# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 04 27_S131 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) uüheben und zu allgemeinerer Bekanntſchaft zu ringen, die ſeine ungeheuchelte Ehrfurcht vor zottes Wort und ſeine darauf gegründete Be⸗ mntnißtreue in das hellſte Licht ſiellen — Züge, ie mit der unioniſtiſchen Zerfloſſenheit und Liebe⸗ ienerei heutiger Prediger und Theologen, die ur⸗ »rünglich der lutheriſchen Kirche angehörten, im härfſten Widerſpruch ſtehen und dieſen zu einem eilſamen Bußſpiegel dienen können. Es iſt bekannt, daß die evangeliſchen Fürſten nd Städte, die dem Kaiſer ihr Glaubensbekennt⸗ iß 1530 zu Augsburg überreichten, und ſolche, ie ſpäter hinzutraten, den ſogenannten Schmal⸗ aldiſchen Bund ſchloſſen — ein Vertheidigungs⸗ ündniß, das ſie eingingen, nicht als einzelne Flieder der evangeliſchen Kirche ſchlechthin, ſon— ern als chriſtliche Fürſten und Obrigkeiten, de⸗ ſen es oblag, ihre Unterthanen und Untergebenen pider die drohenden Angriffe des Kaiſers und der nächtigen katholiſchen Fürſten zur Ausrottung er evangeliſchen Lehre und zur Wiederherſtellung er papiſtiſchen Gräuel, auch mit den Waffen in er Hand zu beſchützen, wo es die Noth erfordere. Da wäre es nun, nach menſchlicher Anſicht und Berechnung, keine geringe Verſtärkung dieſes Bundes geweſen, wenn man auch die oberdeut⸗ chen Städte, die es in der Lehre mit Zwingli und en Schweizern hielten, als Glieder aufgenommen zätte. Der Landgraf Philipp von Heſſen nun, das andere Haupt des Bundes, neigte auch nicht venig dahin, wie er denn überhaupt dann und vann Fleiſch für ſeinen Arm hielt. Nicht ſo aber der theure Kurfürſt; da jene Städte der falſchen eehre Raum gegeben hatten und von dem einfa⸗ hen Wortverſtande der heiligen Schrift abgewi⸗ hen waren, auch trotz aller gründlichen Ueber⸗ weiſung, zumal durch Luthers Schriften, bei ihrer Irrlehre verharrten, ſo ſetzte ſich Johann Friedrich auf das Entſchiedenſte ihrer Aufnahme entgegen, denn ſie ſeien nun einmal nicht Eins mit den Augsburger Confeſſionsverwandten in Gottes Wort und Glauben und führeten Artikel der Lehre, die wider die heilige Schrift liefen; demgemäß könne man ſich mit unverletztem Ge⸗ wiſſen auch nicht einmal zur äußerlichen Abwehr fremder Gewalt mit ihnen vereinigen und es könne unmöglich auf ſolcher Union der Segen Gottes ruhen. Was würde dieſer gotlesfürchtige und gewiſ⸗ ſenhafte Fürſt wohl dazu ſagen, wenn er jetzt plötzlich aus dem Grabe erſtünde und ſähe, wie dermalen ſogar lutheriſche Prediger und Gemein⸗ den in Haufen, von dem unioniſtiſchen Taumel⸗ und Schwindelgeiſt ergriffen, ſich ſelbſt kirchlich mit den Irrgläubigen vereinigen und ohne Aus⸗ gleichung der widerwärtigen Lehre eine ſogenannte unirte Kirche bilden? Wie müßte er ſich billig vor dem ſtumpfen Gewiſſen, dem erſchrecklichen Leichtſinn und der Nichtachtung des göttlichen Wortes entſetzen, wenn er hörte, wie gerade die angeblich gläubigen Wortführer und Gelehrten der ſogenannten Unirten ſich erfrechen, die zwie⸗ ſpaltigen Lehrſtücke, wie z. B. die von den heili⸗ gen