# Der Lutheraner_Frankfurt am Main_Januar 1950_S5 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Nummer 1 Januar 1950 Seite 5 „...den.“ Selbst als er endlich nach Berlin übersiedelte, hat er den dortigen Gemeinden bis zuletzt mit Wort und Sakrament in Freudigkeit gedient. Schon längere Zeit litt er an einer heimtückischen Krankheit, die erst im Jahre 1947 erkannt wurde. Eine Operation hat die Wurzel des Leidens nicht mehr beseitigen können. Ohne zu klagen, hat er es geduldig getragen, bis Gott ihn heimrief. Von großem Segen war es, daß Kirchenrat Ziemer in den dunkeln Jahren nach dem Zusammenbruch zuerst von Jabel aus und dann in Berlin, unserer so schwer zerschlagenen Kirche als Präsident des Oberkirchenkollegiums noch wertvollste Dienste leisten und zu ihrem Wiederaufbau helfen konnte. Mit Freude erlebte er auch den Zusammenschluß mit der Sächsischen Freikirche. Denen, die ihn näher kannten, wird die ehrwürdige Patriarchengestalt des Vollendeten unvergeßlich bleiben. Am 2. Oktober 1949 durfte der Leidgeprüfte seine Augen schließen. Die Beisetzung seiner irdischen Hülle erfolgte am Vormittag des 7. Oktober auf dem stillen Dahlemer Waldfriedhof im Grunewald. An der Gruft wies Kirchenrat Lic. Kiunke mit dem Wort Philipper 3, 20—21 auf die gläubige Gewißheit der künftigen Verklärung unseres Leibes hin. In langem Zuge traten die im Talar anwesenden Pastoren mit ihren Voten an die Gruft; ihnen folgten die leidtragenden Familienmitglieder und die große Trauergemeinde. „Wie wird's sein, wie wird's sein, wenn wir ziehn in Salem ein!“ so klang die Abschiedsfeier aus. Nun ruht der treue Knecht im Frieden seines Herrn. Ihm folgt der herzliche Dank vieler Seelen und einer ganzen Kirche in die Ewigkeit nach. Grube Unter schwerem körperlichen Leiden schrieb wenige Tage vor seinem Tode der am 2. Oktober 1949 heimgegangene Kirchenrat Lic. Dr. Ernst Ziemer (Berlin) in der von ihm für den „Feste Burg“ Kalender auf den 31. Dezember 1951 erbetenen Betrachtung folgende Schlußworte: „Aber dennoch laßt uns fröhlich unsere Straße ziehen. Wir gehen ja nicht allein, nein, Jesus geht voran auf der Lebensbahn. Ja, Er geht mit uns. Gottes Gnade in Christo Jesu ist unser Schirm und Schutz. Darum darf und soll es bei uns immer heißen: „Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister Jesu geht herein…“ „Dennoch bleibst Du auch im Leide, Jesus, meine Freude.“ Jesus läßt uns nimmer allein. Darum fröhlich, immer fröhlich, weil ich bin in Jesu selig. Dazu segne uns Gott der Herr unsern Weg wie im alten, so im neuen Jahre!“ Joh. Ziemer Zur Einigung der Lutherischen Freikirchen In dem Einigungswerk der Lutherischen Freikirchen in Deutschland ist die Aufrichtung der Kirchengemeinschaft zwischen der „Evang.-Luth. Freikirche“ (Sächsische Freikirche) und der „Selbständigen Evang.-luth. Kirche“ (von Baden, Hessen und Niedersachsen) ein weiterer bedeutungsvoller Schritt. „Es mag manchen befremden, daß die lutherischen Freikirchen lange Jahrzehnte hindurch nicht zueinander gefunden haben. Der entscheidende Grund dafür war nicht die Freude am Separatismus und eigensüchtige Rechthaberei, sondern sie wollten ihres kirchlichen Weges gewiß sein (Ps. 119, 133) und bemühten sich in der Furcht Gottes, „zu haben ein unverletzt Gewissen allenthalben, beide gegen Gott und die Menschen“. (Ap. G. 24, 16). Hätten sich die Freikirchen mit der Feststellung begnügen können, daß bei ihnen allen die lutherischen Bekenntnisschriften rechtliche Geltung haben, so wäre ihre Einigung leicht gewesen. Es wird jedoch nach Wort Gottes erfordert, „daß eintrachtiglich nach reinem Verstand das Evangelium gepredigt“ wird (Augs. Konf. VII), und es steht fest, daß „zur Erhaltung reiner Lehre und zu gründlicher, beständiger und gottseliger Einigkeit in der Kirche vonnöten ist, daß nicht allein die reine Lehre geführt, sondern auch die Widersprecher, so anders lehren, gestraft werden“ (Vorrede zum 2. Teil der Konkordienformel). Diese nach Gottes Willen nötige völlige Einmütigkeit in Lehre und Praxis ist zwischen den genannten Freikirchen festgestellt worden. Das ist in der jetzigen Zeit der Lehrverwirrung, wo jeder Theologe das selbstverständliche Recht in Anspruch nimmt, seine eigene Theologie zu treiben, ein großes Gottesgeschenk. Für die Vereinigung ist gebetet und gearbeitet worden. Nachdem durch eingehende Besprechungen in den vergangenen Jahren die Einmütigkeit in der Lehre zwischen der „Hannoverschen Freikirche“ und der „Sächsischen Freikirche“ klar geworden war, wurden jetzt auch die Verhandlungen mit den übrigen Teilen der „Selbst. Ev.