# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 03 19_S114 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Cutheraner. ** „Gottes Mort und Kuthers Xehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſonri, Ohio und anderen Staaten. VBelligirt von C. K. W. Walther. Zahrgang 6. St. Jouis, Mo., den 19. März 1850. No. 15. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle ther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſigeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſi enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Wa nd an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. Wie groß und verderblich der Irrthum der⸗ jenigen ſei, welche den Predigern des Evan⸗ geliums die Macht abſprechen, auf Erden Sünden zu vergeben. Daß die chriſtliche Kirche und daher auch die berufenen Diener derſelben die Macht haben, auf Erden Sünden zu vergeben, das iſt eine von den Lehren, durch welche ſich un ſere evangeliſch⸗lu⸗ theriſche Kirche von allen andern ſogenannten Kirchen merklich unterſcheidet. Von jeher hat nemlich unſere Kirche dieſe Lehre nicht etwa zag⸗ haft und verſchämt, ſondern mit großem Ernſt und mit der freudigſten Entſchiedenheit vor aller Welt bekannt. So heißt es unter anderem in dem urälteſten kleinen Katechismus Lutheri, dem Haupt⸗Schul- und Hausbuch unſerer Kirche: „Die Beichte begreift zwei Stücke in ſich, eines, daß man die Sünde bekenne; das andere, daß man die Abſolution oder Vergebung von dem Beichtiger empfange, als von Gott ſelbſt, und ja nicht daran zweifele, ſondern feſt glaube, die Sünden ſeien dadurch vergeben vor Gott im Himmel.“ Und in demſelben Büch⸗ lein wird dem Kirchendiener befohlen, die Frage an jeden Beichtenden zu richten: „Glaubeſt Du auch, daß meine Vergebung Gottes Vergebung ſei?“ worauf der Beichtende mit einem getroſten „Ja, lieber Herr“ antworten ſollte. Aber ſo ſoll in unſerer Kirche nicht etwa allein die Jugend heimlich gelehrt werden. Nein, als die Lutheraner, aus Füiſten, Rechtsgelehrten und Theologen be⸗ ſtehend, einſt im Jahre 1530 in Augsburg ihre Confeſſion, das iſt, ihr Glaubensbekenntniß, vor Kaiſer und Reich im Namen unſerer Kirche zu thun aufgefordert wurden, auch da verleugneten ſie die Lehre von der Macht der Kirche, Sünden zu vergeben auf Erden, kein esweges, ſondern be⸗ kannten dieſelbe frank und frei als ein theures Kleinod der rechten evangeliſchen Lehre, vor aller Welt. Alſo heißt es nemlich unter Anderem im 2ſten Artikel der Augsburgiſchen Confeſſion, dieſer Grundveſte, dieſem reinen Augapfel unſerer Kirche: „Dabei wird das Voll fleißig unterrichtet, wie tröſtlich das Wort der Abſolution zu achten, denn es ſei nicht des gegenwärtigen Menſchen Stimme oder Wort, ſondern Gottes Wort, der da Sünde vergibt, denn ſie wird an Gottes Statt und aus Gottes Befehl geſprochen. Von dieſem Befehl und Gewalt der Schlüſſel, wie tröſtlich, wie nöthig ſie ſei den erſchrockenen Gewiſſen, wird mit großem Fleiß gelehret, darzu, wie Gott for⸗ dert, dieſer Abſolution zu glauben, nicht weniger, denn ſo Gottes Stimme vom Himmel erſchölle, und uns dero fröhlich tröſten, und wiſſen, daß wir durch ſolchen Glauben Vergebung der Sün⸗ den erlangen.