Sacramenten, als Nebenlehren, und die hei⸗ ligen und gewiſſen Einſetzungen und gnadenrei⸗ — 1³⁰ chen Stiftungen des HErrn Chriſti alſo anzu⸗ ſehen, daß es der Willkühr und dem Belieben des Einzelnen anheimfiele, wie man ſie verſtehen und deuten wolle, entweder wie die Worte lauten und der fleiſchlichen Vernunft widerſprechen, oder wie ſie dieſer zuſagen und dem einfachen Wortver⸗ ſtande widerſprechen? O wie ganz anders ſiand da der bekenntnißtreue Kurfürſt, der ferne von dem ſchändlichen Leichtſinn war, als ſei irgend⸗ welcher Artikel der Heilslehre eine Nebenlehre, und der auf das Höchſte den gottesläſterlichen Wahn und das ſataniſche Gaukelwerk verabſcheute, als habe Gottes Wort und die Wahrheit zur Se⸗ ligkeit irgendwo einen ungewiſſen, mehrdeutigen, wo nicht gar entgegengeſetzten Verſtand und ſei nicht wie ein Felſen, ſondern wie die bewegliche Meereswoge. Denn als der Legat des Pabſtes Paul III., P. Vergerius, ihm 1535 die Meldung that, daß der Pabſt darauf aus ſei, möglichſt bald ein Con⸗ cil zu veranſtalten, und als der Geſandte hiebei den Kurfürſten vor zu großem Vertrauen auf Luther und deſſen Lehre warnte, erwiderte Johann Friedrich: „Unſere Lehre bedarf aus Gottes Gnade nicht großer Beſſerung, Rechtfertigung oder Ur⸗ theil eines Conciliums, denn ſie ſteht nicht auf Menſchenwahn und Weisheit, die da irren und fehlen können, ſondern auf dem harten, ſtarken und feſten Felſen des Wortes Gottes, das da blei⸗ bet in Ewigkeit, und das auch die hölliſchen Pfor⸗ ten nicht zu überwältigen vermögen.“ Das iſt freilich eine andere und ehrlichere Rede, als die jetzigen Unionstreiber vorzubringen pflegen. Denn obſchon ſie in ihrem Haß wider das luthe⸗ riſche Bekenntniß und in böswilliger Verdächti⸗ gung des ſelben, als wolle es ſich neben, wo nicht über die heilige Schrift ſtellen, dieſe letztere im⸗ mer verſchieben und viel Gepränges mit ihrer Ehrfurcht und Liebe zu Gottes Wort treiben, ſo iſt doch keine Aufrichtigkeit und Lauterkeit dahin⸗ ter. Oder wie könnten ſie ſonſt z. B. die Ein⸗ ſetzungsworte des heiligen Abendmahls als unbe⸗ ſtimmt und ungewiß anſehen und die eine feſte und gewiſſe unwandelbare Wahrheit derſelben in⸗ ſofern leugnen, daß ſie behaupten, dieſe Worte könnten dieſen und jenen (lutheriſchen und refor⸗ mirten) Inhalt haben, je nachdem ſie aufgefaßt würden? — Am herrlichſten aber offenbarte der edle Kur⸗ fürſt die Standhaftigkeit ſeines Glaubens und die Treue ſeines Bekenntniſſes zur Zeit des Un⸗ glücks und der Trübſal. Bis daher nemlich hatte der liebe Gott dem mächtigen ſtreng katholiſchen Kaiſer Karl V., deſſen Lieblingsgedanke es war, das weltliche Haupt der ungetheilten abendländi⸗ ſchen Chriſtenheit und des einen heiligen römi⸗ ſchen Reiches zu ſein, bald von Weſten her den König Franz I. von Frankreich, bald von Oſten her den türkiſchen Sultan, Soliman II., auf den Hals gehetzt, bald ihn in Mißverhältniſſe mit dem Pabſte oder ſogar mit den katholiſchen deutſchen Fürſten verwickelt und ihn dadurch gehindert, die Bekenner der Augsburgiſchen Confeſſion mit Krieg zu überziehen und mit