# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 05 11_S139 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) tones, Seipiones, und deine Vorfahren alle, die im Glauben ſind verſtorben ꝛc. Dieß ſtehet in ſeinem Büchlein, welches (wie geſagt) ſoll das güldene und allerbeſte Büchlein ſein, hart vor ſeinem Ende gemacht. Sage nun, wer ein Chriſte ſein will, was darf man der Taufe, Sacrament, Chriſti, des Evangelii, oder der Pro⸗ pheten, und heiliger Schrift, wenn ſolche gottloſe Heiden, Socrates, Ariſtides, ja der greuliche Numa, der zu Rom alle Abgötterei erſt geſtiftet hat, durchs Teufels Offenbarung, wie St. Augu⸗ ſtinus de civitate DEI ſchreibet, und Seipio der Epicurus, ſelig und heilig ſind, mit den Pa⸗ triarchen, Propheten und Apoſteln im Himmel, ſo ſie doch nichts von GOtt, Schrift, Evangelio, Chriſto, Taufe, Sacrament, oder chriſtlichem Glauben gewußt haben? Was kann ein ſolcher Schreiber, Prediger und Lehrer anders glauben von dem chriſtlichen Glauben, denn daß er ſei allerlei Glauben gleich, und könne ein jeglicher in ſeinem Glauben ſelig werden, auch ein Abgöttiſcher und Epicurer, als Numa und Seipio. Weil nun in dieſem Büchlein Zwingel nicht allein vom Marburgiſchen Vertrag (ja denſelbi⸗ gen mit Ernſt nicht gemeinet) abgefallen, ſon⸗ dern viel ärger und gar zum Heiden worden iſt, und doch die Schwärmer, ſeine Geſellen, ſolch Büchlein (darin auch viel mehr Greuel ſtehen) loben und ehren, habe ich auch alle meine Hoff⸗ nung von ihrer Beſſerung fahren laſſen, und ſie ſo gar aus der Acht gelaſſen, daß ich auch nicht habe wollen wider ſolch Büchlein ſchreiben, noch mehr für ſie beten, weil ich geſehen, daß alle meine vorige Schriften und Vermahnung, dazu meine chriſtliche Liebe und Treue, zu Marburg erzeiget, ſo übel angelegt, und ſo ſchändlich verloren ſein mußten. Wo nun aus ſolches Vertrags Geſchrei, oder ſonſt jemand gehört oder beredet wäre, daß ichs mit den Schwärmern hielte, und der Sachen eins wären, den bitte ich lauterlich um GOttes willen, wollte das ja keinesweges glauben. Da behüte mich GOtt für, wie er bisher gethan, daß ich mit meinem Namen ſollte wiſſentlich den allergering⸗ ſten Artikel der Schwärmer decken oder ſtärken. Denn auch zu Marburg wir nicht in einem eini⸗ gen Artikel zu ihnen traten, ſondern ſie begaben ſich zu uns in allen Artikeln, ohne des Sacra⸗ ments Artikel (wie der Zeddel gedruckt weiſet), welcher (wie geſagt) blieb ſtecken, auf Hoffnung, er ſollte auch endlich folgen. Aber wie dieſe Hoff⸗ nung gerathen iſt, haſt du jetzt gehöret. Viel lie⸗ ber, ſage ich, wollt ich mich hundertmal laſſen zerreißen, oder verbrennen, ehe ich wollte mit Stenkfeld, Zwingel, Carlſtadt, Oecolampad, und wer ſie mehr ſind, die leidigen Schwärmer, eines Sinnes oder Willens ſein, oder in ihre Lehre be⸗ ö willigen. Denn ich denke noch wohl, ſtehet auch noch in ihren Büchern, wie gar überaus ſchändlich ſie uns mit unſerm lieben HErrn und Heiland läſterten, hießen ihn einen gebackenen Gott, einen brödtern Gott, einen weinern Gott, einen