# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 03 19_S119 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) (Eingeſandt.) Die Indianapolis⸗Synode. Indianapolis, den 1. Febr. 1850. Vor einigen Tagen erhielt ich gelegentlich die Verhandlungen der Synode von Indianapolis und las in dem Jahresbericht des Präſideuten der Synode: 1) daß er mir „aus Gründen“ eine ehrenvolle Entlaſſung aus der Synode verſagt habe, und 2) daß die Conferenz (PP. Iſenſee und Hartmann) unterſucht habe, ob die Commit⸗ tee, die über meinen Brief berichtet, recht berichtet habe oder nicht. Es heißt ferner, daß alles zu Protokoll genommen und durch Namens⸗Unterſchrift der Vorſteher u. ſ. w. be⸗ ſtätigt ſei. Die über dieſen Gegenſtand Bericht erſtattende Committee findet durch oben erwähntes Protokoll die richtige und getreue Berichterſtat⸗ tung erſtgenannter Committee beſtätigt; nemlich, daß ich, bis fünf Wochen vor der Sitzung der Synode von Indianapolis 1848, eine gemiſchte Gemeinde bedient, die ich nicht meiner Ueber⸗ zeugung nach aufgegeben, ſondern die mich, weil ſie meines Dienſtes nicht mehr bedurfte, entlaſſen. Natürlich wird die Committee als gerechtfertigt erkannt und erklärt, und damit iſt Kunz verur⸗ theilt. Wie konnte es auch anders ſein, iſt doch wenigſtens ein Committee⸗Glied, das mich 1848 beſchuldigt, auch diesmal (1849) wieder Glied der Committee, die über das, mit ihrem eigenen Be⸗ richt ubereinſtimmende, Protokoll zu berichten hatte! Nachdem ich die Verhandlungen geleſen hatte, ging ich zu Herrn Iſenſee und ſagte ihm, daß er mir auf Anſuchen um meine Entlaſſung dieſelbe verweigert habe, aus dem einfachen Grunde: „obenerwähnte Sache liege noch zur Unterſuchung und Eutſcheidung vor“, und ich fragte ihn, was für andere Beweggründe er denn ſonſt gehabt, und verſchwiegen habe. Er erwiederte, daß dieß der Hauptgrund ſei, und gab keine anderen weiter an. Dahß er aber ſchreibt, er habe mir die Ent⸗ laſſung „aus Gründen“ verweigert, dadurch hüllt er die einfache Sache in ein ſolches Dunkel, daß kein Menſch, der es lieſ't, wiſſen kann, wie viele und gewichtige „Gründe“ den Präſidenten be⸗ ſtimmt haben, mir die Entlaſſung zu verſagen. Und ſehe ich mich alſo veranlaßt, das Dunkel durch das Licht der Wahrheit zu verſcheuchen. Hinſichtlich des zweiten Punktes konnte ich ihm, was die Richtigkeit des mehrerwähnten Berichtes der Committee betrifft, darthun, daß der Bericht derſelben, wie auch das von ihm aufgenommene Protokoll, was die Richtigkeit derſelben bezeugt und beſtätigt, Unwahrheit enthalte. Denn erſtens ſchreibt Herr Secretär Paſtor Hunger: „daß die Committee in ihrem Bericht den Hauptinhalt meines Schreibens verſchwiegen hat“, folglich kann die Berichterſtattung keine „richtige und ge⸗ treue“ ſein, wie die letztjährigen Verhandlungen genannter Synode ſagen. Zum andern erfuhr ich von Herrn Iſenſee, daß ſich die Committee auf die wenigen Familien beziehe, die nahe bei Cicero Town wohnen und die ich einige Mal beſucht habe. Irre ich nicht, ſo waren es vier Familien, die ſich förmlich von der Gemeinde trennten und 1¹1⁸ mich erſuchten, ſie mit dem Wort und Sacrament zu bedienen. Zwei der Familieng ehören der luthe⸗ riſchen und zwei der reformirten Kirche an. Ich legte ihnen einen Entwurf einer lutheriſchen Ge⸗ meinde⸗Ordnung zur Annahme und Unterſchrift vor, was ſie indeß nicht ſogleich thaten, worauf ich aber auch gerade nicht drang, da dieß Gewiſ⸗ ſensſachen ſind, die gewiſſenhaft erwogen werden ſollen, damit man nicht einem Menſchen zu ge⸗ fallen dieß oder das thue oder laſſe, ſondern aus Ueberzeugung der Wahrheit handle. Unterdeſſen kam die Zeit, daß einige Kinder und Erwachſene, die wenigſtens die fünf Hauptſtücke des kleinen Katechismus Lutheri mit Erklärung gelernt hat⸗ ten, confirmirt wurden, denen aber aus leichtbe⸗ greiflichen Urſachen (die Leute wohnen dreißig Meilen von hier) nur dürftiger Unterricht ertheilt werden konnte, und bei dieſer Gelegenheit reichte ich auch den beiden reformirten Familien das heilige Sacrament. Wohl hätte ich dieſes nicht eher thun ſollen, als bis ſie die Irrthümer der reformirten Kirche erkannt und ausdrücklich ver⸗ worfen, und die reine, ganze Wahrheit bekannt hätten. Hierin erkenne und bekenne ich gefehlt zu haben, indem ich auf ungewiſſe Hoffnung hin that, was ich erſt nach erlangter Gewißheit hätte thun ſollen. Nach meiner Anſicht ſind aber ſolche Leute noch nicht als Gemeinde und noch weniger als ge⸗ miſchte Gemeinde zu