſeiner Nachfolge und der Troſt bei ſeinem Tode. Nun werde noch verſucht ſein Bild zu zeichnen, wie es zuletzt als ein hoher, ſchöner Palmbaum, gepflanzt in den Vorhöfen des HErrn an den Waſſerbächen des Lebens, gepflegt und großge⸗ zogen von der Hand des himmliſchen Gärtners, erfüllt mit Früchten der Gerechtigkeit durch IEſum Chriſtum, friſch und grünend vor uns geſtanden hat. (Schluß folgt.) 1⁴⁷ Dr. Martin Luthers kurzes Bekenntniß vom heiligen Saerament wider die Schwärmer. Anno 1544. I. (oriſetzung.) Zum andernmal wurden ſie von vielen gewar⸗ net, von mir auch gar ſonderlich, da ich ſo fleißig wider ſie ſchrieb, und ihre Gründe und Urſachen gewaltiglich verlegte, daß ihre Gewiſſen fühlen mußten. Denn ſie hatten zween Sprüche für ſich, einen Joh., 6, 65.: „Fleiſch iſt kein nütze“, welchen Oecolampad ſeine eiſerne Mauren hieß. Den andern, „Chriſtus iſt gen Himmel gefah⸗ ren“, Epheſer 4, 10., darum kann ſein Leib und Blut nicht ſein im Abendmahl. Und führeten der Sprüche mehr, die von der Auffahrt Chriſti reden; lehreten uns ſehr heftig, daß Chriſtus gen Himmel wäre gefahren, gerade als hätten wir ſolches nun wohl von 1500 Jahren her nie gehöret. Aber daß darum eitel Brod und Wein im Abendmahl wäre, das Nüßlein wollten ſie nie keinmal beißen noch anrühren, wie meine Bücher, da vorhanden, wider ſie zeugen. Den erſten Spruch, „Fleiſch iſt kein nütz“, nahm ich ihnen ſo gewaltig, daß auch Zwingel in ſeinem letzten Büchlein deß nicht mehr gedenkt. Den andern nahm ich ihnen auch gewaltiglich, nämlich alſo: Es wäre unmöglich, daß ſie ſoll⸗ ten mit Ernſt bewogen ſein, den Leib und Blut des HErrn im Abendmahl zu verleugnen, um des Spruchs willen („Er iſt gen Himmel ge⸗ fahren“), wie ſie doch in vielen Büchern und mit ſtolzen Worten immer pocheten; ſondern ſie müßten hierinn gewißlich lügen. Das beweiſe ich aus dieſem Grund: Das Abendmahl hat Chriſtus eingeſetzt, und ſeinen Leib und Blut ſeinen Jüngern gegeben, wie die Worte da ſte⸗ hen: „Eſſet, das iſt mein Leib“, ehe er gen Himmel gefahren iſt. Denn da ſitzt er über Tiſche, hienieden auf Erden, und hält das erſte Abendmahl. Darum kanns nicht wahr ſein, das ſie rühmen, nemlich, es haben ſie bewogen die Sprüche von der Himmelfahrt. Denn dawider ſtehet, daß Chriſtus das Abendmahl hält, ehe denn er gen Himmel fähret. Hindert nun ſeine Himmelfahrt das erſte Abendmahl nicht, wie kanns ernſt, und nicht erlogen ſein, da ſie ſagen, es habe ſie die Himmelfahrt bewogen und gehin⸗ dert? ſintemal wir nun 1500 Jahre kein ander Abendmahl halten, denn das der HErr am erſten hat eingeſetzt und befohlen, wie er ſpricht: „Sol⸗ ches thut zu meinem Gedächtniß“. Zu dem wiſ⸗ ſen ſie und verſtehen nicht, was gen Himmel fah⸗ ren heißt; wie kann ſie es denn bewogen haben? Hiewider konnten ſie nichts mehr, und ſuchten nun Wege, wie ſie ihre böſe Sache flickten und pletzten, und ſich mit uns vergleichen möchten. Da ward das colloquium zu Marburg angeſtel⸗ let, darin beſſerten ſie die Sache, und gaben zu, es wäre nicht eitel Brod und Wein im Abendmahl, wie ſie bisher geſtritten hatten aufs heftigſte, ſon⸗ dern der Leib und Blut Chriſti wäre auch drin⸗ nen, aber nicht leiblich, ſondern geiſtlich. Solches wollte den Stich auch nicht halten; denn geiſtlich genießen, iſt allein der Heiligen und Gerechten. Aber St. Paulus ſpricht, daß die Unwürdigen eben ſowohl den Leib und Blut Chriſti empfahen, als die Würdigen, 1 Cor. 11, 27. 