# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 06 18_S81 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 18. Juni 1845. No. 21. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft. (Eingesandt von Pastor Keyl.) Lebensgeschichte Dr. Luthers. (Fortsetzung.) In den Jahren 1526 und '27 hatte Dr. Luther am meisten mit den Sacramentirern zu thun. Denn nachdem Carlstadt auf Luthers Fürsprache vom Churfürsten Verzeihung erlangt hatte und ein Bauer geworden war, erhob sich in der Schweiz Ulrich Zwingli gegen die Lehre Dr. Luthers vom heil. Abendmahle und behauptete, die Worte „das ist“ hießen nur so viel, als „es bedeutet.“ Ihm traten Oecolampadius und einige andere bei. Da nun das Gift dieser Irrlehre anfing, sich in Vieler Herzen einzuschleichen, so schrieb und lehrte Dr. Luther mit allem Ernst und mit großer Schärfe dawider; denn eine böse Wunde bedarf eines scharfen Messers. Besonders sind hierbei die beiden Schriften zu bemerken: „Daß die Worte noch feststehen: das ist mein Leib,“ und sein „großes Bekenntniß vom Abendmahle,“ welchem er ein Bekenntniß seines Glaubens von allen Hauptartikeln beifügte, damit Niemand nach seinem Tode sagen dürfte, wenn Luther jetzt lebte, würde er diesen, oder jenen Artikel anders lehren. Auf den Vorwurf, als ob er namentlich wegen seines Verhaltens beim Sacramentstreit an der Trennung der reformirten und lutherischen Kirche Schuld sei, antwortet er also: „Darüber weiß freilich ganz Deutschland wohl, daß das Evangelium anfänglich von Niemand angefochten ward, denn von den Papisten allein. Die aber, so die Lehre des Evangeliums dazumal annahmen, waren der Sachen eins über allen Artikeln; und blieb auch solche Einigkeit so lange, bis die Rotten mit ihren neuen Grillen und Opinion sich herfürthaten, nicht allein von den Sacramenten, sondern auch von andern Artikeln. Die haben aufs erste die christlichen Gemeinden verwirrt und ihre Einigkeit zertrennt; seit der Zeit sind der Rotten je länger je mehr worden. Denn wenn ein Irrthum entsteht, folgen immer andere, bis man gar von der Wahrheit kommt. Daraus denn folget, daß die Einigkeit der Herzen über den Artikeln des Glaubens zertrennet ist, will ein jeder daraus machen, was ihm gut und recht deucht. Darum thun sie uns große Gewalt und Unrecht, daß wir die christliche Einigkeit zertrennet haben sollten. Es thut sehr wehe, wenn ein Unschuldiger die Strafe tragen soll, die ein anderer verwirket hat, sonderlich in einer so großen hohen Sache.“ (L. W. VIII. 2784. ff.) Im Jahre 1527 stellte der Churfürst Johann in Sachsen eine allgemeine Kirchenvisitation an, bei welcher auch Luther sehr thätig war. Der öffentliche Gottesdienst wurde an allen Orten von päbstlichen Mißbräuchen gereiniget und durch die rechte christliche Predigt und den Katechismusunterricht, so wie durch schriftmäßige Verwaltung der Taufe und des Abendmahls wieder in seiner früheren Reinheit hergestellt, auch der Gebrauch guter Lieder und nützlicher Ceremonien eingeführt. Der Jugendunterricht wurde durch Errichtung deutscher und lateinischer Schulen verbessert. Es wurde auch dafür gesorgt, daß die Lehrer in Kirchen und Schulen von den Gemeinden hinlänglichen Unterhalt bekämen. Durch die erfolgreiche Kirchenvisitation erwarb sich Luther nicht nur um Sachsen, sondern auch um viele andere Länder und Städte große Verdienste, indem diese seinen und seiner Mitarbeiter Rathschlägen folgten. Ehe aber Luther dies große Werk vollendet hatte, gerieth er in eine