# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 05 17_S76 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) geschaffen hat; sollte ihm denn unmöglich sein, daß das Brod Christi Leib, und der Wein Christi Blut sei, weil sein Wort da stehet, das er spricht Matth. 26, 26. u. s. f.: Nehmet, esset, das ist mein Leib; trinket alle daraus, das ist mein Blut des Neuen Testamentes, das vergossen wird für viele, zur Vergebung der Sünden? Ja, wenn der Bäcker zu mir sagte: Nimm hin, iß, das Brod ist mein Leib, und der Weinschenke zu mir spräche: Nimm hin, trink, der Wein ist mein Blut; so wollte ich auch sagen: Du lügst, wie ist das möglich? Ja, wenn auch der Priester aus seinem eignen Kopf solches vornähme und sein eigen Wort da redete, so wollte ich auch zu ihm sagen: Halt still, du lügst. Aber hier ist nicht Bäcker noch Weinschenke, nicht Priester noch Bischof, sondern Gott, allmächtiger Schöpfer Himmels und der Erde, 2 Cor. 6, 18., Ps. 33, 5. 6., ist hier Stifter und Anordner des Sacramentes, der spricht: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; Das ist der Kelch, das Neue Testament in meinem Blute, das für euch vergossen wird. Wer hat solches verordnet? Nicht ein Mensch, sondern Gott, der Himmel und Erde aus nichts erschaffen hat. Darauf soll man sehen, wer das Wort geredet habe; nicht wie es möglich sei, sondern wer diese Worte gesprochen habe, nehmlich kein Bäcker, Weinschenke, kein Priester; sondern Gottes ewiger Sohn, unser HErr JEsus Christus. Darum, sage ich, fehlt es den Rottengeistern und Schwärmern allein daran, daß sie nicht glauben, daß Gott allmächtig sei. Wenn sie das glaubten, so würden sie nicht disputiren und fragen, wie es möglich sei. Sie vergessen Gottes und seiner Allmacht und plaudern daher: Wasser ist Wasser, Brod ist Brod, Wein ist Wein; wie ist es möglich, daß Wasser sollte von Sünde und Tod erlösen? Wie ist es möglich, daß Brod Christi Leib, und Wein Christi Blut sein soll? Das wissen wir auch wohl und dürfen es nicht erst von den Schwärmern lernen, daß Wasser, Wasser; Brod, Brod; Wein, Wein ist. Aber hier mußt du nicht das Wasser, das Brod, den Wein ansehen, sondern den allmächtigen Sprecher, der spricht Joh. 3, 5.: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Ebenso Marc. 14, 22. 23.: Nehmet hin, esset, das ist mein Leib; trinket, das ist mein Blut. — Diesen Sprecher mußt du nicht aus den Augen thun, sollst du bei dem rechten Glauben und Verstand der Taufe und des Abendmahles bleiben. Siehe an die Schöpfung aller Creaturen 1 Mos. 1, 1.: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Wodurch? Durch sein Wort, wie Moses schreibt V. 3.: Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht. V. 6.: Gott sprach: Es werde eine Veste zwischen den Wassern u. s. w., und es geschah also. V. 9.: Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Oerter, daß man das Trockene sehe; und es geschah also. Das Sprechen thut es; wenn dieser Sprecher etwas spricht, das er haben will, so muß es geschehen. So nun Gott aus Nichts, allein durch sein Sprechen, Himmel und Erde, und alle Creaturen geschaffen hat; wie sollte er denn nicht vermögen, durch sein Wort und Sacrament auszurichten, was er will, sonderlich weil sein Wort dastehet, und solches zeuget? — Kommt nun ein Rottengeist, Wiedertäufer, Sacramentschänder und Schwärmer, und plaudert aus der Vernunft daher und spricht: Der Priester nimmt das Kind auf seine Hand, und begießt es mit Wasser, nimmt Brod und Wein zum Sacrament, spricht die Worte und reicht es dar den Leuten mit seiner Hand, legt den Leuten die Hand auf und absolvirt sie; wie sollte das Seligkeit geben? Ich sehe da Wasser, sehe Brod und Wein, sehe eines Menschen Hand. Wie kann Wasser selig machen? Wie kann eine sündliche Hand die Sünde vergeben? So sei du gerüstet und sprich: Lieber Mann, du mußt hier nicht ansehen des Priesters Hand, sondern den Sprecher, deß das Wort ist, das du in der Taufe, Absolution und Sacrament hörest. Derselbe Sprecher spricht also Matth. 