# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 02 16_S97 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Velligirt von C. F. W. Walther. Der Lulheraner. „Gottes Mort und Kuthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Zahrgang 6. 5t. Louis, Mo., den 19. Fehbruar 1850. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Lehre unſerer Kirche von dem Ende des Sab⸗ baths in der Zeit des neuen Teſtaments. J. Auszüge aus den ſymboliſchen Bü⸗ chern unſerer Kirche. Die es dafür achten, daß die Ordnung vom Sonntage für den Sabbath als nöthig aufgerich⸗ tet ſei, die irren ſehr, denn die heilige Schrift hat den Sabbath abgethan, und lehret, daß alle Cere⸗ monien des alten Geſetzes nach Eröffnung des Evangelions mögen nachgelaſſen werden, und dennoch weil vonnöthen geweſen iſt, einen gewiſ⸗ ſen Tag zu verordnen, auf daß das Volk wüßte, wenn es zuſammen kommen ſollte, hat die chriſt⸗ liche Kirche den Sonntag dazu verordnet, und zu dieſer Veränderung deſto mehr Gefallens und Willens gehabt, damit die Leute ein Exempel hät⸗ ten der chriſtlichen Freiheit, daß man wüßte, daß weder die Haltung des Sabbaths, noch eines an⸗ deren Tages, vonnöthen ſei. Es ſind viel unrich⸗ tige Disputationes von der Verwandlung des „Geſetzes, von den Ceremonien des neuen Teſta⸗ ments, von der Veränderung des Sabbaths, welche alle entſprungen ſind aus falſcher und irriger Meinung, als müßte man in der Chriſtenheit einen ſolchen Gottesdienſt haben, der dem leviti⸗ ſchen oder jüdiſchen Gottesdienſt gemäß wäre, und als ſollte Chriſtus den Apoſteln und Biſchöfen befohlen haben, neue Ceremonien zu erdenken, die zur Seligkeit nöthig wären. Dieſelben Irrthü⸗ mer haben ſich in die Chriſtenheit eingeflochten, da man die Gerechtigkeit des Glaubens nicht lauter und rein gelehrt und gepredigt hat. Etliche dis⸗ putiren alſo vom Sonntag, daß man ihn halten müſſe, wiewohl nicht aus göttlichen Rechten, ſtel⸗ len Form und Maß, wie fern man am Feiertage arbeiten mag. Was ſind aber ſolche Disputatio⸗ nes anders, denn Fallſtricke des Gewiſſens? Denn wiewohl ſie ſich unterſtehen, menſchliche Aufſätze zu lindern und epiiciren, ſo kann man doch keine epieikeian oder Linderung treffen, ſo lange die Meinung ſtehet und bleibet, als ſollten ſie vonnö⸗ then ſein. Nun muß dieſelbige Meinung bleiben, wenn man nichts weiß von der Gerechtigkeit des Glaubens, und von der chriſtlichen Freiheit. — Augsburgiſche Confeſſion, Artikel 28. (Seite 55. New Norker Ausgabe des Concordien⸗ buchs.) Darum gehet nun dies (dritte) Gebot nach dem groben Verſtande uns Chriſten nichts an, denn es ein ganz äußerlich Ding iſt, wie andere Satzung des alten Teſtaments, an ſonderliche Weiſe, Per⸗ ſon, Zeit und Stätte gebunden, welche nun durch Chriſtum alle frei gelaſſen ſind. Aber einen chriſt⸗ lichen Verſtand zu faſſen für die Einfältigen, was Gott in dieſem Gebot von uns fordert; ſo merke, daß wir Feiertag halten, nicht um der verſtändi⸗ gen und gelehrten Chriſten willen, denn dieſe be⸗ dürfens nirgend zu, ſondern erſtlich auch um leib⸗ licher Urſach und Nothdurft willen, welche die Natur lehret und fordert für den gemeinen Hau⸗ fen, Knechte und Mägde, ſo die ganze Woche ihrer Arbeit und Gewerbe gewarten, daß ſie auch einen Tag