# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 04 02_S128 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) geſetzt alle Larven und Geſpenſter unchriſtlichen Weſens und Gepränges. Nun ſie aber nicht rechte Biſchöffe ſind, oder auch nicht ſein wollen, ſondern weltliche Herren und Fürſten, die weder predigen, noch lehren, noch taufen, noch commu⸗ niciren, noch einiges Amt der Kirchen treiben wollen, dazu diejenigen, die ſolch Amt berufen treiben, verfolgen und verdam men, ſo muß dennoch um ihretwillen die Kirche nicht ohne Diener blei⸗ ben. Darum wie die alten Exempel der Kirchen und der Väter uns lehren, wollen und ſollen wir ſelbſt tüchtige Perſonen zu ſolchem Amt ordiniren. Und das haben ſie uns nicht zu verbieten noch zu wehren, auch nach ihren eigenen Rechten, denn ihre Rechte ſagen, daß diejenigen, ſo auch von Ketzern ordinirt ſind, ſollen ordinirt heißen und bleiben.“ Ferner ſagt Luther Seite 368: „Hieraus ſieht man, daß die Kirche Macht hat, Kirchendiener zu wählen und ordiniren. Darum, wenn die Biſchöffe entweder Ketzer ſind, oder tüchtige Per⸗ ſonen nicht ordiniren wollen, ſind die Kirchen vor Gott nach göttlichem Recht ſchuldig, ſich ſelbſt Pfarrherren und Kirchendiener zu ordiniren. Ob man nun dieß wollte eine Unordnung oder Zer⸗ trennung heißen, ſoll man wiſſen, daß die gottloſe Lehre und Tyrannei der Biſchöffe daran ſchuld iſt.“ Ferner ſagt die Conſtitution der Synode Artikel 4, Anmerkung 3: „Auch maßt ſich dieſer Körper nicht das ausſchließliche Recht an, Can⸗ didaten für das Lehramt zu prüfen und zu ordi⸗ niren, denn eine jede Gemeinde hat die Freiheit, tüchtige Perſonen zu ihren Lehrern zu wählen, und einzelne Prediger haben das Recht, ſie zu dieſem Amte zu weihen. Dieſes erhellt aus dem Gebrauch err erſten Chriſten (Concordia) ſowohl als aus der heiligen Schrift. Die Gemeine zu Jeruſalem wählte Matthias durchs Loos an Judas Iſcha⸗ rioth Statt.“ — Meine in der Bibel, dem Con⸗ cordienbuch und der Conſtitution der Synode ge⸗ gründete Ordination erklärten die Herren Rudiſill, Good und Morkert, als Beamte der Synode, für null und nichtig, und verlangten, daß ich ſie ſollte aufgeben. Welche Bosheit! Da ich aber dieß nicht thun konnte, ſo wurde ich ausgeſchloſſen. Meine Gemeinden behielten mich jedoch dem⸗ ungeachtet zu ihrem Prediger. In Folge deſſen und meiner rechtmäßigen Ordination verrichtete ich auch alle actus ministeriales (Amtshandlungen). Darüber wurde ich von dem Ehrw. Präſes Rudi⸗ ſill gerichtlich verklagt, und es gelang ihm auch, durch ſeine Gründe folgende Anklage den 31. Aug. bei der Grand Jury gegen mich zu bewirken: „For undertaking to solemnize marriage without license.“ Dieſe Klage wurde den 20. Febr. 1850 vor Herrn W. W. Wick, Präſes⸗ Richter des 'ten Diſtricts von Indiana, und den Gehülfsrichtern Ira Bailey und J. B. Lucas in Shelbyville, Shelby Co., Ind., unterſucht. Die Zeugen für den Staat waren: C. Rudiſill, A. Treon und Documente. Meine Zeugen waren der Ehrw. Präſes der Indianapolis Synode J. F. Iſenſee und die Brüder A. Brandt, A. und D. Müller. Außerdem hatte ich noch über zwan⸗ zig Zeugen, welche beweiſen konnten, daß Rudiſill und Genoſſen weder in Lehre noch Praris luthe⸗ 12² riſch ſind; jedoch waren dieſe nicht nöthig, da der Richter ſich dahin erklärte: „Der Verklagte hat ſein Recht mit drei Gründen bewieſen.“ Den Ausgang dieſer Klage ſammt dem Vorher⸗ gehenden habe ich nicht nur darum im „Luthe⸗ raner“ einrücken laſſen, um meine lieben Amts⸗ brüder davon in Kenniniß zu ſetzen, ſondern auch um der Wahrheit willen und der Pflicht willen, welche ich gegen Gott, die Kirche und mich ſelbſt habe, und daß meine Amtsbrüder ein rechtes Ur⸗ theil wieder über mich bekommen.“) J. F. Lautenſchlager, Paſtor der ev.