# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 03 05_S111 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) wiſſen, daß ſie das Gewiſſen nicht zu Ruh brin⸗ gen können. 5. Nun iſt gar ſchrecklich, ungewiſſe Lehre für gewiſſe vertheidigen wollen, und ob ſolcher unge⸗ wiſſen Sachen zu großer Spaltung und Krieg Urſache geben. 6. Denn wir wollen E. F. G. nicht bergen, daß die Zwingliſchen allhie rühmen, wie ſie gefaßt ſein mit Geld und Leut, was ſie vor Anhang haben fremder Nation. Item, wie ſie Bis⸗ thümer austheilen wollen, und frei werden. Und befremdet uns ſehr, daß ſie ſonſt viel von der Liebe rühmen, und ſich doch vernehmen laſſen in ſolchen Praktiken, darin man wenig Liebe, Gehorſam oter Geduld ſpüren kann: und wenn ſie ſchon rechte Lehre hätten, wäre doch ſolch Vornehmen, deß ſie ſich ſelbſt rühmen, nicht chriſtlich, dardurch eine ſchreckliche Zerrüttung der Kirchen und aller Regiment folgen müßte. Ach Gott! man ſollte doch die Nachkommen bedenken, welche zu beſor⸗ gen keine Kirch und kein Regiment haben werden, wo ſolch Aufruhr entſtehen würde. Zu dem allen ſorgen wir auch, daß ſolch ihr Vornehmen kein gut End nehme. 7. Dieß unſer einfältig Bedenken wolle E. F. G. nicht ungnädiglich verſtehen; denn Gott iſt unſer Zeuge, daß wir hierin nicht unſern Vortheil ſuchen, ſondern mit höchſtem Ernſt Gott bitten, daß er E. F. G. vor Irrthum und allem Uebel behüten wolle. Wir ſehen, daß der Teufel ein greulich Spiel im Sinne hat, darum iſt noth, daß wir nicht freventlich handeln. Wir haben E. F. G. in Eil kurz wollen antworten. Wo aber E. F. G. längeren Bericht von uns begehret, wollen wir, als wir uns ſchuldig erkennen, mit allem Fleiß nach der Länge Bericht thun. Gott bewahre E. F. G. allezeit. Den 11. Junii Anno 1530. Philippus Melanchthon. Joannes Brentius.“ „Mein Kind, wenn dich die böſen Buben locken, ſo falge nicht.“ Spr. Sal. 1, 10. Johannes Weller, der Vater des bekann⸗ ten Hieronymus Weller zu Freiberg in Sachſen, war wie mit anderen Tugenden, ſo vornehmlich mit der der Mäßigkeit und Nüchternheit rühm⸗ lichſt geſchmückt. Als ihn einſtmals Herzog Georg von Sachſen über das Maaß zu trinken nöthigen und bei ihm alles Vorbitten nichts mehr helfen wollte, brach endlich unſer Johannes Wel⸗ ler unwillig in die Worte aus: „Und wenn drei Herzöge über einander ſtünden, ſo wollte ich doch nicht über mein Vermögen trinken; iſt es denn dem Menſchen oder dem Viehe von Gott geſagt: Saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unor⸗ dentliches Weſen folget“? Epheſ. 5, 18. Be⸗ troffen ließ der Herzog mit ſeinem Zunöthigen nach. — Wie mancher nennt ſich einen Chriſten und entſchuldigt ſein Unmaaß im Trinken damit, man habe ihn zu ſehr genöthigt, obgleich ſein Verſucher noch kein Herzog war! Pfui, ſchäme dich. 111 Die jungen Kinder heiſchen Brod, und iſt Nie⸗ mand, der es ihnen breche. Klagel. 4, 4. Wie ſehr die Hungersnoth und das Elend zu den Zeiten des Schwabenkriegs in dem obern Theile der Schweiz, gegen Graubündten, über⸗ hand genommen habe, kann man aus folgender glaubwürdigen Erzählung eines damaligen Ge⸗ ſchichtsſchreibers und Augenzeugen abnehmen. Pirkheimer, ein tapfrer öſterreichiſcher Offizier, der mit ſeinen Soldaten über die Gebirge marſchirt war, macht davon folgende Schilderung: „Als ich in ein großes aber abgebranntes Dorf kam, traf ich am Ende des ſelben zwei alte Wei⸗ ber, welche 400 kleine Kinder wie eine Heerde Vieh vor ſich hertrieben. Sie waren alle vom ausgeſtandenen Hunger ſehr entſtellt und abge⸗ zehrt und gewährten einen ſchrecklichen Anblick. Ich fragte die Weiber, wohin ſie dieſe Armee von Kindern führen wollten? — Sie antworteten mir mit einem verwirrten Blicke, und konnten vor Mattigkeit und Schmerz kaum den Mund öff⸗ nen: „„das wirſt du bald ſehen!