# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 05 11_S138 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Mort und Kuthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſonri, Ohio und anderen Staaten. Belligirt von C. H. W. Walther. Zahrgang 6. St. JLouis, No., den 30. Rpril 1850. No. 18. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen cinmal für den jährlichen Subſeriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezablen und das Poſtgeld N tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. EENur die Briefe, welche enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Dr. Martin Luthers kurzes Bekenntniß vom heiligen Sacrament wider die Schwürmer. Anno 1544.) Gnade und Friede im HErrn! I. Mein lieber Freund, daß Schwenkfeld meinen Brief hin und wieder ausbreitet, und mir übel nachredet ſammt ſeinen Eutychern*) und Sa⸗ cramentsſchändern, muß ich daher gläuben, daß ihr ſoeben die Abſchrift desſelbigen Briefes bekom⸗ men, mir zuſchickt. Und iſt mir lieb, daß er ſol⸗ chen Brief, zu ſeinen Ehren und Glimpf und zu meinem Unglimpf und Schanden ausbreitet. Denn darum hab ich auch denſelben nicht wollen zuſiegeln, ſondern offen laſſen, auch nicht ihm ſel⸗ ber, ſondern ſeinem Boten zuſchreiben, noch ſeinen Namen ehren. Denn ſolch verdammt Läſtermaul ſoll (ob Gott will), nicht werth bei mir ſein, daß ich einen Buchſtaben ihm zuſchreiben, oder mit ihm reden, noch ihn ſehen oder hören wollte. Iſt mir auch eben ſo viel, wenn er oder ſeine verfluchte Rotte der Schwärmer, Zwingler, und dergleichen, mich loben oder ſchelten, als wenn mich Jüden, Türken, Pabſt, oder gleich alle Teufel ſchälten oder lobeten. Denn ich, als der ich nun auf der Gruben gehe, will dies Zeugniß und dieſen Ruhm mit mir vor meines lieben HErrn und Heilands IEſu Chriſti Richtſtuhl bringen, daß ich die Schwärmer und Sacramentsfeinde, Carlſtad, Zwingel, Oecolompad, Stenkfeld, und ihre Jün⸗ ger zu Zürich, und wo ſie ſind, mit ganzem Ernſt verdammt und gemieden habe, nach ſeinem Be⸗ fehl, Tit. 3, 10.: „Einen Ketzer ſollſt du meiden, wenn er einſt oder zwier vermahnet iſt, und wiſſe, daß ein ſolcher verkehret iſt, und ſündigt, als der *) Da neuerlich der ſ. g. „Friedensbote“ mit einer in Erſtaunen ſetzenden Dreiſtigkeit den lieben Luther durch allerhand Entſtellungen, die wir ſeiner Zeit einzeln vorzu⸗ nehmen gedenken, zu einem Unionsmann zu machen ſucht, ſo theilen wir dieſes letzte Bekenutniß unſeren Leſern, welche Luther noch nicht genauer kennen, mit. D. R. **) Eutycher ſind Ketzer, welche die göttliche und meuſch⸗ liche Natur Chriſti vermengen, was u. a. auch Schwenkfeld that. D. R. ſchlecht will verdammt ſein.“ Sie ſind oft genug, auch ernſtlich genug vermahnet, von mir und vie⸗ len andern, die Bücher ſind am Tage. Und gehet noch täglich unſer aller Predigt wider ihre läſterliche und lügenhaftige Ketzerei, welches ſie wohl wiſſen. Derhalben michs gleich nicht wenig befremdet, und mir Gedanken macht, daß Schwenkfeld ſo körre und kühne iſt worden, ſich mit Schriften und Büchern an mich zu machen, weil er weiß, oder ja wiſſen ſollt, daß er mein unverſöhneter Feind iſt: erſtlich in dieſer Sachen des heiligen Saeraments, welches er in der Schleſien zu eitel Brod und Wein gemacht hat, ſo viel tauſend Seelen ver⸗ führet, dafür keine Buße gethan, ſondern, wie Sa⸗ lomo ſagt Sprüchw. 