# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 04 27_S133 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Herzen reißen.“ Dem würdigen Beiſpiel des Herzogs folgten ſeine beiden Söhne, denen der Kaiſer das Interim zugeſchickt hatte, mit dem rnſten Befehl, ſich darnach zu richten. Da jedoch die darüber von ihnen befragten Prediger dasſelbe für ſchriftwidrig und gefährlich erklärten, ſo nah⸗ nen ſie es nicht an. Als nun der Kaiſer einen einer Räthe zweimal an Johann Friedrich ſchickte, nit dem Befehl, ſeine Prinzen anzuhalten, daß ſie dem kaiſerlichen Befehl Folge leiſteten, ſo antwor⸗ tete er hierauf ſchriftlich Folgendes: „Er ſei zwar als ein armer gefangener Fürſt Ihro Majeſtät, o viel ſein Leib und Gut betreffe, zu gehorſamen villig und bereit. Da aber Ihro Majeſtät be⸗ wußt, wie er hiebevor ſich gegen die beiden Herren Granvella wegen des Interims erklärt und warum er dasſelbe Gewiſſens halber nicht angenommen, ſo würden Ihro Majeſtät allergnädigſt ermeſſen, daß er ſeine Söhne das anzunehmen nicht heißen fönne, was er mit Gott und gutem Gewiſſen ſelbſt nicht einzugehen vermocht.“ Die Briefe, die er um dieſe Zeit an ſeine Gemahlin ſchrieb, ſind voll von Zeugniſſen ſeines lebendigen und geſunden Glaubens. „Ich habe (ſchrieb er einſt an ſie) meinen Willen Gott meinem HErrn heim⸗ geſtellt, denn ich ſei gefangen oder ledig, ich ſei lebendig oder todt, ſo bin ich ſein. Denn ſein Sohn, unſer lieber HErr Chriſtus, hat uns durch ſein Blut erlöſet; dem thue ich mich befehlen; ſo ſind ja meine Haare auf meinem Haupte alle gezählet, davon keines ohne ſeinen Willen fallen wird.“ Wie nun dieſer fromme und edle Fürſt bei Leb⸗ zeiten ſich allezeit als ein geſunder Sohn der Kirche erzeiget hat, auferzogen in den Worten des Glaubens, bleibend in dem, das er gelernet hatte, treu und feſt im Bekenntniß auch in Schmach und Gefäugniß, auch in Beraubung ſeiner Lande und in der Trennung von Weib und Kindern: ſo zeiget er ſich auch als derſelbe, nachdem etwa 12 Jahre nach ſeiner Befreiung und nach ſeiner Rückkehr in ſein Land, ſein Stündlein herzuſchlug, da er aus dieſem Jammerthale ſeine fröhliche Heimfahrt halten ſollte, um als ein geiſilicher König die unverwelkliche Krone der Ehren zu em⸗ pfangen. Am 21. Februar 1554 nemlich gefiel es Gott, zuvor ſeine fromme Gemahlin, Sibylla, von ſei⸗ ner Seite zu nehmen und zu ihrem Volke zu ſam⸗ meln. Da befahl der Herzog, man ſolle ihm einen Raum neben ihrem Sarge laſſen, und ſagte dabei: „ich will auch bald folgen.“ Dieſes geſchah denn auch ſchon zehn Tage dar⸗ nach am Zten März. Tages zuvor, ſo berichten die Augenzeugen, hat er ziemlich in der Frühe ſeine Beichte und Bekenntniß des Glaubens aufs herrlichſte und ſchönſte gethan, darnach um acht Uhr das hochwürdige Saerament des wahren Leibes und Blutes unſers HErrn JEſu Chriſti empfangen. Um neun Uhr hat er ſeine Söhne erfordert und ihnen unter Anderem nach der Länge Fürhaltung gethan, „daß ſie ja bei Gottes Wort unverrückt bleiben und ſich zu kei⸗ ner Corruption oder Verfälſchung desſelbigen be⸗ wegen laſſen ſollten; würden ſie Solches thun, ſo würde ſie Gott, unangeſehen, daß allenthalben um 132 ſie her Krieg und Gefahr möchte ſein, unter den Flügeln ſeiner Gütigkeit gnädiglich ſchützen und erhalten und dasjenige, das ihnen auch durch Gottes Gnade an den Orten des Landes ihrer Fürſtenthum blieben wäre, zu Fried und Nutz gedeihen laſſen. Würden ſie aber wanken und einige Corruptelen, Schmuck und Prätext (Vor⸗ wand) einnehmen, ſo würde Gottes Segen und Gnade mit ihnen aus ſein; das würden ſie gewiß erfahren.“ Als ihn in ſeinem Leiden der Hofßprediger, Magiſter Stolz, getröſtet, ſo hat er darauf mit ſtarker Sprache geantwortet: „lieber Magiſter, ich weiß das, lebe ich, ſo lebe ich dem HErrn, ſterbe ich, ſo ſterbe ich dem HErrn, deſſen bin ich ge— wiß.“ Am 3. März des Morgeus, als der Herr Bi⸗ ſchof Amsdorf und andere etliche Räthe und Die⸗ ner bei ihm geweſen, hat er ſich ganz und gar mit inniglichem Gebet zu Gott gewendet, und für ſich ſelbſt ohne einige Ermahnung, mit dieſen Worten alſo auf dem Bett gebetet: „Erbarme dich mein, HErr Gott, ich bin ein armer Sünder, aber doch kann und will ich nicht verzagen an delner Güte und Barmherzigkeit, die ja viel tau⸗ ſendmal größer iſt, denn alle Sünde. Erbarme dich mein, um des lieben Sohnes willen; denn alſo ſteht geſchrieben: alſo hat Gott die Welt ge— liebet, daß er ſeinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren wer⸗ den, ſondern das ewige Leben haben.