gebratenen Gott u. ſ. w. Uns heißen ſie Fleiſchfreſſer, Blutſäufer, 13⁸ Anthropophagos“), Carpernaiten, Thyeſtas“ *), u. ſ. w., da ſie doch wußten, daß ſie dem HErrn und uns muthwilliglich, überaus läſterlich un⸗ recht thäten, und ſchändliche Lügen über uns er⸗ dichteten; welches ja ein gewiſſes Zeichen war, daß kein guter Geiſt in ihnen ſein könnte. Nun ließen wir's zu Marburg alles fahren und hin⸗ gehen, in der Hoffnung, ſie wollten und würden ſich ganz beſſenn. Denn das wußten ſie ſehr wohl, daß wir ſolches nie gelehret, noch geglaubt hatten, ohne daß ſie zu ihrem Ruhm und uns zur Schande vor dem Pöbel gern den Wahn gemacht hätten, als wären wir ſolche tolle, unſinnige, ra⸗ ſende Leute, die Chriſtum im Sacrament locali- ter4) hielten, und ſtücklich zufräßen, wie die Wölfe ein Schaf, und Blut ſöffen, wie eine Kuh das Waſſer. Wohl wußten ſie (ſage ich), daß ſie hierin uns mit offenbarlichen unverſchämten Lü⸗ gen Fleiſchfreſſer und Blutſäufer hießen, aus des Teufels Getrieb; denn auch die Papiſten ſolches nie gelehret hatten, wie ſie auch wohl wußten, ohne daß ſie uns mit dem Namen, Papiſten, auch wollten wehe thun, die heiligen geiſtlichen Leute. Denn ſo hat man unter dem Pabſithum geleh⸗ ret, wie auch wir behalten und noch ſo lehren, als die rechte alte Chriſtliche Kirche von 1500 Jah— ren her hält (denn der Pabſt hat das Saerament nicht geſtiftet noch erfunden, welches die Schwär⸗ mer auch ſelbſt zeugen müſſen, wie ſehr ſie es Pa⸗ piſtiſch machen wollen), wenn du vom Altar das Brod empfäheſt, ſo reißeſt du nicht einen Arm vom Leibe des HErrn, oder beißeſt ihm die Naſe, oder einen Finger ab, ſondern du empfäheſt den ganzen Leib des HErrn; der andere, ſo dir folget, auch denſelben ganzen Leib, ſo der dritte, und tauſend nach tauſend für und für. Deßgleichen, wenn du den Kelch oder Wein trinkeſt, ſo trinkeſt du nicht einen Tropfen Bluts aus ſeinem Finger oder Fuße, ſondern trinkeſt ſein ganzes Blut, alſo auch der dir folget, bis in tauſendmal tauſend, wie die Worte Chriſti klärlich lauten: „Nehmet, eſſet, das iſt mein Leib.“ Er ſpricht nicht: Petre, da friß du meinen Finger, Andrea, friß du meine Na⸗ ſen, Johannes, friß du meine Ohren ꝛc., ſondern, es iſt mein Leib, den nehmet und eſſet ꝛc. jeglicher für ſich unzerſtücket. Nein, GOtt Lob, ſolche grobe Tölpel ſind wir, die heilige Kirche unter dem Pabſtthum auch, nicht, wie uns der böſe Geiſt durch die Schwärmer gern hätte zu hohem Verdrieß und Unglimpf dem Volk mit ſolchen verzweifelten Lügen eingebildet, ihre Ketzerei zu ſchmücken. Denn ſie wußten, daß ihr Maul hierin ein Lügenmaul wäre, auch da⸗ her, weil ſie die Meſſen vom heiligen Wahrleich⸗ nam (wie mans hieß) ohne Zweifel oft ſelbſt geſungen und geleſen hatten, darin unter viel an⸗ dern klärlich ſtehet: Sumit vnus, sumunt mille, quantum iste, tantum ille, nec sumptus ab- sumiturT4T). Darum wußten ſie wohl, daß wir keine Fleiſchfreſſer, Blutſäufer, Thyeſten, Caper⸗ *) Menſchenfreſſer. *) Die ihre eigenen Kinder eſſen. +) Räumlich eingeſchloſſen. T+r) Siehe