# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 04 27_S130 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) er Cutheraner. „Gottes Mort und Tuthers Kehr' vergehet nun und nimmermehr.“ —— * Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Beuigirt von C. F. W. Walther. Zahrgang 6. No. 17. 5t. Louis, Mo., den 16. Tpril 1850. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jaͤhrlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. E=Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt ann enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. alten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. (Eingeſandt von Dr. Sihler.) Bekenntnißtreue des Kurfürſten Johann Friedrich von Sachſen. Wenn wir ſehen, wie in dieſer unſerer Zeit ſo viele tauſend Lutheraner, Prediger und Nicht⸗ Prediger, durch den Satan, in der Geſtalt des Engels des Lichts von der Einfältigkeit in Chriſto verrückt und durch das Blendwerk und Gaukel⸗ ſpiel der jetzigen ſchriftwidrigen Union gleichſam bezaubert ſind: ſo iſt zweierlei höchſt tröſtlich und erquicklich für jeden ehrlichen und rechiſchaffenen Lutheraner, der nüchtern und beſonnen feſthält an dem Glauben der heiligen chriſtlichen Kirche von Anbeginn, wie dieſer auf Gottes feſtem und ge⸗ wiſſen Worte, wie es lautet, begründet und in den lutheriſchen Bekenninißſchriften noch näher aus⸗ gelegt und erklärt iſt. Das Eine nun gehet auf die Zukunft und be⸗ ruhet in der gewiſſen Hoffnung und Zuverſicht, daß das Wort Gottes und die ein für alle Mal darauf gegrünpete Lehre ewiglich bleibet, allen Irrthum überwindet, alles Menſchengemächte zu Boden ſtößt, alle falſche Union wieder auflöſ't, alle Bezauberung vernichtet, alle Nebel zerſtreuet und, als die alte und ewig neue Sonne der Wahr⸗ heit, wieder um ſo herrlicher hindurchſtrahlet und hervorglänzet. Das Andere aber, was nicht minder tröſtlich und erquicklich iſt, gehet auf die Vergangenheit, die aus ihrem reichen Schatz an Geſchichte und Erfahrung liebliche und kräftige Glaubensſtär⸗ kung mannigfach darbietet. Hier aber gibt es nun wiederum für ſolches Labſal keine edlere und herrlichere Zeit, als die der Reformation ſelber, da der HErr ſich wieder aufgemacht hatte, ſeiner Kirche mächtiglich zu helfen, und da Er inſonderheit durch ſein auser⸗ wähltes Rüſtzeug, unſern theuern Vater und Leh⸗ rer, Dr. Martin Luther, dieſen Mann voll Glau⸗ bens und Heiligen Geiſtes, das Licht ſeines Wor⸗ tes ſcheinen ließ in die Finſterniß der Menſchen⸗ ſatzung und der Teufelslehre, da die Nacht verging, der Tag aber herbei kam, da das ſüße und gnadenreiche Evangelium die Gefangenen errettete und losmachte die Kinder des Todes, da die Stimme Chriſti ſeine Schafe wieder ſammelte und ſie erlöſete aus den Händen der Miethlinge und Treiber und aus dem Nachen des hölliſchen Wolfes. Zweierlei aber wiederum iſt es, das uns aus jener großen und bewegten Zeit, der größten un⸗ leugbar nächſt der der Apoſtel, mit ſo friſchem Le⸗ benshauche anweht und mit ſo ſüßkräftiger Er⸗ quickung durchdringt. Das Eine iſt die Macht und Herrlichkeit der reinen Lehre ſelber, die, ent⸗ zündet an dem Lichte des göttlichen Wortes, den Irrthum und die Lüge in all' ihrer mannigfalti⸗ gen Mißgeſtalt offenbar machte und in ihre verborgenſten Schlupfwinkel verfolgte und ans Licht zog, Jung und Alt mit lauterer Erkenniniß