schwere geistliche Traurigkeit, welche mit einer gefährlichen Krankheit verbunden war. Er betete dabei viel und mit großem Ernst, er tröstete sich mit der Absolution, die ihm sein Beichtvater ertheilt hatte, er hielt sich fest an Gottes Wort und namentlich an den Spruch Christi: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken;“ er bezeugte im Angesichte des Todes, daß er von allen Artikeln des christlichen Glaubens recht gelehrt habe und daß es ihn nicht reue, seine Widersacher so hart angetastet zu haben; er redete von der bevorstehenden Noth der Kirche und sagte: „O, wie werden die Schwärmer, Sacramentsschänder, Wiedertäufer und andere Rotten ein gräulich Wesen anrichten nach meinem Tode! Doch tröste ich mich, daß Christus stärker ist, als der Satan und alle seine Schuppen, ja er ist der HErr.“ Er fragte nach seinem Söhnchen, und als es gebracht wurde, lachte es den Vater an; da sprach er: „O du gutes armes Kindlein! Nun ich befehle meine allerliebste Käthe und dich armes Waiselein meinem liebsten, frommen und treuen Gott. Ihr habt nichts; Gott aber, der ein Vater der Waisen und Richter der Wittwen ist, wird euch wohl ernähren und versorgen.“ Seine trauernde Hausfrau zeigte in dieser großen Noth, wie reiche Frucht das Wort Gottes in der Stille bei ihr gebracht hatte; sie sagte: „Mein liebster Herr Doctor, ist es Gottes Wille, will ich euch bei unserm lieben HErrn Gott lieber, als bei mir, wissen. Es ist nicht allein um mich und mein Kind zu thun, sondern um vieler frommen christlichen Leute, die eurer noch bedürfen. Ihr wollet euch, mein allerliebster Herr, meinethalben nicht bekümmern: ich befehle euch seinem göttlichen Willen; ich hoffe und traue auf Gott, er wird euch gnädiglich erhalten.“ Und siehe da! darauf sprach Dr. Luther: Gott Lob! ich fühle Besserung! und sagte dann noch: Der HErr tödtet und macht lebendig, denn er ist der Herr des Todes und des Lebens; ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen! Im folgenden Jahre (1528) drang die Pest nach Wittenberg und selbst in Luthers Haus; die Universität wurde nach Jena verlegt, und wer fliehen konnte, floh, nur Luther nicht; er blieb, und erquickte mit rastloser aufopfernder Liebe die Kranken und Sterbenden durch Zuspruch aus Gottes Wort. Die vielfachen Erfahrungen von der großen Unwissenheit des Volkes, die er als Visitator der Kirchen gemacht hatte, drangen ihn, in diesem Jahre seinen kleinen und großen Katechismus zu verfassen, worin er alle Hauptstücke der christl. Lehre und zwar in jenem kürzer, in diesem aber ausführlicher erklärte, wovon mit vollem Recht Matthesius sagt: „Wenn Dr. Luther sonst nichts weiter gethan hätte, als diese beiden Katechismen verfertiget hätte, so könnte ihm doch die ganze Welt solches nimmer genug verdanken;“ und wie hoch sie die lutherische Kirche schätzt, hat sie damit bezeuget, daß sie dieselben in die Zahl ihrer christlichen Bekenntnißschriften aufgenommen hat. In der großen Gefahr, in welche Deutschland damals durch den Einfall der Türken in Oesterreich gerathen war, ließ Dr. Luther auch mehrere tröstliche Schriften ausgehen, worin er sowohl zu aufrichtiger Buße und ernstlichem Gebet ermahnte, als auch vor ihrer teuflischen und lügenhaften Religion, als dem Seitenstück zu des Pabstes Abgötterei, treulich warnte. Da nun die Ankunft des Kaisers Carl V. und mit derselben eine neue Erörterung der Religions-Streitigkeiten erwartet wurde, so wünschten viele, daß vorher der Zwiespalt we- 11