“ (Concordienbuch, New Norker Ausgabe. S. 41.) ö Hieraus iſt deutlich zu erſehen, daß unſere Kirche in ihrem herrlichen Grundbekenniniß auf die Lehre von der Abſolution ein ſo großes Ge⸗ wicht legt, daß der, welcher ſich von dieſer Lehre losſagt, unmöglich auf den Namen eines Luthe⸗ raners An ſpruch machen kann, ſondern einen ganz anderen Geiſt, als unſere Väter, haben und auf einem ganz anderen Glaubensgrunde ſtehen muß. Bekanntlich gehört aber dieſe Lehre zu denjeni⸗ gen, welche gegenwärtig von faſt allen Benen⸗ nungen und beſonders von der methodiſtiſchen Gemeinſchaft verleugnet, verworfen, als falſch und gefährlich dargeſtellt und auf alle nur mög⸗ liche Weiſe bekämpft werden. Man erklärt dieſe Lehre unſerer Kirche oder vielmehr des Wortes Gottes für ein Ueberbleibſel des Pabſtthums, für eine Erfindung herrſchſüchtiger Prieſter und für ein Ruhekiſſen fleiſchlicher, ſicherer Menſchen, die ſich nicht bekehren wollen. Vielleicht mancher Schwache iſt ſchon durch dieſe läſterlichen Reden gegen dieſe heilige Stiftung Gottes zweifelhaft und irre geworden! Was ſollen wir nun thun? Sollen wir etwa erkennen, daß unſere Kirche in dieſem Punkte von jeher irrig geweſen ſei? ſollen wir uns daher von ihr losſagen und eine neue Reformation des neunzehnten Jahrhunderts“) ins *) Es iſt wahrhaft ſpaßhaft zu leſen, wie ein gewiſſer Herr Naſeweis, genannt Lyon, in den letzten Nummern des methodiſtiſchen „Apologeten“ zeigt, was alles der lutheri⸗ ſchen Reformation fehle und wie ſie nun endlich von den Methodiſten und zu theuerſt von Sr. Allklugheit ſelbſt zu Stande zu bringen ſei. In der 580. Nummer verſpricht er, Werk zu richten ſuchen? — Das ſei ferne! — Geh mit mir, lieber Leſer, in Gottes Wort, ſo wirſt du finden, daß unſere Kirche auch in dieſer Lehre auf dem unwandelbaren Grunde dieſes göttlichen Wortes ſtehe und daß hingegen der Irrthum derjenigen, welche den Pre— digern des Evangeliums die Macht abſprechen, auf Erden Sünden zu ver⸗ geben, groß und verderblich, ja, größer und verderblicher ſei, als man denken möchte. Dieß geht erſtlich daraus hewor, daß da⸗ mit den klarſten Worten unſeres lieben HErrn JIEſu Chriſti widerſprochen wird. Dieß iſt ganz unleugbar, denn alſo ſprach Chriſtus einſt im letzten Jahre ſeines öffentlichen Lehramtes nach dem Berichte des Evangeliſten Matthäus (Cap. 16, 19.) zu Petro: „Ich will dir des Himmelreichs Schlüſſel geben. Alles, was du auf Erden binden wirſt, ſoll auch im Himmel gebunden ſein; und alles, was du auf Erden löſen wirſt, ſoll auch im Himmel los ſein.“ Damit man aber nicht denken möge, als habe Chriſtus dieſe Macht allein Petro gegeben, ſo ſetzte er nach dem Berichte desſelben Evangeliſten (Cap. 18, 18.) einige Tage nachher, als er ge⸗ zeigt hatte, wie die Kirche oder Gemeinde den Bann ausüben müſſe, hinzu: „Wahrlich, ich ſage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, ſoll auch im Himmel gebunden ſein; und was ihr auf Erden löſen werdet, ſoll auch im Himmel los ſein.“ Womit Chriſtus deutlich anzeigt, daß die Gewalt, Sünden zu vergeben und zu behal⸗ ten, nicht eine den Predigern neben der Gemeinde oder Kirche übertragene Gewalt, ſondern, wie un⸗ ſer Katechismus ſagt, „eine ſonderbare Kirchen⸗ gewalt“, d. h. eine der Kirche und nur ihr und ſonſt keiner Gemeinſchaft in der Welt eigenthüm⸗ zu entdecken, „was noch zu thun übrig bleibt, um die Kirche auf ihren Gottesfelſen zurückzuſtellen“. Aus welchen letz⸗ teren Worten der liebe Leſer erſiehet, mit welchem Dinge von Kirche es in dem Kopfe dieſes allerneueſten Reforma⸗ tors und „zweiten Luthers“ umgehet; es iſt dies nemlich ein Luftſchloß, bis dato ohne Grund, dem dieſer große Bau⸗ künſtler endlich einmal einen Felſengrund unterſtellen will. Wieder ein Beweis, daß wir in dem Zeitalter des Fort⸗ ſchritts leben. .