28, 19.: Gehet hin, und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Ebenso Joh. 20,23.: Nehmet hin den Heiligen Geist, welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen. Ebenso Marc. 14, 22.: Esset, das ist mein Leib; trinket, das ist mein Blut. Solches thut zu meinem Gedächtniß. Und was dieser Sprecher spricht, das muß geschehen. Ob er schon dazu braucht Wasser, Brod, Wein, des Menschen Hand, als zum Instrument und Wahrzeichen; so sagt er doch, es solle sein Werk heißen. Was Menschen hier thun nach seinem Wort und Befehl, das will Er gethan haben. Dieser Sprecher ist allmächtig und hat alle Creaturen aus Nichts geschaffen; so ist er auch wahrhaftig. Weil wir nun sein Wort haben in der Taufe, Absolution und Sacrament, so sollen wir nicht zweifeln, sondern gewiß glauben, es werde geschehen, was uns das Wort saget; denn ihm ist nichts unmöglich, Luc. 1, 37, so kann er nicht lügen, Ebr. 6, 18. Ob wir schon sehen die arme, sündliche Hand des Priesters, so sollen wir uns doch das nicht irren lassen. Dieser Sprecher will den Teufel mit seinem Reich also zertreten, daß auch eines Menschen Hand durch die Taufe, durch die Absolution, durch das Wort und Sacrament die Menschen aus seinem Rachen reißen soll. Weil nun solches nicht Menschen Wort und Werk, sondern Gottes Wort und Werk ist, der allmächtig ist und nicht lügen kann; so sollen wir gewiß sein, daß, wer da glaubet und getauft wird, der soll selig werden, Marc. 16,16. Denn was der Priester hier thut nach Gottes Befehl, das thut Gott selbst. Darum, sage ich, die Rottengeister und Schwärmer, so nicht glauben wollen, daß die Taufe Vergebung der Sünden wirke, daß Brod und Wein im Sacrament, Christi Leib und Blut sei, daß die Absolution den Himmel aufschließe, haben noch nicht angefangen zu buchstabiren den Artikel im Kinderglauben: ich glaube an Gott, den allmächtigen Schöpfer. Aus dieser Ursache können sie auch keinen Artikel christlicher Lehre rein behalten. Denn wer da nicht glaubt, daß Gott allmächtig ist, der kann auch nicht glauben, daß die Taufe sei ein selig Bad zur Vergebung der Sünden; daß Brod und Wein im Sacramente sei Christi Leib und Blut; ja, kann nicht glauben, daß Gott sei Mensch geworden, und daß eine Jungfrau Gottes Mutter sei. Der Artikel, daß Gott allmächtig ist, erhält die andern Artikel alle: wenn der Artikel fällt, so fallen die andern Artikel auch. — Das ist nun die Summa davon, daß wir unsern Kinderglauben, auf den wir in der Taufe angeloben, denselben zu bekennen, und dabei fest zu bleiben, recht beten und verstehen lernen, wenn wir sprechen: Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde, nehmlich daß wir wissen, solches sei das Hauptstück und der Grund aller Artikel christlicher Lehre. Wer das Hauptstück setzet, der muß die andern Artikel, von der Auferstehung der Todten, von der Taufe, von der Absolution, vom Abendmahl u. s. w. auch setzen. Wer die andern Artikel leugnet, oder darüber disputirt, wie es möglich sei, der hat das Hauptstück, nehmlich Gottes Allmacht, ja seine Majestät und Gottheit, auch verleugnet. Denn es hängt alles zusammen, wie eine Kette, und schließen sich die Artikel zusammen und folget einer aus dem andern. Unser lieber Gott wolle uns bei rechtem Verstand des Glaubens erhalten: und vor scharfem Disputiren und klugen Fabeln, wie es St. Petrus nennt 2 Epist. 1, 16. menschlicher Vernunft, gnädiglich behüten. Amen. Protestanten mitten im Pabstthum. Vor sechzig Jahren ward bei Abbrechung eines Mönchsklosters in Ungarn in einer Zelle desselben ein in die Wand vermauertes kupfernes Kästchen mit einer Acte (schriftlichen Urkunde) gefunden, worin ein mit Namen genannter Mönch, noch lange vor der Reformation, sich mit Wehmuth vom Pabstthum feierlich lossagt, sein Glaubensbekenntniß, auf die Bibel sich stützend, rein evangelisch abfaßt, und Gott bittet, daß, da ihm sonst keine Wege offen wären, dieses sein so niedergelegtes Zeugniß am Tage des Gerichts für ihn gelten möge. Wie manchen redlichen Seelen mag's so gegangen sein und vielleicht noch gehen, die das im Pabstthum waltende Geheimniß der Bosheit (2 Thess. 2, 7. 8.) wohl erkannten, aber zu schwach waren, öffentlich aufzutreten und ihre Protestation allein in der Stille weinend und seufzend vor Gott niederlegten! Weit entfernt daher, daß die Römischen darüber jubiliren dürfen, wenn ihnen zugegeben wird, daß auch unter ihnen Kinder Gottes sich finden, so haben sie sich vielmehr vor diesen, die in ihrer Gefangenschaft schmachten, zu fürchten, denn die steten Seufzer, die denselben die Bedrängtheit ihres Gewissens auspreßt, sind stete Anklagen wider sie bei dem heiligen Richter im Himmel. (Siehe: Die Bibel, ein Werk der göttlichen Weisheit. Von Köppen. I. 686.) Des Christen Gerechtigkeit und Vollkommenheit. Alsdann sind wir gerecht, wenn wir uns selbst als Sünder erkennen, und wenn wir unsere Gerechtigkeit nicht in unserm eignen Verdienste suchen, sondern in der pur lauteren Barmherzigkeit Gottes; denn die Erkenntniß unserer Unvollkommenheit ist die Vollkommenheit eines Gerechten. Hieronymus, advers. Pet. 1. Quittung.—Für das zweite Halbjahr haben bezahlt die Herren: Alt, Anschütz, Breß, Pastor Bartels, Huch, Kleinschmidt, Ungemach. Für den ganzen Jahrgang: Hr. Faulstich. Gedruckt bei Weber und Olshausen.