den 6ten Vers des Liedes: Schmücke dich, o liebe Seele. Ein naiten, noch Localiſten wären, und unſer Gott kein gebackener Gott ꝛc. ſein könnte. Noch muß⸗ ten wir ſolche ihre muthwillige, erkannte Läſterung hören, und wer's nicht laſſen will bei ihnen, noch alſo läſtert; denn ſie leſen's in ihren Büchern. Noch ließen wir's (wie geſagt) alles hingehen zu Marburg, damit wir ja reichlich chriſtliche Licbe erzeigten. Denn (hilf GOtt!) wie mußten wir hören, daß wir keine chriſtliche Liebe hätten, die Diener Chriſti verachteten, die Kirchen betrübten und verwirreten ꝛc. Und waren keine Sünder auf Erden, denn wir allein, und keine Heiligen im Himmel, denn die Schwärmer allein, bei de⸗ nen war eitel Feuer der Liebe, bei uns lauter Eis der Unbarmiherzigkeit; denn wir waren Fleiſch⸗ freſſer, ſie waren eitel rein, pur, lauter, der Geiſt ſelbſt. Was hat aber uns nun ſolche überflüſſigẽ Liebe und Demuth geholfen? ohne daß dadurch alles iſt ärger worden, und unſere gute Hoffnung jäm⸗ merlich gefehlet hat: denn Liebe wird und muß betrogen werden, weil ſie alles glaubt und trauet, 1 Cor. 13, 4. Aber Glauben kann nicht fehlen, denn „GOtt leuget nicht“, wie der Menſch thut. 1 Sam. 15, 29. Wie ſollte und könnte ich nun auf mein arm Gewiſſen laden ſolche ungeſchwungene Läſterung der unbußfertigen Schwärmer und Läſterer, wie ich doch thun müßte, wo ich mich mit ihnen ein⸗ ließe, mit Büchern, Schriften oder Worten, wie mir jetzt der Stenkefeld anmuthet. St. Johannes ſagt, 2 Joh. V. 10.: „So jemand kommt und bringet dieſe Lehre nicht, den nehmet nicht zu Hauſe, und grüßet ihn nicht, und wer ihn grüßet, der macht ſich theilhaftig ſeiner böſen Werke.“ Hie höreſt du, wer der Mann ſei, der mich heißt die Schwärmer weder hören noch ſehen, ſondern meiden und verdammen, wie ich droben aus St. Paulo Tit. 3, 10. auch geſagt: „einen Ketzer ſollſt du meiden, wenn er einſt oder zwier ver⸗ mahnet iſt“ ꝛc. Und wenn's per impossibile“*) wahr wäre, und ſie recht hätten, daß eitel Brod und Wein im Abendmahl wäre, ſollte man darum ſo heraus toben und donnern wider uns, mit ſolchen ſcheus⸗ lichen Läſterungen: gebacken Gott, brödtern Gott u. ſ. w.? Sollten ſie nicht der heiligen Worte Chriſti (welche wir nicht erdichtet haben), „das iſt mein Leib“, verſchonen, darin er ja klärlich das dargereichte Brod ſeinen Leib nennet? Alſo möchteu ſie auch ihn einen tüchern oder getücher⸗ ten, eingewirketen, eingenäheten Gott, läſtern, weil er in Rock und Kleider, genähet und gewirkt, gegangen iſt; item, einen wäſſerigen Gott, weil er im Jordan getauft ward, einen eingewölketen Gott, weil er in Wolken gen Himmel fuhr. Ich hätte ihren Gott der Weiſe nach auch wohl wiſſen zu nennen, wollt's auch noch wohl thun, wo ich des Namens GOttes nicht ſchonete, und ihnen auch ihren rechten Namen geben, daß ſie nicht ſchlecht Brodfreſſer und Weinſäufer, ſondern Seelfreſſer und Seelmörder wären, und ſie ein eingeteufelt, durchteufelt, überteufelt, läſterlich Herz und Lügenmaul hätten; und wollte damit — Trotz der Unmöglichkeit.