3, 35., exultat in rebus pessimis, als hätte er wohl gethan, und doch gedenkt, der Luther müſſe ſeiner Briefe und Bü⸗ cher froh werden. Denn daraus ſollte wohl ein ſolcher Wahn erwachſen, als wäre der Luther mit dem Schwenkfeld und den Schwärmern gut eins, und hätte alles widerrufen, nähmen und gäben einander Briefe und Bücher, als gute Freunde ꝛc. Zwar mir iſt auch wohl zuvor oft angezeiget, als ſollten ſich die Schwärmer rühmen, ich wäre mit ihnen eins; welches ich nicht habe wollen gläuben, weil es keiner öffentlich von ſich hat wollen ſchreiben. Aber mit dieſer Weiſe ſollt mir wohl der Glaube in die Hände kommen, ehe ichs mich verſähe. Es iſt wahr, funfzehn Jahr ſind es, daß zu Marburg (Anno 1529) Zwingel und Oecolampad, und wir etliche zuſammen kamen, und uns vertrugen in vielen Artikeln, die ganz chriſtlich ſind, wie der gedruckte Zeddel zeuget; aber im Artikel vom Sacrament bleibts ſtecken, alſo, daß wir ſonſt ſollten gute Freunde ſein, da⸗ mit das ſcharfe Schreiben gegen einander ruhen möchte, ob GOtt mit der Zeit durch unſer Gebet wollt hierin auch einträchtigen Verſtand geben, und ich ziemliche Hoffnung hatte, weil der Zwin⸗ gel und die Seinen ſo viel guter Artikel nachga⸗ ben, es ſollte mit der Zeit der einige Artikel ſich auch finden. Und ward alſo zwiſchen uns eine Stille mit ſchreiben wider einander etliche Jahr. Indeß ward der Zwingel jämmerlich zu Felde von jenem Theil der Papiſten erſchlagen, und Oecolampad viel zu ſchwach, ſolchen Unfall zu tragen, darüber für Leide auch ſtarb. Welches mir auch ſelbſt zwei Nächte ſolches Herzeleid that, daß ich leicht auch hätte mögen bleiben; denn ich guter Hoffnung war ihrer Beſſerung, und doch für ihre Seele mich aufs höheſte bekümmern mußte, weil ſie noch im Irrthum vertieft, alſo in Sünden untergingen. Aber nach des Zwingels Tode ging ein Büch⸗ lein aus, welches er ſollt hart vor ſeinem Ende gemacht haben, mit Namen christianae fidei expositio, ad Christianum regem, etc.“) Solches ſollte ein Ausbund ſein über alle ſeine vorigen Bücher. Und daß es ſein eigen, des Zwingels, ſein mußte, gab die Art ſeiner wilden wüſten Reden, und ſeine vorige Meinung. Sol⸗ ches Büchleins erſchrak ich ſehr, nicht um meinet willen, ſondern um ſeinet willen. Denn weil er nach unſerm Vertrag zu Marburg ſolches hat mö⸗ gen ſchreiben, iſt's gewiß, daß er alles zu Mar⸗ burg gegen uns mit falſchem Herzen und Munde gehandelt hat, und müßte (wie auch noch) an ſeiner Seele Seligkeit verzweifeln, wo er in ſol⸗ chem Sinn geſtorben iſt, ungeachtet, daß ihn ſeine Jünger und Nachkommen zum Heiligen und Märtyrer machten. Ach HErr GOtt des Hei⸗ ligen und des Märtyrers! Denn in dieſem Büchlein bleibt er nicht allein ein Feind des heiligen Sacraments, ſondern wird auch ganz und gar zum Heiden; ſo fein hat er ſich gebeſſert, meiner Hoffnung nach. Das kannſt du dabei merken, unter andern Worten redet er denſelben König alſo an: Du wirſt dort ſehen in allerlei Geſellſchaft alle heilige, fromme, weiſe, männliche, ehrliche Leute, den Erlöſeten und Er⸗ löſer, Adam, Habel, Henoch, Noah, Abraham, Iſaac, Jacob, Juda, Moſen, Joſua, Gideon, Samuel, Pinhen, Eliam, Eliſeum, auch Jeſalam, und die Jungfrau Gottesgebärerin, davon er hat geweiſſagt, David, Ezechiam, Joſiam, den Täufer, Petrum, Paulum, Herculem, Theſeum, Socratem, Ariſtidem, Antigonum, Numam, Camillum, Ca⸗ *) Auslegung des chriſtlichen Glaubens. D. Red.