-luth. Kirche“ aufgenommen, die sich insonderheit auf die hohen Artikel der christlichen Lehre von Kirche und Kirchenregiment, Gemeinde und Predigtamt bezogen. Gerade weil keine Vereinigung um jeden Preis aus kirchenpolitischen Gründen erstrebt, sondern ein klares und festes Fundament des Bekenntnisses miteinander gesucht wurde, hatten diese Einigungsbemühungen eine Verheißung. So ist es eine echte Einigung geworden, und „unser Trost ist der, daß wir ein gut Gewissen“ (Hebr. 13, 18), und unsere Freude die, daß alle Gemeinden zugestimmt haben. Die Einigung der lutherischen Freikirchen bedeutet eine de-facto-Absage an alle unechten, unionistischen Zusammenschlüsse unserer Zeit. Die Freikirchen stehen zu ihrer Erklärung vom Juli 1948 gegenüber den unionsgebundenen Kirchen der EKD. Ihr Gewissen läßt ihnen keinen anderen Weg zu. Das wird dort besonders schmerzlich, wo bisher eine Zusammenarbeit landeskirchlicher und freikirchlicher Heidenmission bestand. So hat im Hannoverland die Frage der Hermannsburger Mission, die unter der Leitung des seligen Ludwig Harms und seines später freikirchlichen Bruders Theodor Harms von der Liebe und den Gaben beider Kirchen getragen wurde, neben dem großen Segen, den Gott geschenkt hat, auch viel Not gemacht und schließlich zur Neugründung einer freikirchlichen Heidenmission (Bleckmar) geführt. Die noch an der Hermannsburger Mission beteiligten freikirchlichen Gemeinden befinden sich laut ihrer Erklärungen im „Stand des Bekenntnisses“ und suchen in Festigkeit und Geduld einen klaren Weg, ohne ihr Bekenntnis in falscher Union zu verletzen. Die Vereinigung der lutherischen Freikirchen ist nicht nur eine Angelegenheit deutscher Lutheraner, sondern schlägt ihre Wellen bis hinüber nach Amerika, Afrika und Australien. Wo immer in der Welt lutherische Kirchen arbeiten — es sind großenteils Freikirchen — suchen sie den Weg zueinander. Es wäre den lutherischen Freikirchen in Deutschland eine herzliche Freude, wenn sie den Glaubensgenossen draußen in der Welt, die ihnen so viel Liebe in der Not erwiesen haben, mit ihrer Einigung auch einen Dienst erweisen könnten. Der ökumenische Gedanke ist heute ungeheuer stark. Ein kirchlicher Weltkongreß jagt den anderen. Man will einig werden, fängt es aber meist falsch an. Anstatt das Fundament des Gebäudes baut man zuerst den Dachstuhl und die schönen Vorbauten. Rechte kirchliche Einigung beginnt nicht mit gemeinsamen Gottesdiensten und Abendmahlsfeiern und Planung von gemeinsamen Werken der Mission und Sozialethik, sondern mit dem Suchen nach der Wahrheit und der Einmütigkeit in der Lehre und im Glauben. Gott schenkt die Frucht, wenn sie reif geworden ist. Die deutschen Freikirchen empfinden ihre Vereinigung als ein köstliches Gottesgeschenk. Nun können sie gemeinsam fröhlich an die großen Aufgaben gehen, die Gott ihnen stellt. Sie werden bei der Verschiedenheit ihrer Herkunft und ihres bisherigen Weges von einander lernen, mit einander arbeiten und in brüderlicher Liebe und Glauben wachsen am Leibe Jesu Christi. Gott schenke und erhalte der lutherischen Kirche eine „gründliche, beständige und gottselige Einigkeit!“ Die Schriftleitung. Mitteilung des Verlages Der Evang.-Luth. Volkskalender für 1950 befindet sich im Druck und wird voraussichtlich im Januar ausgeliefert. Leider haben noch nicht alle Gemeinden bei uns bestellt. Wir bitten, das möglichst sofort nachzuholen, damit wir beim Verlag die notwendige Anzahl anfordern können. Das Heft 6 der „Täglichen Hausandachten“ für die Zeit von Septuagesima bis Mittwoch nach Palmarum von G. Haertwig und Theo Willkomm erscheint demnächst unter dem Titel: Das Wort vom Kreuz. Wir bitten, auch hier möglichst sofort zu bestellen. Allen bisherigen Beziehern der Hausandachten wird das Heft 6 ohne neue Bestellung sofort nach Erscheinen zugesandt. Wer die Hausandachten bisher nicht bezogen hat, wird um sofortige Bestellung gebeten. Lutheraner-Verlag G. m. b. H. Frankfurt am Main, Taunusstraße 43