““ — Ich folgte ihnen nach. Vor dem Dorfe war eine große Wieſe; ſobald die Kinder dort ankamen, fielen ſie⸗ ſämmtlich auf die Knie, rauften das Gras mit den Händen aus, und verzehrten es mit größter Gier. Durch die Gewohnheit hatten ſie ſchon gelernt, die unſchmackhaften und ungeſunden Gräſer und Kräuter von den beſſern und geſun⸗ den zu unterſcheiden, und ſuchten vorzüglich die ſäuerlichen aus. — Ueber dieſes ſchreckliche Schau⸗ ſpiel ganz beſtürzt, ſtand ich eine Zeitlang wie verſteinert da, und konnte kein Wort reden. End⸗ lich ſagte eine von den Alten: „„Siehſt du nun, was dieſe Jammerſchaar hier thut? Ihre Väter ſind erſchlagen, ihre Mütter vor Hunger geſtorben, ihre Habe hat der Feind genommen und ihre Hütten ſind verbrannt. Wir elenden Weiber und dieſe armen Kinder wurden allein geſchont. Ach, wir hoffen, der Tod werde uns und ihnen bald ein Ende machen. Vor wenigen Tagen waren der unglücklichen Kleinen noch einmal ſo viel.“ — Heiße Thränen ſtürzten bei die⸗ ſer Erzählung mir aus den Augen; ich ver⸗ wünſchte den Krieg mit ſeinen ſchrecklichen Folgen.“ * So bald das Geld im Kaſten klingt, Die Seele in den Himmel ſpringt. Herberger erzählt in ſeinen „Trauerbinden“ folgende Geſchichte, die da zeigt, welche Früchte die betrügeriſche Lehre der Papiſten vom Fegfeuer und von dem Ablaß gebracht hat. Einſt kam ein liſtiger Kopf zu einem Ablaßkrämer und bat um Ablaß für 14 verſtorbene Glieder ſeiner Freund⸗ ſchaft. Nachdem man Handels einig geworden war und der Käufer die beſtimmte Summe erlegt hatte, fragte dieſer: ob denn nun die vierzehn auch wirklich aus dem Fegfeuer heraus ſeien? Der Krämer ſchwört ihm einen Eid zu Gott, daß ſie nun ganz gewiß im Himmel ſeien. Da ſpricht der Schalk: Herr, Gold iſt beſſer als Silber; gebt mir die kleine Münze wieder, ich will euch einen Ducaten dafür geben. Der Ablaßmann, nichts Arges ahnend, gibt hierauf dem verſchlagenen Ge⸗ ſellen das Geld zurück. Dieſer aber, dasſelbe einſtreichend, ſpricht: Dieſer Beutelſame iſt mir nöthiger als euch; mit den Seelen hat's nun keine Noth, da Ihr ſelbſt geſchworen habt, daß ſie ſchon im Himmel ſind. Gehabt euch wohl, lieber Herr. Mit welchen Worten er ſich aus dem Staube macht. Widerruf. Unſere Namen, die wir unter den gegen die Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten ge⸗ richteten und in Nro. 12—17. Jahrgang 1848 des „chriſtlichen Hausfreundes“ enthaltenen Auf⸗ ſatz mit unterzeichnet hatten, nehmen wir hiermit zurück. Buffalo den 21. Jan. 1850. Jakob Kraffert. Kaſpar Dopf. Carl Böttcher. Anmerkung der Redaction. Noch ehe Obiges an uns eingeſendet wurde, erhielten wir ein Schreiben von einem gewiſſen Herrn Carl Staufenbeil, der kurz zuvor, als der im Vorſtehenden widerrufene Schmähartikel von mehreren in Buffalo wohnhaften Individuen an die Redaction des weiland „chriſtlichen Haus⸗ freundes“ zur Veröffentlichung eingeſandt werden ſollte, nach Buffalo gekommen war und ſich hatte verleiten laſſen, den Artikel mit zu unterſchreiben. Auch Herr Staufenbeil drückt ſein herzliches Be⸗ dauern aus, die Unterſchrift geleiſtet zu haben. Oft wird die Wahrheit ſelbſt als Ketzerei verdammt, Da manches himmliſch ſcheint, das aus der Hölle ſtammt. E. G. Wolters dorf. (Eingeſandt.) Die Liebe des HErrn JEſu zu den Sündern. (Aus Dionys. Areopagit. epist. S. ad Demophil. I7I) Als ich einesmals in Kreta war, beherbergte mich der heilige Karpos (Biſchof daſelbſt, früher Tim. II. 4, 13. erwähnt), ein wegen ſeiner be⸗ ſonderen Gemüthsreinigkeit zur göttlichen Andacht faſt vor allen Anderen geſchickter Mann. Derſelbe pflegte niemals die heiligen Geheimniſſe des Abendmahls eher zu begehen, als ſich ihm Gott im Gebete, das gewöhnlich vorher geſchah, gnä⸗ dig zu erkennen gegeben hatte. Dieſem nun, wie er mir damals ſelbſt erzählte, hatte ein gewiſſer Ungläubiger großes Leid zugefügt, indem er Je⸗ manden von dem Glauben der Kirche zu ſeines Unglaubens Irrthum verführt hatte. Es ſiel eben das heidniſche Feſt Hilaria ein (den 25. März u. fg., zu welcher Jahreszeit Polykarp's Märtprertod ſich begeben hat), an dem er hätte ſollen für beide liebreich beten, und durch göttliche Hülfe den einen von Irrthum bekehren, den an⸗ dern durch Güte überwinden, und nicht ablaſſen ſein Lebenlang ſie zu ermahnen, ſo lange bis die Zeit der Buße vollendet wäre, und alſo ſie zur Erkenntniß Gottes wieder herbei zu locken, bis ihnen das Anſtößige und Dunkle aufginge, ſie