Waffengewalt zu dämpfen. Denn Gott wollte der gereinigten Lehre und der erneuerten Kirche Zeit und Frieden geben, ſich auszubreiten und zu bauen, unter ſich zu wurzeln und über ſich Frucht zu tragen, Län⸗ der und Völker mit ihrem ſüßen Geruch zu durch⸗ ziehen und unter ihren Schatten zu ſammeln. Auch hatte die Fürbitte. Luthers, des Mannes Gottes, die größeren Trübſale bis daher aufge⸗ halten, wie er denn bekanntlich bezeuget hat, daß, ſo lange er lebe, kein größerer Krieg hereinbrechen ſolle. Als dieſer Gerechte aber, mehr betrübt und bekümmert durch den fleiſchlichen Sinn und die Undankbarkeit ſo mancher Maulchriſten unter den Evangeliſchen, als durch den Haß und die Bosheit der Feinde, weggerafft war vor dem Un⸗ glück und im Frieden im HErrn entſchlafen, und als zugleich die gereinigte Kirche ſoweit erſtartt und befeſtigt war, um ſtärkere Stürme ertragen zu können und gerade dadurch wieder von man⸗ cherlei unlauterm neuen Beiſatz gereinigt zu wer⸗ den: da verhängte es Gott alſo, daß der Kaiſer die Macht der evangeliſchen Fürſten und Städte brach und mit ſiegreichen Waffen ſie nacheinander einzeln bezwang. Da ward denn auch der Kur⸗ fürſt Johann Friedrich 1547 bei Mühlberg an der Elbe vom Kaiſer geſchlagen und gefangen, damit in ſolcher Nacht des Unglücks das Licht ſei⸗ nes Glaubens um ſo herrlicher glänze und ſeine Be⸗ kenntnißtreue in der nun folgenden fünfjährigen Gefangenſchaft eine Glaubensſtärkung werde nach allen Seiten in den Tagen der Trübſal, die jetzt über die Kirche hereinbrachen. Zuerſt ließ ihn der Kaiſer „als einen Geächte⸗ ten und Rebellen“ wider alle beſtehenden Reichs⸗ geſetze zum Tode verurtheilen. Dies Urtheil wurde dem Kurfürſten bekannt gemacht, als er eben mit dem Herzog Ernſt von Braunſchweig, der mit ihm gefangen worden war, Schach ſpielte. Er hörte es mit der größten Standhaftigkeit und unerſchrockenem Muthe an und antwortete nichts als: „er meine, Kaiſerliche Majeſtät werde etwas gnädiger mit ihm verfahren; ſollte es aber Ernſt ſein, ſo möchte man es ihm gewiß. ſagen, damit er noch wegen ſeiner Gemahlin und Kinder die nöthigen Verfügungen machen könne.“ Hierauf ſpielte er wieder mit aller Gegenwart des Geiſtes fort und äußerte, da er in dem Spiele den Sieg davon trug, die Freude, die man mit dem unbefangenſten Gemüth bei der Erhal⸗ tung eines ſolchen Sieges ſonſt zu fühlen pflegt. Durch die Fürſprache des Kurfürſten Joa⸗ chim II. von Brandenburg und des Herzogs Mo⸗ ritz von Sachſen jedoch gelang es, daß der Kaiſer von der Vollziehung jenes Urtheils abſtand. Doch mußte der Kurfürſt die drückendſten Bedingungen eingehen, als z. B. die Kurwürde und alle ſeine Lande, außer dem Schloß, Stadt und Amt Gotha, abtreten und, ſo lange es dem Kaiſer be⸗ liebe, ſein Gefangener bleiben. Alles dies be⸗ willigte Johann Friedrich; aber in dem Artikel in Betreff der Religion blieb er feſt und unbe⸗ weglich. Der Kaiſer verlangte nemlich, der Kurfürſt ſolle ſich anheiſchig machen, Alles anzunehmen, was das (vom Pabſt veranſtaltete) Concilium zu Trient (wo der Pabſt nicht Parthei, ſondern + *