⸗luth. Kirche. Freudigkeit und Gewißheit der Schwärmer und Gottloſen und Blüdigkeit der Recht⸗ gläubigen und Frommen. Zu unſerer Zeit iſt's zumal ärgerlich und ſchwer, daß die Rottengeiſter ſo trotzlich reden, als wären ſie ihrer Sachen alſo gewiß, daß ſie auch dürfen ſchwören und Trotz bieten mit dem jüngſten Ge⸗ richt Gottes. Das iſt die Art der Gottloſen, daß ſie blutſicher und frech ſind, und ohne alle Scheu freveln. Ein rechtſchaffener Chriſt iſt voller Furcht, Zappelns und Schreckens, und kann's zu ſolcher Sicherheit nicht bringen; aber die Gottloſen ſind wie ein Demant, haben keine Furcht noch Scheu, ſorgen nicht, ob jemand ihr böſes Weſen rächen werde, ſondern ſchlechts ſicher und frech dahin⸗ gegangen, als wäre es alles vergeſſen ewiglich. Pſ. 10, 5. und 94, 4. Solches iſt allhie (bei Chriſti Kreuzigung) angezeiget nach der Hiſtorie, auf daß wir uns an der Gottloſen Kühnheit nicht ärgern, auch nicht darüber kleinmüthig werden. Als: Wir gläuben an IEſum Chriſtum, daß er unſer HErr ſei, welcher uns vertreten kann und will wider alle unſere Feinde; aber was geſchieht? Er läßt uns zuweilen ſtecken, gleich als wäre kein Gott, der ſich unſer annehmen wolle, und ſcheinet vor unſern Augen nichts anders, denn als ſein wir ganz und gar verlaſſen, alſo, daß auch unſere Widerſacher das Geſpötte und Spiel daraus treiben. Das thut den Chriſten aus der Maßen wehe, daß ſie bei und in ſich ſelbſt fühlen, greifen und ſehen eitel Furcht und Zappeln, wiederum aber bei dem andern Theil eitel Sicherheit, Trotz und feſten Muth. Aber wir müſſens lernen ge⸗ wohnen. Chriſtus am Kreuze hat ſolches ſelbſt verſuchen und erfahren müſſen. Dennoch heißt's: Alle Dinge währen eine Weile und hat alles ſeine Zeit. Luthers Auslegung des 18. bis 20. Capitels des Evangel. Johannis. Opp. VIII., 969—70. —— Wer den ſtillen Freitag und Oſtertag nicht hat, der hat keinen guten Tag im Jahr, das iſt, wer nicht gläubet, daß Chriſtus für ihn gelitten und auferſtanden iſt, mit dem iſt es aus. Denn da⸗ her heißen wir auch Chriſten, daß wir den Chri⸗ *) Da dieſe Klage auch entſchieden hat und noch ent⸗ ſcheidet, wer die ev.⸗Iuth. Synode von Indiana iſt, ſo haben wir, der ſiegende Theil, uns entſchloſſen, die Synode auf⸗ recht und die Gemeinden beiſammen zu halten, um ſie wie⸗ der auf den rechten Standpunkt der lutheriſchen Kirche zu⸗ rück zu bringen. D. O. ſtillen Freitag ſehe ich meine Sünden noch wohl, ſtum können anſehen und ſagen: Lleber HErr, du haſt meine Sünde auf dich genommen, und biſt Martinus, Petrus und Paulus (hier kann jeder Leſer auch ſeinen Namen mit hereinſetzen) gewor⸗ den und haſt alſo meine Sünde zertreten und ver⸗ ſchlungen; da ſoll und will ich meine Sünde ſu⸗ chen, dahin haſt du mich auch geweiſet. Am aber am Oſtertage iſt ein neuer Menſch Ind eine gar neue Hand worden, da ſiehet man keine Sünde nicht mehr: dieß alles haſt du mir ge⸗ ſchenket, und geſprochen, du habeſt meine Sünde, meinen Tod, und meinen Teufel Üüberwunden. Luther.. Aus dem Western Missionary erfahren wir, daß nun auch die ſogenannten „Albrechtsleute“ hinter ihren Milchbrüdern, den lieben Methodi⸗ ſten, nicht zurückbleiben und durch Anlegung einer Miſſion in Deutſchland auf unſere dortigen Landsleute Jagd machen wollen. Neue Carlſtadts. Aus dem „Lutheran Observer“ erfahren wir, daß vor kurzem eine Convention von Predigern zu Syracuſe den Titel D. D. Doctor of Divinity, Doctor der Gottesgelahrtheit) als einen Ehren⸗ titel und als Bezeichnung eines theologiſchen Grades verworfen, und erklärt hat, daß dieſer Titel jedem Lehrer der Chriſtenheit zukomme; die beſcheidenen Herren empfehlen daher, daß man von nun jeden Prediger einen Doctor der Theo⸗ logie nenne. Wohin doch die Geiſtler gerathen! Es iſt ſchon ſeltſam genug, daß eine gewiſſe Ge⸗ meinſchaft von Predigern dahier den Episkopalen zum Trotz auf dem Biſchofstitel beſteht. Das Nächſte, was nun zu erwarten ſteht, iſt, daß Laienchriſten eine Convention veranſtalten und beſchließen, von nun an den Titel: Prieſter und König“ anzunehmen. Wir ſind überzeugt, daß gläubige Chriſten zu dieſem Titel mehr berechtigt ſind, als die meiſten Prediger zu den oben ge⸗ nannten. Vergl. 1 Petri 2, 9. Offenb. 1, 6.; 5, 10. Die Mittelſtraße. Man ruft nicht übel: halte Maß, Und wandele die Mittelſtraß'! Nur ſei zu keinem Gang gewinkt, Da man nach beiden Seiten hinkt. Harms. (Eingeſandt.) Correſpondenz aus Deutſchland. Im September vorigen Jahres bin ich in Wit⸗ tenberg auf dem ſogenannten Kirchentage gewe⸗ ſen. Dort ging es ziemlich wirr durch einander, d. h. keine Einheit des Bekenntniſſes, manche widerwärtige Töne und einzelne helle Zeugniſſe. über die man ſich freute. In Preußen haben ſich, die ſogenannten Lutheraner in der Landeskirche eben da in Wittenberg einen Tag vor dem Kir