“ Darnach hat er ſeine Hände in einander geſchloſſen und geſprochen: „HErr, in deine Hände befehle ich meinen Geiſt!“ Da hat ihn der Biſchof gefragt: „Gnädigſter Herr, Ihr ſterbet doch auf den einigen Gottesſohn und glaubet dieſem Spruch: Alſo hat Gott die Welt geliebet u. ſ. w., von Herzen?“ Da hat er geantwortet: Ja, Ja! und iſt alſo allgemach verſchieden, daß man nicht hat können an den Geberden merken, daß er ſtürbe. Alſo iſt der hohe theure Fürſt, Bekenner und Märtyrer JEſu Chriſti in bußfertigem Glauben und Bekenntniß ſeines und aller Gläubigen Hei⸗ lands und Seligmachers IEſu Chriſti, welchen er für aller Welt und wider alle Anfechtung be⸗ kennet und bezeuget hat, ruhiglich und ſeliglich entſchlafen und durch den Tod ins ewige Leben, Herrlichkeit und Seligkeit hindurchgedrungen. So weit der Bericht. Der gnädige und barmherzige Gott wolle doch auch in dieſer letzten und betrübten Zeit, ſtatt unioniſtiſcher Weichlinge mit unſicherem Gewiſſen und getheiltem Herzen, ſolche gotiſelige Fürſten in unſerm alten Vaterlande erwecken, die da ſeien und bleiben Söhne der rechtgläubigen, dermalen lutheriſch genaunten Kirche, gegründet im Worte Gottes, feſt im Glauben, treu im Bekenntniß, weiſe im Rath, ſtark in der That, geduldig in Trübſal, fröhlich in Hoffnung, die da anhalten am Gebet — Fürſten, die da ſeien Kinder im Glauben, Männer in der That, Alte im Rath, Väter im Regiment — Fürſten, die von Grund ihres Herzens, aufrichtig und lauterlich ſeien Un— terthanen und Knechte Gottes des Allerhöchſten, hochgelobet in Ewigkeit. Amen! Möchte doch aber auch der Glaubensmuth und die Bekenntnißtreue dieſes theuern Fürſten ein heilſamer Bußſpiegel für alle Prediger ſein, die, urſprünglich der lutheriſchen Kirche angehörig, hier ſogar ohne Zwang und Drang, aus Mangel an Ehrfurcht vor Gontes Wort, wie es einfältig⸗ lich lautet, aus Mangel an gründlicher Erkennt⸗ niß der einen ewigen Heilslehre der heiligen Schrift, wie ſie das lutheriſche Bekenntniß zuſam⸗ menfaßt, aus unreifem pietiſtiſchem Gefühlsglau⸗ ben, aus Liebedienerei und Menſchengefälligkeit, das edle Kleinod der reinen Lehre dahingeworfen haben und mit Irrgläubigen, hier und in Deutſch⸗ land, in jene ſchriftwidrige falſche ſogenannte kirchliche Union eingegangen ſind, die jedoch der SErr gerade dazu gebraucht hat und noch ferner gebrauchen wird, die lutheriſche Kirche aus ihrem Schlafe aufzurütteln und auch zum Bekenntniß der wahren Union zu erwecken, die da iſt und allein ſein kann in einem Glauben, Bekennt⸗ niß und Lehre in allen Artikeln der Wahrheit zur Seligkeit. — (Eingeſandt.) Die Waffen der Kirche. Vor allem wird IEſu Herz unſere Augen hin⸗ leiten auf die Waffen, mit welchen wir ſtreiten. Er thut es bei Zebedäi Söhnen ſtrafend und be⸗ drohend mit den Worten: „Wiſſet ihr nicht, weß Geiſtes Kinder ihr ſeid?“ Daas iſt ein höchſt wichtiger Punkt im Chriſtenthume, als welchen der Apoſtel Paulus ihn auch hinſtellt, wenn er ſagt: „Ob wir wohl im Fleiſche wandeln, ſo ſtreiten wir doch nicht fleiſchlicher Weiſe. Denn die Waffen unſerer Ritterſchaft ſind nicht fleiſch— lich, ſondern mächtig vor Gott, zu ver⸗ ſtören die Befeſtigungen.“ (2 Cor. 10, 3. A.) Gewöhnlich geht es mit einer jeden neuen Erweckung wie mit der erſten Erſcheinung des Chri⸗ ſtenthums, als die Jünger noch an IEſu Seite wandelten: das Maß muß gelernt werden, die rechte Stärke und Kraft aus der Höhe muß erſt kommen: es gibt wohl feurige Seelen, brennende Herzen, aber es fehlt ihnen gewöhnlich die Er— fahrung, die erſt in der Liebe IEſu ihre Schule macht und erſt beim Gnadenſtuhle, durch ſtetes Weilen davor, ihre Augen klärt; dieſe Liebe iſt es, die die ſtrauchelnden Jünger hier umfängt, ihre ungewiſſen Tritte nach und nach gewiſſer macht, die die Regel darreicht, welche alle Waffen heiligt und ſalbt: „des Menſchen Sohn iſt nicht gekommen, der Menſchen Seelen zu verderben, ſondern zu erhalten.“ Denn die Waffen der Kirche ſind nicht Feuer, oder Strang, oder Einſperrung, oder Hunger, oder Zwangstrieb — leider hat man oft genug Chriſti Namen damit verunehrt und gerechten Grund dazu gegeben, daß die Welt den guten Namen der Kirche läſterte — ſondern die vollkommen an⸗ genommene Liebe der Wahrheit und die vollkommen dargelegte Wahrheit in Liebe; es ſind mit andern Worten das Zeugniß der Wahrheit, die Bitte an Chriſti Statt, *** —