29. Und der Zwingel hatte ein lang ungereimt Geſchwätz mit mir de locali inclusione,*) daß im Brod nicht ſein könnte der Leib Chriſti, wie im Raum oder Gefäß, gerade als lehreten wir, daß Chriſti Leib im Brod wäre, wie Stroh im Sacke, oder Wein im Faß. Demnach ihrer etliche ent⸗ ſchuldigten ſich, ſie hättens nicht anders verſtanden, wir und die Papiſten lehreten alſo, daß Chriſtus Leib wäre im Sacrament localiter, wie Stroh im Sacke. O das war eine faule, kalte, lahme Entſchuldigung. Denn ſie wußten ſehr wohl, daß weder die Papiſten noch wir ſo hatten gelehret. Und ob es ſie (ungläublicher Weiſe zu reden) nicht anders hätten verſtan den, müßten ſie damit be⸗ kennen, daß ſie als die Unſinnigen ſolche Sachen anfechten, welche ſie ſelbſt niemals hätten gehört, noch verſtanden. Denn der Papiſten Lehre war zu der Zeit viel mehr, denn jetzt, am Tage, ja es war keine an dere Lehre am Tage, daß die Schwärmer haben müſſen derſelbigen Wiſſenſchaft gehabt haben. Alſo lehren aber die Papiſten, ja nicht die Pa⸗ piſten, ſondern die heilige chriſtliche Kirche, und wir mit ihnen (denn der Pabſt, wie geſagt, hat das Sacrament nicht eingeſetzt), daß Chriſti Leib nicht ſei localiter (wie Stroh im Sack), ſondern definitive, das iſt, er iſt gewißlich da, nicht wie Stroh im Sack, aber doch leiblich und wahrhaftig da; wie ich in meinem Büchlein ſtark beweiſet habe. Solches, ſage ich, wußten ſie wohl, oder warens je ſchuldig zu wiſſen, da ſie ſo greulich toben wollten wider das, ſo ſie nicht wußten. Alſo ſchieden wir von Marburg, mit ſolcher Hoffnung (wie geſagt), weil ſie alle chriſtliche Artikel nachgaben, und in dieſem Artikel des hei⸗ ligen Sacraments, auch vom vorigen Irrthum (daß es ſchlecht Brod wäre) abtraten, ſie würden vollend gar und ganz mit der Zeit zu uns treten. Weil nun durchs Teufels Geſchäft ſolches gefeh⸗ let, und ich wohl betrogen, wie ichs aus dem Büchlein, nach des Zwingels Tode ausgangen, muß merken, daß er nach dem colloquio ärger worden iſt, denn zuvor, und gewißlich zu Mar⸗ burg hat fälſchlich mit mir gehandelt: werde ich gezwungen, keines Schwärmers, er heiße Stenke⸗ feld, Zwingel, Oecolampad, Carlſtad, oder wer ſie ſind, die Schwärmer, Brodfreſſer und Weinſäufer, das iſt, Chriſti Läſterer und Feinde, Gemeinſchaft anzunehmen, ſondern muß weder ihre Briefe, Bücher, Gruß, Segen, Schrift, Namen noch Ge⸗ dächtniß in meinem Herzen wiſſen, auch weder ſehen noch hören. ö Denn weil ich gewiß bin, und ihr eigen Ge⸗ wiſſen wider ſie ſtehen muß, daß ſie unrecht ſind und GOtt läſtern, will und kann ich fröhlich vor meinem lieben HErrn IEſu Chriſto am Jüngſten Tage ſagen: HErr JEſu, ich habe ſie treulich ge⸗ warnet und vermahnet, dazu ſie ihr eigen Ge⸗ wiſſen überzeuget, das müſſen ſie vor dir bekennen, das weißeſt du, lieber HErr. *) Von der räumlichen Einſchließung.