betrachten, denn ſie hatten ſich noch nicht als ſolche conſtituirt, und einen Antrag, ſich in eine rein lutheriſche Gemeinde zu organiſiren, noch nicht von der Hand gewieſen, wohl aber zum Theil ſolche Aeußerungen gethan, die das Beſſere hoffen ließen. Aber auch angenommen, daß ſie als Gemeinde, als gemiſchte Gemeinde angeſehen werden könn⸗ ten, ſo enthielt dennoch der Bericht der Committee und folglich das vom Präſidenten aufgenommene Protokoll, welches die Wahrheit des Erſteren be⸗ ſtätigt, Unwahrheit; denn dieſe Leute haben mich nicht entlaſſen, wie die Berichterſtatter ſagen, ſon⸗ dern nachdem die Gemeinde an der Cicero einen Prediger angenommen hatte, ſagte ich zu den Leu⸗ ten: wir wollten durch mein ferneres Kommen nicht den Schein geben, als ſetzten wir Mißtrauen in den Mann, ſondern ich wollte zurückbleiben, und ſie möchten dem Gottesdienſt beiwohnen, Beiträge entrichten u. ſ. w., ohne ſich jedoch ſo⸗ gleich an die Gemeinde gliedlich wieder anzu⸗ ſchließen. Und alſo blieb ich zurück. Somit hätte ich die Sache einfach dargelegt, und überlaſſe es ganz Ihnen, ob und wie viel Sie zu veröffentlichen für gut achten.“) 2c. 7c. J. G. Kunz. — Luther über die Trunkenheit. Siehe Auslegung des Propheten Joel [Ka⸗ pitel 1, 5—7.] Werke. Hall. A. T. VI. Seite 2183—89.) Wenn man der Welt Urtheil folgen will, was ) Wir haben das Schreiben vollſtändig mitgetheilt. D. R ſie davon hält, ſo wird es für ein ſchlecht Ding angeſehen, daß einer ein wenig einen Trunk zuviel thut, einen Rauſch überkommt und trunken wird. Und wenn du ſelber Richter ſein ſollteſt, ſo würdeſt du gewißlich nach deinem Bedünken alſo ſagen: daß ein Geiziger, Wucherer, und der andere Leute übers Seil wirft, vervortheilet und betrüget, mehr ſündiget und Unrecht thut, denn der gerne zecht, und wie man jetzt ſagt, einen Rauſch hat und fröhlich wird. Denn Trunkenheit wird gar für eine Privat⸗ und ſchlechte Sünde gehalten, wo ſie anders für Sünde gehalten wird. Denn wiewohl ſie ſonſt ihren Unrath und Strafe mit ſich bringet; doch, weil dieſelbigen eines jeden Privatperſon belangen, werden ſie für ſchlecht und geringe geachtet. Darum wird es nicht allein für keine Schande gehalten, ſondern ſchier jeder⸗ mann befleißiget ſich desſelbigen, als einer ziem⸗ lichen zugelaſſenen Fröhlichkeit und Ergötzung, dadurch Sorge und Bekümmerniß, Mühe und Arbeit vergeſſen wird. Alſo urtheilet und richtet die Welt. Wenn wir es aber recht bedenken und anſehen wollen, ſo müſſen wir bekennen und ſagen, daß Trunkenheit und Füllerei der allergrößten Sünden eine ſei, als die viel andere unzählige Sünden mit ſich zeucht und bringet. Wie denn auch die Heiden nicht allein die Schande, ſondern auch den großen Schaden, ſo dieſes Laſter bringet, ge⸗ ſehen und erkannt haben. Darum ſind viel ſchöne ehrliche Sprüche in derſelben Büchern vorhanden, darinnen mäßig und nüchtern ſein hoch gelobet und gepreiſet, Trunkenheit aber und Schwelgerei als die ſchädlichſte Seuche und Plage verdammt wird. Denn weil die wilden, unvernünftigen Thiere nicht mehr trinken, denn ſo viel ſie mögen und ihre Natur erfordert, ließen ſich ehe drüber zu tode ſchlagen, denn daß ſie mehr trinken, denn ſie gelüſtet; iſt es denn nicht eine Schande, daß ein Menſch, der doch von GOtt vor andern mit Ver⸗ nunft und Verſtand ſo reichlich begabet iſt, daß oft einer, der ein ganz Land, Fürſtenthum ꝛc. durch ſeine Geſchicklichkeit und Verſtand regieret, in dem nicht ſoll können Maß halten, und gleich⸗ ſam ſich ſelbſt ſoll ums Leben bringen? Vor ehrlichen Leuten öffentlich nacket und bloß gehen, ſich im Kothe wälzen, über Tiſche und Bänke ſpringen, iſt nicht menſchlich, ſondern vie⸗ hiſch; aber nicht weniger thun die wider die Na⸗ tur, ſo ſich mit überflüſſigem Trinken und Saufen beladen. Denn ſie verlieren damit dasjenige, ſo einem Menſchen allein vor allen andern Thieren gegeben iſt, nemlich Vernunft und Verſtand, und werden gar zu wilden und unvernünftigen Thie⸗ ren. Denn alle Gedanken, Worte, Geberden und Werke der Trunkenbolde ſind wild und unordig. Wo ſie erzürnet werden, iſt ihr Zorn nicht wit eines Menſchen, ſondern wie einer grauſamen Beſtie, ſo gar nicht kann bedeutet noch geſtillet werden. Sind ſie aber fröhlich (denn wie die Leute mancherlei Natur und Art haben, alſo er⸗ reget und machet der Wein im Herzen auch man⸗ cherlei Gedanken und Leben), hilf GOtt, wie ſelt⸗ ſam Gaukelſpiel treiben ſie? wie wüſte, ſäuiſch, wild und unzüchtig ſind ſie doch? dürfen ohne *I