der göttlichen ſeligmachenden Wahrheit erfüllte. Das Andere aber ſind die mächtigen, glau⸗ bensſtarken, bekenntnißtreuen, erfahrungsreichen, kampfgeübten, in Kreuz und Anfechtung bewähr⸗ ten Streiter JEſu Chriſti, die aus der reinen Lehre erwuchſen, eben ſo kühn als beſonnen, eben ſo muthig als geduldig, eben ſo ſtark als weiſe, eben ſo mild als kräftig — Helden, die in der Geſchichte der Kirche berühmter ſind, als die Hel⸗ den David's in der ſeines Königreiches — Hel⸗ den, die auch mehrere und gewaltigere Feinde mit dem Schwerte des Geiſtes, welches iſt das Wort Gottes, darniederſchlugen, als die Helden Davids mit dem Schwerte des fleiſchlichen Armes. Zu dieſen Helden gehören nun freilich vornehm⸗ lich die damals vom Heiligen Geiſte ſonderlich er⸗ weckten und begabten Lehrer der heiligen Kirche, ein Luther, Melanchthon, Bugenhagen, J. Jonas, Myconius, Brenz u. a. m., die in dem Vorder⸗ treffen ſtanden und zuſammengeſchaart um das Panier des reinen Bekenntniſſes und angethan mit dem Harniſch Gottes, den Satan, den Pabſt und die Schwärmer theils in offener Feldſchlacht ſchlugen, theils ihre Veſten und Bollwerke er⸗ ſtürmten. Es gehören aber auch zu dieſen Helden, wenngleich im zweiten Treffen, alle andere glau⸗ bensmuthige und bekenninißtreue Zeugen aus allerlei Ständen, wie z. B. Fürſten, Edelleute, Staatsbeamte, Rechtsgelehrte, Aerzte, Künſtler, Dichter, Gelehrte, Handwerker u. ſ. f., denn aus all dieſen verſchledenen Berufsarten hatte die damalige Zeit auserleſene Jünger Chriſti aufzu⸗ weiſen. Was aber alle dieſe nach Stand, Beruf, Bil⸗ dung, Glücksgütern und geiſtigen Gaben, Ge⸗ müthsart und ſonſtiger Eigenthümlichkeit, ſo ver⸗ ſchiedenartigen Männer ſo lebendig durchdrang, und ſo innig vereinte, das war die Einheit und Reinheit des kirchlichen Be⸗ kenntniſſes. Gleichweit von dem abergläubi⸗ ſchen Zuthun der Papiſten, wie von dem ungläu⸗ bigen Abthun der Schwärmer, eben ſo feindlich gegen die Zweifel und Bedenken der fleiſchlichen Vernunft, als wider die vorgeblichen innerlichen Erleuchtungen und Offenbarungen des Heiligen Geiſtes außer und über der heiligen Schrift, viel⸗ mehr feſthaltend am einfältigen Verſtand des Wortes Gottes, wie es lautet, durchaus Eins im Glauben, in Erkenntniß und Bekenntniß, in der Lehre und Wehre machten ſie keine Union, ſon⸗ dern ſie waren die einzig mögliche Union nach Epheſ. 4, 3—7., denn wiedergeboren durch die eine Taufe, verbunden zu einem Leibe, beſeelt von einem Geiſte, bekennend und bethätigend den einen Glauben, Wohn⸗ und Werkſtätte des einen HErrn und Gottes waren ſie alle wahr⸗ haftige Brüder in Chriſto und geſunde Söhne der Kirche, mannhafte Zeugen und Bekenner derſel⸗ ben göttlichen Wahrheit, in allen Artikeln der heilſamen Lehre; und wie ſie Eins geworden wa⸗ ren in einem Glauben, Bekenntniß und Lehre, ſo thaten ſie auch Fleiß, zu halten und zu bewah⸗ ren die Einigkeit im Geiſt durch das Band des Friedens. Zu dieſen edlen und trefflichen Söͤhnen der hei⸗ ligen Kirche gehörte denn auch der Kurfürſt Johann Friedrich von Sachſen, mit dem Zunamen der Großmüthige, d. i., wie wir jetzt reden würden, der Hochherzige. Wir über⸗ laſſen es einer geſchickteren Feder, den ganzen Le⸗ bens⸗Abriß dieſes ausgezeichneten Fürſten unſern Leſern einmal vorzuführen, und beſchränken uns hier darauf, aus ſeinem Leben ſolche Züge heraus⸗