einziehen zu ruhen und erquicken, darnach allermeiſt darum, daß man an ſolchem Ruhetage (weil man ſonſt nicht dazu kommen kann) Raum und Zeit nehme, Gottes dienſt zu warten, alſo daß man zu Haufe komme, Gottes Wort zu hören und handeln, darnach Gott loben, ſingen und beien. Solches aber (ſage ich) iſt nicht alſo an Zeit ge⸗ bunden, wie bei den Juden, daß es müſſe eben dieſer oder jener Tag ſein, denn es iſt keiner an ihm ſelbſt beſſer denn der andere, ſondern ſollte wohl täglich geſchehen; aber weil es der Haufe nicht warten kann, muß man je zum wenigſten einen Tag in der Woche dazu ausſchießen. Weil aber von Alters her der Sonntag dazu geſtellet iſt, ſoll man's auch dabei bleiben laſſen, auf daß es in einträchtiger Ordnung gehe, und niemand durch unnöthige Neuerung eine Unordnung mache. Alſo iſt das die einfältige Meinung dieſes Ge⸗ bots, weil man ſonſt Feiertage hält, daß man ſolche Feier anlege, Gottes Wort zu lernen; alſo, daß dieſes Tages eigentlich Amt ſei das Predigt⸗ amt, um des jungen Volks und armen Haufens willen; doch daß das Feiern nicht ſo enge geſpan⸗ net, daß darum andere zufällige Arbeit, ſo man nicht umgehen kann, verboten wäre. (Luthers großer Katechismus. S. 381.) II. Auszüge aus Luthers Schriften. 1. In Luthers Schrift „wider die himmliſchen Propheten“ heißt es 8 44 51 und 58 —62 alſo: „Wohlan, wir wollen an den rechten Grund, und ſagen, daß uns dieſe Sündenlehrer und Mo⸗ ſaiſche Propheten ſollen unverworren laſſen mit Moſe, wir wollen Moſen weder ſehen noch hören. Wie gefället euch das, lieben Rottengeiſter? Und ſagen weiter, daß alle ſolche Moſaiſche Lehrer das Evangelium verleugnen, Chriſtum vertreiben, und das ganze neue Teſtament aufheben. Ich rede jetzt als ein Chriſte und für die Chriſten. Denn Moſe iſt allein dem Jüdiſchen Volke gege⸗ ben, und gehet uns Heiden und Chriſten nichts an. Wir haben unſer Evangelium und das neue Teſtament: werden ſie aus demſelben be⸗ weiſen, daß Bilder abzuthun ſind, wollen wir ihnen gerne folgen. Wollen ſie aber durch Moſen aus uns Jüden machen, ſo wollen wirs nicht leiden. „Wie dünkt euch? Was will hie werden? Das will werden, daß man ſehe, wie dieſe Rottengeiſter nichts in der Schrift verſtehen, weder Moſen noch Chriſtum, und nichts drinnen ſuchen noch finden, denn ihre eigene Träume. Und wir legen hie den Grund aus St. Paulo 1 Tim. 1, 9.: „„Dem Gerechten (wie denn ein Chriſt iſt) iſt kein Geſetz gegeben.““ Und Petrus Apoſtg. 15, 10.: „„Was verſucht ihr GOtt, den Jüngern die Laſt aufzu⸗ legen, welche weder wir noch unſere Väter ha⸗ ben mögen tragen? Sondern wir glauben durch die Gnade des HErrn JEſu Chriſti ſelig zu wer⸗ den, gleicher Weiſe wie auch ſie.““ Mit dieſem Spruch (gleichwie Paulus mit dem ſeinen) hebt auf St. Petrus den ganzen Moſen mit allen ſei⸗ nen Geſetzen von den Chriſten. „Ja, ſprichſt du, das wäre wohl wahr von den Ceremonien und Judicialibus, das iſt, was von äußerlichem Gottesdienſt und äußerlichem Regi⸗ ment Moſes lehret; aber der Decalogus, das iſt, die zehn Gebote, ſind ja nicht aufgehoben, darin⸗ nen nichts von Ceremonien und Judicialibus ſtehet. Antworte ich: Ich weiß faſt wohl, daß dieß ein gemeiner alter Unterſcheid geben iſt, aber mit Unverſtande; denn aus den zehn Geboten